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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 872 Dt. Blochs nicht zu verfolgen. Für mich aber bitte ich auch um Gnade, da dem geständigen Verbrecher immer Milde gewährt wird, so daß ich hoffen darf, statt gerädert, bloh gehängt zu werden, denn aus der Verachtung mache ich mir sehr wenig daraus. Ehe ich aber zur Erekution am 14. Julmonds (wo das Blatt wieder erscheint) geführt werde, will ich nur noch dem berühmten Beobachtungskomitee (vulgo heiligen Vehme) zurufen, daß es diesem wichtigen Bunde — einen blauen Teufel angeht, was der Einzelne in seinem Privatleben tut. Es gibt keinen Zwang, keine Kontrolle, man kann kaufen, wo und bei wem man will! Zum Schluß frage ich nur noch höflichst und ganz ergebenst an, ob das vereheliche Beobachtungskomitee nicht vielleicht ein Beobachlungszimmer notwendig hat und ein solches mieten möchte. Ich wüßte ein solches in der Nähe von Pilsen. Heinrich Preutzer. Zum Charakterbild des Herrn Dr. Pattai. Um das Charakterbild jenes Herrn, welcher derzeit als Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses sein Unwesen treibt, den Zeitgenossen in gehörige Beleuchtung zu bringen, wiederholen wir nachstehend eine Mitteilung, welche die „Oesterreichische Wochenschrift" am 27. Juni 1890 veröffentlicht hat. Wir schrieben damals: „Die Affäre, welche zum gerichtlichen Nachweise der Abstammung der Kinder Schönerers von Schwul Leeb Kobn geführt hat, wird unseren Lesern gewiß ncch in Erinnerung sein; die Originaldokumente, Geburts- und Trauungsschein, sowie das famose Taufdekcet des erwähnten Schwul Kohn können über Ansuchen bei dem k. k. Bezirksgerichte Krems eingesehen werden. Die Austragung dieser Angelegenheit führte zu einem journalistischen und sohin zu einem persönlichen Renkontrc zwischen den beiden Parteivertretern Dr. Robert Pattai und Dr. Jaques Flscher. Dr. Pattai fühlte sich derart von seinem Kollegen beleidigt, daß er denselben — es war gegen Ende Dezember 1887 — durch zwei Berufsgenoffen mit dem Bemerken zum Zweikampf herausforderte, daß er mit seiner Person gegen die ihm widerfahrene Beleidigung einzutrcten wünsche. Diese Herausforderung wurde von den beiden Sekundanten des Herrn Dr. Fischer im Namen ihres Mandanten unbedingt angenommen. Merkwürdigerweise hatte Dr. Pattai gegen seinen Duellpartner auch eine Anzeige bei dem Disziplinarrate der Niederösterreichischen Advokatenkammer erstattet und seine Freunde stellten sich auf den Standpunkt, daß der Entscheidung durch den Ehrenrat der Standesgenoffen unter keinen Umständen vorgegriffen und daß nach Fällung des «kompetenten" Urteiles dieser Behörde eine allfällige Austragung der Affäre mit den Waffen durchgeführt werden könne. Vergebens wiesen Dr. Fischers Sekundanten darauf hin, daß es ja Dr. Pattai war, der mtt seiner Person gegen die ihm angetane Beleidigung einzutreten wünschte. Vergebens wurde bemerkt, daß es nach den allgemein giltigen Begriffen in solchen Angelegenheiten nicht angehe, daß der Beleidigte zuerst zu Gericht gehe und sich die Durchführung des Zweikampfes für den Fall Vorbehalte, als er vom Richter nicht die gewünschte Satisfaktion erhalte. Die Sekundanten des Herrn Dr. Pattai verharrten auf ihrem Standpunkte und Unterzeichneten schließlich ein Protokoll, nach welchem ihre Erklärung als Rücktritt von der Herausforderung und Dr. Fischer als gar nicht gefordert zu betrachten war. Diese Lösung scheint nun sogar dem Dr. Pattai etwas zu wenig nobel gewesen sein und er versuchte es. das Treffen durch den Wechsel in der Person eines Sekundanten wiederherzustelleu. Ein bekannter Antisemiten-Major war an die Stelle des einen Advokaten getreten und behauptete, daß nach seiner Auffaffung die Angelegenheit bis zur Entscheidung des Ehrenrates der Advokaten in Schwebe zu bleiben habe und daß von einer Rückziehung der Forderung nicht gesprochen werden könne. Die Kartelltrager des Herrn Dr. Fischer erklärten dem gegenüber die Angelegenheit als erledigt und dies umsomehr, als die gegnerischen Sekundanten auch mündlich den Rücktritt von der Forderung anerkannt hatten. Die Freunde des Dr. Pattai gaben schließlich die Erklärung ab, daß sie auf ihrem Standpunkte beharren und seinerzeit daraus die Konsequenzen ziehen werden. Damit war die Affäre in der Tat erledigt. Der DiSziplinarrat der Advokatenkammer