Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 51 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021870--18880-3043832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. öl Dr. Blochs Beschreibung des sechsten Krieges Tukulti-Ninips, den dieser in fünf Zügen, in einem Zeitraum von zwei und einem kalben Monat, gegen die Babylonier führte. Es ist besonders intereffant, der Keilschrift entnehmen zu können, daß die Assyrer ihren Sieg über Babylon vor allem ihrer-vorzüglich ausgebildeten Reiterei verdanken. Nicht weniger als 2720 Pferde wurden von ihnen erbeutet. Auf die Schilderung dieses Kriegszuges folgt die -Auszahlung der Werke, die Tikulti-Ninip in der folgenden Friedenszeit zur Hebung seines Landes geschaffen hat. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. Ursprünglich bearbeitet von E. Hecht und Dr. M. Kayserling. Achte Auflage mit einem Beiheft: «Perlen zur jüdischen Literatur". Neu bearbeitet in Verbindung mit Dr. Max Doctor, Landesrabbiner in Cassel, von Professor Dr. Adolf Biach. Ausgabe für Oesterreich- Unf.arn. Preis gebunden 3 Kronen. Leipzig, Gustav Engel. 1909. Die ursprüngliche Form des Hecht-Kayserling'schen Buches hat flch im 'Gebrauche nicht bewährt. Trockener Ton, Ueberfülle an Einzeldaten, "Mangel an Wärme und Uebersicht machten sich unangenehm fühlbar. Die neuesten Auflagen sind nicht approbiert. Das Ehrmann'sche, stark eingeführte und ehedem vielbenützte Buch war bekanntlich recht mittelmäßig; die Umarbeitung ist nicht approbiert. So haben wir denn eigentlich nur das Brann'sche Buch, das den ganzen Stoff der jüdischen Geschichte umfaßt und in sehr viel Mittelschulen Oesterreichs eingeführt ist. Es wird nicht von Schaden sein, wenn ein .zweites Werk in die Konkurrenz eintritt. Wir haben es mit einem ausgesprochen guten Buche eines sehr erfahrenen Schulmannes zu tun, der in richtiger Erkenntnis und vollem Verständnis für die Bedürfnisse der Schule und der Schüler Anordnung, und Auswahl getroffen hat. Die Darstellung ist einfach, schlicht, klar und doch warm genug, ohne in den Ton der Predigt zu verfallen, ohne jeglichen Schwulst und jede Phrase. Dabei ist aber nie versäumt, wo es angeht, eine apologetische Bemerkung unauffällig einzufügeu oder gegen weitverbreitete Jrrtümer und Vorurteile Stellung zu nehmen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der modernen Geschichtsforschung sind genügend berücksichtigt. Und auch gegenüber der tendenziösen Scheinwiffenschaft der neuesten Zeit hat Biach den richtigen Standpunkt eingenommen. Die hervorragendsten Persönlichkeiten sind genügend in den Vordergrund gestellt und charakterisiert, der pragmatische Zusammenhang der Weltereigniffe mit der Spezialgeschichte der Juden überall hergestellt. Dem Kulturhistorischen ist Raum genug gegeben. Noch immer aber könnten manche Einzelheiten ohne Schaden wegbleiben. Ganz besonders ist die e r ngehende Darstellung der Geschichte der Juden in Oesterreich und deren Anteil an Kultur und Literatur hervorzuheben. Es ist keine noch so kleine Gelegenheit versäumt, auf Oesterreich hinzuweisen. Das dem Buche beigegebene Probenheft, ist reich und mit Geschmack zusammengestellt. Natürlich gibt es da verschiedene Wünsche. Es ist aber gar keine. Frage, daß diese Liter turproben mit sicherem Erfolge benützt werden können. Kurz und gut. Biachs Buch, auch als das eines Oesterreichers, verdient aufmerksamste Beachtung Es ist ministeriell approbiert; es wird seinen Weg machen und verdient es auch. Dr. Feuchtwang. Dieser Tage feierte der bedeutende Schriftsteller und Germanist Fritz Mauthner seinen sechzigsten Geburtstag. .Münchner, ein österreichischer Jude, hat sowohl auf belletristischem .wie wissenschaftlichem Gebiete gleich Ausgezeichnetes geleistet. Seinen bedeutenden, „Der neue Ahasver« betitelten Roman, der die Judenfrage behandelt und die Anfänge des Antisemitismus in Deutschland schildert, widmete Mauthner dem großen Historiker Th. Mommsen. In der Einleitung begründet der Verfasser diese Widmung eines belletristischen Werkes einem Forscher vom Range.Mommsens und präzisiert darin auch seine Ansichten über die Judenfrage. Im «neuen Ahasver" zeigt Mauthner, daß er ein warmes, empfängliches Herz für die Leiden seiner bedrängten Glaübensbrüder hat, und geißelt mit scharfen Worten «die Schmach des Jahrhunderts". * -p * Josef Israels, der 86jährige Nestor der niederländischen Malerzuuft, hat dieser Tage wieder ein'Gemälde .vollendet, das von der ungeschwächten Schaffenskraft dieses eminenten Künstlers zeugt. Es stellt einen am Herd fitzenden Greis dar. der mit einem Stückchen Kohle seine Pfeife anzündet. Das feine Kolorit beweist, daß im Auge des Künstlers )nöch jugendliches Feuer lodert,Wer feste Strich kann unmöglich von der zitternden Hand eines Greises