Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 855 60 Dr Blochs zeugen der allen Hebräer befaßt. Hier konnte man sich mit Recht mit Gegenständen aus der Gegenwart der Beduinen behelfen, und Objekte beweisen, daß das Schafskleid der Propheten, der Ketineth und das Ober- und Unterkleid sowie der plaidartige Mantel (simlah) der Bibel heute noch ebenso in Gebrauch sind, wie die durchsichtigen Frauengewänder, der silberne Halsschmuck und die Fußringe (Akasim), die Nasenringe (Nezem) und die Schminkgegenstände (Kuhala), gegen welche die Propheten eifern. Denselben konservativen Sinn beweisen die ausgestellten Mühlsteine, Wasserschläuche aus Ziegenhäuten. Vogelfallen und Schlingen (Qela), welch letztere sich die Juden noch in dem Tituskrieg bedienten. Auch die Ausstellung sämtlicher im heutigen Kultus und religiösen Leben noch gebräuchlichen Gegenstände ist berechtigt, weil auch hier die Aenderungen nicht grob sein dürften. Eine eigene Abteilung ist den 13 Musikinstrumenten, wie sie unsere Schriften aufführen, gewidmet, wobei auch moderne orientalische Instrumente, ferner unsere Schofar, assyrische Basreliefs mit den Darstellungen gefangener semitischer Flöten- und Harfenspieler, vor allem aber die überlebensgroben Abgüsse des 'Titustriumphbogens in Rom herangezogen sind, welches Denkmal der gröbten Erniedrigung der Juden uns in Rom doch wiederum die sicherste Gewähr für die Schätze des Tempels erhalten hat. Daß die außerordentliche musikalische Begabung der besiegten Juden hervorgehoben wird, sieht Adler mit Recht darin, daß die römischen Legionäre im Triumvhzug die silbernen Trompeten des Tempelschatzes aufführen. Besondere Aufmerksamkeit haben die Custoden ferner einer Sammlung aller Edelsteine, welche in der Bibel erwähnt werden, gewidmet, woran sich eine Rekonstruktion des Brustschmuckes des Hohen Priesters anschließt. So läßt diese Aufstellung, die ursprünglich für eine Ausstellung biblischer Antiguitäten bei einer internationalen biblischen Ausstellung in Atlanta im Jahre 1895 in dieser Uebersichtlichkeit im kleinen Rahmen begonnen wurde, sich so fruchtbar erwies, daß sie dann auch im großen Uebersichtlichkeit im kleinen Rahmen begonnen würde, und nichts an Vollständigkeit zu wünschen übrig. Ich erwähne, daß zu den mit größtem Sammelfleiß geordneten Abteilungen dieses Museums die Münzen- und die Bibelsammlung gehören. Freilich kann die Münzensammlung wieder nur eine Sammlung der Münzen aller Völker und Zonen sein, die mit Israel in Berührung kamen im Handel und Wandel, wobei kaum . eine jüdische Niederlassung übergangen scheint, während jüdische Originalprägungen sich auf die kurze Zeit des Simon Makkabäus bis des Barkochba, bei bestem Aufstand die letzten jüdischen Münzen geprägt wurden, beschränken, Diese wenigen Münzen, die auf der Rückseite einen Becher und zwei Füllhörner oder den Stab Arons, oder Palm- oder Olivenzweige zeigen, auf der anderen Seite die Inschrift Simon, Iochanan oder Jonathan, der Hohe Priester und Fürst des Jüdischen Bundes, während ihnen sofort die Herodesmünzen folgen, von denen die des Antipas schon griechsiche Inschrift zeigen, die des Herodes Philipp schon den römischen Legionsadler, die des Herodes Agrippa aber schon das Bild der römischen Kaiser Nero und Vitellius, reden in der stummen Sprache ihrer Inschriften lauter als die wortreichen Bände des Iosephus von Judäas Blüte, Verfall und Untergang. Das Tributgeld an die Römer wurde übrigens in römischen Denaren aus Prägstätten in Palästina gezahlt, von denen auch eine große Zahl vorhanden ist. Was die Bibelsammlung betrifft, so wurde Wert darauf gelegt, mit Hilfe der modernen Reproduktionsverfahren. möglichst viel genaue Reproduktionen alter Codices zu besitzen, welche die Bibel enthalten und so fehlt weder der Codex der Synagoge von Aleppo, noch der berühmte silberne Codex des Ulfila, noch die