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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wette 871 Ar. 51 Dr. Blochs Alefsandro Fortis und die Juden. Durch den Tod des italienischen Staatsmannes Alefsandro Fortis werden Erinnerungen an eine interessante Episode während der Konferenz von Algeciras wachgerufen. Es handelte sich dabei um eine Besserung der Lage der nicht mohammedanischen Bevölkerung, vornehmlich aber der Juden in Marokko. Im Namen des Hilfsvereins der deutschen Juden lenkte damals dessen Präsident Dr. Paul Nathan die Aufmerksamkeit der Mächte aufs neue auf die überaus ungünstige Lage der marokkanischen Juden. Er erhielt vom deutschen Reichskanzler wohlwollende Zusicherungen, und der deutsche Delegierte wurde entsprechend instruiert. In Rom hatte Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin in Verbindung mit dem Advokaten Ravenna aus Ferara beim damaligen Ministerpräsidenten Fortis Audienz. Fortis erklärte, daß es sich nach seiner Ansicht um eine Frage der Humanität und der Zivilisation handle, die Italien unter allen Umständen in Betracht ziehen werde. Er werde auch selbst mit dem Ministerium des Auswärtigen — damals di San Guiliano — Rücksprache nehmen, um zu besprechen, ob Italien in dieser Frage nicht die Initiative ergreifen könnte. Charakteristisch für die Gesinnung des Verstorbenen war die Bemerkung: „Ich danke Ihnen, meine Herren, daß Sie zu uns gekommen sind und mir Gelegenheit geben, für eine Sache zu wirken, die die Menschheit angeht." Das Ergebnis der Bestrebungen ist bekannt. Die Konferenz hat sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß die Lage der Juden in Marokko fortdauernd verbessert werden müsse, ihre völlige gesetzliche Gleichstellung ist aber noch nicht erreicht. Zur Boykottbewegung gegen die Juden. Aus Eger wird uns geschrieben: Für die christlichen Völker naht das Weihnachtsfest, an welchem die Botschaft verkündet werden soll: „Friede den Menschen auf Erden." Die hell erleuchteten Schaufenster locken die Käufer und der Geschäftsmann trachtet, seine aufgespeicherten Waren an den Mann zu bringen. Die Konkurrenz ist ein Element des Lebens und darf nicht verurteilt werden. Aber heutzutage ist eine neuartige Konkurrenz aufgekommen. Zum Feste mit der Friedensbotschaft rüstet man sich mit einer Judenhetze und das Schlagwort wird ausgegeben und durch alle Straßen tönt es: „Kaufet nicht bei Juden." Indessen der gesunde Sinn der Bevölkerung reagiert nicht recht auf derlei Hetzrufe und die christliche Hausfrau kauft dort ein für den Bedarf des Festtages, wo ihr gediegene Ware preiswürdig geboten wird, gleichviel, ob der Verkäufer ein Jude oder ein Christ ist. — In den „Egerer Neuesten Nachrichten" ist man auf die ingeniöse Idee gekommen, die deutsche Bewohnerschaft Egers unter Kontrolle eines Ueberwachungskomitees zu stellen, welches die Ausgabe hätte, jede christliche Hausfrau, welche es wagen würde, ihre Einkäufe in einem jüdischen Geschäfte zu besorgen, der öffentlichen Verachtung zu überliefern. Wenn nun auch die k. k. Staatsanwaltschaft diesem Treiben ruhig zusah, so ging es doch den besseren Elementen in der christlich-deutschen Bevölkerung Egers über die Hutschnur. So erschien denn in dem gutchristlichen Tagblatt „Egerer Zeitung" Nr. 191, eine Erwiderung, welche ein Zeugnis ist, nicht bloß edler Gesinnung, sondern auch freien Mannesmutes inmitten einer verheerenden antisemitischen Hetze. Diese merkwürdige Erwiderung ist mit dem vollen Namen des hiesigen Stationschefs gezeichnet und hat folgenden Wortlaut: Wochenschrift. An