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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 Seite 875 Dr. Blochs Wochenschrift. Ein Kongreß der Inden in Rumänien. In kurzem soll, wie auS Bukarest unterm 5. d. M. gemeldet wird, ein Kongreß der Juden des Landes stattfinden Der Zweck dieses Kongresses wäre, gegen die neue Gesetzesvorlage für die Förderung der nationalen Industrie und gegen das neue Sanitätsgesetz zu protestieren, durch deren Bestimmungen die jüdische Bevölkerung des Landes hart betroffen wird; durch das Jndustriegesetz werden die Juden nämlich der Möglichkeit beraubt, ihre Existenz in der Industrie zu finden, während das zweite Gesetz ihnen den letzten freien Beruf verschließt, der ihnen noch offen blieb, das ist der ärztliche Beruf. Der Kongreß dürste aller Voraussicht nach noch im Frühling stattfinden. Minister Pichon über die Judenverfolgungen in Marokko. Der französische Minister des Auswärtigen, Pichon, kam in seiner jüngsten Rede über die Grausamkeiten der Regierung Mulay Hafids in Marokko auch auf die traurige Lage der marokkanischen Juden zu sprechen. Er sagte diesbezüglich: „Wir erhalten von den israelitischen Assoziationen bittere Klage darüber, daß die jüdische Gemeinschaft selbst inmitten dieser Grausamkeiten mit exzeptioneller Strenge behandelt wird. Rach den von uns eingeholten authentischen Informationen sind Prügelstrafen und Zwangsarbeiten Tag und Nacht in noch erhöhterem Maße als früher auf der Tagesordnung und es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß Juden infolge dieser grausamen Behandlung haufenweise ihr Leben lassen müssen." Die Deputierten von Jerusalem über die Einwanderung der Juden nach Palästina. Der Redakteur der hebräischen Zeitung „Hazewi" in Jerusalem hatte mit den zwei Deputierten von Jerusalem. den Arabern Said Effendi und Nuchi Effendi, vor ihrer Rückreise nach Konstantinopel eine Unterredung über die Einwanderung der Juden nach Palästina. Der Deputierte Said Effendi sagte unter anderem: „Ich stimme mit Ihnen darin überein, daß die Juden sehr viele Vorzüge besitzen. Sie sind intelligent, scharfsinnig, fleißig, arbeitsam, energisch und sparsam. Die Juden können den anderen Bewohnern des Reiches als Muster dienen und es ist kein Zweifel, daß sie, wo immer sie sich ansiedeln werden, sowohl dem Staate als auch der Bevölkerung Nutzen bringen werden. Die Türkei muß sie also mit offenen Armen empfangen. Aber für die Juden selbst wie auch für den Staat und die übrigen Bewohner ist es besser, daß die Juden sich nicht konzentriert auf einem Orte ansiedeln. Was Palästina betrifft, so ist da für eine Masseneinwanderung nicht genügend Platz vorhanden, außerdem ist auch das Land nicht darauf vorbereitet. Einzelne Juden können sich in Palästina niederlassen, aber nicht Tausende und Zehntausende. Dasselbe gilt auch von anderen Teilen des Reiches. Aber all das steht nur für den Fall, daß selbst die wenigen einwandernden Juden Ottomanen werden und nicht unter dem Schutze einer fremden Macht bleiben." Deputierter Nuchi erklärte zunächst, daß der „rote Zettel" wirklich eine Schande sei Und abgeschafft werden müsse. Aber auch er ist der Meinung, daß Palästina nur für einzelne Juden geöffnet werden dürfe. Hingegen sprach er sich entschieden gegen die Gründung jüdischer Kolonien aus. „Die Juden" — meinte er — „haben die finanzielle Möglichkeit, viel Land aufzukaufen und auf diese Weise die arabischen Bauern von ihrem Boden und dem Erbe ihrer Väter zu verdrängen. Wir haben das Land nicht von Euch Juden eingenommen, sondern von den Byzantinern, chie damals hier geherrscht haben. Wir schulden den Juden gar nichts. Als wir das Land eroberten, waren die Juden