Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 80 . Seite 87,6 Dr. Blocks Wochenschrift. die mittelalterliche Judentracht und zeigen jüdischen Typus ohne Karikatur; sie sind wohl schon ursprünglich für jüdische Besteller in jüdischen Fabriken von jüdischen männlichen und Weiblichen Arbeitern gewebt. Ein hochinteressanter griechischer Gobelin könnte heute als Illustration der Monna Vanna ausgegeben werden, Adler zweifelt, ob Judith und Holofernes oder eine mittelalterliche schöne Jüdin gemeint ist, die sich für ihr Volk einem fremden Belagerer, opferte und von deren Geschichte wir nichts wissen. Auf den zahlreichen Parrocheths haben sich viele fleißige Frauen und Mädchen in Kleinasien, Portugal und Italien mit Namen verewigt, wir begegnen seit dem 16. Jahrhundert dem buntesten Blumen- und Vogelleben tropischer Zonen, aber auch, eine vbantasievolle Darstellung des Salamonischen Tempels kehrt immer wieder, der, je nach der Heimat der Stickerin, als Prunkmoschee oder Prunkrenaissanrekirche gedacht wird. Uns Oesterreicher mag es freuen, daß in der: Denkmünzensammlung, welche der Vater des heutigen Familienhauptes der BenguiLt über alle das Judentum betreffende Ereignisse angelegt — es befinden sich namentlich hochinteressante kabbalistische Denkmünzen aus dem 18. Jahrhundert darunter, die christliches mit jüdischem vermischen —, einen Ehrenplatz jene künstlerisch vollendete Medaille einnimmt, welche 1860 die gesamte Iudenschaft Oesterreichs unserm Kaiser zum Dank für die vollendete Judenemanzipation prägen ließ. Mit diesem freundlichen Ausblick auf Gegenwart und Zukunft beschließen wir die Schilderung dieser größten Sammlung jüdischer Altertümer, die naturgemäß eine Sammlung jüdischer Leiden, aber, auch jüdischer alles überwindender Energie werden mußte. v Clo tilde Benedikt. Korrespondenzen Heimstätte für jüdische Kinder. Sonntag, den 5. Dezember wurde die erste Heimstätte für jüdische Kinder in Wien, XV., Herklotzgasse 21, in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben. Diese von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde errichtete Anstalt wird es ermöglichen, 30 verlassene jüdische Kinder, die bisher bei Pflegeeltern untergebracht werden mußten, in einem eigenen Heim zu versorgen und zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Die Kinder stehen unter Aufsicht von zwei qualifizierten Lehrkräften, während die Inspektion von einem eigens hierzu eingesetzten Komitee besorgt wird. Zur Erhaltung dieser auch vom sozialen Gesichtspunkte sehr wichtigen Anstalt werden die seit Jahren nicht zur Verwendung gelangten Zinsen aus dem Prediger Mannheimer Kinderasylfonds, sowie aus der vom Ehepaare Gottlieb und Regine Bettelheim gespendeten Widmung und schließlich die Beiträge des n.-ö. Landesausschusses und des Magistrates der Stadt Wien dienen. Die Feier wurde mit dem Vortrage des Ma tauwu durch Oberkantor Schleifer, mit dem durch die Schützlinge der Kinderhorte und der Heimstätte erweiterten Chor eröffnet. Hierauf begrüßte Herr Dr. I. Samuely, namens des Kinderhortvereines, die erschienenen Gäste, vor ullem den Präsidenten Dr. Alfred Stern, Vizepräsidenten Dr. Gustav Ko h n, . Rabbiner Dr. Mar Gruywald, Magistratsrat Dr. Weiser, die Abordnungen verschiedener Vereine usw. Dr. Samuely warf einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Heimstätte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, worauf der Chor die Volkshymne intonierte. In Vertretung des Obmannes des Kuratoriums, Herrn Dr. Maximilian Steiner, der durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert war, entwarf Herr Mar Frank ein Bild der Entwicklung, welche die Fürsorge für verlassene Kinder seitens des Kultusvorstandes seit dem Jahre 1810 genommen hat und zollte hierbei dem Wiener Magistrale, wie auch der niederösterreichischen Landesgebär- und Findel-Anstalt für ihr Entgegenkommen bei. Unterbringung , jüdischer Kinder bei jüdischen Pflegern besonderen Dank. