Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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■xwiTMgwtiffggynmfftmrBir^ Seite 900 Dr. Blochs Wien. Der Frauenwohltätigkeitsverein „Zuflucht" veranstc-ltet wie alljährlich auch am 9. Jänner 19io eine Akademie mit Ball, welche im großen Musikvereinssaale stattfindet. Zu derselben haben bereits die k. k. Kammersängerin Selm« Kurz, sowie andere erstklassige Kunstkraste ihre freundliche Mitwirkung bereitwilligst zugesagt. Die Musik besorgt die Kavelle des bosn.-herz. Jnf.-Reg. Nr. 1, das Tanzarrangemeut Tanzmeister Rudolf Heimanu. Das detaillierte Programm erscheint in den nächsten Tagen. Karten im Vorverkauf bei der Präsidentin Laura Goldschmidt, II., Obere Donaustraße 75, und bei I. Gutmau«, Hosmusikalienhandlung, I., Operngasse I. Wien. (Jüdisch-Literarischer Abend.) Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herz 1", veranstaltet Sonntag den 13. Jänner 1910, einen großen literarischen Abend im Kursalon (Stadtpark), an dem Marti« Buber, Jakob Wassermann und eine bekannte Wiener Künstlerkraft Mitwirken werden. Die Veranstaltung ist als einleitender Abend zu einem Zyklus ähnlicher Veranstaltungen gedacht, die den Zweck haben, ein Bild des gesamten jüdischen Schaffens des Ostens und Westens zu geben. Eventuelle Anfragen und Vorausbestellungen für Sitzplätze sind zu richten an die Adresse des Vereines, VIII., Alserstraße 7. Wie«. (Wohltätigkeitsakademie.) Der humanitäre Unteurützungsverein der Schaffner in Wien veranstaltet Samstag den 8. Jänner 1910 im Prachtsaale des Hotels „Bayrischer Hof" sein mit einer Akademie und einem Tanzkränzchen verbundenes 12. Gründungsfest, bei welchem neben anderen namhaften Kur.stkräften auch Fräulein Gerda Walde mitwrrkt. Wie«. Am 10. d. M. wurde Herr Josef Singer, II., Förstergaffe 5 wohnhaft, zu Grabe getragen. Er verschied nach kurzer Krankheit im 80. Lebensjahre. Bescheiden, fromm und von seltener Gelehrsamkeit, war er einer der Gründer und eifrigsten Förderer des Bethausvereines „Montefiore", zu dessen Zierden er volle zehn Jahre gehörte. Eine große Zahl Leidtragender, Freunde urrd Verwandte, hatten sich in der Zeremonienhalle eingefunden, dem Dahrngeschiedeueu die letzte Ehre zu erweisen, so auch der Gesamtvorstand des Bethausvereines, in dessen Namen Herr Jakob Wiuter dem Verstorbenen einen tiefempfundeneu Nachruf hielt. I» der jüdische» Mensa. Von 8 bis 12 habe ich den interessanten Vorträgen der Univerfitätsprofefforen gelauscht und nun, da der Geist seine Nahrung erhalten, fordert ein anderer Gebieter mit Macht sein Recht. Ich bin an koschere Kost gewöhnt. So wandere ich denn in die Leopoldstadt. Da fällt mir ein, daß der Verein „E i n h e i t" sein primitives Lokal in der Floßgasse verlassen und neben dem großen, allgemeinen Speisesaal auch die armen Studenten speisen. Versuchen wir's einmal! Ein hübsches Haus, Malzgasse 12, wirkt schon äußerlich sehr einladend und nun gehe ich zum Speisesaal II, der die Aufschrift trägt: „Mensa academiea jndaica'. Ich öffne die Türe und das erhabene, gütige Antlitz unseres geliebten Kaisers strahlt mir aus einem Bilde entgegen. Ich sehe ein helles, geräumiges Lokal mit Sesseln und Tischen, die mit Wachstuch bedeckt sind, einen geschliffenen Spiegel, einen Waschtisch mit Handtüchern, Kleiderrechen und Gasluster — das ist alles hübsch, rein und nett. Eine Vorstandsdame verkauft mir eine Speisemarke. „Sie sind das erstemal hier? Ich hoffe, daß es ihnen schmecken wird." Schon kommt der Kellner im reinen Zwilchkittel und schwarzem Käppchen, er bringt eine Papierserviette, Eßzeug und Brot, dann folgt eine kräftige Suppe, eine schöne Pottion Fleisch samt Erdäpfeln mit Saft und ein Gemüse. Und das alles kostet nur 40 Heller. Eine Flerschzulage kostet 10 Heller und eine Mehlspeise 12 Heller. Man fühlt sich hier so heimisch; es sitzen Herren und Damen, bald ist man im Gespräche: „Sehr gut, sehr gut — und so billig. Schade, daß es so weit, aber das macht nichts, man macht Bewegung." Da hat der Kellner auf einen hungrigen Studenten vergessen und die Vorstandsdame eilt selbst in die Küche und bringt eine Suppe. Das Nachtmahl besteht aus Suppe, Fleisch und Erdäpfeln und kostet samt Brot 30 Heller. Am Freitag sagte uns der Kellner, daß wir uns für Samstag mit Marken versorgen müßten — so wird man zart daran gemahnt, daß der Sabbath heilig sei. Samstag kostet das Mittagmahl 80 Heller. Man bekommt ein geflochtenes Weißbrot (Barches), Suppe, Fleisch, eine Gurke, Kompot und Mehlspeise („Kugel"). Ein alter Herr