Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 51 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 87« Dr. Blochs Wochenschrift^ Slr 51 Rede eines christlichen Geistliche« in Australien. Viel besprochen wird Ln englischen Blättern eine Rede, die der Geistliche Rev. Dr. Watkin jüngst in der Wesley-Church zu Melbourne in Australien über das Verhältnis des Christentums zum Judentume gehalten hat. Er sagte u. a.: „Die größten Männer, die Gott je geschaffen, waren Juden. Den Juden verdanken wir die größte Literatur, die die Welt besitzt. Scheiden wir aus der christlichen Hymnologie die Hymnen aus, die ihre Inspiration den Psalmen und Propheten der Juden verdanken, und wir würden eine unersetzliche Lücke empfinden. Den Juden verdanken wir das Gesetzbuch, auf welchem unsere ganze Jurisprudenz aufgebaut ist. Verfolgen wir alle unsere Gefitze bis auf ihren Ursprung, so werden wir finden, daß sie einem - der Zehngebote entspringen. Die besonderen jüdischen Gesetze verdienen auch heute noch von unseren Gesetzgebern studiert zu werden. Auch die australischen Farmer könnten manches, von den jüdischen Agrargesetzen lernen. Als Dr. Carstairs zum Chef des Sanitätsdepartements von Geelong ernannt wurde, studierte er zunächst die sanitären Vorschriften Moses und mußte finden, daß die Juden alle Entdeckungen der modernen Wissenschaft auf diesem Gebiete bereits antizipiert hatten. Diese Vorschriften enthalten die Isolierung der mit infektiösen Krankheiten Behafteten, die Verbrennung des Kehrichts und der Abfälle, peinlichste Reinlichkeit und strenge Spielgesetze. Die Juden haben seit der Zerstörung Jerusalems viel Unrecht von den Ehrsten erdulden muffen. Ich bin der Ansicht, daß die politische Karriere Großbritanniens als Reich von dem Tage beginnt, da es begann, die Juden menschlich zu behandeln. Jedes Land, das die Juden unterdrückt, muß früher oder später dafür büßen. Spanien unterdrückte die Juden und Gott hat ihm heimgezahlt. Evenso erging es Rußland. So wie Gott in alter Zeit Nationen erstehen ließ durch seine Streitaxt und seine Kriegswaffen, so ließ er Japan erstarken, um Rußland für die Unterdrückung der Juden zu züchtigen. Es ist um dos Gewissen des Christentums schlecht bestellt, wenn wir im 20. Jahrhundert die Grausamkeiten des Sultans von Marokko gegenüber Christen verurteilen und keine Worte der Verurteilung finden, wenn es sich um Grausamkeiten handelt, die den Juden zugefügt werden. Wir Christen sind den Juden zunächst Dank schuldig und haben überdies vieles gut zu machen, was wir an ihnen gesündigt haben." Jndenfeiudliche Ausschreitungen russischer Behörden. Vor wenigen Tagen wurde die Stadl Samara durch folgendes rohe Schauspiel in die größte Erregung versetzt. Vor der Börse wurden auf Verfügung der Polizei eine Reihe Schutzleute, aufgestellt, die den Befehl hatten, alle aus der Börse tretenden Juden zu verhaften und ins Polizeiamt zu bringen. Die Polizisten erfüllten diesen Befehl. Da sie aber weder alle Juden kannten, poch eine Namensliste erhalten halten, so packten sie jeden aus der Börse heraustretenden Menschen, den sie für einen Juden hielten, und schleppten ihn trotz seiner Gegenwehr ins Polizeiamt. Unter den verhafteten Juden befanden sich zwei Reichsdeutsche, die sich telegraphisch mit einer. Beschwerde über die unerhörte Vergewaltigung an ihren. Konsul wandten. Im Polizeiamt wurden die Verhafteten nach ihren Papieren befragt, und wenn sie sich über ihre Person ausweisen könnten, wieder freigelassen. Dabei wurden einzelnen, die sich zu protestieren erkühnten, Schmähreden an den Kopf geworfen. Diese Verhöhnung der elementarsten Bürgerrechte durch die Polizei hat die Sayrarasche. Börsenversaminlung, in der übrigens die Israelitin in. der Minderheit sind, aufs tiefste empört. Dgs, Botsenkomittze sandte an den Handelsminister ein Telegramm mit der Bitte, er möge eine, derartige Will- LrTder .Verwaltungsbehörden, die.den..Handel schädigt, unmöglich machen. Die, Folge dieser rcherhötten „Razzia" gegen die jüdischen Käufleute.gegeu diß..nicht das geringste vörliegt/ war ein In Opotschezk