Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 842 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4S solle nur ein Banner wehen, das froh und steghaft in leuchtenden Worten die Aufschrift trage: »Der Liebe und dem Leben". Edelmenschen wie D. Alfred Nathan gibt es Wenige. Selbst von jahrelanger Krankheit geplagt, lebt er für Andere und kennt kein beglückenderes Streben, als die Not zu lindern, das soziale Elend zu bekämpfen. j ß Die Subvention für den Lemberger jüdischen Rigorosantenoerein abgelehnt. Vorige Woche hat der Lemberger Gemeinderat neuerlich das Gesuch des jüdischen Rigorosantenvereines in Beratung gezogen. Es hat sich im ganzen um eine Subvention von 100 Kronen gehandelt. Nach einer langen Debatte, in welcher u. a. der Vizepräsident der Stadtgemeinde Dr. Aschkenase und Dr. Lilien sich für die Gewährung der Subvention aussprachen, indem sie darauf verwiesen, daß seine Ablehnung die Juden Galiziens von den Polen abwenden und den Zionisten zuführen würde, und andere die Ablehnung vertraten, wurde beschlossen, über das Gesuch des Rigorosantenvereines zur Tagesordnung überzugehött. Preisausschreiben der Henry Jones Loge, tt. O. V. B. zu Hamburg. Auf unser in Nummer ZZ Ihres geschätzten Blatts veröffentlichtes Preisausschreiben, ein „Festspiel, das sich zur Aufführung bei jüdischen Kinderfesten e i g n e t", betreffend, gingen bei uns 32 dramatische Werke vött 28 Verfassern ein. Das Preisgericht hat beschlossen: Der erste Preis gelängt nicht zur Verteilung, da keine der zur Preispeiieiliinß eingesandten Stücke alten Bedingungen entspricht, die von der Loge gestellt wurden. — Der Betrag des ersten Preises bleibt für den nächsten literarischen Wettbewerb der Loge reserviert. . Der 2. Preis, im Betrage von 300 Mark, wurde einstimmig dem unter dem Kennwort „Frieden" eingereichten „Festspiel": „Alerander der Große vor Jerusalem" zuerkannt. Als Verfasser ergab sich Herr Martin Emmerich, Zabrze. — Der erste Preis tonnte diesem sonst vorzüglichen Werke nicht zuerkannt werden, weil es wohl dem Verständnis der reiferen Jugend, abek nicht der früheren Jugend entspricht. Der Z. Preis, von 200 Mark, wurde in zwei Hälften geteilt: Die eine Hälfte wurde der „Plauderei in einem Akt", betitelt „Chanuka". die unter dem Kennwort „Im Schweiße deines Angesichtes" eingegangen war, zuerkannt. Verfasserin ist Frau Anna Goldschmidt, Katlowitz. Die 2. Hälfte des 3. Preises wurde dem unter dem „bescheidenen" Titel „Kaviar fürs Volk" eingereichten „Allegorischen Festspiel": „I a a k a u w s Traum" zuerkannt, als dessen Verfasser sich Herr M. Golde, Köln, bekannte. Mit dem Erfolge des Preisausschreibens sind wir zufrieden: es hat uns gezeigt: Ki lau Almen Jißroäl, und wenn wir auch nicht alle Hoffnungen erfüllen konnten, so haben wir doch aus mancher hübschen Arbeit ersehen, daß manches junge Talent nur der Ausreifung bedarf, um uns dereinst erquickende Früchte auf diesem Gebiete zu bieten. Ueber das fernere Schicksal der preisgekrönten Stücke hat die Loge noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt. Hannover. Im „Kasseler Tagblatt und Anzeiger" wird über den Ehrenbürger Herrn Lenoir, der protestantischer Konfession war und der Stadt Kassel mehrere Millionen zur Errichtung eines interkonfessionellen Waisenhauses hinterlassen hat, gemeldet: Herr Lenoir lernte vor einem Dezennium die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem kennen. Sein Interesse für dieses Institut war seit diesem Tage so