Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 892 Dr. Blochs Wochenschrift. ^r. 62 und erst zum Schlüsse meine Ansichten über das sich uns bietende Gesamtbild und über die Zukunftsaussichten zu entwickeln mir erlauben. Redner beleuchtet in instruktiven Ausführungen Abschnitte A und B und bemerkt: Meine im Vorjahre ausgesprochene Erwartung, daß wir uns Heuer mit der dringend nötigen Regulierung der Gehalte unseres Lehrkörpers beschäftigen werden, ist leider bisher nicht erfüllt worden; allein die Angelegenheit ist zu meiner Genugtuung doch so weit vorgeschritten, daß in allernächster Zeit, wohl zu Beginn des nächsten Jahres, das diesen wichtigen Gegenstand betreffende vollständig ausgearbeitete Elaborat des Bureaus der Unterrichtskommission zur Diskussion vorgelegt werden wird. — Es ist also zweifellos, daß in sehr absehbarer Zeit diese lange genug aufgeschobene Verpflichtung unserer Gemeinde, die Lehrer, die Erzieher der zukünftigen Generation, so zu stellen, daß sie keine materiellen Sorgen haben, erfüllt werden wird. Abschnitt C. Friedhofs- und Beerdigungsangelegenheiten zeigen eine Erhöhung des veranschlagten Ueberschusses um 600 Kronen. Leider rückt in jedem Jahre der Augenblick näher, wo der uns zur Verfügung stehende Platz vollständig ausgenützt sein wird, und die Erweiterung des gegenwärtigen oder die Erwerbung eines neuen Friedhofes wird immer mehr zur brennenden Frage. — Ich werde noch Gelegenheit haben, auf diesen wichtigen Gegenstand zurückzukommen. Abschnitt D. Israelitisches Spital ergibt, trotzdem die ordentlichen Ausgaben sich neuerdings um ca. 5000 Kronen erhöhten, eine Verminderung des vermutlichen Zuschusses um ca. 16.000 Kronen, weil durch eine neue Stiftung der Spitalerhaltungsfonds um 5000 Kronen gestärkt und bei Verpflegsgebühren eine Mehreinnahme von 15.000 Kronen angenommen wurde. In der ursprünglichen Fassung des Budgetentwurfes, welchen ich der Spitalskommission vorlegte, hatte die Post 38 von 11.300 Kronen Medikamente für ambulante Kranke gefehlt, deren Streichung ich beantragte, die aber von der Kommission und vom Vertreterkollegium wieder eingesetzt wurde. — Nicht unerwähnt möge bleiben, daß ich beabsichtigte, mit Hilfe des Spitalaushilfsfonds eine Abmachung mit der Chewra zu treffen, damit trotzdem den armen Kranken wenigstens teilweise diese Wohltat auch in Zukunft nicht entzogen werde, denn meine Absicht war ja nur, die Gemeinde selbst zu entlasten. — Auch ich hatte mich nur schweren Herzens zu dieser Streichung entschlossen, und dies aus dem dreifachen Grunde getan, weil diese Medikamentenverabfolgung erstens in keinem Krankenhause üblich ist, weil ferner in unserem Ambulatorium, bei welchem selbstverständlich die Konfession der Kranken gar keinen Unterschied machen darf, man diesen Unterschied bei Verabfolgung von Medikamenten eigentlich auch nicht gut eintreten lassen kann, endlich, weil die Lasten, die das Spital der Wiener Iudenschaft auferlegt, ohnehin schon derart hohe sind, daß wir uns fragen müssen, ob wir überhaupt berechtigt sind, über den heutigen Stand der Dinge und damit der Opfer, welche wir der Wiener Iudenschaft aus diesem Titel auferlegen, hinauszugehen. — Da für mich einerseits angesichts der Finanzlage unserer Gemeinde, anderseits infolge der in diesem Jahre durch die bedeutende Erhöhung der Aerztegehalte und der weiteren Steigerung der Lebensmittelpreise neuerlichen Vermehrung der Ausgaben für das Spital die zwingende Notwendigkeit vorlag, Ersparungen, soweit überhaupt möglich, durchzuführen, so wollte ich natürlich nur dort ansetzen, wo ich durch solche nicht direkt kranke Juden von unserer Tür weisen möchte. — Bei der ambulatorischen Behandlung, wo das konfessionelle Moment, welches für die Unterhaltung unseres Krankenhauses eines der wichtigsten