Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 63 Dr. Älochs werde und deren Unterrichtserfolge als sehr befriedigende bezeichnet werden müssen. Er spricht den Dank aus denjenigen Persönlichkeiten, denen neben der Tätigkeit der Lehrkräfte in erster Linie das Aufblühen der Schule als Verdienst anzurechnen sei, den Herren Josef Kohn und Jakob Kohn, sowie, wenn auch zuletzt genannt, so doch nicht in letzter Reihe, dem allseits verehrten Vizepräsidenten der -Kultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav Kohn, für ihr reges Interesse und ihre wohlwollenden Bemühungen. Der Redner weist auf die vielfache Opfer seitens des Vereines und der Vorstandsmitglieder erheischende Organisation des Gottesdienstes in den Bethausfilialen während der hohen Feiertage hin und spricht der internen. Sektion für die bei diesem Anlasse entfaltete Tätigkeit die Anerkennung des Vorstandes aus. Er verweist hiebei auf die großen Unterschiede in der Behandlung dieses Gebietes der kultuellen Betätigung in Wien und in anderen Großstädten, z. B. Berlin, hin: während die Kultusrepräsentanz unserer Gemeinde — eine der größten, ja vielleicht die größte des Kontinents — die Lasten dieser Aktion hauptsächlich den affiliierten Tempelvereinen aufbürde, diesen aber — erzwungenermatzen — nur ganz ungenügende Subventionen einräume (Heuer im Gesamtbeträge von ca. 60.000 bis 70.000 Kronen), habe die Berliner Repräsentanz im Jahre 1907 14 temporäre Betveranstaltungen mit rund 14.000 Plätzen und einem Aufwande von mehr als 100.000 Mark geschaffen. Die Vorstehung unserer Kultusgemeinde vergesse immer wieder, daß die Tempelpereine freiwillige Mitarbeiter an den Zielen der Gemeindeverwaltung sind und freiwillig Lasten auf sich nehmen, welche andernfalls und in erhöhtem Maße die Kultusgemeinde selbst treffen würden. Dem Mangel an dieser Einsicht müsse es denn auch zugeschrieben werden, daß mit den Subventionen an die Tempelvereine so sehr gespart werde und daß es sich ereignen könne, daß statt eines angesprochenen Beitrages von ca. 6500 Kronen zu dringenden Adaptierungsarbeiten und zur Erfüllung feuerpolizeilicher Aufträge, nach jahrelangem Drängen ein Betrag von 600 Kronen bewilligt werde, wie dies Heuer unserem Vereine geschah. Dies vorausgesendet, freue es Redner um so mehr, sagen zu können, daß sich unser Verein in jeder Beziehung — auch in finanzieller — trotz der Ungunst der Verhältnisse gedeihlich fortentwickle. In der an diese Ausführungen anknüpfenden Debatte legte der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Adolf Schramek, dar, daß dieser gewiß jederzeit bestrebt sei, allen berechtigten Wünschen Rechnung zu tragen, und insbesondere die Tätigkeit der Tempelvereine gewiß nicht unterschätze, vielmehr sehr hoch veranschlage, aber durch das unüberwindliche Hindernis des zu befürchtenden Defizites gezwungen sei, mit dem greifbaren Ausdrucke seiner Anschauungen zurückzuhalten. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten Josefs an seine Brüder: „Und nun, meine Brüder, streitet euch nicht auf dem Wege" — auf dem Wege, der uns alle zu dem gleichen Ziele, der Größe und dem Gedeihen unserer Gemeinde, fuhren soll. An der Debatte beteiligten sich weiters die Herren Engel, Dr. Landau, Dr. Schreiber, Hift, Weiß u. m. a., welche die Ausführungen des Obmannes erörterten und dem Vertreter der Kultusgemeinde nahelegten, bei dem Kultusvorstande der Dolmetsch der geäußerten Wünsche und.Beschwerden zu sein. — Ueber Antrag des