das hochlöbliche neu kreierte „Beobachtungs-Komitee" in Eger. (Geschrieben vor meiner Hii.richtung am 14. „J ulm o n d s.") In den „Egerer Neuesten Nachrichten" des 11. „Julmonds", richtig Dezember, ist ein Aufsatz zu lesen, der eine Erwiderung direkt hrrausfordert. Nachdem der Artikel an die deutsche Bewohnerschaft von Eger gerichtet ist und ich auch ein Deutscher bin (aber auch Oesterreicher), muß ich für meine Person wenigstens die in diesem Artikel angekündigte Aktion auf das Entschiedenste zurückweisen! Derartige Fre . . . heiten übersteigen schon alles Maß und hofft der Unterzeichnete, daß auch andere Personen die Kourage haben, diesem Blatte vis-a-vis wirklich deutsch zu reden. Es soll wieder eine Hetze entriert werden, aber nur unter dem Publikum, wenn man es wagen würde, bei einem Juden einzukaufen! Ein Beobachtungsksmitee soll gebildet werden, welches diejenigen Deutschen, welche in Judenläden kaufen gehen, der Oeffentlichkeit namhaft machen und dadurch der allgemeinen Verachtung preisgeben solle. Bravo Stuwer!! Ja, was glaubt denn eigentlich dieses löbliche „Beobachtungs-Komitee"? Anscheinend hat dies nichts mit der Judenfrage zu tun, es sieht eher wie ein Konkurrenz-Manöver aus, gar nach dem Schlußpassus des famosen Artikels, unter den urgermanischen Weihnachtsbaum keine Geschenke, die bei Juden gekauft wurden, zu legen und die Judenläden wie die Pest zu meiden! Der Schreiber dieser Zeilen scheint das hiesige Publikum für sehr naiv, oder sagen wir es trivialer, „vernagelt" zu halten, daß es auf solchen Unsinn reagieren soll. Nun aber zu dem Hauptthema. „Beobachtungs- Komitee". Dies ist die höchste Unverfrorenheit vis-a-vis der hiesigen Bevölkerung. Ich kann mein Geld hintragen, wohin ich will (sogar (!) die „Egerer „neuesten" Nachrichten" abonnieren), ohne erst de- und wehmütig fragen zu müssen, ob es eine kleine Klique hier erlaubt oder nicht! Ich glaube bestimmt, annehmen zu können, daß die hiesigen Gewerbetreibenden und Kaufleute diese Aktion entschieden perhorreszieren, daß unmöglich die Kaufmannschaft für das kaufende Publikum ein Beobachtungskomitee wünscht. Ich habe da eine zu gute Meinung von der Egerer Kaufmannschaft: diese würde sich gewiß nicht zu einer so unnoblen Handlung hergeben — die Kunden einer Kontrolle unterzogen zu wissen, wo und bei wem sie ihren Bedarf decken. Ich muß nach meinem Empfinden da die Kaufmannschaft in Eger in Schutz nehmen, denn zu einem solchen Manöver gibt sich ein angesehener und ehrenwerter Stand so saus t'rwon nicht her. Ich glaube im Gegenteil, man wird und kann dafür nicht danken, daß diese Idee, die Kunden zu kontrollieren, das Licht der Welt erblickt hat, da es eigentlich den Stolz der Gewerbetreibenden verletzt, wenn man nur annehmen würde, daß das Publikum einem derartigen Terror über ihrenWunsch.mitihremWissenod er Willen unterworfen werden solle! So etwas tun und wollen die Egerer Kaufleute gewiß nicht! Der Herr Skribent scheint da nicht einen Blattschuß gemacht zu haben, da von beiden Teilen, Kaufmannschaft sowohl als Publikum, eine solche zum Widerspruch herausfordernde Anmaßung energisch zurückgewiesen werden muß. Der Artikel ist ein Fehlwenn nicht sogar ein Prellschuß!! Dem hochlöblichen Beobachlungskomitee diene aber von mir zur gefl. Kenntnis, daß es sich bei mir die Beobachtung gleich ersparen kann und seine Sherlok- Holmes nicht zu strapazieren braucht. — ich gestehe de- und wehmütig ein, daß ich bei Jud' und Christ kaufe, bitte also untertänigst meine Angehörigen

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