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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-24 · 52 (24.12.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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S-tte-M» Nr. S2 Worauf wir hingegen eher stolz fein können^ das Dsr^Vorstand unserer Gemeinde hat zugestimmt, d'äß der sind unsere verschiedenen Institutionen, das Bersorgungs- Verein - zur Errichtung und Erhaltung von Horten für haus, die Siechenanstalt, und besonders unser- Krankenhaus, welches, vom ärztlichen Standpunkte mustergültig geleitet, auch wirklich Hervorragendes leistet. Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit zu konstatieren, daß dies zum größten Teile unserem allverehrten Herrn Hofrat Pros. Dr. O s e r zu danken ist, der, seit Jahrzehnten an der Spitze unseres Spitals stehend, sich um den so vorzüglichen Ruf desselben unvergängliche Verdienste erworben hat, ebenso wie auch den Leitern der chirurg. und gynäk. Kliniken, den Herren Prof. Dr. Zuckerkand! und Prim. D. Fleisch mann, die ihm mit ihrem reichen Wissen und ihrer hohen Begabung in dieser und in jeder Beziehung treu zur Seite gestanden sind. Allein die Lasten gerade dieser so eminent wohltätigen Institutionen sind es, die am schwersten das Gleichgewicht in unserem Budget bedrohen. — Zwar können wir heuer mit aufrichtiger Freude konstatieren, daß eine Anzahl hochherziger Zuweisungen und Legate von dem echt jüdischen Gemeinsinn unserer Mitbürger ein rühmendes Zeugnis oblegen, aber leider sind gerade jene Zuweisungen, die zur Stärkung unseres Spitalerhaltungsfonds bestimmt sind, von einer betrübenden Seltenheit. — Und doch läßt sich kaum etwas Schöneres denken, als das Bewußtsein, den Kranken, den bedauernswertesten der Armen, bis in die fernsten Zeiten hinein zur Linderung ihres Elends beigetragen zu haben, und wenn ich an der Front des Brüsseler Krankenhauses auf Marmortafeln, die fast das ganze Haus bedecken, in goldenen Lettern die Namen der Spender und Wohltäter aufgezeichnet sah, so mutzte ich unwillkürlich immer denken, daß dies wohl auch eine symbolische -Bedeutung habe, denn die Namen dieser Edlen sind auch mit goldenen Lettern in das Buch der Menschlichkeit eingegraben. — Ich habe den heißen Wunsch, daß dieser Appell nicht wie bisher ungehört verhallen möge und daß die mit Glücksgütern überreich Gesegneten auch jener gedenken, die in Schmerzen leiden. — Vielleicht kann ein Vorschlag, den ich nicht als Antrag, sondern nur als Anregung hier Vorbringen möchte, unserem notleidenden Krankenhausfonds neue Mittel zuführen. — Der Tod mit seinen vorhergehenden Leiden macht wohl am meisten empfänglich für das Siechtum auch der Fremden. — Es wäre vielleicht angezeigt, bei unseren Friedhofsgebühren einen fakultativen Zuschlag von, sagen wir, 10 Prozent für das Spital derart einzuführen, daß er jedem, der ein Begräbnis anmeldet, in warmen Worten nahegelegt wird. — Eine Pression darf natürlich in keiner Weise ausgeübt werden, aber ich denke, daß jemand, der 1000 Kronen für die Beerdigung eines Toten ausgibt, es gewiß nicht als Last empfinden wird, freiwillig noch 100 Kronen zur Verlängerung des Lebens vieler armer Kranken beizusteuern. — Hätten wir bisher eine Einnahme aus diesem Titel für den Spitalsfonds gehabt, so hätte ich gewiß nie daran gedacht, die Ausgaben gerade hier zu restringieren. — Und auch ein zweiter Herzenswunsch, den ich habe, könnte aus einer solchen Einnahme, falls sich meine Erwartungen erfüllen, befriedigt werden, nämlich die Beistellung von, wenn auch bescheidenen Grabsteinen, für die kostenlos bestatteten so überaus zahlreichen Armen unserer Gemeinde. Ueber der regelmäßigen Arbeit des Alltages übersieht man nur zu leicht, daß das Leben in unserer Gemeinde frisch pulsiert und so muß ich, obgleich dies streng genommen nicht zum Budget gehört, zweier Schöpfungen gedenken,, die bestimmt sind, sich harmonisch