im Zylinder (Herr Hofbauer) begrüßt uns: Gut Schabbos meine Herren l und das wirkt wie ein heimatlicher Klang. Ich bin satt und ftoh und unwillkürlich murmeln meine Lippen: Node I’cho, adonoj elohenn! A. H. Landau. Witwe»- «»d Waisenfondverein des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien IL, Obere Donaustraße Nr. 81. Die Jubiläumsfeier des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender fand am 12. d. M. statt und nahm einen erhebenden Verlauf. Zum Festgottesdienste im großen Leopoldstädter Tempel hatten sich eingefunden: der Wochenschrift. Nr. 52 Vertreter der israel. Kultusgemeinde Herr Dr. Markus Spitzer, zahlreiche Abordnungen jüdischer Vereine und eine große Schar von Festgästen, welche das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen füllte. Die kantöralen Funktionen versah in meisterhafter Art Herr Oberkantor Bela G u t t m a n n mit dem vollständigen Chore. Der greise Rabbiner Herr Dr. Adolf S ch m i e d l hielt eine allen Zuhörern zu Herzen gehende Festpredigt. Mit der Absingung der Volkshymne endete der Festgottesdienst. Am Abende fand im Prachtsaale des Hotel „Bayrischer Hof" die Festakademie statt; dieselbe wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Festobmannes Herrn Friedrich K r u h, welche in ein dreimaliges Hoch auf unseren geliebten Kaiser ausklang, worauf die Festgäste die von der Militärkapelle intonierte Volkshymne stehend anhörten. Sodann hielt der Protektor des Vereines, Herr Reichsratsabgeordneter Dr. Benno S t r a u ch e r, die Festrede, welche den stürmischesten Beifall hervorrief. Unter der Leitung des Herrn Ing. Josef G o t t l i e b gelangte hierauf das künstlerische Programm zum Vortrage. Herr Theodor Weiß vvm Deutschen Volkstheater interpretierte in seiner trefflichen Weise Rosenfeld'sche Gedichte. Herr Oberkantor Q u a r t i n entfesselte stürmischen Beifall durch seine mit prächtiger Stimme vor getragenen Lieder und Gesänge. Eine junge Künstlerin Frl. Schick sang ausgezeichnet eine Arie aus „Tannhäuser", Herr Klaviervirtuose Ernst Vogel (Wasservogl) sowie Herr Benno Wünsch, ehem. Mitglied des Theaters in der Jvsefstadt, Frl. Kamilla H e r z e r von der Neuen Wiener Bühne und die bekannte kleine Grete Finkler ernteten enthusiastischen Beifall. An die Akademie schloß sich ein animiertes Tanzkränzchen,. Um das Zustandekommen dieser äußerst gelungenen Jubiläumsfeier haben sich besonderes Verdienst erworben: Der Vereinsobmann S. Klausner, Festobmann Friedrich K r u h, Obmann des Jungherrenkomitees Rudolf Schück; die Damen: Frau Malvine B a r s ch a k, Paula G o l d f a r b, Helene G o l d st e i n, Cäcilie Klausner, Lina K r u h, Mathilde Wechsler und Frl. Geza Weiner; die Herren: A. Barsch a k, A. B l u m, Blum jun., S. G o l d f a r b, R. G o l dstein, Ing. Josef Gottlieb, A. Marmorek und Dr. Josef Z i p s e r. Die Firma Jos. Saphir (II., Praterstraße) hat kostenlos Klavier und Harmonium beigestellt. Wien. (Eingesendet.) Herr R. K., der über die am 9. Dezember d. I. im „Parkhotel Schönbrunn" stattgefundene Chanuka-Feier des Hietzinger israelitischen Frauervereines in dir. 52 der „Oesterr. Wochenschrift" Bericht erstattet hat, scheint den Namen des Kantors des Hietzinger Tempelvereines vergessen zu haben, denn er schreibt: „Nach der Begrüßung durch den Präsidenten wurden die Chanuka-Lichter durch den Kantor des Hietzinger Bethauses a.ngezündeet." Da nun aber das Hietzinger Bethäus zwei Kantoren hat, so gestatte ich mir den Herrn Berichterstatter darauf aufmerksam zu machen, daß es der e r st e Kantor, der in Wien besonders in Fachkreisen als vorzüglicher Sänger bekannte Herr Gottholb Friedländer war, der bei dieser Feier nicht nur die Lichter a n gezündet, was übrigens nicht zur Kunst gehört, sondern auch die üblichen Chanuka-Lieder angestimmt und allgemeinen Beifall gefunden hatte. Ein Hietzinger Tempelbesucher. Austritte aus dem Judentum Vom 12. bis 18. Dezember 1909. kärger Friedrich David, Privatbeamter, geb. 27. Mai 1878, Wien, IX., Brünnlgasse 3. Feldmann Elisabeth Josefa, Fabriksarbeiterin, geb. 19. Mai 1879, Wien, XIII, Eichhorngasse 13. Fiser Stefanie, Schneidergehilfin, geh. 17. Februar 1894, Wien, XX, Treustrasse 47. Frisch David, Handelsagent, geb. 14. Jänner 1867, Tapolcza (Ungarn), IV., Schelleingasse 5i. Fürth Katharina, geb. Eisler, Arztensgattin, geb. 10. Mai 1675, Wien, IX., Hörigasse 18. Hahn Franz, Privatbeamter, geb. 25. Juli 1885, Wien, IX., Hörigasse 4. Kaff Elisabeth, Lehrerä, geb. 27. November 1876, Blansko (Mähren), IX, Peiegriugasse 1.