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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 836 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 müssen, daß sie es hier mit einem „falschen Messias", mit Usurpatoren, zu tun haben, werden sich zweifelsohne die Konkurrenz der Emigrationsgesellschaften zu Nutze machen und schwerer für derartige Abkommen zu haben sein. Es passiert schon jetzt, datz eine Emigraiionsgesellschaft die Kontrakte einbützt, die sie mit einer Scyisfayrtsgesellschaft in „guter Smnde" abgeschlossen hatte. Die Schaffung einer wahren jüdischen Repräsentation in Emigrationsangelegenheiten ist daher eine Hauptaufgabe des Kongresses. Nur eine Organisation, die sich auf die Massen stützt und ihr wahres Vertrauen genießt, kann als Anwalt der schwachen Emigranten vor mächtigen Schiffahrtsgesellschaften austreten, -nur eine auf der Volksbasis aufgebaute Organisation wird auch die nötige Kraft haben, um dauernde Vergünstigungen und Aufbesserungen für die wandernden Massen zu erwirken. . 22 MÄ Aber nicht das allein. Eine konsequente Emigration s p o l i t i k, die sich Gehör verschaffen soll, kann auch nur von einer wahren jüdischen Repräsentation geführt werden. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Interessen unserer Emigranten oft auch öffentliche politische Kundgebungen zu ihrer Wahrung erheischen. Da hat sich unlängst in unserer Presse ein wahrer Sturm gegen die neuen, verschärften Maßregeln entfesselt, die man in Amerika gegen die Emigranten anzuwenden begonnen hatte. Williams, der Newyorker Kommissär in Emigrationsangelegenheiten, hat auf Ellis Island strenge Verordnungen erlassen, hat der „Hebrew Immigrant Aid Society" das ihr von jeher gewährte Recht genommen, auf der Insel ihren Vorsteher zum Empfang der jüdischen Emigranten zu halten, hat 25 Dollar baren Geldes von jedem Emigranten zu fordern begonnen und in kurzer Zeit 1700 Emigranten den Einlaß verwehrt, was einem auch für russische Verhältnisse unerhörten Pogrom gleichkommt. In bezug auf derartige Maßregeln müßte vor allem die jüdische öffentliche Meinung einig sein und auch das Recht und die Macht besitzen, eine gerechte Behandlung der jüdischen Emigranten durchzusetzen. Wir wissen aber, daß die Sachlage jetzt eine andere ist. Die sogenannten „Iahudim" in Amerika sind für eine Agitation gegen Williams und seine 25-Dollar-Verordnung nicht zu haben, denn Rewyork, behaupten sie, ist so wie so überfüllt, und es wäre die' Emigranten selbst von Vorteil, wenn sie sich anderen Orten zuwenden würden. Es ist hier nicht am Platze, in eine nähere Behandlung dieser Frage einzugehen. Eins müßten wir aber wissen, daß Gesetze und Verordnungen aus dem Gebiete der Emigration und Immigration jedes Jahr und in allen Ländern erlassen werden, in den Parlamenten der einzelnen Staaten und auch auf Regierungskonferenzen, und daß jede derartige Verordnung eine nachhaltige Wirkung auf die Lage des jüdischen Emigranten und indirekt daher auch auf die Lage des ganzen jüdischen Volkes ausübt. Die jüdische Oeffentlichkeit darf sich daher nicht indifferent auch der politischen Seite der Emigration gegenüber verhalten, sie muß eine einheitliche Emigrationspolitik anbahnen und ihre Repräsentation für alle Emigrationsangelegenheiten haben. Diese Repräsentation kann aber nur auf einem allweltlichen Kongreß für jüdische Emigration ins Leben gerufen werden. Wien. Bertoldi. Zur Entstehungsgeschichte des Zionismus. Am 7. November abends feierten auch wir in Jassy im Saale des hiesiaen zionistischen L severeines (die Mitalieder des L severeines und des Or-Z on) im Beisein unseres verehrten Präsidenten der rumänischen Föderation H. H. Sche n aus Galotz das 25jährige Jubiläum der Kattowltzer Konferenz und entboten ttlegrophstch unseren heizlicheu Gruß der Feierversammlung nach Kat'ow'tz. Es wurden viele begeisterte Ansprachen aebalten und von manchem Redner besonders hervorqehoben, wie die Ereignisse gelehrt haben, daß der Wea, der auf dieser bald vergessenen russische» Ge»eraiversammlung in Kattowitz emgeschlagen wurde, der einzig richtige zur Erreichung unserer nationalen Wünsche sei. Ich hob hervor, daß wir in Rumänien diesen W q unabhängig und früher als die russischen G.aubensaenossen ern. e ch'aaen haben, und wenn wir auch aus Mangel an M trelrt den Efolg anderen tapferen Händen Überlassen mußten, so hatte unser Unternehmen doch einen Erfolg, auf dem weiter gebaut werden konnte. Der lärmeirdc, politische Z