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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5» Dr. Bloch« Wochenschrift. Seite 907 oder seien sie nur versprengt? Wenn das letztere wahr wäre! Dann dürfe man noch hoffen, so manchen lieben Kameraden wiederzusehen! Und während die Schlachtenmusik, das Pfeifen der Geschosse und das Donnern der Geschütze in ihren Ohren noch nachklingen, beschließen sie, bei der nächsten Rast um ihre gefallenen Kameraden ein „Kadisch" zu beten. „Kadisch für unsere gefallenen Kameraden" rufen sie den Vordermännern und dieselbe Losung den Hintermännern zu. Und das „Kadisch für unsere gefallenen Kameraden" pflanzt sich von der Mitte bis zur Töte der Kolonne und rückwärts bis zur Quee derselben fort. Nach einem langen ermüdenden Marsche ertönt das ersehnte Signal „Rast". Die Leute stoben auseinander, bildeten Gruppen, in denen die Ereignisse des Tages besprochen wurden oder streckten im feuchten Grase die müden Glieder: viele machten sich nach Feldsrüchten auf die Suche. Und wie auf ein unhörbares Kommando schleichen sich aus allen Ecken und Enden der Kolonne Gestalten gegen einen Punkt hin. Zehn . . . zwanzig . . . fünfzig . . . hundert . . . und noch mehr Soldaten kommen und stellen sich in militärischer Ordnung geräuschlos auf. Neben dem im hellen Mondenschein schimmernden griechischen Dragonerhelm hob sich auch ein weißer Husarenreiher und ein vierkantiger Ulanentschako ab: die Kappe des Infanteristen mengte sich mit dem Roßschweif des Artilleristen und dem wehenden Iägerbusch des Jägers. „Diejenigen, die Kadisch sagen dürfen, treten vor", befahl ein Unteroffizier. Und es traten Soldaten hervor, denen ein Elternteil fehlte, also Kadisch sagen durften. Und nach einer Weile hebt sich gegen den blauen Himmel Italiens aus einigen jungen Soldatenkehlen empor das uralte „jitgadel wjitkadesch schme raba", während ,der etwa noch hundert Stimmen bildende Rest mit seinem „amen, jhe schme raba" einfällt. So ehrten jüdische Krieger, unmittelbar nach der Katastrophe, das Andenken ihrer gefallenen Kameraden! Mehrere Stunden nach diesem rührenden Vorfälle, am Siamstag, den 25. Juni 1859, hielt der verewigte Prediger Dr. Adolf Iellinek eine Predigt im „Neuen Tempel" zu Wien, in welcher er auch sagte: „Vielleicht, daß in diesem Momente, während ich hier in einem israelitischen Tempel den Ruhm unserer Waffen mit schwachen Worten preise, sie durch denkwürdige Taten ihren Glanz erhöhen: Werden da unsereSöhne fehlen oder Zurückbleiben? Wird das Feldherrnauge Franz Josephs die Nachkommen der Makkabäer vermissen, die am Sabbat gegen den schlauen und herrschsüchtigen Antiochus siegreich kämpften?" „Hier bin ich!" — spricht der jüdische Soldat auf den Schlachtfeldern Italiens. — „Auf, zeuget wider mich in Gegenwart Gottes und in Gegenwart seines Kaiserlichen Gesalbten!" Und weiter im Gebet: ,.,O, daß die Söhne Israels, die den Waffenschmuck unseres ritterlichen Monarchen, das Ehrenkleid des Vaterlandes tragen, durch Mut, Tapferkeit und Kühnheit vor den Augen aller beweisen möchten, daß kein Sturm in der Geschichte vermocht hat, Mannesehre, Manneskraft und Mannesmut in Israel zu brechen!" Unsere Söhne haben da nicht gefehlt und sind nicht zurückgehlieben. Gegen dreihundert jüdische Soldaten haben mehr als ihre bloße Pflicht getan, indem sie sich Tapferkeitsmedaillen erkämpften oder mit allerhöchster Belobung ausgezeichnet wurden. Als sie in den Krieg zogen, hießen s^ie österreichisch-jüdische Soldaten: rückgekehrt, erbrachten sie den Beweis, daß sie es auch waren. Der Kanonendonner von Magenta und Solferino war kaum verhallt, als ein Teil der Krieger, welche diese Kampagne mitgemacht haben, nun gegen Dänemark ziehen mußten. Schulter an Schulter kämpften sie im Schleswig- Holsteinifchen Feldzuge 1664 mit denselben Truppen, gegen welche sie zwei Jahre später einen so harten Strauß auszufechten hatten. Sie holten sich auch hier ihre Tapferkeitsmedaillen, welchen sich diesmal noch viele königlich preußische Ehrenzeichen anreihten. Die Annalen der Infanterieregimenter Nr. 6. 27 und 36 wissen von so mancher schönen, auf dänischem Boden, von österreichisch-jüdischen Soldaten vollsührten Waffentat zu berichten. (Das jüdische Museum in Wien, beziehungsweise in Budapest hätte eine sehr dankbare Aufgabe, alle diese nach und nach in Verlust gehenden Tapferkeitsmedaillen und sonstige Ehrenzeichen jüdischer Soldaten zu sammeln.) Zwischen diesen Kriegen schoß - leider nur für kurze Zeit - wie eine schöne Hoffnung auf vollkommene Gleichheit auf diesem Gebiete das k. k. Feldpredigeramt hervor. Hunderte in den Lazaretten siechender und verkrüppelter jüdischer Soldaten segneten den damaligen Kriegsminister Frank. Josef Szanto war der erste Feldprediger, der ein Adjutum von 500 fl. jährlich bezog. In zuvorkommendster Weise kamen diesem militärischen Seelsorger die damaligen Militärbehörden entgegen, wie denn auch im Militärstande damals die Gleichberechtigung korrektest gehandhabt wurde. Ein vom religiösen Standpunkte unerfreuliches Bild bot sich dem aktiven Feldprediger dar, als er in den Kontakt mit den jüdischen Kriegern trat. Jahrelang außer aller Gemeinschaft mit Glaubensgenossen lebend, mußten sie der religiösen Ermunterung und des Zuspruches entbehren, welcher der nichtSdifche Krieger teilhaftig werden durfte. Aber das Feldpredigeramt war nur von kurzer Dauer. Nach dem preußischen Feldzuge kam der Minister John an die Spitze der Militärverwaltung, und dieser tapfere General, neben Erzherzog Albrecht der Sieger von Custozza, wollte von einem jüdischen Feldpredigeramte nichts mehr wissen. „Der Patriotismus der Juden, der sich früher auch ohne Feldprediger bewährt habe, würde durch Fortlassung des Seelsorgers keine Einbuße erleiden", war seine Meinung. Dir Jubiläen der Drsrend en;Theorie. Von Alois Schweiger» Rabbiner zu Eger (Erlau). 4. Hackel. Die wissenschaftliche Tätigkeit Häckels erstreckt sich nach zwei Richtungen hin, einer streng naturwissenschaftlichen, als die Monographien über Medusen. Krebse. Korallen, Radiolarien usw., und einer naturphilosophischen. Mit letzterer haben wir es hier zu tun. Den Impuls erhielt er von Darwin, führte dessen System auch weiter und erklärte die Entstehung des Weltalls und des Lebens rein mechanisch. Sein Hauptwerk ist die „Generelle Morphologie". In diesem erreicht sein System den Höhepunkt. Seine „Natürliche Schöpfungsgeschichte" ist nur ein Auszug aus demselben. Den größten Einfluß auf das Volk übten seine Werke „Der Monismus" und „Die Welträtsel". In der Vorrede zu elfterem schreibt er, sein Streben sei. einen aufrichtigen Frieden Mischen Glauben und Wissen zu stiften. Letzteres hingegen ist eine Zusammenfassung seiner Wissenschaftlichen Leistungen, wandert in hunderllausenden Exemplaren von Hand zu Hand und dürfte fast in alle Kultursprachen übersetzt sein. Mit diesem. Werke scheint er den Beifall des Volkes suchen zu wollen, her

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