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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-10 · 50 (10.12.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Sir. 60 Dr. Bkochs Wochenschrift. SeUr 863 leuchten, darin gipfelt die Sendung dieses Buches, berufen, eine klaffende Lücke auszufüllen. . Wenn man das nahezu 500 Seiten starke Buch aus der Hand legt, dann weiß man, daß der Verfaffer sein Versprechen vollständig erfüllt hat, umsomehr, als tatsächlich „ein ähnliches» die Lebensbilder der Heroenzeit enthaltendes Werk" bis jetzt noch nicht erschienen ist. ... Was unserem Volke den starken Rückhalt bietet, ist die Tradition, die Ueberlieferung, die Rückschau in eine Zeit, die wir mit unserer Macht und unseren Fähigkeiten erfüllt haben. Sie ist die Wurzel, aus der unsere bewundernswerte Lebenskraft emporwuchs. Und in diesem Schatz unserer Tradition sind aber auch die unsterblichsten Werke der Menschheit inb griffen, die Bibel und natürlich der Talmud. Wie die' Bibel die Grundlage der ganzen Sitten- und Morallehre ist, so birgt der Talmud in seinen märchenhaften Urwäldern alle Weisheiten und jede Art des Denkens. Sein Wert ist größer, als wir Laien oft zu vermeinen glauben, denn er trägt gleichzeitig die ganze Geistesgeschichte des jüdischen Volkes in sich. Er ist nicht nur, wie Heine sagt, der Katholizismus der Juden, sondern „er ist ein gothischer Dom, der zwar mit kindischen Schnörkeleien überladen, aber doch durch seine himmelkühne Riesenhaftigkeit uns in Erstaunen setzt. Er ist eine Hierarchie von Religionsgesetzen, die oft diep utzigsten, lächerlichsten Subtilitäten betreffen, aber so sinnreich einan der über- und untergeordnet sind, einander stützen und tragen und so furchtbar konsequent Zusammenwirken daß sie ein grauenhaft trotziges, kolossales Ganzes bilden". Der Talmud gab uns diese seltsame, scharfe, eine wenig sophistische Art zu denken und die Dinge zu deuten. Er und die Bibel waren in langen Jahrhunderten unsere Erzieher und in ihrer vereinten Wirkung keine schlechten. Noch heute bedeuten sie für die niedersten Schichten, hauptsächlich des Ostens, Geistesleben und Trost und gegen die wirtschaftlich Gleichgestellten anderer Völker stößt dieser Teil des jüdischen Volkes durch die Kenntnis seiner eigenartigen Wissenschaft vorteilhaft ab. In dem seltsamen Gestrüpp von Formeln, Mystik, Geheimlehren, Scholastik, Theosophie, Kabbalah finden sich aber Oasen von so wunderbarer Schönheit, Bilderreichtum und Gedankentiefe, daß die Idee, diese lichten Stellen aus dem Talmud zu ziehen und sie zu sammeln, eine prachtvolle ist. Das vorliegende Buch ist deshalb von großem, ästhetischen und erzieherischen Wert und nicht nur für die Jugend. Im Westen, wo der Talmud meist nur dem Namen nach gekannt, und in vielen Kreisen nur zum verächtlichen Eigenschaftswort „talmudisch" herabgesunken ist, wird diese Sammlung der schönsten Legenden, Sagen und Mythen, aus der großartigen Wildnis des Talmuds.hervorgeholt, von einer allzu unklaren Symbolik befreit und in eine reizende Form gebracht, gewiß Anklang finden. Diese Erzählungen werden den Geist unserer Jugend wieder jüdisch befruchten und ihn mit den großen Gestalten unseres Volkes befreunden. Deshalb ist dieses Buch eines der empfehlenswertesten und seine ernste Absicht wird ihr Ziel gewiß nicht verfehlen. Th. Blech-Mer w in. Dr. M. Holzmann. Geschichte der Jüdischen Lehrer- Bildungsanstalt in Berlin. Eine Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt am 8. November 1909. Berlin. Druck von H. S. Hermann. 1909. Coblenz, Jüdische Religio«. Zweite Auflage. Verlag von Quelle u. Mayer in Leipzig. Rabbiner Dr. I. Taglicht. Vier Festpredigten. Wien 1909. Herausgegeben vom Vorstände des israelitischen Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau. Die Monographie „Die Medizin im Talmud", über welche in voriger Nummer an dieser Stelle referiert war, ist verfaßt von Dr. med. A. Stern, 2lrgt in Frankfurt am Main, und erschienen im Berlage von Sänger u. Friedberg am Main. Ladenpreis 60 Pfg. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. Von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Gegenwart. Für Obergymnafien. Hecht, Dr. M. Kayserling. Die achte Auflage (mit „Proben zur jüdischen Literatur") von Professor Dr. Adolf Biach. Approbiert durch das österreichische Kultus- und Unterrichtsministerium. Preis gebunden K 3.