Uebersetzung Wochenschrift. König Alfreds von England, weder der Sinaitische noch Vatikanische Codex, noch der Arabische Codex des Britischen Museums, der dem König Karl I. geschenkt wurde, noch das Septuagintafragment unseres Wiener Erzherzog Rainerpavyrus in der Sammlung. Daß diese kostspieligen genauen Reproduktionen für das Bibelstudium von besonderem Wert, sind, leuchtet ein. Die Sammlung gedruckter Bibeln, die älteste, die hebräischen Psalmen von 1477, dürfte durchaus vollständig sein, besonders interessant ist die Bibel von Elias Hutter (1587), bei der die hebräischen Wurzeln in anderer Farbe gedruckt sind als Vor- und Nachsilben: ein Targum aus Wien (1859), ferner ein ins Indianische übersetzter Pentateuch und eine andere für Wilde und Kinder berechnete Uebersetzung amerikanischen Ursprungs, in der die Hauptworts hieroglyvbenartig durch Bilder gegeben sind. Als wertvollster Schatz gilt das vom Negus von Abessynien dem General Grant, geschenktes Originalmanuskript der äthiovischen Uebersetzung der Septuaginta, die wahrscheinlich aus dem 4. Iabrbundert der christlichen Zeitrechnung stammt und sehr viele apokryphe Bücher einschließt, welche der jüdische Kanon nicht aufgenommen hat. Blutigen Andenkens sind zwei Bibeln, welche gezeigt werden, nämlich die stark verkürzte Version des Alten Testamentes, die Olliver Cromwell in allen Schlachten in seinem Lederkoller trug, und die sogenannte Ferarrabibel, die wörtlichste Uebersetzung aus dem Hebräischen ins Spanische, welche für die Zwecke der spanischen Inguisition angefertigt wurde. In beiden Sammlungen, der Münz- und Bibelsammlung. sind schon Exemplare aus der des Hadji Ephraim Benguiut vorhanden, die aber sonst vereinigt und Gegenstand einer eiaenen Publikation ist. Leider ist dem Buche keine ausführliche Geschichte der Familie hinzugefügt, die bis in das 11. Jahrhundert sich rückperfolgen läßt. Wir sehen aus den unerschöpflichen Schätzen des aufgehäuften Familienvorrates. daß ein Zweig im 16. Jahrhundert als Marannen auf den Philippinen lebte und dort die silbernen, aus Granada mitgenommenen Chanukaleuchter nur durch Aufstellung in der Kirche retten konnte, ein anderer Zweig wurden reiche Handelsherren in Holland: als solche ließen sie bei dem berühmten Drucker Plantin Neudrucke der hebräischen Bibel in kostbaren Einbänden machen. In der Welt des Islams haben sie sich besonders wohl gefühlt, wie die als Huldigung für die Landesherren in die von ihnen im 16. und 17. Jahrhundert gestifteten Parrocheths eingewebten Halbmonde und Sterne beweisen. Trotzdem gehörten Söhne der Familie zu den begeisterten Mitkämpfern im Befreiungskampf der Griechen, und pietätvoll haben Mutterhände die goldenen Tefillimkavseln bewahrt. die ihre Söhne in der Schlacht bei Athen 1822 bei sich trugen. In diesen stürmischen Zeiten gingen die reichen Besitzungen der Familie in Chios in den türkischen Flammen auf. In friedlichere Zeiten führt uns die kostbare Gobelinsammlung der Familie zurück, sowie die zahlreichen Heiratskontrckkte und Rollen, in denen die Söhne zum ersten Gottesdienst in die Synagoge getragen wurden. Auf einer ist eingestickt, daß dies unter Kaiser Josef II. in der Altneuschule in Prag der Fall war. Die Gobelins stammen hauptsächlich aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als der Hebräer in die Hallen des immer mehr verarmenden Adels in Venedig und Padua eingezogen war, wie der Iudenfreund. Lord Byron, nicht ohne Schadenfreude bemerkt. Die Sujets stammen ausschließlich aus der Bibel, wir sehen Abrahams Ovfer, den Durchzug durchs Rote Meer, Salomons Urteil. Elias mit dem Raben, David und Goliath, letztere viel älteren, nämlich spanischen Ursprungs, welche Industrie in Spanien mit der Vertreibung der Juden verloren ging, außerdem griechische Wandteppiche aus der Zeit vor der Zerstörung von Konstantinopel. Die jüdischen Figuren tragen alle