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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Bloch, Wochrnschrist. Sette 837 Der Indrneid in Rumänien. Unlängst war zu lesen, daß auch in Kroatien eine besonders konfessionelle Form des Eides für die Juden bestht, wogegen ein Kampf eröffnt wird. Der sogenannte Judeneid in Rumänien ist viel schlimmerer Art, ist ein Akt des Barbarismus. Dieser Eid, der nur an einem Montag oder Donnerstag abgenommen wird, hat die häßlichst-n Formen. Der Eidleistende darf vor der Z'remonie nichts genießen, muß frühmorgens aufstehen und sich vorbereiten Unter Aufsicht des Sy iagogendieners nimmt er ein Ritual-- bad (M'kwah). Vorher werden ihm die Nägel abgeschnitten. Vom Bade wird er in die Synagoge geführt, wo er die Schuhe anszieben, das Totenhemd aulegen und sich in einen Tallis hüllen muß. Nachdem Schofar geblasen worden, erfolgt die Eid sablegung vor offener Bundeslade und vor der an der St lle der zehn Gebote aufgeroll'en Thora. Der Rabbiner, der Richter, der Gegner des Eidesleistenden und dessen Rechtsbeistand wachen über strenges Jnnehalten der Firmen. Die Enesworte werden im Jargon g» sprachen. Der Schwörende spricht dem Synagoqendiener nach; zunächst einige vernünftige Worte über Gott, Bethaus, Thora, daun folgende schauerlichen Fluchworte: „Wenn ich nickt die volle Wahrheit schwöre, so sollen auf mir alle Bannflüche ruhen, die in der Bibel geschrieben sind! Amen. Ich soll wie Korach und seine Rotte versenkt werden! Amen. Alle schlechten Träume sollen über mich kommen! Amen. Der Donner soll mich erschlagen und mein Nune von den Irden ausgelöscht weiden! Amen. Nach meinem Tode soll die Erde mich ni bt aufnehmen. Wie das Meer die Egyoter verschlungen hat, soll mich dieser Schwur verschlingen! Amen. Man soll mich nicht wie einen Juden begraben! Amen. Alle Leiden H-obs sollen über mich kommen! Amen. Wie Mirjrm, die Schwester Moses, aussätzig wurde,, so soll auch ich aussätzig werden. Ich soll von Gott mit zehn Plagen geschlagen werden, wie die Eaypter. Ich soll keinen Brocken Brot haben, wo immer ich sein werde! Amen. Ich soll betteln von Haus zu Haus und soll mit einem schwarzen Siegel gebrandmarkt werden! Amen. Wenn ich falsch schwöre, soll ich verflucht werden, so ich in ein Haus hineingehe und w'nn ich aus dem Hause herausgehe. Gott soll mir Not und Hunger schicken. Gott soll mich heimsucheu mit allen schlechten Krankheiten, mit w'ldem Aussatz und Beulen vom Kopf bis zu den Füß-m! Ich soll nie davon geheilt werden! Ich soll verrückt und blind werden und soll bei Tag wie ein Blinder in der Nacht tasten. Ich soll nie G'ück haben, wo ich immer hingehen werde. Alles Unglück soll über mich kommen und Niemand soll mir helfen können. Ich soll den Mtssms nicht erleben! Amen, Am n, Amen. So wie Gott wahr ist, sowie die heilige Thora wahr ist, so schwöre ich, wahr geschworen zu haben. Amen, Amen, Amen. Der abscheuliche Judeneid, der von getauften Juden ä la Pfefferkorn herrührt, ist in Rumänien schon lange üblich. Wie Mos>s Schwarzsild in seinem Buche ..Nomeute äiu istoria Evreiler din Romania11 zeigt, waren in der Walachei die Formen von mors judaico — auch die des sogenannten großen Schwures — nie so grauenerregend wie in der Moldau. Wie Dr. E. Schwarzfeld in „Anuar", VIII. Jahrgang ausiühlt, waren in den Eidesbestimmungen des Divans vom 18. November 1786 Nägelschneiden, Ritualbad, Geb,t° mantel, Totenhemd, Schofar, Lichte vorgesehen. Die Eidesformel war doch nicht so grausam. Die jetzige Form stammt aus dem Jahre 1838. Dieselbe hat ein Vasile Ovreja, der mit den Juden einen Prozeß hatte, gegeben. Die Verordnung vom 14.. Juni 1844. gegeben unter dem Fürsten Mihai Sturdza in der Moldau, sanktionierte sie. Nach der Ansicht rabbinischer Autoritäten aller Pa^teirichtungen ist der sogenannte Judeneid kein jüdischer. In Wirklich? it ist der jüdische Eid bindend in jeder Sprache, Cboscken Mischpot 18. 20, kann an jedem Tage und in jedem Ote vorgenommen werden. Talmud Sch-buoth 36. Die Abschreckungsformen, die in der gaonäischen Zdt in Babylonien üblich waren. Hab n in Cadices des Meimonides keine Spuren zurückgelassen. Totenhemd, Ritualbad usw. sind nirgends vorgesehen. In schw ren. verdächtigen Fällen hat man bloß in einer Ansprache auf die bö'en Folgen des Meineides hi"gedeutet. Der soaenannte I rdeneid ist somit unjüdisch. Derselbe ist. wie Dr. Niemirower in einem M'Mvrandum, an das Tribunal zu Jassy gerichtet, zu zeigen gesucht, unmoralisch. Er ist oft enie Waffe in Händen von skrup' llosen Spekulanten, die Di jenigen ausbeuten, welche sich lieber plündern lassen, als daß sie sich solchen barbarischen Formen unterwerfen sollen. Der religiöse Charakter des Eides geht verloren, da der Schwörende in demselben einen Beweis sieht, daß die Inden auch in Bezug auf den Eid anders als die Christen behandelt werden. Der Rabbiner fühlt sich erniedrigt, wenn er Zeuge solcher wilden Formen, die im Widerspeuche mit dem milden Geiste des Judentums sind, sein muß. Die Synagoge, die in höheren Gefühlen geweiht ist, wird entweiht, wenn man sie für nichtjüdische Formen mißbraucht. Die Wirkung' dieses Erdes ist es, daß das Volk sich daran gewöhnt, zu glauben, daß nur Fl uchformen Heiligkeit haben, während das Judentum die Unverletzlichkeit einer jeden Zusicherung lehrt. Dieser Judeneid, der nur bei Zivil-Proz ssen, aber nicht bei Kriminal-Prozessen verlangt werden kann, verdächtigt die Juden als geldgierige Falschschwörer. Der Kampf gegen more judaico. Es ist leicht e klärlich, daß die Vertreter des Judentums wie die jüdischen Intellektuellen in Rumänien gegen more judaico kämpf n. Im Jahre 1900 publizierte Dr. Niemirower im „Ewenemental" zu Jassy eine Arbeit des seligen Rabbiners Antoine Lewy vor mehr als 30 Jahren gegen more judaico. In Bukarest haben sich Dr. Gaster, Dr. B^ck, Rabbiner E sn Schorr auf eine Anfrage des Ministers für einfache Eidesformel! ausgesprochen. Im Jahre 1891 verweigerte der selige Rabbiner Feiwel Taubes zu Jassy die Mithilfe bei more judaico. In der „Egalitatea", herausgegeben von Moses Schwarzfeld, erscheinen Aufsätze gegen diesen sogenannten Judeneid, von den Gebrüdern Schwarzfeld, von Brauustein- Mebaschan usw. in der „PropL'ckil-ea", hera-sgegeben von M. Caufman, Aufsätze von Dr. L ppe. Dr. Stern. Großpräsident der „Bnei Brith", sammelte Gutachten rabbini'cher Autoritäten des Auslandes, die in der „Revlsta. JsraelitL", herausgegeben von Dr. B ck. erschienen sind. Rabbiner F iwel Taubes ließ sich jedoch einschüchtern und nahm von neuem diesen unjüdisch'n „Judeneid" vor. Die Bewegung gegen more judaico gewann im Jahre ISO! an Bedeutung, als Dr Nacht—Focaani. unterstützt von seiner Gemeinde, energisch auftrat. Dus Tribunal zu Foc^ani verzichtete auf more judaico, Dr. Niemirower, Jassy, Ueß einen Aufruf an d'e Ravbmer ergehen. Doktor Beck. Berger Taubes und Schorr. Bukarest. B aisis Ploi-^ti, Taubes und Landau—Batr^ani. Löb'l—Pratro, Ma gulres Brmla. Rabinowieci—Jassy und Dr. Niemirower unterstützten Dr. Nacht in Wort und Schrift. Ende 1901 fand in Jassy, unter Präsidium von I. B Bcociner—Galatz. ein Kommunitätenkvngreß statt, der sich nach den Ausführungen von Dr. Nacht und Dr. Niemirower für einen Kampf gegen

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