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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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©eite” 909 Nr. 53 Dr. Blochs Wochenschrift. Erwähnung getan wird. Anderseits übergeht er es mit absichtlichem Stillschweigen, wo er es erwähnen sollte, so z. B. schreibt er in seiner monistischen Sittenlehre*), die monistische Ethik stimme vollkommen mit der christlichen überein. Das höchste Gebot sei das goldene Sittengesetz. Christus sprach dasselbe wiederholt in dem einfachen Satze aus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Nur fügt er gleich die historische Tatsache hinzu, datz dieses Grundgesetz nicht ein Verdienst Christi ist, vielmehr sei diese fünfhundert Jahre älter, und lätzt die ziemlich zweifelhaften Aussprüche des Pittakas, Kon-- sutse, Thales, Isokrates, Aristisest usw. über uns ergehen, in denen Anklänge an diesen Gedanken sich vorfinden, denen habe er das Grundgesetz entnommen: aber die eigentliche Stelle. 3. B. Moses, 19. Kap., 18. V.. wo dieser Satz Wort für Wort zu lesen ist, dem es wirklich entnommen wurde, wird von Hackel mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt. Hier ist nur eines von beiden Fällen möglich, datz entweder Bosheit und Hatz oder krasse Unwissenheit seine Feder leiteten. Seine Unwissenheit auf nicht biologischen Gebieten wurde übrigens von dem berühmten Petersburger Gelehrten Chwolson dargetan in einer Schrift, mit dem merkwürdigen Titel: „Hegel, Häckel, Kossuth und das zwölfte Gebot", in welchem wahre Keulenschläge des Geistes auf das Haupt des Hohenpriesters der^pdllosophia militans niedersausen.. An diese Schrift knüpft sich eine umfangreiche Polemik, die aber mit e i n e r N i e d e rlage Häckels endete. Fassen wir nun die Ergebnisse unserer Untersuchung zusammen. Wir haben gesehen, datz wir mit der mechanischen Erklärung allein nicht auskommen. Wir müssen ein ertramundanes, teleologisch wirkendes Prinzip an4 nehmen, einen primus?motor, einen Schöpfer, Gott. Wenn wir nun diesen erhabensten aller Begriffe voraussetzen, — und dies müssen wir, weil ja, wie wir gesehen, auch Darwin auf ein autzerhalb seiner Theorie stehendes, höheres Prinzip hinweist — so ist ja die ganze Descendenztheorie überflüssig, weil wir ja auf alle Fragen eine genügende Antwort haben. Und sollte es wahr sein, datz man gewisse Teile der Descendenztheorie in die biblische Schöpfungsgeschichte ohne grotzen Zwang hineininterpretieren könne, nun denn, so haben wir umsomehr Gelegenheit, die grotze Weisheit des Schöpfers zu bewundern. Herbert Spencer, der grotze Philosoph der Descendenztheorie schrieb zur Einleitung seines mächtigen Systems der synthetischen Philosophie die „Frist Principles“,, die sich mit dem Gegensatz des Glaubens und Wissens beschäftigten. Gleich einem gewissenhaften Kaufmanne rubriziert er in diesem Werke den realen Besitz alles menschlichen Wissens, wovon wir sichere Kenntnis haben, was nur zweifelhafter Besitz ist und endlich, wovon wir nichts wissen. Seine Untersuchungen enden beipi Agnostizismus, d. h. beim Nichtwissen oder, datz auch im menschlichen Wissen die Passiven grötzer als die Aktiven sind. Und dort, wo die Grenze der Wissenschaft ist, beginnt das Gebiet des Glaubens. Das grotze Unerkennbare (Unknowable) ist die Domäne der Religion. Nun, wir gehen ja nicht so weit, wie Spencer, uns. Ist die Religion mehr als das grotze asvlnm iguorantiae der Vernunft. Aber Tatsache ist es, datz der Glaube im Gemüte wurzelt und durch wissenschaftliche Erkenntnis sich nicht ergründen lätzt. Wer in der Geschichte der Philosophie bewandert ist, weitz^ datz der Pendel der Wissenschaft sich zwischen den Polen der mechanistischen und teleologischen