Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021867--18819-3043768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 825 der Stadtverwaltung wegen Subventionierung verschiedener Wohltätigkeitsanstalten, darunter auch des kürzlich eingeweihten jüdischen Akademikerheims. Als dieser Punkt zur Verhandlung kam, erklärte der Vorsitzende, wie auch sonst üblich, die Beratung für vertraulich und forderte das Publikum auf, den Saal zu verlassen. Die auf der Galerie versammelten allpolnischen Zuhörer inszenierten nun eine stürmische Demonstration und forderten, daß die Verhandlung eine öffentliche sei, damit das Volk gegen die Unterstützung jüdischer Anstalten und Koscherküchen durch die katholische (?) Stadt Lemberg protestieren könne. Die Ruhestörer beschimpften auch den Vizepräsidenten der Stadtgemeinde Doktor Aschkenase, der bekanntlich bei der Einweihung des Akademikerheims, dessen Ehrenmitglied'er ist, eine Rede hielt. Im Saale entstand ein riesiger Tumult, zwischen den Gemeinderäten und den Demonstranten flogen die heftigsten Jnvektiven und erst das Erscheinen der Wache machte der turbulenten Szene ein Ende. Dip Demonstranten zogen dann vor die Wohnung des Doktor Aschkenase, wo es zu neuerlichen Ausschreitungen und antisemitischen Ausbrüchen kam. Die antisemitische'Horde wollte auch zum jüdischen Akademikerheim ziehen, ließ jedoch von diesem Plane ab, als sie hörte, daß die Akademiker dort in Bereitschaft stehen. Die Sitzung des Gemeinderates wurde inzwischen vertagt, ohne daß die Subventionsfrage erledigt worden wäre. Budapest. (Die israelitischen Schulen und die Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichtes.) Der Ungarische israelitische Lehrerverein hat im Namen der ungarischen israelitischen Lehrerschaft an den Unterrichtsminister Grafen Albert Apponyi ein Memorandum gerichtet, in welchem auf die Gefahr hingewiesen wird, von welcher die israelitischen Schulen durch die Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichts bedroht werden. In dem Memorandum wird darauf hingewiesen, daß bisher das Haupteinkommen der israelitischen Schulen das Schulgeld war, welches nun infolge der Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichtes entfallen wird. Infolge der seitens des Staates in Aussicht gestellten geringen Entschädigung wird ein großer Teil dieser Schulen gezwungen sein, sich aufzulösen, wodurch eine große Anzahl Lehrer brotlos wird. Der Verein richtet nun an den Minister die Bitte, die weitere Aufrechterhaltung der ungarischen israelitischen Schulen dadurch zu ermöglichen, daß diese außer der gesetzlich festgestellten Entschädigung für das entgangene Schulgeld eine Subvention erhalten. Sollte es jedoch trotzdem nicht möglich sein, die Schulen auch weiterhin aufrechtzuerhalten, dann mögen die erwerbslos gewordenen Lehrer in den staatlichen Schulen angestellt werden. Budapest, 18. Nov. (Vortragsabend des UngarischenIsraelitischen Ru lturvereins.) Der vor einigen Monaten gegründete Ungarische Israelitische Kulturverein begann heute abends seine eigentliche Tätigkeit, deren Zweck es ist, durch Vorlesungen und Vorträge zur Förderung der ungarischen israelitischen Kultur beizutragen. Ein vornehmes »Publikum füllte den Festsaal der Pester Lloyd-Gesellschaft, um an diesem ersten Vortragsabend teilzunehme» Den Vorsitz führte an Stelle des am Erscheinen verhinderten Präsidenten des Vereins Baron Moritz Herzog, Vizepräsident Dr. Adolf Kohner, der mit herzlichen Worten die Anwesenden begrüßte und kurz den Zw6ck der Vorträge dahin charakterisierte, daß dieselben das Ziel verfolgen, durch das lebende Wort nicht nur an Vernunft, sondern unmittelbar an das Herz zu appellieren. Sekretär Dr. Ernst Weiler las sodann die Begrüßungsworte des abwesenden Präsidenten Baron Moritz Herzog vor, welche die Mission des Vereins in folgendem treffend darlegen: „Unsere religionsphilosophischen, historischen und literaturgeschichtlichen Vorträge bezwecken die Vertiefung des religiösen Denkens und Wissens der gebildeten ungarischen Iudenschaft und sollen die erhabene Schönheit der jüdischen Religion beleuchten. Unsere Religion