Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-24 · 52 (24.12.1909) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021871--18894-3043847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Pr. Sß Sette 896 Dr. Blochs Wochenschrift. kann ich , nur .konstatieren, daß die diesbezüglichen BenMhungen zu deinem Resultate geführt haben. / Vorstehn S. Steiner verweist darauf, daß auf dem Zentralfriedhofe zahlreiche Grabsteine umgefallen sind und ersucht, daß die Aufrichtung derselben auf Kosten der Gemeinde, erfolgen sollte. Weiters hält er es für dringend geboten, der „Lhewra-Kadischa" andere Amtslokalitäten zuzuweisen, da die gegenwärtigen schon wegen des starken Verkehres kranker Personen — insbesondere infektionskranker Kinder — aus hygienischen Rücksichten beanständet werden müssen. Professor Dr. Ehrmann: Da in der heutigen Debatte wieder vom Kinderspitale gesprochen wurde, halte ich es für notwendig, meinen Standpunkt in dieser Frage klar auseinanderzusetzen. Niemand kann leugnen, daß wir in Wien zu wenig Kinderspitäler besitzen und daß insbesondere ein jüdisches Kinderspital höchst wünschenswert wäre. Aber, dah dasselbe aus den Mitteln der Kultusgemeinde errichtet wird, ist absolut undenkbar, da die Kosten sich auf 4—5 Millionen belaufen würden. Solche Summen können nur durch private Spenden, nicht aber durch eine Aktion der Kultusgemeinde im engeren Sinne aufgebracht werden. Die Frage muh jedoch noch von einer anderen Seite beleuchtet werden. Das Spital der Kultusgemernde erfüllt heute seine Aufgabe mehr als früher. Früher fand jeder Kranke Aufnahme in den allgemeinen Spitälern, jedoch heute, wo die Länder sich weigern, die Beiträge zum Spitalfonds zu leisten, wird die Aufnahme möglichst auf die Einheimischen und Zuständigen beschränkt und da ist es im Interesse der jüdischen, zum großen Teile von auswärts kommenden Kranken geboten, dah die Kultusgemeinde mit ihrem Spitale suppletorisch eintrete. Bei den Kindererkrankungen hat es eine andere Bewandtnis und es ist Pflicht der staatlichen Kinderspitäler, soweit der Belegraum ausreicht, jedes erkrankte Kind aufzunehmen. Wenn nun die Kinderspitäler im allgemeinen nicht ausreichen, sollen wir da eine Pflicht auf uns nehmen, deren Erfüllung dem Staate, dem Lande oder der Kommune zukommt? Gewiß nicht! Aber nach einer anderen Richtung können wir uns mit unseren Mitteln auf dem Gebiete der Kinderfürsorge erfolgreich betätigen, und zwar in der Fürsorge für sieche, schwache, skrophulose Kinder durch Unterstützung der Ferienheime, Kinderhospize, Seehospize oder durch Errichtung derartiger Institutionen. Dazu genügen unsere Mittel, das liegt im Bereiche unserer Leistungsfähigkeit und da können wir unser Geld besser anlegen. Was ich heute gesagt habe, halte ich für alle Zeiten Maßgebend für die Behandlung der Frage der Errichtung eines jüdischen Kinderspitales. Dr. Isidor Samuely stimmt im allgemeinen den Ausführungen des Referenten zu, nur würde er wünschen, dah seine Worte in weitere Wählerkreise gelangten, damit dieselben über die ausgezeichneten Leistungen auf den verschiedenen Gebieten der Verwaltung informiert würden. Viele sagen, sie zahlen zu viel; nicht wegen der Höhe der Leistungen, sondern sie wissen nicht, wofür sie zahlen. Würden sie besser aufgeklärt, dann wüßten sie auch, nach wie vielen Richtungen hier gedeihlich gearbeitet wird. Bezüglich der Armenpflege wäre eine Reform im modernen Sinne am Platze. Mit der Errichtung der Zentral-Armenstelle würde wohl ein Anlauf genommen, der den Schein einer modernen Organisation erweckt, aber die Erwartungen nicht erfüllt hat. Das reine Eberfelder System paßt für die Wiener Verhältnisse allerdings nicht, aber eine Zentralisierung der Mittel einerseits und anderseits eine Dezentralisierung der Kontrolle