herrühren. Wirklich, ein Wunder: der Maler und sein Werk._ 4- * * . Jakob Adle r, der hervorragendste Jargonfchauspieler und Direktor des jüdischen Theaters in Newyork hat sich entschlossen, nicht mehr in „yiddischen" Stücken aufzutreten und Wochenschrift. ®*itc 883 auch kein Theater mehr zu leiten, in dem im Jargon gespielt wird. Er erklärt, die Forderungen der Schauspieler-Union, hinter der die Theaterarbeiter aller Art und auch die Musiker stehen, machten es ihm unmöglich, noch länger auf der Ostseite New-Jorks aufzutreten. Adler wird voraussichtlich in einigen seiner Glanzrollen in englischen Theatern auftreten, wie auch seine Gattin, Frau Sarah Adler, an der die jüdische Kunst eine hervorragende Kraft verliert. Neue Bücher. 32. Jahresbericht der Landesrabbinerschnle in Budapest für das Schuljahr 1968—1909. Voran gehr: Zar Einleitung rn die Halacha von Prof. Dr. Michael G u t t m a n n. (Erstes Heft.) Budapest 1809. Dr. Markus Landau. Hölle und Fegefeuer in Volksglaube, Dichtung und Kirchenlehre. Heidelberg 1909. Karl Winter's Univerfitätsbuchhandlung. Adolf Dessauer. Großstadtjuden. Roman. Zweite Auflage. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller, k. k. Hof- und Univerfitätsbuchhändler, 1910. Die Juden im Heere. Herausgegeben vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus Berlin. Verlag des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, Berlin W, Magdeburgerstraße 14. _ Kriefkape«« „Wilhelm" i» Wien. Sie sind „ein Feind jeder konfessionellen Bevormundung und jedweder Pfafferei". Wann und in welcher Art ist Ihnen diese «konfessionelle Bevormundung" und die jüdische „Pfafferei" denn lästig geworden, als Sie dem Verbände des Judentums noch angehörten? Hat man Sie zur Teilnahme am jüdischen Gottesdienst genötigt? Hat man Ihre religiöse Lebensführung beschnüffelt? Alles, wozu man sie verpflichtet hatte, war, einen Geldbeitrag zu leisten, eine sogenannte Kultussteuer zur Erhaltuna des israel. Spitals, des jüdischen Altersversorgungshauses, des jüdischen Siechenheims, des jüdischen Waisenhauses, zur Unterstützung des jüdischen Armenamtes, des jüdischen Arbeit'-Nachweises. Die jüdischen Armen und Notleidenden werden von allen öffentlichen Wohlfahrtsinftituten boykottiert und Sie, H rr Wilhelm, der Sie vorgeben, ein Freidenker zu sein und ein «Feind konfessioneller Bevormundung", beteiligen sich an diesem Boykott Ihrer armen notleidenden Brüder, indem Sie sich durch Ihren Austritt aus dem Judentum der Pflicht entziehen, die Zufluchtsstätte dieser Unglücklichen mit einem Beitrag zu unterstützen. Die Gemeinschaft des Judentums basiert nicht auf einer Anzahl von Glaubenssätzen, sondern sie hat ihre Wurzel in der gemeinsamen Vergangenheit und in dem gemeinsamen Geschick der Gegenwart. Darum ist Austritt aus dem Judentum eine Lossagung von dem Geschick der leidenden und kämpfenden Brüder! Somit fragen Sie sich selber, ob die Bezeichnung „Renegat" und «Deserteur" in diesem Falle so ganz unberechtigt ist. A. W. in Eger. Besten Dank. A in Zuaim. Daß dort so wenig geschieht, den jüdischen Fleischhauer zu unterstützen, ist gewiß betrübend, allein vor publizistischer Bearbeitung müssen wir erst nähere Daten abwarten. L. in Lemberg. Zur Beantwortung Ihrer Anfrage schreibt uns Herr Lazar Gstettner aus Preßburg: Was den Ursprung der Ueberreichung der üblichen Martinigänse durch unsere Gemeinde betrifft, sind verschiedene Versionen im Umlaufe, jedoch finden sich hierüber in unserem Archive keine Aufzeichnungen. Das Gemeinde-Archiv, welches sicher wertvolle Aktenstücke enthielt, wurde bei dem großen Brande, welcher anfangs des 19. Jahrhunderts hier wütete, ein Raub der Flammen. Jndeß bin ich der Lage, über eine Version, die an Tatsachen grenzen dürfte, Mitteilung zu machen: Die hiesige Judengemeinde war vormals — zirka vom Jahre 1656 bis zum Jahre 1848 — verpflichtet, an das hiesige katholische Domkapitel, deffen Schutzpatron Martin ist, eine Kirchensteuer in Form von Gänsen und-dies am 11. November — als am Martinstage — abzuführen, überdies aber an Se. Majestät, dem obersten Schutzherrn dieser Kirche, den Martins-Gansbraten zu überreichen. Mil dem Jahre 1848 hörte die obangeführte Pflichtabgabe auf. die Judengemeinde war hievon wohl entbunden, behielt aber — mit Einwilligung Se. Majestät — die Pflicht, die nunmehr den Charakter einer allerhöchsten Auszeichnung annahm, am Martinstage die üblichen Gänse für die Hoftafel zu besorgen- Im Jahre 187-4, als sich die hiesige Gemeinde in eine orthodoxe und Neologen-Gemeinde teilte, stellte letztere an die Kabinetskanzlei das Ansuchen, in gleicher Weise Martins-Gänse überreichen zu dürfen, welches Anerbieten jedoch abgelehnt wurde. Diese hohe Auszeichnung ist also nur der orthodoxen Muttergemeinde belassen worden.