Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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©eite 868 Dr. Blochs Könige und Hofrichter Waren in gleicher Weise Schenkungen zugänglich. Ein Abgesandter der Stadt Frankfurt berichtet 1418 dem Rate, „er möge doch erwägen, wie wichtig es sei, dem Könige reiche Gaden zu senden; die Nürnberger schenkten immer mehr als andere, und seien deshalb allmächtig". Als der Rat der Stadt Frankfurt 1722 den späteren Schultheißen Ochs (von Ochsenstein) nach Wien schickte, um den Reichshofrat Grafen Stein für seine Sache zu gewinnen, erhielt er u. a. folgende Instruktion: er solle .dem Grafen erklären, „daß wir, wenn derselbe alles dies erwirken und den Magistrat wieder in den Stand setzen werde, unsere reale Erkenntlichkeit erweisen zu können, gegen seine Erzellenz für die viele gehabte Mühe, mit einer Remuneraiion von 10.000 Talern i. e. 15.000 Gulden ein stellen würde". Auch der Kaiser war gegen Geld keineswegs unempfänglich. Ochs erhielt 17^9 den Auftrag, dem Kaiser 100.000 Gulden zu einem Schlotzbau — für ein Trinkgeld war die Summe doch zu hoch — anzubieten. Aber er erlebte eine kleberraschung, üoer die er am 14. Jänner 1730 folgendes schrieb: Er hätte vorsichtig dem Reichs- Vizekanzler das Angebot gemacht: „Er hörte mich genau an und sagte: es seye zwar gut aber noch nicht de tempore: bürgerliche Deputierte hätten-200.000 Gulden offeriert, und zwar quartaliter 25.000 Gulden. . ." ein köstliches Wettschietzen! Der Vizepräsident des Reichshofrates hatte Ochs klar gemacht, daß verschiedene Reichsstädte ihm etwas verehrt hatten. „Ich wollte also Magistratum ersuchet haben und ein Stück ertraordinari Hochheimer Wein vom 19 er Jahr, und zwar vorher drei bis vier Proben, so in Krügen immediate an Vizepräsidenten in einem Kästlein geschickt werden könnten. Ich habe es wie billig vor eine Gnade erkennen müssen, und sehe auch nicht, wie es zu deklinieren." Also, wohin Ochs auch kommt, überall am Kaiserhofe Bestechlichkeit! In derselben Tonart geht es weiter. Fast alle Personen, mit denen Ochs in Wien zu tun hat, müssen aus der Frankfurter Stadtkasse bestochen werden. Kriegk stellt eine^rotze Reihe von Vestechungsposten, die in den geheimen^lusgaben Frankfurts gebucht sind, zusammen, und dabei ist nur ein einzigesmal, im Jahre 1771, angegeben, datz ein Herr eine ihm angebotene Summe von 200 Dukaten nicht angenommen habe. Ob es zu wenig war? Bezeichnen für die Denkweise ist die Antwort des Barons von Vockel in Wien, dem man 1754 100 Dukaten als Referenten in einer Rechtsangelegenheit eingehändigt hatte: er habe das Geschenk dangenehmigst angenommen und sothaner Generosität bei einer anderweitigen Gelegenheit justizmätzig (!) eingedenk zu sein angesichert." Noch ein Beispiel für unzählige! Die Reformierten wollten den Bau einer Kirche durchsetzen und machten diesbezüglich auch beim kursächsischen Hof Anstrengungen. Im Jahre 1750 erhielt nun der Frankfurter Rat aus Dresden ein Schreiben, in dem es u. a. heitzt: Ihro Hoheit die Churprinzessin (eine Tochter Kaiser Karls VII.) haben auf den Ihnen geschehenen Vortrag sich dahin geäuhert, wie Ihro die ganze Sache schon bekannt sei, und Sie sich erinnerten, wie man in dieser Sache nicht nur Ihren Herrn Vater, den höchstseligen Kaiser Karl VII., mit einer Summe Geldes gewinnen wollte, sondern auch Ihr einen schönen Beutel mit Dukaten, wenn Sie gu dem reformierten Anliegen behülflich sein würde, zu offerieren Gelegenheit genommen." Die Bestechungsversuche wurden also ganz öffentlich unternommen. Ein Beispiel arischer Justiz aus der Gegenwart: Ein Arbeiter, der einem Schutzmann gesagt hatte: „Sie haben uns gar keine Vorschriften zu machen, denn Wochenschrift. ktr. 50 dazu sind Sie