Systeme bewegt. In den letzten Jahrzehnten waren Demokrit. Galilei, Spinoza, Darwin, also die mechanische Weltanschau¬ *) Ibiä. S. 140. ung im Vordergründe. Nun ist e!ine neue mächtige Schule unter Führung von Mach, Ostwald, Reinke. Neovitalisten usw. im Entstehen begriffen, die zur Aristoteles-Leibnizschen Teleologie zurückkehren. Deshalb ist es ratsam, alles vom höheren Standpunkte zu betrachten 8ub specie 'aetei ni. Jeder Naturforscher, mit jedem neuen Gesetze, das er den Erscheinungen ablauscht, beweist nur wieder den Schöpfer. Der Astronom, der mit seinem Teleskop die Grenzen des Universums erweitert und mit Hilfe der Spektralanalyse, die im grotzen Weltraum schwebenden Welten mit unserer Erde vergleicht: der Biologe, her durch die verbesserten Methoden der mikroskopischen Untersuchungen uns im Reiche der einzelligen Protisten einen unendlichen Formenreichtum offenbart und uns Einblick gewährt in das Reich der unendlich kleinen Lebewesen und der Zellgewebe, ferner die Tatsache, datz alle Lebewesen nach einem Grundplan gebildet sind und die Physik, die Einheit der Naturkräfte verkündet: all' dieses beweist, datz im ganzen Universum eine Gesetz-j mätzigkeit herrscht. Die Einheit der Natur aber verkündet die Einheit des Schöpfers. Menschliches Wissen ist beschränkt und erstreckt sich nur bis zu gewissen Grenzen. Kant, zeigte dies auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie. Spencer und der grotze Physiologe Dubois Reymond auf dem Gebiete der Naturwissenschaft. Die Grenzen des Naturerkennens — ignorabimus — können nicht überschritten werden, über diese hinaus erstreckt sich das Reich des Glaubens. Auch im idealen Reiche der Ideen wogt der Kampf ums Dasein. Es gibt lebensfähige Ideen, die aus diesem siegreich hervorgehen, andere wieder verschwinden spurlos in dem Ozean der Vergänglichkeit. Sehen wir ja in unseren Tagen, datz die von dem Ehepaar Curie entdeckten Radiumstrahlen das felsenfeste Gesetz von Robert Mayer, von der Erhaltung der Energie, zu erschüttern vermochte (also mittelbar auch das Häckelsche Substanzgesetz. welches das geistige Rückgrat des Monismus ist). Der menschliche Geist schreitet immer fort und wird es eine Zeit geben, wo der Kampf des Glaubens und des Wissens aufhören wird, weil zwischen beiden der Unterschied aufhören und der Glauben auch zum Wissen wird. Vom Aabrmarkt des Lebens. Blüten der fuperioren arischen Rasse nnd christlichen Zivilisation. In dem Verhalten gegenüber dem Hilflosen und Ohnmächtigen offenbart sich die edle Natur der Zivilisation und enthüllen sich die brutalen Instinkte barbarischer Raffen. An dieses Wort eines französischen Denkers erinnerte man fich in den letzten Tagen beim Lesen der entsetzlichen Berichte über das Eisenbahnunglück in Böhmen. Die furchtbare Eisenbahnkatastrophe vom 25. Dezember bei Uhersko hat dreizehn Todesopfer gefordert. Zahlreich find die Verunglückten und Schwerverwundeten. Nun meldet das „Prager Tagblatt": , „Dem leichtverletzten Postoffizianten Makowsky wurden sechs Ringe vom Finger, sowie eine Uhr aus der Tasche gezogen. Me Untersuchung bezüglich der abhanden gekommenen Wertgegenstände und Geldbriese wird eifrig fortgesetzt. In den Kreisen der Eisenbahner herrscht über diese Vorgänge die größte Entrüstung. Die Verletzten klagen darüber, dan die Landleute, welt-e nach der Katastrophe an die Unfallstelle geeilt waren ihnen nicht halfen. Ein Verletzter, dem d<-r Fuß gebrochen war und der im Schlamm des Bahndammes lag, bat die Umstehend n. idm zu helfen nnd ihn schon mit Rücksicht ans den herrschenden Regen unter ein Dach zu bringen. Die Landlente wandten dem Verletzten jedoch, ohne ihm zu helfen, den Rücken."

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