Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 80 Dr. Blochs Wochenschrift. S.Ue 861 Der Erbauer des Bakteriologischen Institutes in Moskau. Bei der jüngst stattgehabten Konkurrenz auf die Erbauung eines bakteriologischen Institutes im Moskau wurde die Hauptarbeit dem jüdischen Ingenieur und Architekten Adolf Seligsohn, brffen Pläne die entsprechendsten waren, übertragen. Architekt Seligsohn mußte seinerzeit den größten Teil seiner Studien im Auslande absolvieren, da er'an den russischen technischen Hochschulen als „Ueberzähliger" keine Aufnahme fand. Der Zar hat Angst vor jüdischen Studenten. Im russischen Ministerium des Innern wird jetzt ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, durch welchem das Wohnrecht jüdischer Studenten in der nächsten Umgebung von Petersburg geregelt werden soll. Der oberste Hofkommandant A. N. Timofejew hat nun der betreffenden Kommission in einer Zuschrift die „Sondermeinurg" des Obersten Hofkommandos uikommen lassen, in welcher betont wüd, daß, obgleich die neuere Verfügung eine Begrenzung des Wohnrechtes der jüdischen Studenten nicht vorgesehen hat, das Oberste Hofkommando doch den Standpunkt vertreten müsse, daß in den Städten Zarskoje Selo, Peterhof, Gatschina und Pawlowsk der Aufenthalt jüdischer Hörer und Hörerinnen, der Petersburger Hochschulen unter keinen Umständen gestattet werden dürfe, „da die Verwaltung des Hofkommandos ein großes Interesse daran hat, diese Städte vor einer jüdischen Ueberflutung zu bewahren.* * Auszeichnung einer Unteroffiziersgattin. Aus Rzeszow wird uns geschrieben: Die Rechnungs- Unterosfiziersgattin Frau Pauline T an n e n b a u m, die hier ein Atelier für Handarbeiten und Brautausstattungen besitzt, hat im Vorjahre dem Kaiser aus Anlaß seines 60jährigen Regierungsjubiläums ein handesticktes, kunstvolles Porträt unterbreitet, Nun wurde ihr im Wege der Behörden die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen und im Aufträge des Kaisers ein goldenes Armband mit dem in Brillanten gefaßten Kaiserbilde überreicht. Kairo. 29. November 1909. In der gestrigen Generalversammlung ist Herr Dr. Salonion U l l m a n n aus Antwerpen zum Rabbiner der „Israelitischen Aschkeriafi'chen Gemeinde" in Kairo gewählt worden. Feuilleton. Knllnr Kuriosa. Vo» Dr Max Kemcrich. Dieses Buch, von welchem bereits das fünfte Tausend erschienen ist. ist keine Anekdotensammlung, stellt beglaubigte Tatsachen zusammen, welche für die Kultur von Bedeutung oder charakteristisch sind. Es ist aber eines der interessantesten Bücher, die der Verbreitung von Aufklärung in weitesten Kreisen dienen. Ohne daß der Verfasser für irgend eine Tendenz wirken will, ist das Buch die beste und trefflichste Propaganda für fortschrittliche Ideen. Wir lassen einige Auszüge aus dem Werke, welches 294 Seiten umfaßt und im Verlage von Albert Langen in München erschienen ist, nachstehend folgen. Zunächst einige Daten aus der Religionsgeschichte: Demeter, die Mutter des Dionysios, heißt „Heilige Jungfrau", Isis, die Mutter des Horus, spielt eine besondere Rolle, Sargon, Gudea, Asernasipal, Asurbanipal usw. behaupten von sich die Iungfrauengeburt von der Göttin Istar, und diese wunderbare Herkunft wird von ihnen beansprucht, wiewohl wir ihre wirkliche Herkunft kennen. Das hängt mit dem Tierkreisbild der Jungfrau zusammen, und der Konstellation der Wintersonnenwende. Um Mitternacht am 25. Dezember geht am östlichen Punkte des Himmels das Sternbild der Jungfrau auf. Daher die Festsetzung der Geburt Christi auf diesen Tag und die Erzählung seiner jungfräulichen Geburt. Vom Philosophen Plato war schon zu seinen Lebzeiten die Sage aufgekommen, seine