uns zu dumm; ich habe soviel Grütze in den Beinen, wie Sie im Kopf", wurde deswegen in Halle vom Gericht zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten verurteilt! Ein Student, der ebenfalls in Halle einen Polizeisergeanten mit dem Stocke derart über den Helm geschlagen hatte, datz der Stock in Stücke ging, die Helmspitze abbrach und der Helm sich verbog, dann im Wachtlokal spöttisch geäußert hatte: „Ach, bei der Halleschen Polizei braucht man nur zu fragen, was die Sache kostet, dann ist schon alles erledigt", wurde zu einer Geldstrafe von 40 Mark verurteilt. Literatur. Bemerkung. In dem Feuilleton „Der Schedd" heißt es: „Er (Oppenheim) war ein Schüler des Rabbi Gerson Orlif Aschkenasi, der von Nikolsburg aus nach Metz gekommen war." Hiezu gestatte ich mir zu bemerken, daß Gerson Aschkenasi in dem verhängnisvollen Jahre 1648, wo der grausame Hetman Chmelnicki mit seinen blutgierigen Kofakeß gegen die Juden in Polen wütete, Polen verlassen und sich nach Mähren geflüchtet hatte. Die Proßnitzer Gemeinde hatte ihm das damals in ihrer Mitte vakant gewordene Räbbinat zur Verwaltung übergeben. Daselbst starb ihm seine erste Frau. Er heiratete dann die Tochter, des Landrabbiners Menachem Mendel Krachmal. Nach dem Tode seines Schwiegervaters wurde er zu dessen Nachfolger designiert. Er war kaum als mährischer Landesrabbiner in Nikolsburg tätig, als er von der Wiener Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt wurde, wo er bis zum Jahre 1670 segensreich gewirkt hat. Als jedoch in diesem Jahre Kaiser Leopold die Juden aus Wien ausgewiesen, mußte auch Rabbi Gerson Aschkenasi zum Wanderstab greifen. Es dauerte nicht lange und er fand in Metz eine Zufluchtsstätte. Die Metzer Gemeinde hatte ihn zu ihrem Oberrabbiner ernannt, welches Amt er bis zu seinem 1694 erfolgten Tode takt- und würdevoll bekleidet hatte. Amitai. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Indentllms. Begründet von Dr. Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann. 53. Jahrgang. Neue Folge, 17. Jahrgang. Heft 5/6 Mai- Juni 1609. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt: L. Horwitz. Neue Beiträge zur Geschichte und Tätigkeit des Königlich Westfälischen Konsistoriums der Israeliten zu Cassel, 1807—1815. Ioh. Oehler, Epigraphische Beiträge zur Geschichte des Iudentumes (Schluß). Moritz Mainzer. Jagd, Fischfang und Bienenzucht bei den Juden in der tannäischen Zeit (Schluß). S. Horowitz. Der Sifre sutta nach dem Ialkut und anderen Quellen (Fortsetzung). G. C a r o. Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz. W. Bacher. Hebräische Verse von Maimuni. Vorarbeiten zur „Germania Iudaica". II. Der Artikel Regensburg. Von A. Freimann. Besprechungen: Dr. Georg Beer. Schabbat. Der Mischnatraktat „Sabbat" ins Deutsche übersetzt und unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zum Neuen Testament mit Anmerkungen versehen. Von V. Aptowitzer. — Gustav H o e n i k e. Das Judenchristentum im ersten und zweiten Jahrhundert. Von I. Elbogen. — Dr. M. S. Z u ck e r m a n d e l. Tosefta> Mischna und Boraitha in ihrem Verhältnisse zueinander, oder palästinensische und Halacha. Ein Beitrag zur Kritik und Geschichte der Halacha. Notiz. Elisabeths von Englands jüdischer Agent in Konstantinopel. Von F. Liebermann. Biographische Uebersicht von M. Brann. Der Talmudquell. Ausgewählte Sagen und Erzählungen aus dem agadistlschen Talmud. Für Schule und Haus. Gesammelt und verfaßt von. Titular-Rybbiner M. Jakob. Wien 1909. Im Selbstverläge des Verfassers, XX., Rafaelgaffe 18. In seiner Vorrede schreibt der Verfasser: „Die Pietät der Jugend zu wecken, den gläubigen Sinn zu entfachen, die historische Tradition mit der Lichtfackel einer leichtverständlichen Sprache zu be-