hielt dieser Tage in der russischen Kirche ein Mitglied des Verbandes der echt russischen Leute vom Altar eine aufreizende Rede gegen die Juden. Als der Priester diesem Unfug ein Ende zu machen versuchte, schlug der Verbändler den Priester ins Gesicht und setzte ungestört seine Hetzrede fort. Die Naturalisierung türkischer und palästinensischer Juden in Amerika. Eine äußerst intereffante und für die Juden sehr wichtige prinzipielle Frage ist jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgetaucht. Bekanntlich enthält das amerikanische Naturalisationsgesetz hinfichtlich der eingewanderten Asiaten, namentlich der Chinesen, Japaner rc. schwerwiegende Beschränkungen, so daß den Asiaten die Naturalisierung fast ganz unmöglich gemacht wird. In letzter Zeit häufen sich die Gesuche von eingewanderten Türken, Syrern und palästinensischen Juden um Herausgabe der Naturalisationspapiere. Der Bezirksrichter von New'Nork, Lacombe, stellte sich auf den Standpunkt, daß die Türken, Syrer und palästinensischen Juden nicht zu derjenigen Kategorie von Asiaten gehören, auf welche die gesetz-. lichen Restriktionen Bezug haben, weshalb ihnen die sogenannten ersten Bürgerpapie.re auszufolgen seien. Diese Entscheidung wurde angefochten und das zuständige Bureau des Handelsministeriums hat denn auch sein Gutachten dahin abgegeben, daß die einschränkenden Gesetze sich auch auf die erwähnte Kategorie von Asiaten beziehe, und daß die Regierung alle ihr zu Gebote stehenden Rechtsmittel erschöpfen müsse, um „die Einbürgerung dieser Elemente zu verhindern". Diese Frage liegt nun vor dem Obersten Gerichtshof, deren Entscheidung begreiflicherweise mit großem Interesse entgegengesehen - wird. Vermischtes. Krauzablösuugsfpende« zugunsten derChewra-Kadischa in Wien I., Seitenftettengaffe 4< für arme kranke Glaubens genoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Stella ESkenafi: Von Clara Semo 8 15.—, Fernande Bauer 10.—. Zusammen K 25.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Berta Weißenberg: Von Alois Lemberger K 40.—, Sigmund Kaufmann L0.—, Leopold Harpner 10.—. Josef Weißenberg 50.—, Th. G. Petrococchini 10.—, Berthold Schwar^kopf und Frau 10.—, Adolf Pisko 20.—, A. Burgern 20.—. Zusammen K lbO.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Tobias Guttmann: Von H. G- K 20.—, Robert Deutsch 20.—. Zusammen K. 40.—, Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny Schwoner: Von Rudolf Schwoner K 10.—, Dr. Alfred Schwoner 10.—. Zusammen K 20.—.. Anläßlich des Ablebens des sel, Moses Rothstern: Von Isidor Rothstern K10.—, Alfred Rothstern > 0.—. Zusammen L 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold L ö w y: Von Geschwister Löwy K 20.—, Hermann Adler 10.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich, des Ablebens der sel. Anna R e i tz : Von kais. Rat Leopold Sachs K 20.—, Regipe Pollack,. Edle v. Parnau 20.—, Moritz Haßberg 10.—, kais. Rat Alfred Sachs 10.—, Dr. Ludwig Sachs 10.—, Maximilian Sachs 10.—,. Serafine und Michael Lichtenstern 10.— , Julius Markstein 10.—, Gustav Prager 10.— , Bernhard Barber 10.—, Hermann Elias 10.—, Therese und-Heinr. Sonnenfeld 10.—, W Lothringer 10.—,. Zusammen K 150.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Adele Meininger: Von Leopold Meininger K 20.—. Anläßlich der Ablebens des sel. Richard K r a u S: Von Eduard Doctor L.40.—, Familie Engel 20.—, Familien Dreh 2lX—, Direktor Sigm. Reich 30.—, Sandor Braun 20.—» Rudolf Nostal 20.—, Zu», fammen K 140.—, Anläßlich des Ablebens des sel. Otto Frendenberg: Von' Dr. Alex. Bing K 20—»Josef Friedrich Dub 20.—, Alexander und Hilda Rosenzweig. 60.—,. Moriz Zweig und Frau 30.—, Ludwig Rosenzweig 20.—, Salo und Camilla Cohn. 30.—..Ludwig Zweig und' Frau 40.—, Jacques Kantor 30.—. Zusammen. L 230.—« , . Anläßlich der Ablebens der sel' Helene K o l d st ein: Von' Sigmund Albers K 10.—, Ludwig Rabl 26.—. Zusammen L 80.—. Anläßlich des Ablebens des seU Josefts G luu b e r: Von' Sandor Flaschner L. 10.—, . Em. Adler . 20.^, Max,. Äeiß10.— Leopold Reiß 2.—, Mqx Klaber 6.—« Zusammen 47^7—. , .