Hauptmotive darstellt, in keiner Weise in die Wagschale fällt, handelt es sich nun tatsächlich, und das muß ich als gewissenhafter Finanzreferent offen aussprechen, um eine ganz bedeutende Ausgabe, die gewiß eine sehr schöne und menschenfreundliche, aber, nachdem doch in den zahlreichen Ambulatorien der staatlichen Spitäler jeder Jude selbstverständlich Aufnahme und Behandlung findet, sicher keine solche Institution ist, welche eine mit Defizit arbeitende Kultusgemeinde sich überflüssigerweise gestatten darf. — Ich habe vorläufig noch nicht beantragt, diese Post Ambulatorium gänzlich zu streichen, ich habe nur den leisen Versuch gemacht, ein gar zu viel abzustellen. — Ich mache aber heute schon darauf aufmerksam, und auch dazu bin ich als Finanzrefernet verpflichtet, daß, wenn wir in dieser Weise fortfahren, sich gar leicht die Möglichkeit ergeben kann, daß ich oder ein zukünftiger Finanzreferent sich in die Zwangslage versetzt sehen wird, eine Reduktion des Bettenstandes überhaupt als unvermeidlich Ihnen anzukündigen; denn leider nur gar selten erfährt unser Spitalfonds solch hochherzige Förderung wie dies durch die anläßlich des Ablebens des Herrn Abr. M. Elias errichtete Stiftung, die Abraham M. und Pauline Elias-Stiftung geschehen ist und welche ich mit Freude und mit herzlichstem Dank hier quittiere. Abschnitt E.' Versorgungs- und Siechenhaus zeigen ebenfalls, trotzdem die ordentlichen Ausgaben unverändert geblieben und die außerordentlichen sogar um 1000 Kronen höher eingestellt worden sind, eine Verminderung des von uns zu leistenden Zuschusses von 7600 Kronen, weil die Verpflegsgebühren um den Betrag von 7000 Kronen höher angenommen worden sind und die heuer erfolgte Vermehrung des Verwaltungsfonds ein Mehrerträgnis von 1200 Kronen ausweist. Dieser Abschnitt gibt mir, wie alljährlich, die erwünschte Gelegenheit, unseres rührigen Damenkomitee s, an dessen Spitze Frau Ida D i a m a n t, zu gedenken und allen Mitgliedern desselben für ihr so selbstloses und überaus erfolgreiches Wirken unseren herzlichsten Dank abzustatten. — Wenn wir mit berechtigtem Stolz auf unser Krankenhaus Hinweisen dürfen, so ist es uns sicher gestattet, uns auch mit unserem Versorgungs- und Siechenhaus in nicht geringerem Maße zu freuen; denn diese herrliche Institution setzt uns in die Lage, 300 Personen teils den Lebensabend, der sonst ein recht trauriger für sie wäre, zu einem angenehmen zu machen, teils ihrem Siechtum jene herzliche Pflege angedeihen zu lassen, deren sie bei ihrem jammervollen Zustand in so hohem Maße bedürfen. — Wie ich schon im Vorjahre erwähnte, ist es möglich geworden, durch die für Neuaufstellung von Betten bestimmte hochherzige Zuwendung eine bedeutende Vergrößerung des Hauses vorzunehmen. — Wir find bei dieser Gelegenheit noch darüber hinausgegangen und haben weitere 15 Betten aus eigenen Mitteln hinzugefügt, weil wir angesichts des schrecklichen Elendes der Ansuchenden und der überaus großen Zahl jener, die wegen Platzmangel zurückgewiesen werden müssen, es nicht anders tun konnten, obgleich unsere mißlichen finanziellen Verhältnisse neue Lasten in keiner Weise vertragen. — Das warme und herzliche Empfinden für unsere leidenden Mitbürger war eben stärker als die kühle Vernunft, aber als Finanzreferent habe ich doch die Verpflichtung, meine warnende Stimme zu erheben und es auszusprechen, daß. wenn nicht etwa doch von privater Seite eine Stärkung unseres Erhaltungsfonds erfolgt, wir in absehbarer Zeit nicht daran denken dürfen, weitere Lasten aus diesem Titel der Gemeinde aufzubürden. — Wir sind an der alleräußersten Grenze unseres Könnens angelangt und diese Grenze zu überschreiten, so wie es beim Spital geschehen ist, wäre gegen das Interesse des gesicherten Bestandes unseres Gemeindewesens gehandelt.