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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 870 »ft. 51 Dr. Blochs Wochenschrift. bemerkte man die Fehler und Lücken des Systems nicht, aber wenn wir das System selbst gründlich untersuchen und mit halbwegs naturwissenschaftlichem Kennerblicke Umschau halten, da bewundern wir wohl den grobangelegten Plan des Gedankengebäudes, die erdrückende Fülle des gesammelten Materials, oft wahre Felsblöcke der Wissenschaft. Jedoch der Kenner entdeckt sofort, daß der Grund, auf dem es ruhet, nicht stark und die Säulen — die Hypothesen und Voraussetzungen — die es stützen, nicht fest genug seien,- es zeigen sich unüberbrückbare Lücken und viele Teile muhten unausgebaut bleiben, weil menschliches Können hierzu nicht ausreicht. Um nun bei dem gegebenen Beispiele zu bleiben, müssen wir — damit der gebildete Laie keinem Heroenkultus auf geistigem Gebiete anheimfalle und huldige — betonen, daß Darwin wohl ein geschickter Baumeister, d. h. er verarbeitete das von andern gelieferte Material, aber kein Schöpfer war, der die groben Gedanken aus sich heraus, aus dem Nichts, gleich andern schöpferischen Genien hervorbrachte. Dah die Verschiedenheit der Arten das Resultat unendlich kleiner Ursachen sei, ist der große Gedanke seines Lehrers Lyell, des berühmten Geologen, der damit die Formation der Erdoberfläche erklärte. Diesen fertigen Gedanken übertrug nun Darwin auf das Gebiet der Biologie. Das Gesetz der Anpassung und der Vererbung und die Tatsache, datz die Arten variieren, stammt bekanntlich von Lamarck. Endlich der große Spezialgedanke Darwins vom „Kampfe ums Dasein", von dem er ja offen schreibt, daß er ihn Malthus verdanke. Derselbe stellte nämlich das Gesetz auf, daß die Menschen in geometrischer, die Nahrungsmittel hingegen in arithmetischer Progression sich vermehren, dieses vielbestrittene Gesetz nahm nun Darwin auf und zeigte, daß es in der Natur schon verwirklicht sei, daß diese Lebewesen in ungeheurer Fülle erzeuge, aber für ihre Erhaltung nicht sorge, daß auch hier mehr Kandidaten als zu besetzende Stellen seien, so entstehe der Kampf aller gegen alle, in welchem die Schwächeren untergehen, die Stärkeren hingegen weiter leben und sich fortpflanzen. Daß nun Darwins Name mehr genannt wird, als der Lyells oder anderer Größen, ist darauf zurückzuführen, daß er ein Gebiet bebaute, das im Gegensätze zur akthergebrachten Schöpfungsgeschichte steht, die fast von jedermann gekannt wird. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 8. Dezember 1909 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich: Dankschreiben der Frau Sidonie von Taussig und der k. k. privilegierten allgemeinen österreichischen Bodenkreditanstalt für die anläßlich des Hinscheidens des Herrn Gouverneurs Theodor Ritter von Taussig bekundete Teilnahme des Kultusvorstandes. Dankschreiben der Familie Abraham M. Elias für die Kondolenz des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens der Frau Pauline Elias. Dankschreiben der Frau Henriette Hoffmänn für die Beileidskundgebung des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten des Herrn Dr. Adolf Hoffmann. Dankschreiben der Frau Betty Kolm für die Berufung in das Ehrendamenkomitee der Versorgungsanstalt. An Spenden: Vom Sekretär der Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben, 400 Kr. als Ergänzung der Heinrich Klinger-Widmung zur Gründung eines Beamtenfonds. Von Herrn L. B. durch Herrn kais. Rat Siegmund Kauders für die Schulküche in der Brigittenau 120 Kr. Von dem Präsidenten Dr. Alfred Stern als Ergänzung eines von ihm als Ausstattungsbeitrag für ein armes Mädchen gewidmeten Betrages von 250 Kr. 100 Kr. Von Herrn Josef Vioral für russische Juden 2 Kr. Von Herrn Julius Baad anläßlich der Verheiratung seiner Tochter je 100 Kr. für Chewra-Kadischa I, Frauenverein VI—VII, Verein Maskil el Dol XV. Turnergasse, Hietzinger Tempelverein, Hietzinger Frauenwohltätigkeitsverein, zusammen 500 Kr. Der Kustos der Gemeindebibliothek, Dr. Bernhard Wachstem berichtet über verschiedene Restaurierungsarbeiten an den auf dem alten Friedhofe, IX., Seegasse 9, befindlichen Grabmälern. Es wurden gebrochene Steine und diejenigen, bei denen in absehbarer Zeit ein Stürzen zu befürchten war, ferner die Decken und Seilenplatten einiger verfallener Grüfte einer eingehenden Reparatur unterzogen. Alm einer Verwitterung namentlich der Sandsteine für die Folge zu begegnen, wurde nach dem Rate der k. k. Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale bei einer Anzahl in Verwitterung sich befindlicher Steine probeweise ein Verfahren angewandt, wodurch eine Verhärtung der Steine und eine Adhäsion der Bruchflächen untereinander eintritt. Bei anderen Steinen wurde eine kunstgemäße Verkittung der Risse vorgenommen. Endlich wurden die seinerzeit aus Wiener- Neustadt gebrachten, aus dem 13. und 14. Jahrhunderte stammenden und auf dem Friedhofe in der Seegasse aufgestellten Grabsteine, ferner die in Wien und Niederösterreich gefundenen alten Grabsteine in zweckentsprechender Weise untergebracht. Dieser Bericht, sowie die Mitteilung, daß sich für den alten Friedhof auch in nichtjüdischen Kreisen ein lebhaftes Interesse kundgibt, wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Dem Kustos Dr. Wachstem wird für die mühevolle, sachkundige Leitung der erwähnten Arbeiten die Anerkennung ausgesprochen, desgleichen dem Verwalter der Versorgungsanstalt, Samuel Brösler, und dem Beamten des technischen Amtes der Kultusgemeinde, Eugen Zöllner, für die Unterstützung des Herrn Dr. Wachstem bei verschiedenen Arbeiten. Das Vertreterkollegium beantragt, den vor einiger Zeit aus Rußland zugereisten W. S. ausnahmsweise und provisorisch bis zu seiner anderweitigen Unterbringung in, die Siechenabteilung der Versorgungsanstalt unter gewissen Bedingungen aufzunehmen. Der Genannte, dem beide Beine amputiert wurden, war kurze Zeit in der Versorgungsanstalt in Lainz untergebracht und sollte von dort aus mittels Schub nach Rußland rücktransportiert werden. Um dies zu vermeiden, wurde angesichts des bedauernswerten Zustandes des Genannten zunächst dessen Ausnahme, indas Spital der Kultusgemeinde veranlaßt und wird jetzt vom Vertreterkollegium unter Abstandnahme von den statutarischen Erfordernissen die provisorische Aufnahme des Genannten in die Siechenabteilung der Versorgungsanstalt beantragt. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird angenommen. Nach Erledigung von Personalangelegenheiten wird die Sitzung um halb 2 Uhr mittags geschlossen.-

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