Mutter Periktione habe ihn vom Gott Apollo empfangen, ebenso war Augustus Apollos Sohn, während Alexanders und Scipws Bater Zeus war, der auch den Wundermann Apolwnius von Tyana gezeugt haben soll. Origines sagt diesbezüglich: der einfache Äniciev, >o eiwas von. Plato zu erdichten, war, daß man glaubte, ein Mann, der mit grögerer Weisheit und Kraft als die Durchschnittsmenschen ausgestattet war, müjse auch aus höherem und göttlichem Samen seinen leiblichen Ursprung gehabt haben. Reliquien von Heiligen wurden bereits im Altertum gesammelt. Man gmg im Blödsinn vielleicht nicht so weit, wie das Mittelalter, das ein ^-tück von der ägyptischen Finsternis und ähnliches vorwies, immerhin wurde nach Pausanias das Ei der Leda in einem Tempel in Sparta, und die falschen Zähne des erymanthischen Ebers im Tempel des Apollo im Lande Opike, denen die nicht alle werden, gezeigt. Die sogenannten sieben Todsünden sind, wie Zielinsky nachgewiesen hat, aus der heidnischen Astrologie entnommen und haben wahrscheinlich durch Vermittlung der stoischen Philosophie ihre Ausbildung erhalten. Auch Horaz kennt sie. Bei Tierplagen, heroorgerufen durch Maikäfer, Heuschrecken. Engerlinge usw. wurde im Mittelaller mit Erlaubnis der Bischöfe ein Prozeß nach kanonischem Recht eingeleitet. Von der Kirchenranzel herunter verkündete der Priester unter dem Läuten der Glocken den Klageakt, das sündige Ungeziefer vor das geistliche Gericht ladend. Ein Advocatus diaboJi wurde für die Tiere bestellt, hier ein Maikäferanwalt, dort ein Rattenfürsprecher. Klage und Gegenklage wurde vernommen und damit lange Seiten der noch erhaltenen Prozeßakten gefüllt. Ein Verteidigungstermin wurde gestellt, ja nach dem Zeugnis des Züricher Chorherren Felix Hämmerlin ließ man in einem Maikäferprozeß der Diözese Chur „in Anbetracht ihres jugendlichen Alters und ihrer Kleinheit" die Vorladung dreimal ergehen. Endlich erfolgte das Kontumazv erfahren mit schwerem Bannfluch, den sich die Stadtbehörden jeweils aus den bischöflichen Kanzleien verschrieben. Roch 1796 wurde in Schwaben ein Stier zur Abwehr gegen die Tierseuche lebendig begraben. Anarchisten gab es auch schon im .Altertum, u. zw. in Palästina, das in dieser Hinsicht durch fast anderthalb Jahrtausende die Welt in Atem hielt. Flavius Iosefus erzählt von den Sicariern oder Dolchbrüdern, die in der 2. Hälfte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts die Propaganda der Tat in größtem Stile betrieben, und zwar nicht etwa als Räuber, sondern — wie in der Gegenwart — als politische Mordgesellschaft. Ihre höchste Blüte erlehte die anarchistische Gesellschaft der Assasinen zur Zeit der Kreuzzüge im gelobten Lande. Sie gingen hervor aus der mohammedanischen ketzerischen Sekte der Ismaeliten und lehrten den reinen Nihilismus, d. h. daß alles gleichgültig und daher auch alles erlaubt sei. Ums Jahr 1100 war ihr gewaltiger Führer. Hasan-i-Sabbah, der Alte vom Berge, der vom Schlosse Alamut aus durch Meuchelmord und Gewalttaten seine Gegner im Zaume hielt. Trotz ihrer sittlichen Grundsätze waren diese Assasinen — wie noch heute die Anarchisten — ihren Führern blind ergeben, und zwar in solchem Grade, daß sich auf einen Wink des Führers hin die Wachen vom Turm herabstürzten, nur um ihren Gehorsam zu zeigen, oder daß eine Mutter in Verzweiflung geriet, wenn ihr Sohn von einer gelungenen Morderkursion zurückkehrte, statt für seinen Glauben zu sterben. Ihr Wirken lebt noch heute im Abendkande fort; assasino und assassin. ooit Haschaschin, dem Rauschen des berauschenden Hanfes abgeleitet, heißt Mörder. Das Buch bietet eine Blütenlese arischer Justiz und Rechtspflege dm frommen Mittelalter: