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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seüe 906 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 63 Feinde Krieg zu führen. Noch immer haben wir eine Organisation und Abwehrmahregeln von anno toback, statt des jüdischen Nationalrates, der jederzeit mächtig und kampfbereit unseren Besitzstand wahren könnte. Man rede durchaus nichts von Indolenz der Massen. In diesem Ausdruck liegt ein Unrecht gegen die vielen Juden, die gute Juden sind, in diesem Ausdruck liegt eigentlich eine Irreführung. Statt Indolenz der Massen sollte es richtig heißen Indolenz und Unfähigkeit der Führer. Begeisterung — das ist die Voraussetzung jeder wertvollen Organisation. Sie würde in unseren Massen aufflammen, wenn diese sehen würden, dah die mit dem zweiten Jerusalem gefallene jüdische Einigkeit wieder aufgerichtet würde, wenn die Parteien und Führer dem Feinde gegenüber ein Ganzes darstellen würden. Aber 1909 ging vorüber und brachte die unglaublichsten Wunder in der Aeronautik, in der geographischen Forschung. Das noch unglaublichere Wunder des Zusammenschlusses eines überaus intelligenten Volkes brachte die Kultur und Einsicht des zwanzigsten Jahrhunderts nicht und an der Schwelle von 1910 blüht keine Hoffnung auf das Bessere. Bloh das Unglück ist unser Lehrer — das ist unser Unglück. Wir finden den Weg erst zueinander, zum Judentum zurück, wenn wir von den Feinden getrieben werden. Die ungarischen Juden werden wahrscheinlich der Lektion der Tatsachen nicht entgehend Schon hat sich Iusth in Mako bemühigt gesehen, gegen den Antisemitismus' aufzutreten. Es ist aber schon so, dah der Antisemitismus schon da ist, wenn man ihn bekämpft und dah er mächtiger wird als die Mächtigsten, die sich gegen ihn aussprechen. Die ungarischen Juden wollten bis jetzt nur Magyaren sein. Sie werden nun von der Lüge der Assimilation zurückkehren zum schmerzlichen Bewußtsein ihres Judentums, das ein freudiges hätte sein können, wenn sie es freiwillig und stolz bekannt hätten.- :v - Das eben ist das politische Prinzip, das uns Juden fehlt: wir wollen nicht früher Juden sein, als bis wir es sein müssen. Ein vergangener Freisinn benebelt unser Denken und läßt uns durch Nebel irren, hinter denen der Gegner lauert. Wir halten an diesem Freisinn fest, aber wir kennen sein Wesen nicht. Kein Mensch hindert uns, tolerant und aufgeklärt zu sein, die Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu wollen. Aber unsere Absichten sind ohnmächtig, wenn sie von schwachen, weil nicht organisierten und nicht auf den breiten Beinen der Wahrheit und natürlichen Zugehörigkeit stehenden Menschen verfolgt werden. Wir können, wie in biblisch-philosophischer Zeit, wieder die ersten Diener des Fortschrittes werden, wenn wir nicht immer wieder haltlos Herumwanken und aus einer schwachen Position in die andere flüchten müssen. Diesen Standpunkt zu vertreten, zu diesem Prinzip die Juden zu erziehen, ist das einfache Programm der „Oesterreichischen Wochenschrift", die in ein neues Kalenderjahr ihres Bestehens tritt und sich rühmen darf, durch mehrere Jahrzehnte hindurch unserer politischen Zerfahrenheit entgegengewirkt zu haben. Sie sagt die Wahrheit im Tolstoischen Sinn ohne Schonung, sie will in der Politik das Erreichbare und das Gesunde. Sie bewacht die glänzenden Charaktereigenschaften der Juden, die .Schönheit des jüdischen Hauses und Herzens. Sie will dem Volke ein Führer und ein Tröster sein, voll Liebe für die eigenen Brüder, voll Zorn gegen die Ungerechtigkeit. Unbekümmert gegen Rechts und Links wird sie auch in den schweren Zeiten, die uns drohen, ihre alten Ideale verfolgen, alles Gute im Judentum unterstützen. Sie verspricht für das kommende Kalenderjahr nur eins: ihre Haltung nicht zu ändern und hält das für genug, um die Förderung ihrer Freunde zu erhalten und zu vergrößern. Die Juden in der österreichisch ««garischru Armer. Von MoritzFrühling. III. Nach den siegreichen italienischen und ungarischen Feldzügen kam auch ein mehr moderner Zug in die österreichische Armee. Die Dienstzeit wurde von 14 Jahren auf 6 herabgesetzt und auch die schimpflichen Leibesstrafen wurden abgeschafft. Von dieser Zeit her datiert sich auch eine rege Teilnahme der Juden am Militärdienst, die Desertionen wurden Immer seltener, und trotz mancher noch herrschenden Vorurteile begann man die jüdischen Soldaten in der Armee im allgemeinen recht gern zu sehen. Diejenigen, die sich in die neu betretene Laufbahn hineingelebt, zeigten sich auch für alle Dienste verwendbar, gewannen die Achtung ihrer Vorgesetzten und die Freundschaft der Kameraden. „Juden bekamen in den allerseltensten Fällen Stockstreiche, sie verdienten sie nie." Dieses erfreuliche Zeugnis stellen ihnen die noch lebenden Offiziere fast einstimmig aus. Was die jüdischen Soldaten alten Schlages besonders auszeichnete, war die Solidarität, womit sich einer für alle und alle für einen einsetzten. Dieses Band schlang sich um die Soldaten aller österreichischen Provinzen und die dem einen verliehene Auszeichnung erfüllte mit Stolz die Brust aller. Von ihren eigentlichen militärischen Qualifikationen, vor dem Feinde den Mann zu stellen, gaben sie im Feldzugsjahre 1859 beredtes Zeugnis. Der Krieg ist ja die Probe dessen, was man im Frieden nur voraussetzt, und — ohne jeden Panegyrikus — im Kriege des Jahres 1859 haben die jüdischen Soldaten diese Probe^ glänzend bestanden. " ' Im Kriege werden, wie im Kartenspiel, die intimsten Seelenregungen der Individuen belauscht. Da gibt es weder Pose noch Verstellen oder Erkünsteltes. Und die Kenner militärischen Wesens haben sich über die jüdischen Soldaten im Jahre 1859 ihr Urteil, ein erfreuliches, gebildet. Für die Schilderung auch nur einzelner von den Hunderten schöner Taten und rühmenswerter Leistungen ist hier kein Raum; die später angeführten Namen der Ausgezeichneten vermitteln uns die Gesamtsumme der tapferen Handlungen. Nur eine, die rühmenswerte Pietät der jüdischen Soldaten kennzeichnende Episode — eines künstlerischen Pinsels wert — soll hier erzählt werden. Während der größte Teil der österreichischen Armee nach der unglücklichen Schlacht bei Solferino im Rückmarsch hinter den Mincio begriffen war, stellte sich in den marschierenden Kolonnen jenes das Gemüt niederdrückende Gefühl ein, welches der Soldat empfindet, wenn der Rückzug angetreten werden muß. Die Bitterkeit, eine Schlacht verloren zu haben, lastete auf den todesmüden Truppen. Selbst der marschierenden Kolonnen eigens rhythmische Gleichtritt mußte einem wirren, schlürfenden und schleppenden Schritte weichen. Die Kolonnen waren auch arg zusammengeschrumpft, und manche am Morgen des 24. Juni in die Schlacht eingegriffene Kompagnie kehrte als kleines Häuflein zurück. Die Ueberlebenden hielten Umschau in den Reihen. Da fehlt ein Kamerad, mit dem man wochenlang in einer Doppelreihe marschierte, dort wieder ist an Stelle des Vordermannes, den man vor sich zu sehen gewohnt war, ein. anderer Soldat eingetreten und -- blickte man sich um — auch rückwärts ein anderes Gesicht. Zwei jüdische Soldaten marschieren nebeneiander, führen ein leises Gespräch. Wo nur £., P. und Z. geblieben seien? Schlafen sie schon den ewigen Schlaf

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