trotzte den Kämpfen der Jahrtausende, unsere Glaubenstreue war oft starken Versuchungen ausgesetzt, begegnete häufig der feindseligsten Beurteilung und ihre Anhänger fielen oft der religiösen Intoleranz Andersgläubiger zum Opfer. Erziehen wir unsere Kinder im Geiste einheitlicher Wellauffassung und Sittenlehre ohne inneres Zerwürfnis zum Wohle unserer selbst und zum Wohle der Oeffentlichkeit zu starken Charakteren, zu tätigen Menschen. So fasse ich die ungarische israelitische Kultur auf und unsere heiligste Aufgabe sei, sie in dieser Richtung zu fördern.". Den Reigen der geplanten pierzig Vorträge eröffneten heute abend Frau Witwe Hofrat Dr. Armin Neuman und Rabbiner Dr. Simon Hevesi. Frau Hofrat Dr. Armin Neuman las über „Philantropie" vor. Sie ging' von einer Aeutzerung des gewesenen Ministerpräsidenten Grafen Stefan Tißa aus, der in einem jüngst gehaltenen Vortrage nur von christlicher Liebe sprach. Sie bekämpfte diesen Satz auf das entschiedenste und wies auf Grund der Geschichte und Aeußerungen von Gelehrten, Geschichtsschreibern, Seelsorgern aller Zeiten und Konfessionen nach, daß die Liebe zum Nebenmenschen und der daraus entspringende Wohltätigkeitssinn das Fundament der mosaischen Religion bildet und daß alle Religionen, die diese beiden hehren Prinzipien ausgenommen haben, dieselben der jüdischen Religion entlehnten. Das ist ein jüdisches Element der christlichen Religion, nicht griechisch, noch römisch. Man müsse danach streben, die jüdische Frauenwelt darüber aufzuklären, daß die Zunahme der Bildung und Kultur mit den Vorschriften und Gebräuchen der jüdischen Religion in edlen Einklang gebracht werden könne. Der von edler Begeisterung durchströmte Vortrag löste bei den Anwesenden einen Beifallssturm aus: Vorsitzender Doktor Adolf Kohner sprach im Namen des Vereins der Vorleserin innigen Dank aus. Sodann begann Rabbiner Dr. Simon Hevesi seinen für fünf Abende berechneten freien Vortrag über „die Wellauffassung und die Ethik der jüdischen Religion". Er wies in der Einleitung darauf hin, daß der Fortschritt in der Kultur, in der Technik das religiöse Empfinden nicht nur nicht vermindern, sondern im 'Gegenteil vermehren müsse. Von den zweitausend philosophischen Systemen, die bisher ungefähr aufgestellt wurden, stellt sich kaum ein Viertel auf die Basis der reinen Negation der Religion. Alle diese philosophischen Systeme überlebten sich, wurden in immer kürzeren Zwischenzeiten von anderen überholt, während die Religion Mosis den Stürmen der Jahrhunderte Trotz zu bieten wußte. Vorsitzender Dr. Adolf Kühner schloß sodann mit Dankesworten an die Vortragenden und an die anwesenden Gäste den ersten Vortragsabend des Vereins. Amtsjubiläum des Rabbiners Dr. Münz Gleiwitz. In Gleiwitz feierte Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz sein 25jähriges Amtsjubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert steht er als geistiger Leiter an der Spitze der dortigen jüdischen Gemeinde. Wie sehr sich der Jubilar während dieser Zeit die Wertschätzung und Hochachtung Aller, auch der Andersgläubigen, erworben hat, das kam bei der Feier in trefflichster Weise zum Ausdruck, Angehörige aller Stände und Konfessionen, die verschiedensten Korporationen wetteiferten miteinander. Herrn Dr. Münz an seinem Jubeltage in der erhebendsten Weise zu ehren und ihm die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen. Um 12 Uhr mittags erschienen in der Wohnung des Jubilars vor allem der Vorstand und das Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde und sprachen ihm durch den Mund des Herrn Justizrates Schüller die Anerkennung und den tiefgefühlten Dank für seine Verdienste um die Gemeinde aus und verbanden damit die herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Als äußeres Zeichen der Verehrung überreichten sie ein prachtvolles Silbergeschenk. Herr Direktor Smolka gratulierte im Namen des Lehrerkollegiums des Gymnasiums, dessen Mitglied der Jubilar ist, und hob dabei das einmütige Zusammenhalteu des Kollegiums besonders hervor. Die Glückwünsche des Ober-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.