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Rabbiners Doktor. Grunwald, der in beredten Worten das Los des verlassenen Kindes, wenn -sich nicht seiner von echter Humanität beseelte Männer und Frauen annehmen, schilderte. Die Rede machte auf alle Anwesenden nachhaltigen Eindruck. Zum Schlüsse richtete an die Anwesenden Herr Präsident Dr. Alfred Stern eine Ansprache und. erinnerte daran, daß binnen 2 Tagen das Chanukafest beginnt, ein Fest, welchem nicht allein historische und religiöse Bedeutung zukommt, sondern welches auch ein Kinderfest sei, sodaß die Eröffnung der Anstalt an dem heutigen Tage als eine Chanukavorfeier freudigst zu begrüßen ist. „Wie Sie hörten, sind 189 verlassene jüdische Kinder dermalen in der Verpflegung untf Obsorge der Gemeinde; von denselben sollen 30 in diesem Heim untergebracht werden. 159 entbehren also noch einer solchen Unterbringung, und es ist anzunehmen, daß unter den gegenwärtigen, so überaus traurigen Verhältnissen sich diese Anzahl noch vergrößern wird. — Der Kultusvorstand pflegt die Wohltätigkeit in einem weiten Ausmaße: wir sorgen für unsere Kranken und Siechen, für unsere Alten und Dürftigen, wir unterstützen die Anstalten für Waisenkinder : ein Betrag von über 600.000 K. jährlich wird aus den Mitteln der Gemeinde für Wohltätigkeitszwecke verwendet, ein Betrag, welcher gleichkommt einer nahezu 50 prozentigen Quote unserer Einnahmen an Kultussteuern, welche im letzten Jahre etwa 1.350.000 K. betragen .hgben dürften." —:r. ,,■, „Angesichts dieser Verhältnisse, aus denen sich ergibt: daß die Wohltätigkeilsaktionen der Gemeinde die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bereits überschritten haben, wäre es angezeigt, daß ein neuer Verein, oder ein bereits bestehender Wohltätigkeitsverein sich mit diesem neuen Zweige der Wohltätigkeitsyflege, der Errichtung und Erhaltung von Heimstätten für verlassene Kinder befasse, und würde ein solcher Verein gewiß auch die weitestgehende Unterstützung seitens der Kultusgemeinde finden. In diesem Sinne begrüße ich diese neue Anstalt, der ich bestes Gedeihen vom Herzen wünsche." Nach Besichtigung der Anstalt durch die Erschienenen schloß die Feier. Wien. Samstag den 4. d. M. wurde die vom „Galizischen Hilfsverein" veranstaltete Ausstellung der durch, ihn in Galizien eingeführten Spitzenmanufaktur durch den Besuch seiner Exzellenz, des polnischen Landsmannministers. Ritter v. Dulemba ausgezeichnet. DerMinister wurde vom Vorstand empfangen und der Präsident des Vereines HerrSiegm.M a y er betonte in seinxrAnrede an den Minister, daß der „Galizische Hilfsverein" keine beschränkt einseitige Tendenz verfolge. Er sei in seiner Bestrebung von der Ueberzeugung ausgegangen, daß die Wohlfahrt jeder einzelnen Klasie oder Schichte durchaus mit der wirtschaftlichen Hebung der Gesamtbevölkerung aufs innigste Zusammenhänge; seine Arbeitsschulen und Unternehmungen stünden allen Arbeitswilligen ohne Ausnahme.offen. In seiner Erwiderung erklärte derMinister sich hoch befriedigt über diese gesunde wirtschaftliche Richtung und seine Bereitwilligkeit, den Verein auf das Kräftigste, soweit es an ihn liegt, zu unterstützen. Er besichtigte dann auf das Eingehendste die Rechen der ausgestellten Gegenstände und ließ sich von den Vorstandsmitgliedern. Herrn Reichsrats-Abgeordneten Dr. Mahler und dem Vereinssekretär Dr. Löwy über das Detail der Organisation und die Erfolge derselben mit sichtlichem Interesse informieren. Er verabschiedete, sich mit den Ausdrücken höchster Befriedigung.