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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 48 d Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 728 i' Holleschau. Samstag den 20. d. feierte der langjährige Präses der hiesigen Chewra-Kadischa Herr Max Beer mit seiner Gattin Marie im Kreise seiner Kinder das Fest der goldenen Hochzeit in körperlicher und geistiger Frische. Aus diesem Anlasse waren sie Gegeni. stand herzlicher Ovationen. Herr Max Beer wurde zur Thora gerufen, - wobei Herr Kantor Braunfeld einen eigens für diesen Anlaß ver- , faßten Mischeberach in würdiger Weise vortrug. Nach dem Gottesdienste ^gratulierten der Kultus- und politische Gemeindevorstand und die ^.Vertreter der Chewra»Kadischa, bei welcher Gelegenheit Se. Ehrwürden * Herr Rabbiner Dr. I. Freimann an das Jubelpaar eine warme ^Ansprache hielt, in der er das eminent humanitäre Wirken des Jubilars E hervorhob. Namens der Chewra-Kadischa sprach der Vize-Präses Herr s Karl Weinreb und erwähnte, welchen Aufschwung die Chewra-Kadischa ^während seiner segensreichen Amtstätigkeit gewonnen hat. Der Vorstand 8der Chewra-Kadischa hat mit Rücksicht, daß Herr Max Beer bereits Zvor mehreren Jahren zum Ehrenmitglieds ernannt wurde, diesmal neine Max Beer'sche Wohltätigkeitsstiftung gestiftet, deren Erträgnis Farmen und kranken Vereinsmitgliedern zugewendet werde. Ferner H beglückwünschte Herr Philipp Weinbergcr namens der Talmud- ZThora mit dem Lehrkörper u. v. a. § Budapest. Die hiesige Tischgesellschaft zur Bekleidung armer Greise veranstaltet am 2. Dezember d. I. ihr fünftes Bekleidungsfest, bei welchem 30 würdige Greise mit warmen Winterkleidern beteilt werden. Boschatz (Ungarn). Am 8. Kislew — dem 21. d. M. — dem 12. Todestage des unvergeßlichen Oberrabbiners Josef Weisie in Vagujhely, wurde dessen Schwiegersohn, der allgemein geachtete und b -liebte langjährige Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Jakob Berger, unter großer Beteiligung seitens der hiesigen, ihn besonders verehrenden Bevölkerung und auswärtiger Trauergäste zu Grabe getragen. Der ob ihrer Herzensgüte bekannten Gattin Pauline, geb. Weisse, den Söhnen und Töchtern — deren eine die ztveite Frau weiland des Großrabbiners Dr. M. Grünwald in Bulgarien gewesen war, wendet sich die Teilnahme aller in besonderem Maße zu. Am Sarge sprachen des Verewigten Schwager, Professor A n t s ch e r l aus Wien, namens der Familie und der hiesige Rabbinatsverweser H. Tepli und bewegte sich ein langer Zug zu dem jüdischen Friedhof, wo der Verewigte, ein wahrer und guter Jude und ein edler und biederer Mann, in nächster Nähe seiner Tochter Gisela, der Großrabbinersgattin, beigesetzt wurde. — Ehre seinem Andenken! Kopenhagen. Gegenüber anderweitigen irrtümlichen Meldungen, nehmen Sie zur Kenntnis, daß der Ministerpräsident Zahle nichtjüdischer Abstammung ist. Finanzminister Ed. Brandes ist der Abstammung nach Jude. Allein dieser Herr hat bislang alles getan, um sich vom Verdachte des Judentums reinzuwaschen. Auf dem Ministersessel wird ihm höchstens noch der jüdisch klingende Name übrig bleiben, den zu ändern er sich schon mit Rücksicht auf seinen großen Bruder, Georg Brandes, nicht so leicht entschließen wird. Weit mehr Interesse für uns und noch bezeichnender für die Stellung der Juden in Dänemark ist die Tatsache, daß der neugewählte Rektor der hiesigen Universität, Professor Salomonsen, Direktor des German-Institutes, Jude ist und zwar ein solcher, der diesen Ehrennamen auch verdient. — Herr Rabbiner Doktor Grunwald aus Wien hat über Einladung hier einen Vortrag gehalten, der außerordentlichen Beifall fand und den auch die dänischen Tagesblätter mit hoher Anerkennung besprechen. Herr Dr. Grunwald war hier Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Auszeichnung. König Eduard von England hat Sir Edgar Speyer zum Geheimrat ernannt. Geheimrat Speyer wurde vor drei Jahren, gleichfalls anläßlich des Geburtstages des Königs zum Baronet erhoben. Die Komwunalwahlen in England. Bei den letzten Kommunalwahlen in England wurden drei Juden zu Bürgermeistern gewäblt, und zwar Alderman