—. Verlag von Gustav Engel, Leipzig. Jüdisches Theater im Hotel „Stefanie". Im ganzen genommen ein gut verbrachter jüdischer Abend. Die Varieteabteilung ziemlich interessant und unterhaltend. Die stimmbegabten Herren Spivakob und Roseustei« besorgten den Vortrag der sentimentalen und auch amerikanisch-jüdischen Kuplets. Und unser alter Bekannter Podzamee glänzt noch immer mit seinem tiefen, echten jüdischen „Seufzer". Abweichend von dieser Stimmung wirkt die Lieder- und Walzersängerin Frau Weinberg; ihr Repertoire und ihre Chansonettenerscheinung bildet eine Art Dissonanz innerhalb dieses jüdischen Rahmens. In der Theaterabteilung wurde „Die jüdische nesvkume" von I. Gordin aufgeführt. Auf den literarischen Werl dieser Bühnenstücke will ich gelegentlich zurückkommen. Der enge Raum gestattet nur die Bemerkung, daß jedenfalls die Theaterabteilung dieser Truppe einen Fortschritt gegenüber den früheren Gesellschaften bedeutet; denn sie scheint ihren Schwerpuntt auf das Theaterstück verlegt zu hoben. Aschkeuasy als Melamed und Reisemnaun als Arbetter haben beim Publikum sehr gefallen; sie statteten ihre Rollen mit Witz und Temperament aus. Dem natürlichen Tone nähert sich Frau Siegler als Frau des Melamed. Herr Siegler, der Heldendarsteller der „jüdischen neschurne" ist wie geschaffen für die formlosen, monotonen Polterhelden der Gordin'schen Stücke. Besondere Erwähnung verdient die Naive Fräulein Weiutraub; sie besitzt natürliche, vielversprechende Fähigkeiten. Bei einer strengen, rationellen Ausbildung kann sie eine Perle der jüdischen Bühne werden. Ab Freitag wird täglich „Der Lumpensammler" gegeben. Die Titelrolle wird von, Herrn M. Siegler dargestellt. A. L. Krirfkastrrr- „Berganew". In fetten, schreienden Lettern kündet das biedere Organ arisch-germanischer Moral, das „Deutsche Volksblatt", seinen Lesern: „Der Attentäter aufVerand ein Jude." Dagegen wird eine weitere Pariser Meldung verschwiegen, die nämlich lautet: „Der Attentäter leidet an Verfolgungswahnfinn. Er hat an seine Advokaten ein Telegramm geschickt, in dem er sie auffordert, mit Pistolen, Messern und Dolchen zum Untersuchungsrichter zu kommen. Denn es gelte, das Leben zu verteidigen. Auch die Eltern Endelfis waren geistesgestört." P. S. in T. Der eben verstorbene Freiherr v. Oppenheimer wurde auf Wunsch seines Sohnes in der Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof beigesetzt. Anton Ragendorf Ueber die Abstammung Beethovens können wrr Ihnen nichts Näheres mitteilen und wir haben keine weiteren Gründe zur Vermutung, daß die Ahnen Beethovens Jude» wa.en, als daß sich im I. Buche Samuel 13. Kap. Vers 5 folgender Satz findet: „Und sie (die Phllister) zogen hinauf und lagerten bei Mischmasch östlich von B e t h o w e n." Dr. Gin O. Sie schreiben uns unter Anderem: „In Ihren Berichten über Festversammlungen lese ich jedesmal mit nicht geringem Staunen, wie die dortigen Rabbiner hinter Vorstand und Verwaltungsbeamten rangieren, was hierzulande und auch in Süddeutschland bei Juden wie bei Ehristen unmöglich wäre. Der Führer geht doch dem, der ihm seine Führung anvertraut, in der Regel voran, außer beim Verbrecher, dessen Transporteur ihm auf den Fersen folgt. So begreife ich es. daß manchem der Rabbiner bei aller Begeisterung für seinen Stand sein S i tz verleidet wird. Allerdings höre ich von Rangabstufungen u. s. w., die diese und ähnliche Mißstände erzeugen und für die man in unseren Gemeinden kein Verständnis hätte." Wir find der Ansicht, daß für diese Verhältniffe nicht die Leitung der Wiener Gemeinde verantwortlich zu machen ist, sondern die Rangierung der Gäste jedesmal dem Leiter der Versammlung und seinem Taktgefühl überlassen werden muß. Julius Kohu. Nach unserer Meinung ja. Halberthal, Brody. Die gewünschte Adreffe dürfen wir Ihnen nicht mitteilen. Notiz. XXVII. k. f. Staatslotterie. Die k. k. Lotlogefälls-Direttion veranstaltet die XX VII. Staats lotterte, deren Reinertrag Militär- Wohltätigkeitszwecken gewidmet ist. Die Ziehung erfolgt unwiderruflich am 16. Dezember 1909 Wie aus dem Prospekt zu entnehmen ist, erscheint diese Staats-Wohltätigkeitslotterie besonders reich mit namhaften Treffern ausgestattet. Sie enthält 18.386 Gewinnste in barem Gelbe im Gesamtbeträge von 51-I.8U0 Kronen, darunter Haupttreffer zu 200.000, 40.000, 20.000 Kronen. Die Gewinstsumme ist die höchste, die bisher bei den Staatswohltätigkeitsloiterien angesetzt wurde, die Gewinstchancen find somit überaus günstig. Lose ä 4 Kronen find zu haben bei der k. k. Lottogefälls-Direktion in Wien, in Lottokollekturen, Tabak-Trafiken, Wechselstuben, bei Postämtern, Steuerämtern rc. Salomon Horowitz Widmung für irme. Anzahl der Plätze: Unbestimmt im Betrage von zusammen K 70.— Bewerbungsberechtigt sind: würdige, jüdische Arme, unter welchen verarmte Deszendenten des Herrn Salomon Horowitz in erster Leihe berücksichtigt werden. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, eventuell Nachweis der direkten Abstammung von dem Widmungs-Namenträger. Verleihungstag: 28. Jänner 1910 — 1. Schebat. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Dezember 1909. — Einreichstelle: L, Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungs - Protokoll). — Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesnchsbögen. i

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