Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 854 Nr. 60 Sr. Blochs SdochrnschM. mitgeteilt, zuletzt auf dem Internationalen medizinischen Kongresse in Budapest. Hier sprach er in einer allgemeinen Versammlung über „Die künstliche Parthenogenese und das Wesen der formativen Reizung". Er erklärte es als Hauptproblem der formativen Reizung". Er erklärte als Hauptproblem der Biologie, tote in lebendige Materie zu überführen; die Lösung dieses Problems, das bisher als unmöglich erklärt wurde, nennt Professor Loeb die Zukunft der Wissenschaft vom Leben. Die „Reue Freie Presse" hat den geistvollen, an die letzten Fragen des Lebens rührenden Vortrag in der Nummer vom 2. September d. I. publiziert. Professor Loeb wurde in Budapest mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert; zu Wiener Gelehrten, welche verwandte Arbeitsrichtungen pflegen, steht er sein einem Jahrzehnt in guten Beziehungen, insbesondere zum Physiker Hofrat Mach, zum experimentellen Pharmakologen Hofrat Hans Horst- Meyer, zum Arzte und Biologen Professor Pauli und zur Gruppe der jungen Naturforscher, welche die Biologische Versuchsanstalt in Wien leiten und derselben in wenigen Jahren zu einem Weltrufe nerhoffen haben. Zweifelsohne gewinnt die Vudapester Universität durch die Akquisition des Professors Loeb eine besondere Anziehungskraft für Aerzte und Naturforscher, welche den hervorragendsten experimentellen Biologen unserer Zeit hören wollen. Der designierte italienische Ministerpräsident Sidney Sonnino. Baron Sidney Sonnino ist vom König mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut worden. Es ist das zweitemal, daß er zur Leitung der Staatsgeschäfte berufen wird. Sein erstes Kabinett legte am 8. Februar 1906 den Eid in die Hände des Königs ab. Es war ihm jedoch keine lange Lebensdauer beschieden, denn bereits am 18. Mai gab das Kabinett Sonnino, das Mter grasten Verheistungen ins Leben getreten war, seine Demission. Baron Sidney Sonnino ist am 11. März 1847 in Alexandria (Aegypten) als Sohn eines italienischen Juden und einer protestantischen Engländerin geboren. Die Familie stammt aus dem Toskanischen. Sonnino hat frühzeitig englische und deutsche Bildung in sich ausgenommen. War er doch ein Freund Karl Hillebrands und sein Mitarbeiter in dessen deutscher Zeitschrift „Jtalia". Vorübergehend ist Sonnino in der Diplomatie tätig gewesen, in der Zeit, wo Graf Nigra Botschafter m Paris war. Seit 1880 gehörte Sonnino der Kammer als Mitglied der Rechten an. Da« sLbische Museum der Drreinigte« Staate« i« Washington. Schon im vorigen Jahr war an dieser Stelle von dieser größten jüdischen Sammlung der ganzen Erde die Rede. Nun haben anläßlich der vollendeten Aufstellung die zwei gelehrten, auch in christlichen Vibelforscherkreisen in Amerika als die größten Autoritäten anerkannten Konservatoren, Dr. Cyrus Adler und I. M. Cassanowicz, zwei neuerliche Publikationen zur besseren Orientierung im Museum veröffentlicht, und Zwar zerfällt das Museum gegenwärtig in zwei Abteilungen, in die unheuren Schätze, welche die jetzt in Klein-Asien lebende alte jüdische Familie Benguiut aufgespeichert und dem amerikanischen Staat leihweise überlassen hat, eine Sammlung. die natürlich aus Originalen besteht, und die Sammlung „Viblischex Antiquitäten", in der durch Gipsabgüsse. graphische Darstellungen und Originale alles vereinigt ist, was die alte Welt dem Bibelforscher in Kunst und Natur einigermaßen beachtenswertes darbieten kann. Da die betreffenden Originale in drei Weltteilen verstreut sind, ist diese Sammlung auch für den europäischen Forscher von ungemeinem Wert. Die für europäische Begriffe