in der Verwendung der Mittel ist unbedingt am Platze.. Das Bureau allein ist nicht im stände, die 20.000 bis 25.000 Armen in Evidenz zu falten. Da müssen freiwillige Armenpfleger mithelfen. Wenn behauptet wird. wir bekommen , sie. nicht, dann sage ich, man muh fitz eben suchen. Es ist heute nicht ^Zeit und Gelegenheit^ dies alles im Detail auseinanderzusetzen, aber ich möchte mit meinen Ausführungen nur bezwecken, daß an eine ernstliche Reform der Armenpflege geschritten werde. Hofrat Dr. Rappaport bemerkt gegenüber der Anregung des Vorstehers S .Steiner betreffs der umgefallenen Grabsteine, dah hiezu eine Aenderung der Friedhofsordnung notwendig wäre, und betreffs des Kinderspitales schließt er sich im allgemeinen den Ausführungen des Professors Ehrmann an. Das diesjährige Budget schließt mit einem Defizit, das aber eigentlich kein Defizit ist, wenn man von demselben die die Mikwa und die vielleicht gar nicht zur Ausgabe gelangenden Einstellungen für die Wahl in Abzug bringt. Nach Annahme des Antrages auf Schluß der Debatte erfolgten Richtigstellung des kaiserl. Rates Kauders und kaiserl. Rates Weil und hierauf gelangt Finanzreferent Mar Frank zum Schlußworte, der auf einzelne Bemerkungen in der Debatte kurz reflektiert und schließlich für die liebenswürdige Anerkennung, die sein Referat ^allseitig gefunden hat, dankt. Der Antrag des Professors Dr. Ehrmann auf en - bloe-Annahme des Budgets, das in vielen vorhergegangenen Plenarsitzungen eingehend durchberaten wurde, wird einstimmig angenommen. Präsident Dr. Stern: Bevor ich zur Durchführung des Beschlusses schreite, erübrigt mir noch, dem Budgetreferenten, Herrn Vertreter Mar Frank für seine ausgezeichnete Arbeit Dank zu sagen und auch dem Liquidator Katz, der seit Jahren sehr intensiven Anteil an den Budgetarbeiten genommen hat, sowie allen Beamten, die hiebei mitarbeiteten, meine Anerkennung auszusprechen., Hieraus wird die Budgetvorlage en-bloo angenommen und die öffentliche Sitzung geschlossen. Generalversammlung des Brigittenauer Tempelverelnes. Mittwoch, den 15. d. M. fand in dem Saale der Restauration Hermann Kohn, XX., Heinzelmanngasse 1, die Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempelvereines statt. — Dieselbe — von dem Vereinsobmanne, Herrn Hermann Eltbogen, geleitet — bewies neuerdings durch die große Beteiligung der Vereinsmitglieder, dah im XX. Bezirke das Zusammengehörigkeitsgefühl und das jüdische Empfinden rege ist. Nach Begrüßung der Ehrengäste — es erschienen: Herr Kultusvorsteher Ado lf Schramek in Vertretung des Kultusvorstandes, Präsidentin Fr. Dr. Weih und Vizepräsidentin Fr. Dr. Kohn mit mehreren Vorstandsdamen des Vezirks-Frauenvereines — gedachte der Vorsitzende in wehmutsvollen Worten der im abgelaufenen Vereinsjahre Dahingegangenen, insbesondere des Vizepräsidenten der Kllltusgemeinde, Herrn Theodor Ritter v. Goldschmidt, des Kultusvorstehers und Obmannes des Tempelvereines im X. Bezirke, Herrn Carl Seligmann, des Vorstandes und Ehrenmitgliedes, Herrn Jakob Goldner, sowie der verstorbenen Vereins-. Mitglieder, Herren Abraham Lustig und Leopold Meisel. Die Versammlung beschloß diese Trauerkundgebung, welche sie als Zeichen der Ehrung, für die Dahingeschiedenen stehend angehört hatte, in das Vereinsprotokoll aufzunehmen. Der Vorsitzende bemerkt zu dem Jahresberichte, daß über die Ereignisse des abgelaufenen Vereinsjahres wenig zu sagen sei, ähnlich wie über Vorfälle in einer friedfertigen, einen geregelten Hausstand führenden Familie nichts , zu berichten sei. So sei denn auch von unserem Vereine und dessen Veranstaltungen nur Günstiges zu sagen, —Insbesondere gelte dies voü der Vereinsbibelschule, welche derzeit von ca. 250 Schülern in acht Abteilungen besucht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.