Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 890 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. 52 mit Stimmenmehrheit sich für den zweiten Teil des russischen Vorschlages ausgesprochen, wonach das engere Aktionskomitee nach Berlin verlegt und Professor Marburg an die Spitze desselben gestellt werden soll. Nordau hat nun dem Korrespondenten des genannten Blattes gegenüber erklärt, daß er unter keinen Umständen das Präsidium der zionistischen Partei übernehmen werde, da er sich nicht für den geeigneten Menschen halte, der die ganze Bewegung zu leiten im stände wäre. Das wichtigste Motiv Nordaus ist, daß er sich auch nicht für einen „Volljuden" hält, wie er sich ausdrückte. Cr ist Zionist durch und durch. Das gesamte Judentum könne aber in ihm unmöglich ein Musterbild eines Juden erblicken und das ist, nach Nordaus Ansicht, das wichtigste Hindernis für seine Präsidentschaft. Dieser Umstand hat sich auch an Herzl gerächt. Aber Herz! war der erste Begründer der Partei. Nordau behauptet, daß Wolffsohn auch weiterhin der Präsident bleiben müsse, weil keiner vorhanden sei, der ihn ersetzen könnte. Die Tatsache, daß von den etlichen Millionen Juden heute kaum 80.000 Zionisten sind, beweist nach Nordaus Ansicht die Notwendigkeit, noch viel organisatorische Arbeit zu leisten. Und diese organisatorische Arbeit leistet Wolffsohn sehr gut. Man könne ihm höchstens die Richtung genau vorschreiben, in welcher er zu arbeiten habe, aber man dürfe ihn nicht von der Parteileitung verdrängen. Nordau betrachtet die Erhaltung des Status quo in der Parteileitung als seine wichtigste Tätigkeit auf dem Kongresse. Ansiedlung jüdischer Emigranten in -er Türkei. Gelegentlich des offiziellen Besuches des Grobrabbiners der Türkei, Nahoum Efendi, äußerte der türkische Kammerpräsident, Achmed Riza Bey, daß die türkische Regierung geneigt wäre, die Einwanderung und Ansiedlung jüdischer Emigranten in verschiedenen Ländern der Türkei durch allerlei administrative Erleichterungen zu fördern, um die heute leerstehenden Gebiete mit einer arbeitsamen und loyalen Bevölkerung zu füllen. Ähnliches führte der Minister des Evkaf (wohltätige Stiftungen), Hamada Pascha, im Senat aus. Auf Anregung und durch Vermittlung des türkischen Botschafters General Nizami Pascha in Berlin unterbreitete nun die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation der türkischen Regierung eine Denkschrift, betreffend die Ansiedlung jüdischer Emigranten in der Türkei. Bemerkt sei, daß die A. I. K. O. eine internationale, rein humanitäre Vereinigung ist, deren Satzungen alle politischen und Parteitendenzen ausschließen und an deren Spitze namhafte Israeliten verschiedener Länder stehen. Zum Zwecke mündlicher Unterhandlungen mit der türkischen Regierung wurde der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der A. I. K. O., Dr. Alfred Nossig, nach Konstantinopel entsandt. Während der Unterhandlungen, die sechs Wochen in Anspruch nahmen, weilte auch der Botschafter Nizami Pascha in Konstantinopel. Dr. Nossig wurde vom Großwesir Hilmi Pascha, sowie von allen zuständigen Ministern mehrfach empfangen und hatte eingehende Besprechungen mit dem Kammerpräsidenten Achmed Rizä Bey und hervorragenden Abgeordneten. Das Resultat der Unterhandlungen, welches den Aeußerungen der genannten türkischen Staatsmänner entspricht, soll den jüdischen Großgemeinden unterbreitet werden. Die gesetzlichen Grundlagen für die Einwanderung und Ansiedlung der jüdischen Emigranten werden durch das vom Finanzminister Djavid Bey demnächst einzubringende Gesetz über das Eigentum juristischer Personen, sowie durch ein spezielles Gesetz über