H. E. Davis in Gravesond, Alderman H. Feldmann in Hüll und Harry Graumann in Johannesburg. Die ersten zwei bekleiden diese Stellen schon seit mehreren Jahren. Hingegen wurde in Greater London, das 28 Mayors zu wählen hatte, kein einziger Jude gewählt. Ganz merkwürdig ist es dem bekannten jüdischen Politiker und Philanthropen Carl Stettauer in Stepney ergangen, wo er als junger Mayors-Kandidat aufgestellt wurde und seine Wahl sicher schien. Mr. Stettauer ist jedoch für nächsten März als Kandidat in den Grafschaftsrat in Aussicht genommen. Nun forderte der konservative Klub in Stepney kurz vor Eröffnung des Wahlaktes. Stettauer möge erklären, daß er im nächsten März nicht als progressiver Kandidat austreten werde. Stettauer wies natürlich eine solche Zumutung zurück und die Folge davon war, daß die Konservativen in letzter Sekunde einen Gegenkandidaten aufstellten, dem Stettauer unterlag. Die Wahl dürfte jedoch angefochten werden. Der neue Vizepräsident des Pariser Munizipal rates. Wie uns aus Paris gemeldet wird, wurde Herr Moritz Beer zum Vizepräsidenten des Pariser Munizipalrates gewählt. Feuilleton. Skizze« aus dem jüdische« Kede«. Von Dr. D. Feuchtwang. I. Der Märtyrer. Freitag, am 13. Nissan des Jahres 1629 faß Eljakum tief betrübt, ja gebrochen in der Gefängniszelle des Strafhauses zu Nitolsburg. Er war unschuldig, vollkommen unschuldig hierher gekommen. Ueber sein zwar jugendliches, aber aschfahles, abgezehrtes Antlitz rollten bittere Tränen. Nur wenige Stunden, und sein junges Leben war dahin. Er war zum Tode durch das Schwert verurteilt. Nikolsburg war damals eine hochberühmte, jüdische Gemeinde. Auf dem Rabbinatsstuhl saß Rabbi Petachjah aus Worms. Er war durch Judenverfolgungen aus Deutschland vertrieben. Unstet und flüchtig zog er umher, bis er in der großen Gemeinde Mährens Ruhe und Zuflucht fand und wegen seiner großen Gelehrsamkeit und Frömmigkeit zum Rabbiner von Nikolsburg erwählt wurde. Das war ein besonderes Glück und eine hohe Ehre. Die Juden Nikolsburgs lebten zufrieden und ungestört. Hohe Privilegien und Marktfreiheiten mehrten den Wohlstand auch der jüdischen Bevölkerung und erst inr August des Jahres 1628 hatten sie große Rechte für Tuch- und Leinenhandel erhalten. Die Kaufleute des Judenviertels waren weit und breit als tüchtig und rechtschaffen bekannt und besuchten die großen Messen des In- und Auslandes. Wackere Handwerker, biedere Schuster, "Schneider, Tischler, Glaser, Seifensieder und Gürtler, waren angesehene Vertreter der Zunft. Und namentlich die ehrliche, tiefe Frömmigkeit und Gelehrsamkeit in der Gotteslehre zeichnete die jüdische Gemeinde aus, von welcher der große Rabbi Jomtob Lipman Heller, der Tosephoth Tomtob, in seiner Selbstbiographie im Jahre 1625 sagt: „Die Männer daselbst sind alle weise und einsichtige, wackere Männer". Die an das hohe, herrliche Fürstenschloß sich anschmiegende Iudenstadt M reich bevölkert und die Straßen wohlgebaut: manches ansehnliche Patrizierhaus erhebt sich da. Und das eigentliche Ghetto, tief unten am Judengarten gelegen, mit seinen Sträßlein und Winkeln, aus deren Mitte sich die schöne „Neuschul" erhebt, ist der Tummelplatz vieler, emsiger Menschen, die in friedsamer Zurückgezogenheit und Stille leben. Im April des Jahres 1629 kam Kaiser Ferdinand der Zweite mit großem, prächtigem Gefolge nach Nikolsburg. Die ganze Stadt rüstete zum Empfang. Auch die Juden. Die Hauptgasse wurde mit einer Baumallee bepflanzt und die Umgebung der herrlichen „Allschul" prangte in überwältigend schönem Schmucke. Der ganze Tempelschatz wird ausgestellt. Aus den Bogenfenstern hängen die prachtvoll goldgestickten Porauches, die sonst die heilige Lade verhüllen: Kränze, Blumen und Wimpel schlingen sich von Haus zu Haus. Denn der Kaiser wird in feierlichem Zuge auch durch die Judengasse kommen. Alles ist in freudiger Erregung, die ganze Vorstandschaft, die Aeltesten der Gemeinde, die Rabbiner und Gelehrten, die Lehrer und Schüler — alle nehmen teil. Feierlich bewegt sich der Zug aus der „Stadt". Herolde reiten an der Spitze und die hohe

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