onismus hingegen hat uns bloß das Mißtrauen und den Veracht der otiomaniichen Regierung zugezogen. Fenier machie ich darauf aufmerksam, daß die K ttowitzer Konferenz nicht die erste ihrer Art war, die Priorität gehört vielmehr uns in Rumänien, die wir schon vorher zwei Konferenzen (Fvkichani und Jassy) in der Koloniiat'onsangelegenbeit abgehalten hatren. Ebenso babrn wir auch die ersten zwei Kolonien in Palästina gegründet (sechs Monate vor der russischen R schon Le-Zion) und ich erwähnte, daß wrr bi r den ersten oller P äsidenten des Zionismus gewählt halten, den frühzeitig verewigten Herrn Bankier Isaak Löbel in Galotz. Sern Hinscheiden bat die Störung, ja die Unterbrechung der weiteren Entwicklung in Rumänien herbeigefübrt, nachdem sie unter seiner Leitung einen kräf 'gen Anlauf genommen bat. Als Präsident des Zentralkomitees in Galotz stand er an der Spitze von n5 Vereinen, die im Verlaufe eines Jahres gegründet wurden. Seitdem wurden hier wiederholt Versuche gemacht, von Riwänien aus Palästina zu kolonisieren, aber jedesmal scheiterte das Unternehmen teils aus Manael an gehöriger Leitung durch eine autoritative Persönlichkeit, zum Teil selbst aus Hindernissen in Palästina, au einer Stelle, wo .man Beistand erwartet hatte. In Jaffy bestand später eiu Lokalver in Doresch Le- Z on, der den Handel mit Esrogim aus Palästina bifiuiliö emgeführt hat mit Verdiäiigung von Korfu. Wir werden dafür soroen, das Andenken unseres edlen, alten Führers zu ehren und seinen Namen den Nachkommen bekannt zu machen. In Galatz fiel es auf, daß im Berichte der „Weit" über die Kattowitzer Konferenz die Anteilnabme des domoligen Golatzer Komitees an bei selben dm ch seinen Delegierten, Dr. Lippe, formt-ch totgeschwiegen wurde, und man beabsichtigt, darüber beim Kongreß in Hamburg zu interpellieren. Die Antwort wird gewiß lauten: „Vergessen", „ein bedauerlicher Irrtum". Die offi ziellen Herren der „Welt", sowie die H'rren der Uatelwelten, die kleinen Ossi.lösen, leiden an Gedächtnisschwäche, wenn es ihnen um einen ungläubigen Charterk.tzer zu tun ist. Nicht so scheint es der „Oiam" in Wilna, der zählt mich ganz ungescheut in der Z ihl der Konferenzler unter der Rubrik der Gelehrten und Schriftsteller auf. Seit dem Bestehen der Kadimah, dieser ersten jüdisch-akademischen Verbindung in Europa, bin ich, dank dem G üuöer derselben, Dr. Vierer (Charter k.tze>), mit derselben unter verschiedenen Titeln in Verbindung, zuletzt als Ehcenbursch. Als solcher erbielt ich eine höfliche Einladuna zu ihrem 2 jähiigen Jubiläum. Ich schrieb ihr einen herzlichen G uß und Glückwunsch und sinoete zus.,m»len mit d^m ehemaligen Kadimahner D>. Golden stein ein Telegramm. Dr. Goldenstein ließ sich den Namen des Kadimah-Jouinals, der Jüdischen Z ilung, in der der Bericht über die Fe>er erschienen war, e n'chicken und war enpört, als er keine Erwähnung seines Telegramme« darin fand. Ich entscknldigte die Redaklion damit, daß sie dann auch meinen Nimen eiwatmen müßte, was eine Tovsünoe wäre. Beweis, da auch weines Handschreibens keine Eiwähi.ung gefch'eht. Meine Anfrage, ob mein Name etwa in der Zeit zwischen Einladung und Feier aus der Liste der Ehrenburschrn gestrichen wurde, wurde mit der Entschutdigung beantwortet: „U e b er s e h e n", »Vera essen". Ein Herr Crac kes aus Lemberg, schickte mir vor ungefähr zwei Jahren zwei polnische Broschüren Über PinSker und M. Heß ein und ersuchte mich um Notizen über das Entstehen und den Verlauf der zionistischen B-Wegung in Riimänien, da er darüber eine Broschüre zu veröffentlichen beabsichtige. Ich übermittelte ihm meine Sammlung von Notizen samt meiner Broschüre: ..Meine 25jährige zionistische Agitation" und bewog Herrn P neletz in Galotz, dem gewksenen Sekretär des alten Komitees unter Jsak Löbel, ein Gleiches zu tun Czoc kes erhielt olles, aber seitdem herrscht tiefes.Schweigen. Ob er nicht einen Wink bekommen hat, zu schweiaen? Auch im zionistischen „A-BC-Buch" wird Rumänien ganz oberflächlich behandelt. Der Mitarbeiter I. Grünberg .ans Fokichani (Rumänien) ist zu wenig in der Vergangenheit der rumänischen Bewegung eingeweiht. Es obliegt uns daher, die Lücken solcher „Vergeßlichkeit" selber nach unserem eigenen Gedenken auszufüllen und so dem künftigen Geschichtsschreiber ein vollständiges, glaubwürdiges Material zu liefern. Ich beabsichtige, nächstens meine bezüglicheu Noliren Revue staffieren zu lassen. ' Dr. L i p p e.

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