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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 868 Dr. Blochs Eigenschaften sich speziell im späteren wirtschaftlichen Leben als sehr nützlich erwiesen haben. Ja, selbst auf die religiösen Anschauungen übte es einen wohltätigen Einfluß aus, indem die in niederen Schichten auferzogenen und im engsten Gesichtskreise sich bewegenden jungen Leute mir d:m Gedanken sich befreunden lernten, daß das unerschütterlich treue Festhalten an der Väter Glauben nicht die geringste Einbuße erleidet, wenn man — unter den Fahnen dienend — auch eine zeitlang vom rituellen Leben losgebunden sein muß. Andererseits darf aber auch nicht verkannt werden, daß die damaligen Verhältnifle in der Armee nichts weniger als verlockende waren. Heute, im Zeitalter der allgemeinen Wehrpflicht, sind die Soldaten Söhne der eigenen Nationalitäten des gemeinsamen, großen Vaterlandes, welche die ganze Armee als eine große, engere Familie betrachten und lieben lernen. Das eine Regiment ist uns genau so lieb wie das andere. Anders die damaligen Söldnerheere! Die Söldner waren bezahlte Krieger, die heute da, ein anderes Mal auch beim Gegner ihr Handwerk ausüben konnten. Die Söldner- Mannschaft, durch Werbung aus allen Weltteilen zusammengetrommelt, bestand meistens aus Franzosen, Spaniern, Vlämen, Wälschcn und Wallonen, somit aus aller Herren Länder. Der Begriff „Gemeinsame Armee" war ihr fremd; sie kannte nur ihre Fahne, ihre Regimentsoffiziere und ihre Feldherren. Wem die heimatlichen Bande zu enge wurden, wen die Abenteuerlust in die Weite trieb, wer fich loslösen wollte von der Scholle, an die er gebunden, der trat in die kaiserliche Armee. Kam es doch häufig vor, daß unter den Waffen ergraute Soldaten — wenn sie entlassen werden sollten — ihren Heimatsort nicht mehr zu nennen wußten. Nur das Regiment, in welchem sie dienten, erkannten sic als ihre Heimat an. In solche weltfremde, dem jüdischen Familiensinn diametral entgegengesetzte Verhältniffe konnte sich der jüdische Soldat unsprünglich nur schwereinfügen. Auch der von der Regierung damals tolerierte Loskauf, beziehungsweise die erlaubt gewesene Beistellung eines Ersatzmannes an Stelle des ursprünglich Affentierten waren nicht darnach angetan, auf den jüdischen Militärzuwachs erzieherisch zu wirken. So kam es. daß die Judengemeinden ihre Kontingente abstellten: mit den Aermsten, die fich nicht loskausen konnten, und mit den nach den Anschauungen jener Epoche als „Schlechtesten" Oualifizierten, die für die Armee gut genug waren. Aber die Geschichte wandelt ihre eigenen Wege! Nach einem Jahrhundert zeitlicher Entfernung tritt die gerechte Bewertung der Rollen ein. Diese durch die sogenanten „Besseren" um einen lächerlich geringen Geldbetrag in die Armee hineingesteckten „Schlechtesten und Aermsten" wurden die Ehrenretter der jüdischen Allgemeinheit, indem sie in den bis dahin auf den Juden lastenden Vorwurf der Feigheit die erste Bresche schlugen. Die Legende von der Minderwertigkeit jüdischen Soldatenmateriales einfür allemal aus der Welt geschafft zu haben, ist das unvergängliche Verdienst dieser braven Altvorderen, die in dem hehren Bewußtsein treuester Pflichterfüllung die Ehrenschuld abgetragen, welche ihnen die Aufnahme in die kaiserliche Armee auferlegte. Während jene Bevorzugten längst vermodern und über ihre Namen kein Blatt mehr Kunde gibt, leben viele dieser Braven in den Regimentschroniken fort, in deren Blättern zahlreiche ihrer Namen rühmend verzeichnet sind. Man mag es paradox oder auch lächerlich aufnehmen: Die jüdischen Soldaten waren so' eigentlich — wenn auch unbewußt - die Vorkämpfer für die allgemeine Gleichberechtigung. Durch ihre Einreihung in die Armee .ist der erste große Schritt des Anschluffes an die Mitwelt gemacht worden. Und das erhebende Gefühl, von den berufenen