groß, daß er bat, auch fernerhin von der Fortentwicklung desselben unterrichtet zu werden. Äa. er lenkte die Aufmerksamkeit des Magistrats unserer Stadt auf diese Anstalt hin und ersuchte ihn, dieselbe zu besuchen und in Augenschein zu nehmen. Die Herren Oberbürgermeister Müller. Stadtsyndikus Brunner uttd> Stadtbaurat Höpfner, haben dann diesen Wunsch zur Ausführung gebracht. Der Heimgegangene hat betont, daß er die Ahlemer Prinzipien, die Art der dortigen Einrichtung und Erziehung auch in seinen Anstalten eingeführt sehen wollte. Seine Sympathie für Ahlem kam auch in dem Testament dadurch zum Ausdruck, daß er der Anstalt ein Legat von 2000 Kronen vermachte und ferner verfügt wurde, daß der Erziehungsanstalt Ahlem von seinem Ableben telegraphisch Mitteilung gemacht werden sollte. So konnte man bei der Beisetzung des Herrn Lenoir den Direktor der Anstalt, Herrn Silberberg, mit zwei .frischen, gesunden Ahlemer Knaben sehen, die dem edlen Menschenfreunde das letzte Geleite gaben und ihm Heidekränze auf Grab legten aus Dankbarkeit für seine wahre Menschenliebe. Die größten Spender des französischen Nationalmuseums. Der Präsident der französischen Republik hat im Wege eines Dekrets die Namen derjenigen festgesetzt, die als die größten Spender oder Förderer des französischen Nationalmuseums in Louvre, auf einer im Vestibüle anzubringenden Marmortafel, verewigt werden sollen. In dieser Liste werden als Spender genannt: Baron Gustav de Rothschild und Baron Eduard de Rothschild (1873), Noel Bardac (1897). Graf Jsaac de Camondo, Baronin Nathaniel de Rothschild, Baron und Baronin Adolphe de Rothschild (1901), Baron Arthur de Rothschild (1904). Unter den zu verewigenden Forschern figuriert auch der Name des .Gelehrten Salomon Reinach (1880—1882). Die Wandmalereien im englischen llntsrhanse. Das Treppenhaus des englischen Unterhauses wird demnächst ein neues Wandgemälde erhallen, das von einem Juden gespendet und von einem jüdischen Künstler -angefertigt wird. Das Gemälde, das eine Szene aus dem Leben der Königin Elisabeth darstellt, hat den berühmten jüdischen Maler I. Solomon zum Schöpfer und wird auf Bestellung des Lord Swaythling hergestellt. Das Gemälde wird in der ersten Hälfte des nächsten Jänner enthüllt werden. Lord Swaythlings scharfer Protest gegen die Jndenmission. Vorige Woche fand im Rathause von Kensington eine Versammlung der Gesellschaft zur Verbreitung des Ehristentums unter den Juden statt. Als Lord Swaythling von der Ueberlassung des Rathauses für diesen Zweck erfuhr, richtete er, in Gemeinschaft mit den Herren Oswald I. Simon und I. L. Emanuel, an den Bürgermeister und den Gemeinderat von Kensington ein Protestschreiben, das wegen seines selbstbewußten, scharfen Tones allgemeines Aufsehen erweckt hat. Bloß wegen der Kürze der Zeit, schreibt Lord Swaythling. war es uns unmöglich, Hunderte von Unterschriften unserer Glaubensgenossen zu erhalten, die gleich uns Steuerzahler von Kensington sind und wie ein Mann sich unserem Proteste angeschlossen hätten. Die Tätigkeit dieser Missionsgesellschaften widerstrebt dem verständnisvollen Christen ebenso, wie den Juden. Sie wissen es gut. daß diese Bewegung ein gewaltiger Faktor ist, jene religiöse Animosität wach zu halten, deren Beseitigung so wichtig wäre. Der Gegenstand dieser Gesells^aften erscheint pns, so wohlgemeint sie auch sein mögen, als eine Impertinenz. Wir weisen, den Gedanken zurück, daß Christen besser qualifiziert seien „unsere Seelen zu retten", als