unerschwinglichen Summen, die den Amerikanern zur Verfügung stehen, und das ungleich höhere Interesse, das die amerikanische christliche Welt der Heiligen Schrift der Hebräer entgegenbringt, ermöglichten es. die Sammlung in einem Stile anzulegen, der für amerikanischen Sammeleifer charakteristisch ist und der für uns Europäer vielleicht des komischen Anstriches nicht entbehrt, aber doch geeignet ist, uns von dem idealen Sinn der Amerikaner Respekt einzuflößen. Kann man doch gegenwärtig keine englische oder amerikanische Revue in die Hand nehmen, in der nicht die Idee propagiert wird, den Tempel Salomonis an der alten Stätte in altem Glanze wieder aufleben zu lassen, und nur der Umstand, daß die türkische Regierung vorläufig keine Lust verspürt, die Moschee niederzureißen, hat die frommyuritanischen und gelehrt archäologischen Kreise abgehalten, Sammlungen zu dem Zwecke einer vermutlich doch phantastischen Rekonstruktion einzuleiten. Wenn die großartigen Grabungen und Funde der letzten Jahre diesen Plan gezeitigt haben, so konnten die Ergebnisse der letzten Forschungen bis jetzt im amerikanischen Nationalmuseum noch nicht berücksichtigt werden. Dafür enthält es aber eine erschöpfende Sammlung der gesamten Tier-, Pflanzen- und Gesteinswelt, welche in unserer Heiligen Schrift genannt werden, von den Kamelen Eliesers bis zur Motte im Jesaias: Reliquien an mitgebrachten Steinen und Pflanzen aus allen Orten, die in der Schrift genannt werden. Wollen wir diese Ausdehnung der Sammlung mehr mit Rücksicht auf die gelehrten, philologischen und geographischen Forschungen loben, zu denen sie Adler Anlaß gegeben haben, so muß man die vollkommene Sammlung von Gipsabgüssen bewundern, die alles aus den Museen Kairos, Konstantinopels, Londons. Paris und Berlins vereinigen, was nur irgendwie äüf die jüdische Geschichte bis zur Zerstörung unter Titus Bezug hat. Hier fehlt weder der berühmte Stein mit der Inschrift des Königs von Moab aus dem Louvre, noch die Inschrift von Siloah, die sich auf eine Kanalisierung unter den Königen von Juda bezieht, noch die berühmte Lakschisch-Keilschrift- und Tellel-Amarna-Tafeln, mit den ältesten Darstellungen, die sich auf semitische Tributpflichtige beziehen. Assyrische Basreliefe, die teilweise in London, teilweise in Berlin verstreut sind, sowie der berühmte Schwarze Obelisk Salmanasars, auf dessen Reliefs tributzahlende Israeliten Vorkommen, sind ebenso in Lebensgröße reproduziert, wie eine noch in Armeniens Felsen verbliebene Inschrift, in der derselbe assyrische König (das Jahr läßt sich genau mit 854 vor der christlichen Zeitrechnung angeben) von einem Sieg über die 2000 Streitwagen und 10.000 Krieger des Königs Ahab von Israel berichtet. Genau reproduziert sind die Mumie und die sprechend charakteristischen Porträte der drei Pharaonen Seti, Ramses II, Taharka (Tirarkah des Jesaias), die allein annähernd genau sich mit biblischen Pharaonen identifizieren lassen. Ueberhaupt ist die Sammlung die allerbeste Vereinigung assyrischer, ägyptischer und hethitischer Altertümer, wenn auch nur solcher, die sich auf den Zusammenhang mit den alten Juden beziehen lassen. So gewinnen wir ein Bild der Götzen, gegen welche die Propheten eiferten, und jenes Dagon der Philister nicht minder als des Turms von Babel, von dem wir uns an der Hand der Ausgrabungen von Birs-Nimrud eine ganz gute Vorstellung machen können. Originell unter diesen Gegenständen sind nur viele alte Siegelringe und Gewichte, wie sie der Boden Palästinas in den letzten Jahrzehnten wieder berausgegeben hat, was uns zur nächsten Abteilung führt, die sich mit dem Haus, der Kleidung und den Werk-