Kreisen als gleichwertig betrachtet zu werden, hat die bis zur gesellschaftlichen Anerkennung im jüdischen Soldaten nur schlummernden, aber immer existierenden Kräfte erweckt, und seinen Ehrgeiz zu Schaffenskraft und Dienstfteudigkeit entfacht. Sie erwiesen sich Wochenschrift. Nr- 51 ihren Kameraden an Tapferkeit und Diensttreue stets ebenbürtig, wodurch sie ihrem Stamme nur Ehre gemacht; dadurch ward das mächtigste Vorurteil zum Schweigen gebracht. So hatten diese einfachen, nicht selten des Lesens und Schreibens unkundigen, jüdischen Soldaten den intellektuellen Vorkämpfern für die bürgerliche Gleichberechtigung vorerst mit ihrem Herzblute den Weg geebnet. Die Jubiläen brr Desrende»;Ttjeone. Von Alois Schweiger, Rabbiner zu Eger (Erlau). 2. Das System Darwins. Betrachten wir im kurzen Auszuge das System Darwins. Vis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts glaubte man, die verschiedenen Arten der organischen Geschöpfe seien etwas Selbständiges. Man nahm das bchtqche -o-a'? wörtlich, d. y. Gort ericknf die verschiedenen Arten. Linuxs der größte Naturforscher vor Darwin, drückt diesen Satz folgendermaßen aus: „üpeeies tot sunt diversae quot di versus formas ab initio creavit infinitum ens.*‘ (Es gibt so viel verschiedene Arten, als im Anfänge vom unendlichen Wesen verschiedene Formen erschaffen worden sind.) Darwin hingegen behauptet, die Arten entstehen und vergehen, gleich den Jnüividuen, und daß die bestehenden auch veränderlich seien. Alle Arten entwickelten sich aus einigen primitiven Urformen oder vielleicht gar nur aus . einer. Drei Faktoren regeln diese Entwicklung, die Anpassung an die äußere, natürliche Umgebung, die Vererbung der erworbenen Vorzüge, diese beiden Faktoren erwähnt schon Lamarck, und endlich — und dieses ist der angebliche große Spezialgedanke Darwins — die Auslese im Kampfe ums Dasein. Worin besteht also der Gegensatz Darwins zur biblischen Schöpfungsgeschichte? Auch Darwin - leugnet nicht den Schöpfer. Nur nach dem wörtlichen Wortlaut der Bibel glauben wir, daß der Schöpfer viele Schöpfungsakte vollzogen, daß er jede Art besonders erschaffe-?, nach Darwin aber genügt es anzunehmen, daß Gott nur eine oder wenige Urformen erschaffen, woraus sich dann die bestehenden Arten mittels jener drei Faktoren herausdifferenzierten. Also — und dieses müssen wir gleich eingangs feststellen — die erste Entstehung jedes organischen Lebens bildet für Darwin die natürliche Grenze seines Systems. Er läßt diese Frage offen, ja, er räumt sogar für die Entstehung des Lebens der biblischen Schöpfungsgeschichte ihre volle Berechtigung ein und nimmt einen ertramundanen Schöpfer an. Nur für die Entstehung der einzelnen Arten behauptet Darwin, kein übernatürliches Prinzip annehmen zu müssen, da dies auch auf natürlichem mechanischem Wege zu erklären sei. Darwin selbst äußert sich am Schlüsse seiner „Entstehung der Arten" über sein Verhältnis zur Bibel: „Ich sehe keinen vernünftigen Grund dafür, warum die in diesem Buche dargelegten Ansichten irgend eines Menschen religiöse Gefühle beleidigen sollten. ... Ein berühmter Schriftsteller und Geistlicher schrieb mir, er habe allmählich einsehen gelernt, es sei eine ebenso edle Vorstellung, von der Gottheit zu glauben, sie habe einige ursprüngliche Formen erschaffen, die der Selbstentwicklung zu anderen notwendigen Formen fähig sind, wie zu glauben, daß sie stets einen neuen Schöpfungsakt vornehmen mußte, um die Lücken auszufüllen, die durch die Wirkung seiner Gesetze verursacht wurden." Weiterhin schreibt er: „Meiner Meinung nsch stimmt es besser mit den, so weit wir es wissen, der Materie vom Schöpfer eingeprägten Gesetzen überein, daß das Hervorbringen und Erlöschen der früheren und jetzigen 'Bewohner der Erde. . . von sekundären Ursachen abhängig seien." Der

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