überhaupt nicht hier:" Der Redakteur des „Hazewi" wies nun dem Deputierten nach, daß die Juden auch bisher von den Arabern keinen Boden gekauft haben, daß die Araber von den Juden schon bisher viel Nutzen hatten, daß schließlich sowohl für die Araber als auch für die Juden Land genug in Palästina sei und daß die Juden neues Leben ins Land bringen usw. „Gewiß", unterbrach der Araber den jüdischen Redakteur, „ich leugne das alles nicht, aber wir werden in allen Fällen die nötigen Mittel ergreifen, um die großen Pläne der Zionisten zu zerstören." Die Zrvaugstaufe» in Sibirien. Aus zahlreichen fibirischen Städten kommt die Nachricht, daß die Vertreibung der Juden von dort immer größere Dimenfionen annimmt. Zahlreiche Juden versuchen fich dadurch zu „retten", daß fie die Taufe nehmen. Da jedoch eine jüngst erfloffene Entscheidung des Synods den llebertritt zur rusfischorthodoxen Kirche den Juden sehr erschwert, beginnen die fibirischen Juden in Mafien zur lutherischen Kirche überzutreten. Ein russischer Gesetzentwurf zur Regulierung der Auswanderung. Wie „Rjetsch" meldet, hat eine Spezialkommission unter Vorsitz des Gehilfen des Handelsministers Miller einen neuen Gesetzentwurf zur Regelung der Auswanderung aus Rußland ausgearbeitet. Die Frage wurde zuerst im Jahre 1906 unter Handelsminister Fillosoffow in Behandlung gezogen, wegen einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem Handelsminister und dem Minister des Innern kam jedoch damals das Gesetz nicht zu stände. Das vorliegende Projekt enthält die folgenden wesentlichen Punkte: Schutz der Emigranten vor Ausbeulung durch verschiedene Agenten, Maßregeln, durch welche der russische Emigrationsstrom über die russischen Häfen geleitet werden soll, anstatt über die deutschen, wo die Emigranten sich jetzt „über die Grenze hinüberstrhlen müssen". Um dies zu erreichen, wird die Abschaffung verschiedener Gebühren und Erleichterungen bei Erlangung der Auswanderertarife vorgeschlagen. Die Sorge der russsischen Regierung um die Hebung der russischen Schifffahrtgesellschaft geht in diesem Gesetzentwürfe so weit, daß für Emigranten, die über Libau auswandern. Fahrtermäßigungen auf den Bahnen und eventuell Gratispäffe vorgesehen sind. Die jüdische« Beterauen des amerikanischspanischen Krieges. Aus New-Aork wird gemeldet: Groß war die Zahl der jüdischen Soldaten, die feiitergeit im spanisch-amerikanischen Kriege unter dem Sternenbanner Amerikas fochten. Nach Beendigung des Krieges gründeten die heimgekehrten jüdischen Soldaten einen Verband jüdischer Veteranen, der nun vorige Woche sein zehnjährige- Gründungsfest feierte. Im Präfidium befanden fich die Kommandanten Oberst Moritz Simons und Major Jfidor Fried. Als Ehrengäste erschienen der bekannte Philanthrop Nathan Straus und der katholische Geistliche Pater Riem, der seinerzeit auf dem Kriegsschiffe „Misfifippi" fich befand. Das Fest begann mit einer Haskarah für die im Kriege gefallenen jüdischen Kameraden. ES wurden mehrere Rede« gehalten, in denen darauf verwiesen wurde, daß die jüdische Religion und Tradition den Patriotismus sowohl im Kriege wie im Frieden zur Pflicht mache und daß die Juden die Loyalität gegen daS Land, daS ihnen die Freiheit gegeben, wie auch gegen die Kameraden, die mit ihnen ihr Leben zu opfern bereit find, als die schönsten Tugenden ansehen. Großen Eindruck machte die Rede Nathan Straus', der die jüdischen Veteranen aufforderte, nie zu vergeffen, daß fie Inden find. „Sin jüdisches Lebe« führen heißt ei» patriotische- Leben führen. denn derjenige, der sich selbst und seine Religion achtet, ist auch fähig, anderen den Respekt abzutrotzem"

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