Herrn Engel wurde dem Vorstände einhellig das Vertrauen votiert und das Äbsolutorium erteilt: weiters wurde über Antrag des Herrn Obmannes und des Herrn S. Dub dem Obmanne des Wochenschrift. Sette 897 Schulkomitees, Herrn Josef Kohn, für seine Verdienste um die Bibelschule der Dank und die vollste Anerkennung seitens der Versammlung einstimmig ausgesprochen. Die unter dem Vorsitze des Obmannstellvertreters, Herrn Dr. Ernst Rosental, vorgenommenen Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl der aus dem Vorstände scheidenden Herren Jakob Kohn, Heinrich Neu haus und Heinrich Weiner, sowie mit überwiegender Stimmenzahl die Neuwahl des Herrn Rudolf A h l, welche sämtlich die Annahme des Mandates unter Worten des herzlichen Dankes für das ihnen bewiesene Vertrauen erklärten. Die galirischen Juden für ein Smolkadenkmal. In der letzten Sitzung des Lemberger Kultusvorstandes machte der Präsident Dr. Schaff die Mitteilung, daß er beim Stadtmagistrat im Namen des Kultusvorstandes die Erklärung abgegeben habe, daß die jüdische Gemeinde in das Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den polnisch-demokratischen Politiker Smolka Delegierte entsenden und auch an der Sammelarbeit teilnehmen wird. Die Lemberger Kultusgemeinde wird sich auch an die übrigen jüdischen Gemeinden Galiziens um Beitragsleistungen wenden. Smolka war ein aufrichtiger Iudenfreund, der unausgesetzt für die Gleichberechtigung der Juden gekämpft hat. Die Aktion des Lemberger Kultusvorstandes hat deshalb auch bei den Zionisten Zustimmung gefunden. Antisemitismus in Ungarn. Wie sehr der Antisemitismus in den offiziellen Kreisen Ungarns an Boden gewinnt, geht aus einem offenen Schreiben hervor, welches der diplomierte Mittelschulprofessor Leopold Nemes, ein Jude, in den ungarischen Blättern veröffentlicht. Nemes erzählt seine Leidensgeschichte wie folgt: Er reflektierte auf eine Erzieherstelle bei der staatlichen Lehrerbildungsanstalt in Marmaros-Sziget. Es ist dies ein sehr schlecht dotierter Posten, dessen Inhaber jederzeit ohneweiters fortgeschickt werden kann. Dennoch und obgleich der Direktor der Lehrerbildungsanstalt die Ernennung des Nemes wünschte, hat der Referent im Kultusministerium, Emerich Nemenyi, ein getaufter Jude, Herrn Nemes gesagt, er möge sich nicht bemühen, da er die Stelle ohnedies nicht erhalten werde. Und tatsächlich wurde sie einem christlichen Lehrer für Elementarschulen gegeben. Dieser nahm jedoch den geringfügigen Posten nicht an, worauf Professor Nemes sich wegen der Stelle direkt an den Staatssekretär wandte. Aber vergebens. Einige Ministerialbeamte sagten es auch dem Professor rund heraus, solange er Jude sei, könne er auf gar keine Ernennung seitens des Ministeriums rechnen, und ein Reichstagsabgeordneter, der Herrn Nemes protegierte, erklärte ihm ebenfalls, daß, solange er Jude bleibe, für ihn unter den heutigen Verhältnissen nichts geschehen könne. Der Altar in der Kommunakschule. In Budapest herrscht jetzt über folgenden Vorfall große Entrüstung: In der Kommunalschule des sechsten Bezirkes, deren Schüler fast zum weitaus größeren Teile Juden sind, wurde auf Veranlassung des katholischen Katecheten ein Altar in der Turnhalle aufgestellt und verfügt, daß sämtliche Schulkinder, also auch die jüdischen, vor dem Altäre Gebete verrichten. Zur Einweihung dieses Altars wurde der Pfarrer des Bezirks eingeladen, der an die versammelten Schulkinder eine Ansprache richtete, in welcher er unter anderem erklärte: „Nur