stellte nach einer mit der penibelsten Genauigkeit geführten Untersuchung das Verfahren ein und die schwere Beleidigung, gegen welche Dr. Pattai mit seiner Person einzutreten wünschte, lastet noch heute — seit mehr als zwei Jahren — ohne jegliche Genugtuung auf ihm. Wir sind' gewiß keine Verehrer des mittelalterlichen Brauches. Wenn sich aber ein Mann von der öffentlichen Position des Herrn Dr. Pattai schon auf den Standpunkt der Ritterlichkett stellt, dann sollte man doch meinen, daß er nach den allgemein giltigen Grundsätzen der Ehre bei der Geltendmachung desselben verharren muß, auch wenn sein Gegner sich durch den angedrohten Schrecken nicht ins Bockshorn jagen läßt." Wochenschrift. Ar. 5i Professor T. G Masaryk über Jude», Assimilation und Zionismus. In einer Versammlung seiner Prager Parteiorganisation am 13. November, auf deren Tagesordnung: „Das Programm der fortschrittlichen Partei" stand, äußerte sich Professor Masaryk folgenderweise: „Etwas über die Juden. Heutzutage diskutiert man oft den Streit der Assimilanten und Zionisten. Was ist das Wesen der Juden? Ist es die Raffe? Man beurteilt die Raffe nach dem Aeußeren. Das find sekundäre, untergeordnete Merkmale. Man vermag die gestellte Frage wissenschaftlich nicht zu beantworten, die Rasse ist wissenschaftlich nicht erwiesen, weder die slavische, noch'diegermanische, auch die jüdische nicht. Was uns von den Juden unterschieden hat, ist die Religiou, denn wir hielten sie aus christlicher Liebe im Ghetto gefangen. Die Spuren dieser Behandlung sind an ihnen teilweise hasten geblieben. Auch die Sprache, der Jargon entftemdete. Bis zu meiner Realschule hatte ich noch keinen Juden gesehen und ich wich den Juden aus. Ich glaubte, sie benützen Menschenblut und ich scheute die Juden; von der Mutter wurde ich dazu angeleitet. *) Als Realschüler machten wir einen Ausflug, dabei wurde, wie obligat, getrunken, wir kehrten heim, es war beim Sonnenuntergang. Einer von uns, ein Jude, ich mochte ihn nicht leiden, lief hinter ein Tor. Mich interessierte es furchtbar, zu wissen, was er dort tue. Während die Anderen tollten und sich herumtrieben — betete er. Das imponierte mir. Alle Vorurteile gegen die Juden habe ich mit der Zeit abgelegt. Die jüngeren Generationen stehen einander näher, dieAssimilation ist vorhanden. Die Juden hören bereits auf, ausschließlich Geschäftsleute zu sein und werden es künftig auch nicht mehr bleiben. Gegen den Antisemitismus stehe ich aus Gründender Vernunft, aus Verstandesgründen, der Antisemitismus ist Klerikalismus. Mir selbst ist heute dieser klerikale Antisemitismus ganz fremd und Jude oder Nichtjude gilt mir ganz gleich. Manche Zionisten berufen sich auf mich, nicht ganz mit Recht. Wenn es genug Juden gibt, die sich als ein Volk erklären, so kann ich ihnen das Recht hiezu nicht bestreiten, Am Zionismus gefiel es mir, daß er sich seines Judentums nicht schämte und daß er sich der armen Juden annimmt. Die Auswanderung nach Palästina halte ich für einen Utopismus. Ich als Jude bliebe immer hier, würde hier kämpfen, nicht die Flucht ergreifen. I ch sehe, daß der Zionismus zur Reaktion führt. Ich kenne freilich den Zionismus in Rußland, den hiesigen Zionismus kenne ich nicht. Wenn sich Jemand nicht zu seinem Judentum bekennt, so ist das die eigenste Sache der Juden, diesen Widerstreit der Meinungen unter einander auszutragen, da steht es uns nicht zu, mit einzugreifen." Professor Masaryk wünscht zur weiterenKlarstellung dieserFrage einen besonderen Diskussionsabend zu bestimmen und zu diesem auch einen tschechisch sprechenden Zionisten „in effigie" einzuladen, welchem Wunsche natürlich bereitwillig entsprochen werden soll. Wir werden nicht ermangeln, über diesen interessanten Meinungsaustausch in der Prager tschechischen fortschrittlichen Parteiorganisation eingehend zu berichten. *) Bekanntlich ist Professor Masaryk in Mähren geboren, wo diese klerikale Erziehung der tschechischen Landbevölkerung auch heute noch die Regel bildet. Teilweise Ausnahmen der Besserung in jüngster Zeit sind eben hauptsächlich der verdienstvollen Aufklärungsarbeit Professor Mafaryks zu verdanken, der unermüdlich als Lehrer vom Katheder, in allen seinen viel gelesenen Schriften und Vrrsammlungsreden den tschechischen Klerikalismus bekämpft.

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