in das Werk der so überaus großen sozialen Fürsorge unserer Gemeinde einzufügen. — Das Ziel, welches seinerzeit durch die Schaffung des Mannheimer Kinderasylfonds angestrebt wurde, ist nun gelungen, wenn gleich vorläufig in bescheidenem Umfange der Verwirklichung zuzuführen. — schulpflichtige Kinder im XV. Bezirke, Herklotzgasse 21/ eine Heimstätte für jüdische Kinder errichtet und die Kosten dieser Institution aus dem eben erwähnten Fonds sowie durch Heranziehung der Erträgnisse aus der seinerzeitigen hochherzigen Widmung des Ehepaares Gottlieb und Regine Bettelheim zu bestreiten. — In dieser Heimstätte sind nun aus der Reihe der verlassenen Kinder, welche unter Obhut unserer Gemeinde stehen, 30 Knaben und Mädchen, untergebracht worden, um diesen armen Wesen soweit als nur irgend möglich, Ersatz für das Elternhaus zu bieten. — Sollte der Wohltätigkeitssinn unserer Mitbürger weiter helfen, so können in ganz absehbarer Zeit vielleicht noch weitere 30 Kinder dahin gebracht werden, der Wiener Iudenschaft zur Ehre zu gereichen. Ferner ist zu unser aller Freude unter Heranziehung der im Budget ausgewiesenen Jubiläumsstiftung per 100.000 Kronen ein neues jüdisches Knabenjwaisenhaus des Waisenvereins der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien der Vollendung nahe, und im vorigen Monat hat in Anwesenheit des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern die Feier der Gleiche stattgefunden. — Dieses Waisenhaus hat nun schon vor seiner Vollendung eine der herrlichsten Früchte getragen, indem es einen Entschluß zur Reife gebracht hat, der meines Wissens in seiner Art ganz vereinzelt dasteht. Ein kinderloses Ehepaar, welches aber ungenannt zu bleiben wünscht, hat uns kundgegeben, daß es sein ganzes nicht unbedeutendes Vermögen nach dem, hoffentlich recht späten Ableben, der beiden Ehegatten zur Errichtung und Erhaltung eines Pavillons dieses Waisenhauses bestimmt. Es gibt wohl kein schöneres Monument als jenes, welches sich diese wahrhaft edlen und großherzigen Menschen aus der ganzen Tiefe ihres Gemüts hiemit errichten, und wenn man unserer Zeit rücksichtslosen Egoismus und Mangel an Idealen mit Recht oder Unrecht vorwirst, so können wir Juden, solange es solche Mitbürger gibt, die so selbstlos sich mit der Allgemeinheit verbunden fühlen, freudig und zuversichtlich das sichere Bewußtsein haben, daß das Judentum niemals zu Grunde gehen kann. Ich empfehle das Budget Ihrer Annahme. (Lebh. Beifall.) In der Generaldebatte über das Budget ergreift das Wort Kultusvorsteher Dr.M. Spitzer. Die Auseinandersetzungen des Referenten haben auf mich einen ausgezeichneten Eindruck gemacht, aus den vorgeführten Taten spricht ein echt jüdischer Geist. In den letzten Tagen fanden mehrere Versammlungen von Wohltätigkeitsvereinen statt. In einer derselben hat der Herr Präsident, in einer zweiten der Herr Vizepräsident in der Ansprache auch die Tatsache erwähnt, daß wir die Hälfte der Steuereingänge für Wohltärigkeitszwccke verwenden. Aus dem lebhaften Beifalle, welchen die Mitteilung in jeder Versammlung auslöste, konnte man sich überzeugen, daß die jüdischen Wähler in voller Unkenntnis sind über die Natur unseres Budgets und unserer finanziellen Gebahrung. Wenn weitere Kreise über unsere Tätigkeit mehr und besser unterrichtet wären, so würde die Verwaltung eine ungleich günstigere Beurteilung erfahren. Das Defizit hat naturgemäße Ursachen. Die Entwicklung aller Institutionen steigert die Ausgaben, die Wohlfahrtseinrichtungen erfordern immer neue Mittel. Trotzdem ist das Defizit nur ein scheinbares. Seit zehn Jahren hat der Vorstand außerordentliche Ausgaben aus den ordentlichen Einnahmen bestritten, während anderwärts Anlehen ausgenommen werden, um ordentliche Ausgaben zu decken. An Sparsamkeit läßt man es nicht fehlen, indes unabwendbare Bedürfnisse heischen Befriedigung und eine

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