die Modalitäten der Einwanderung geschaffen werden. Die Organisierung der Einwanderung und Ansiedlung soll eine Aktiengesellschaft nach ottomanischem Recht in die Hand nehmen. In Würdigung des humanitären Zweckes des Unternehmens, das gleichzeitig mit wesentlichen wirtschaftlichen Vorteilen für die Türkei verbunden sein wird, hat sich ein Komitee aus hervorragenden türkischen Patrioten und Philanthropen gebildet, unter dessen Protektorat alle weiteren Schritte unternommen werden sollen. Anno 1809. Durch die Güte des Museumsarchivars. Herrn I. U. Dr. K. Hostas in Klattau erhielt ich ungefähr 40 Nummern der „Oesterreichischen Zeitung" aus dem Jahre 1809. Die patriotische Begeisterung, die damals in unserem Vaterlande anläßlich der Napoleonischen Kriege herrschte, läßt sich in Worten kaum wiedergeben. Die Spenden, die von allen Seiten dem Staate in der opferfreudigsten Weise zuflössen, waren sehr zahlreich. Besonders zeichnete sich in dieser Beziehung der alte Adel aus,- aber auch alle bürgerlichen Kreise wetteiferten mit demselben. Die „Oesterreichische Zeitung" sagt hierüber in der Nummer vom 12. Juli 1809: „Die freiwilligen Beiträge und Geschenke patriotischer Oesterreicher sind so zahlreich und mannigfaltig, daß eine durchaus vollständige und systematisch genaue Aufzählung derselben eine schwierige Arbeit sein würde, die Zeit und Muße erfordert und nur in der Folge erst ganz wird vollendet werden könne." Ich fand in den oben angeführten Blättern folgende israelische Spender : Je ein Pferd lieferten aus dem Jglaüer Kreise: die Pirnitzer Judenschaft, die Triescher jüdischen Handelsleute, die Triescher Judengemeinde, die Trebitscher Judengemeinde. Im Laslauer Kreise haben der israelitische Handelsmann Lazar Pick aus dem Städtchen Habern fünf Eimer guten Kornbranntwein, der Bestandmann Mayer Neustädte! aus dem Dorfe Luppadl (Schieber Herrschaft) zwei Eimer Branntwein, der Bestandmann Manasse Kornfeld zu Lfota (Lhota?) einen Eimer Wein und der Dornizer Bestandmann von Oaslau, Joachim Löwy, zwei Eimer Branntwein unentgeltlich für die tapferen Verwundeten des österreichischen Kriegsheeres dargebracht. Der Prager Großhändler Lämel (bekanntlich später geadelt) spendete ein Kürassierpferd im Werte von 400 fl. und ein Artilleriepferd im Werte von 325 fl. Salomon Neustadl, Kattunfabrikant zu Jungbunzlau, spendete 150 fl., dessen Sohn 50 fl., David Hamburger, Handelsmann daselbst, 50 fl., Moses Hamburger 50 fl. Der Prager Großhändler Simon Gottfried Joß hat als Kriegsbeitrag vier Stück böhmisch-ständische Obligationen im Werte von 611 fl. 337s kr. dargebracht,- die Leipniker Judengemeinde (Prerauer Kreis) spendete 50 Eimer Wein. Die Großhändler Moises Lackenbacher u. Komp, aus Kanischa (Ungarn) haben auf die Dauer des Krieges fünf Mann und fünf Pferde vollkommen ausgerüstet zu den Liechtenstein-Husaren nebst einer Zulage von 10 kr. per Kops, dann die gewöhnlichen Brot- und Pferdeportionen für Mann und Pferde. Manchmal werden die Beträge summarisch gemeldet. So lesen wir auf Seite 24 der genannten Zeitung, daß in Brünn außer vielen Einzelspenden der Handelsstand im Vereine mit den Fabrikanten, Bürgern und den daselbst wohnenden jüdischen Religionsgenossen 20.479 fl. 28 kr. zu Kriegszwecken gesammelt haben; aus Ungarn erscheinen die Spenden auch zumeist summarisch angegeben. Baum (Klattau). Ein jüdisches Regiment vor 100 Jahren. In einer in Essen erschienenen Zeitung „Allgemeine politische Nachrichten" aus dem Jahre 1809, die vom Sonntag, den 19. November datiert ist, findet man die folgende bemerkenswerte Notiz aus Holland: „Am 1. d. hat sich der Kriegsminister nach dem Haag begeben,