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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 910 Nr. 5 De. Blochs Wochenschrift. Das also ist das Resultat einer zweitausendjährigen Bolkserziehnng durch das arisch präparierte Christentum! Juden pflegen bei solchen Unglücksfällen für die Verunglückten eine Geldsammlung, eine Hilfsaktion eiuzuleiten; sie find und bleiben Söhne einer inferioren Raste. Und ein böhmischer Abgeordneter Myslivec erzählte im österreichischen Parlamente: »In dev Talmndvorschristen freilich stehe, daß das ganze Vermögen der Welt den Juden gehöre und es Sache der Juden sei, dieses Vermögen an sich zu bringen. Darum find die Juden manchmal nicht sehr skrupulös, wenn fie hie und da das Vermögen auf leichtere Weise in ihre Tasche bringen können." »Aber die Christen haben sehr scharfe Vorschriften in ihrem Gewissen, das e8 ihnen nicht gestattet, so zu manipulieren, wie es der Talmud erlaubt." JnBestättgung dieser gelehrten Ausführungen des böhmischen „Parlamentariers" haben seine Landsleute, Glaubens- und Stammesgenoffen am Tage des heiligen Christfestes eine Probelektion im „praktischen Christentum" vor aller Welt abgchalten und den Beweis erbracht von der ethischen Qualüät der gotterkorenen arischen Raste. Eine neue Rasse. Einen wertvollen Beitrag zur Rassenforschung enthält der jüngste amerikanische Regierungsbericht. In dem Berichte wird nämlich das vorläufige Ergebnis der Forschung einer wissenschaftlichen Einwanderungskommission, an deren Spitze Professor Boas von der Columbia-Universität steht, bekannt gegeben. Die betreffende Stelle des Berichtes lautet: Auffallend ist die rapide Aenderung der charakteristischen Merkmale der Eingewanderten kurze Zeit nach ihrer Ansiedlung im Lande. Kinder, die selbst kurze Zeit nach der Einwanderung ihrer Eltern hier geboren werden, wiesen wesentliche Veränderungen gegenüber ihren europäischen Eltern auf. Diese Differenzen entwickeln sich im frühesten Kindesalter.und prägen sich mit fortschreitendem Alter immer mehr aus. Hiebei wird der ganze Körperbau beeinflußt. Selbst die Form des Kopfes, die doch immer als hereditäre Charakteristika angesehen werden, unterliegen diesem Einflüsse. Amerikanische Kinder sind langschädlich, die Sizilianer sind rundköpfig. Am auffallendsten zeigt sich dieser merkwürdige Uebergang bei den Kindern osteuropäischer Juden, die überhaupt am leichtesten und raschesten dem Einflüsse unseres Klimas und unserer Lebensbedingungen unterliegen. Die Untersuchungen der Kommissionen erstrecken sich jetzt auf das Studium der Tschechen, Ungarn und Schotten. _ Dr. Zamenhof und der Papst. Vor einigen Tagen feierte der Begründer der Weltsprache Esperanto seinen fünfzigjährigen Geburtstag. Dr. Zamenhof, der Jude ist und als Arzt in Warschau lebt, wurde im Dezember 1859 in Bialystcck der Pogromstadt geboren. Die von ihm erfundene Weltsprache hat in der ganzen Welt Verbreitung gefunden. Interessant ist. daß besonders die verschiedenen christlichen Kirchen mit dem Papst an der (Spitze die von den Juden erfundene Esperanto spräche als bestes Mittel zur Verbreitung der christlichen Lehre durch die Missionäre deklariert haben. Anläßlich seines fünfzigjährigen Geburtsfestes hat sich ein internationales Komitee gebildet, daß durch Sammlung eines großen Zamenhof-Fonds die Verdienste des „großen Menschenfreundes" ehren will. Der Aufruf, der von 15 Preßkorporationen Amerikas, sowie 128 Esperantisten- und Friedensvereinen der ganzen Welt unterzeichnet ist, gibt auch bekannt, daß das Protektorat über diesen Friedenszweck vom Papst und 60 Staatsoberhäuptern ausgeübt wird. Die Beiträge nimmt die Bayerische Handelsbank in Hamburg entgegen. Dr. Zamenhof ist bereits Offizier der Ehrenlegion und Kommandeur des spanischen Ordens der katholischen