Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 49 De. Blochs Wochenschrift. Seite 841 dem Vereine, der nur im Geiste der Einheit zu wirken bestrebt ist, gelingen wird, sich die Sympathien aller Schichten zu erwerben. Das verdienstvolle Wirken des Vorstandsmitgliedes Adolf Fischer V hob er ganz besonders hervor, dem die Vereinsleitung vieles zu verdanken hat. Oberkantor Schorr sang sodann mit Chorbcgleitung den Einweihungspsalm, wofür er reichlich Beifall erntete, worauf . die Rabbinen Dr. S ch m i e d l, Dr. David und Fürst dem Vorstande dafür dankten, daß es ihm durch rastlose Arbeit gelang, eine solche segensreiche Institution ins Leben zu rufen. Mediziner Baum versicherte die Viereinsleitung der Sympathie der jüdischen Studentenschaft. Herr H o f b a u e r dankte hierauf den Damen und Herren für ihr zahlreiches Erscheinen und appellierte an die große O.ffentlichkeit, dieses Werk reichlich zu unterstützen. Mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und unter Abfingung der Volkshymne durch Oberkantor Schorr mit Chor schloß die erhebende Feier.. Bei einem Rundgang durch die elegant eingerichteten Speiseräume, Küche und Magazine und nach verschiedenen Kostproben hätten die Gäste Gelegenheit, sich von den besonderen sanitären Einrichtungen und schmackhaften Speisen zu überzeugen. N'cht unerwähnt darf es bei dieser Gelegenheit bleiben, daß außer Herrn Bernhard Hofbauer dessen Sohn Max Hofbauer und die Herren Dr. S. Krenberger und Doktor R y b a c z e w s k i, die alle dem Vorstande angehören, sich mit besonderer Hingebung in den Dienst des Vereines stellen.^ ■ ' G. Zentralverein znr Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Bei der am 28. November 1909 im Handelsschul-Lehrsaale Wertheimer abgehaltenen 25. Generalversammlung eröffncte der Vorsitzende Herr Siegfried Liebers die Versammlung mit einer Begrüßung der anwesenden Vereinsmitglieder und Konstatierung einiger Ereignisse des Vorjahres, , sosM Bekanntgabe eines dem Vereine von dem verstorbenen Ehrenmitgliede Herrn Hermann Schütz zugewendeten Legates von 2500 Kronen, worauf der Geschäftsleiter JUDr. Theodor W elt sch den Geschäftsbericht erstattete, indem er zunächst mit warmen Worten der Verdienste der dahingeschiedenen ältesten Ausschvßmitglieder, der Herren Hermann Schütz und Adolf M. Lederer, gedenkt. Sodann referiert er über den Stand der Handwerkerabteilung, des Lehrlingsheimes, sowie der Studentensektion, die trotz der Ungunst der Verhältnisse unter der Leitung der Herren Siegfried Liebers, beziehungsweise Direktor Wertheimer in ihren bisherigen Erfolgen nicht zurückgeblieben find. Redner gedenkt ferner der Gedächtnisfeier anläßlich des Ablebens des langjährigen, um den Verein hochverdienten Obmannes, kais. Rates Falkowicz, und weist mit Worten des Dankes und der Befriedigung auf die in ideeller und materieller Beziehung gleich erfolgreiche Vorlesung Hugo Salus' hin. Desgleichen berührt er die von dem Vereine in Rechtshilfe-Angelegenheiten einzelnen Landgemeinden geleisteten ersprießlichen Dienste und gedenkt der Teilnahme des Zentralvereines anläßlich der Ueberführung Sonnenthals und des Atlebens des Hamburger Oberrabbiners Hirsch, sowie der Kundgebungen. beim Hinscheiden Dr. Gustav Karpeles' und gelegentlich des 60jährigen Geburtstages Max Nordaus. Auch in Subventionierung ähnliche Zwecke verfolgender Institutionen ist der Verein trotz des weniger günstigen Jahresertrages nicht zurückgeblieben. Der Geschästsleiter schließt sodann unter Hinweis auf das bevorstehende 25jährige Vereinsjubiläum, das Gelegenheit geben wird, die selbst geschaffenen oder angeregten Werke in weiteren Zügen zu entrollen und der Leistungsfähigkeit des Vereines neue Anregungen zu bieten. Nach diesem einstimmig genehmigten Bericht referierte sodann Frau Julie Leipen als Vorsitzende der Sektion für Krankenpflege über das Prosperieren dieser Institution, die unablässig bemüht ist. das Material der Pflegerinnen sowohl qualitativ, als auch quantitativ zu verbessern, und wird dieser Bericht, sowie der des Kassiers Herrn Troller genehmigt und dem Ausschüsse nach dem durch Herrn Wien vprgetragenen Revisionsberichte das Absolutoriüm erteilt. Bei den sodann vorgenommenen Ergänzungswahlen in den Ausschuß wurden die Herren JUDr. Rudolf Bloch, Wilhelm Kars, Si-gfried Liebers, Hugo O r l i k, JUDr. Heinrich Rosenbaum, David Troller, Rudolf Werfel, sämtlich in Prag, sowie Herr Isidor Mautner in Trautenau wieder- und die Herren Alfred Fröhlich, JUDr. Lonis G e s ch m a y und Karl K r a y neu gewählt und die bisherigen Revisoren Herren Karl Flammerschein, Gustav Fürth, Ignaz Karpeles. Sigmund Springer und Michael Wien xer acclamationem in ihrem Amte bestätigt. Eröffnung des Nathanstiftes in Fürth. Am 29. November d. I. wurde das vom Rechtsanwalt Doktor Alfred Nathan gegründete Nalhanstift eröffnet. Die Anstatt soll, wie Dr. Midas >n seiner Eröffnungsrede sagte, eine Stätte sein, wo jede Frau mit Zuversicht der schweren Stunde der Geburt entgegensetzen kann; die A statt soll dem Säugling in den ersten Wochen nach der Geburt ein schützendes Heim bieten, dem kranken Säugttng heilbringende Hilfe verleihen. Rechtsanwalt Nathan, ein bekannter Phlianthrop, hat, seinen edlen Zügen folgend, bedeutende Mttkel ausgewendet, um das Säuglingsheim zu einer wahren Musieranstalt zu gestatten. Das Strftungskapital betrug 300 000 Mark, Z nien find noch 50.000 Mark zugesallen, auß rdem hat Dr. Nathan 15.000 Mark für die Ausstattung des Treppenhauses. 10.000 Mark für Gemälde gespendet Das Säuglingsheim ist dem Andenken der Ettern des Stifters gewidmet. Die Mutter Dr. Nathans, sie war eine durch Wobltun und HerrenSgüte ausgezeichnete Dame, lebte jahrelang in Wien. Das Nathanstift b> sitzt zwei von einander getrennte Gebäude. Da- Hauptgebäude enthält das Wöchnerinnen- und Säuglingsheim. Der Bau kam in der gemischten Putzsandsteinbauwe se zur Ausführung. Der äußere plastische Schmuck bewegt sich fast durchgebends aus figürlichem Gebiet. Die Mutterliebe in der Menschen- und T'erwelt. die Kindrxfreude, die charakteristischen Eigenschaften der Kleinen gaben eine Fülle von Motiven. Diese Zierstück«' sind nach Modellen der Bauleitung im Atelier des Bildbauers Zeiher-Fürth geichickt ausg» führt worden. Bon Bildbauer Kittler- Nürnberg stammt ein wunderhübscher Z erbrunnen im Hofe, das eu wachende Leben darstellend. Auch sonst hat Kittler sein Bestes zum Schmuck des Hausis b-iget agen. So stammt aus seinem Atelier das Modell zur Fensterkartusche im großen Giebel an der Tannenstraße und eine prächtige Tiergr« pve, eine Dackelhundin mit Jungen, die den Treppenk.onig im Haupltreppenhaus abschließt. Kunstmaler Maurer- Nürnberg hat ein farbenprächtiges Bild am Treppenhaus, das «Urteil des Salomo" beigefteuert. und aus dem gleichen Atelier stammt das gegenüber anfgebängte kleinere Gemälde, eine Stiftungschronik. Kunstmaler Kellner-Nürnberg hat für das Treppenhaus ein äußerst stimmungsvoll s Glasgemälde (der getreue Eckart) geschaffen. Den Höhepunkt künstlerischer Ranmdurchbildung bildet der Gedächtnisraum, der zu Ehren der Eltern des Stifters errichtet wurde; es ist eine Art Mausoleum. Die Wandflächen find mit Kiesel- und Muschelmosaikfeldern, die Felder mit Perlmutterschalen ausgelegt. In N.scheu sind die ungefähr l'60 Meter hohen Hermen mit den Büsten der Eltern des Stifters aufaestellt. die in weißem Marmor in hervorragender Weife durch Professor Johannes Götz-Berlin (einem geborenen Führter, der auch beim Fepaki anwesend war) ausgesührt sird; sie zeiaen eine edle, ruhige Auffaffung und halten zwischen Porträlähnlichkeit und Stilisierung eine maßvolle Grenze ein. Der Speisesaal der Pflegerinnen, berauch Beratungszimmer für den Stiftungsrat ist, ist mit einem ttefflici gelungenen Btldnis des Prinzregenten von Kunstmaler Schutzler-München und einer farbenfreudigen und sinnreichen Schöpfung des Nürnberger Kunstmalers Albert Maurer: spielende Knder am Gesundheitsbrunnen, geschmückt. Alle Kunstgegenstände find Geschenke des Stifters. Bei der Eröffnungsfeier zeigte es sich, welch großes Jntereffe dieser sozialen Schöpfung nicht bloß in der Fürther Bevölkerung, sondern auch von den staatlichen Behörden im Reich und in Bayern, von den Kreisen der Wissenschaft, den sozialen Korporationen und allen wohltätigen Institutionen entgegengebracht wird. Die Deutsche Kaiserin als Protektorin des Kaiserin-Auguste-Vrltorra-Hauses in Berlin, der Zentralstelle für die Säuglingsfürsorge in Deutschland, hatte in dem Kammerherrn K >binetsrat Herrn v. Behr-Pinnov einen Vertreter entsendet. Die Bayrische Staatsregierung und die Kreisregierung von Mittelfranken ließ sich durch den Regierungspräsidenten von Blaul vertreten. Einer fehlte bei der Feier, der Stifter selbst. Er hatte sich s. sehr auf diesen Tag gefreut — ein neidisches Geschick hielt ihn fern. Kein schweres Leiden fesselt ihn; ein Restchen nur einer langsam heilenden Wunde hat den Arzt zu dem Verbot der Reise nach Fürth bestimmt. Was er ursprünglich persönlich sagen wollte, hatte RA. Nathan nun geschrieben; Oberlehrer Dorsch verlas die Kundgebung des Stifters, die nach Form wie Jndalt den vornehmen Gemeinfinn des Stifters in hellstem Lichte erstrahlen läßt. Wertvolle Menschenleben, die unter der Ungunst der Verhältniffe zugrunde gehen würden, zu retten, erscheint ihm heilige Menschenpflicht. Tiefsinniger Kinderliebe, der Pietät verdankt daneben das Werk seine Entstehung. In dem Heim soll kein Raum sein für Vorurteile irgend welcher Art; hier