Jsabella. Lina Morgenstern. Eine der verdienstvollsten Frauen, die fünf Jahrzehnte lang unermüdlich tätig war, wo es galt, wohlzutun, zu organisieren, Propaganda für neue Ideen zu machen und sie in die Praxis einzuführen, ist dieser Tage in Berlin aus dem Leben geschieden. Die kleine Frau mit dem großen Herzen, das in seltener Hilfsbereitschaft für alle diejenigen schlug, die zu den Enterbten dieser Erde zählten, ist viel zu wenig gewürdigt worden. Kaiserin Augusta zeichnete Lina Morgenstern zwar aus, wo sich Gelegenheit bot; sie begrüßte sie stets freundschaftlichst bei ihren Besuchen in den Volksküchen, deren Vorsteherin Lina Morgenstern war, sie verlieh ihr Orden und Geschenke anläßlich der Tätigkeit, die die Entschlafene in den Kriegsjahren 1866 und 70 entfaltete, wo es galt, Volksküchen an den Bahnhöfen zu etablieren und die durchziehenden Truppen zu speisen, aber eine Frau, wie Lina Morgenstern, die sich unermüdet Jahrzehnte laug in den Dienst des Allgemeinwohls gestellt, die vorbildlich für viele Tausende gewirkt, die eine neue Frauen-Generation bilden half und mit der Leuchte ihres Verstandes und ihrer wahrhaft einzigen Beredsamkeit für Fröbel'sche Erziehungslehre, Kinderschutz-, Hausfrauenvereine, Mädchenbildungs-Anstalten eintrat, durfte nicht, als ihre Schaffenskraft erlahmt war, von Streberinnen beiseite gedrückt werden. Das ist tatsächlich geschehen. Man hat die großen Verdienste, die sich Lina Morgenstern als Gründerin und Präsidentin fast aller in Berlin wirkenden Frauen- Wohltätigkeitsvereine im letzten Jahrzehnt erworben, fast vergessen. Das schmerzte die nicht ehrgeizige, aber ihr gutes Recht nicht geschmälert sehen wollende Frau bitter. Wer Lina Morgenstern in den Sechziger-Jahren in voller Tatkraft gekannt, wie sie in den verschiedensten Vereinen mit der ihr eigenen Beredsamkeit Vorträge über Fröbel'sche Kindergärten hielt, die Mütter, einem gottbegnadeten Priester gleich, dafür zu begeistern wußte, ihren Kindern zu leben, der mußte diese Frau lieben und ihrer Fahne folgen, als sie hernach, da die Kriegsdrommeten erschallten, ihri Getreuen zum Mithelfen um sich scharte. An allen Bahnhöfen hatte sie in den Kriegsjahren Ausspeisüngen veranstaltet, Lazarette etabliert, in denen täglich Hunderte verbunden, gelabt, getröstet wurden. „Die Lina rief und Alle, Alle kamen", selbst die eitelsten Weltdamen, die sonst nie zum Mithelfen bereit waren; sie sagten ihre Jours ab, banden weiße Schürzen um und halfen Speisen bereiten, servieren, Verbände anlegen, sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellen. Was Lina Morgenstern in jenen Kriegsjahren mit ihrem Elite-Chor weiblicher Hilfskräfte geleistet, ist wohl uuv rgessen. In den Siebziger - Jahren, als die zunehmende Teuerung sich in Berlin unangenehm fühlbar machte, gründete Lina Morgenstern den Berliner Hausfrauenvereiu, nach dessen Muster Vereine in allen großen deutschen Städten erstanden. Der Verein war ein großes Kaufgeschäft mit vielen Filialen; die Waren wurden billig eingekauft, billig verkauft. Das wollten sich aber die Kaufleute, die sich schwer geschädigt sahen, nicht bieten lassen und gründeten Gegeuvereine, die zu Schleuderpreisen verkauften und den Hausfrauenverein lahmlegten. Damals verlor Lina Morgenstern ihr ganzes, ziemlich bedeutendes Vermögen, denn sie hatte für die Bestellung der Waren mit ihren Namen einstehen müssen. Die von ihr herausgegebene „Deutsche Hausfrauen- Zeitung", die sich eines großen Abonnentenkreises erfreute, deckte wohl hernach ihren bescheidenen Bedarf, aber materielle Sorgen blieben der idealen Frau nicht erspart. Aus dem reichen Schatze ihres Wissens schrieb Frau Lina bis in die späte Nacht hinein die Artikel für ihre Zeitung (oft wahre

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