Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 824 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 48 des Kaiser-Jubiläums die Schlußsteinlegung und auch die Eröffnung des. Hauses effektuiert. Aber es ist Ihnen bekannt, welche Schwierigkeiten sich unserem Vorhaben entgegenstellten und welchen Aufwandes an Zeit und Mühe es bedurfte, um dieselben zu überwinden. So müffen wir denn die letzterwähnte große offizielle Feier der Schlußsteinlegung und Eröffnung des Hauses auf das kommende Jahr verschieben und uns heute, des Jahrestages des Kaiser-Jubiläums gedenkend, mit einer provisorischen, einer bloß im intimen Kreise veranstalteten Feier der Gleiche zufrieden 'geben. Meine Herren! Ich könnte Ihnen stattliche Reihen von Ziffern und Zahlen und Daten vorführen; doch möge dies einer späteren Gelegenheit Vorbehalten bleiben. Für heute nur Einiges davon! Wir haben die Baugründe um K 140.000 gekauft. Zu den Baukosten per K 500.000 stehen uns K 340.000 zur Verfügung. Es bestehen schon derzeit 20 Stift- Plätze und es hat ein Wohltäter, den ich hier freudigst in unserer Mttte begrüße, einen Pavillon für 25 Knaben zu stiften unternommen. — Unter dem Zeichen des kaiserlichen Losungswortes „gfir das Kind" sind wir an die Errichtung dieses schon seit Jahren geplanten Wohltätigkeitsinstitutes gegangen; und so möge, so wie ich mit einem Kaiserworte begann und mit einem Kaiserworte schließe, meine Ansprache in den Ruf ausklintzeu: Unser Kaiser Franz Joseph I. lebe hoch!" Die Festversammlung stimmte begeistert in das „Hoch" ein und damit schloß die würdige Feier. Verein der Sabdatfreunde „Schomre Schadbos". Der erste Vortragsabend dieses gleich bei seiner Gründung äußerst sympathisch begrüßten Vereins fand am 23. d. M. im Festsaale des Hotels Continental, II., Taborstraße statt und darf als vorzüglich gelungen bezeichnet werden. Herr Oberrabbiner Doktor M. Eüdemann sprach „Ueber den Sabbat" vom geschichtlichen. ethischen und sozialen Standpunkte in so klarer überzeugender Weise, daß alles dem Redner zujubelte, als der Vortrag beendigt war. (Wir bringen den Vortrag an leitender Stelle dieser Nummer.) Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Doktor Alfred Stern, mit einem großen Teil der Vorsteher, fast sämtliche Wiener Rabbiner, viele Gelehrte und Notabilitäten füllten den großen Saal bis auf den letzten Platz und so bildete dieser Abend eine wahre Huldigung für die altehrwürdige Sabbat-Idee, gleichsam einen großen Erfolg dieses jungen, in seinen Zielen nicht genug zu lobenden Vereines. Üm das Zustandekommen dieses erhebenden Vortragabends hat sich die Vereinsleitung, Präsident Felsenburg, besonders aber der Schriftführer, Herr Moritz Nasch, auch der Kassier, Herr Nathan Pollak besonders verdient gemacht. Dr. Adolf Hoffmann Dr. Adolf Hoffmann ist nicht mehr. Der edle Mensch und ausgezeichnete Arzt, der Gründer des „Vereines zur Pflege armer Brustkranker auf dem Lande", der Mitbegründer, fast könnte man sagen der alleinige Schöpfer des großen Seehospizes von Rovigno, ist im Alter von 68 Jahren am 22. November l. I. von uns zu Grabe getragen worden. Leuchtend find die Spuren, die sein von Wohltun erfülltes Leben hinterläßt und die Tränen Tausender, denen er als Retter und Helfer zur Seite stand, weben sich als Perlen in die Krone, die die Armen und Elenden in segnendem Gedenken ihres Wohltäters, aufs Grab ihm legen. Die wechselnden Generationen von vielen Jahrzehnten hatten sich, tief beglückt, an das Bewußtsein gewöhnt, daß Dr. Adolf Hoffmann der unserige sei, ein guter Mensch und ein überzeugter treuer Jude; daß er lebe und stark sei, daß kein Tag vergehe, an welchem er nicht das Schatzkästleiu seines Herzens und Gemütes von Neuem öffnete, um immer wieder Gutes nur zu schaffen. Und nun erfüllte sich das Schicksal unabweislich, unerbittlich. Der Herzensheld, der Bezwinger der Gemüter und der Seelen ist für immer von uns geschieden. Er war unermüdlich, aber, man muß sagen, auch unempfindlich in seinem edlen Trieb, immer neue Mittel für die unglücklichen Brustleidenden zu schaffen, die er im Sommer nach Roznau zu schicken hatte. Und wenn er da von einem Reichen manchmal statt Geld Steine bekam, so legte er sie, wie unser Erzvater, unter sein Haupt und schlief auf ihnen und baute dann einen Altar! Die Schaffenskraft, die in ihm wirksam war, schien fast für ein ewiges Dasein bestimmt. Nichts verriet den Druck, den die Last des Alters auf ihn übte. Der jugendliche Idealismus blieb ihm treu bis ans Ende seiner Tage, seine Arbeitslust und sein heiteres Gemüt verjüngten ihn immer wieder und ohne Furcht sah er das Alter kommen und den Tod,ihm nahen. Wohl sahen wir allmählich seine Kräfte schwinden, das hohe Alter verbrauchte die Kraft seiner Seele allgemach und wir konnten ihr letztes Aufflackern berechnen und uns mit dem Gedanken vertraut machen, daß sie bald uns fehlen werde. Und nun ist die Kraft geschwunden und die beispiellos befruchtende Wirksamkeit dieses seltenen Menschen bleibt uns unersetzlich verloren! Welch großes reiches Leben umschließt doch der enge Sarg, in den wir unfern Freund Dr. Adolf Hoffmann gebettet haben! Sein Andenken wird fortleben! vr. M. H. * * -i- Unter großer Teilnahme fand das Leichenbegängnis am 22. d. M. statt. Es waren als Vertreter des Vorstandes die Herren kais Rat Leopold Sachs und Salo Cohn, ferner Herr General-Direktor Kux, Prof. Dr. Leopold König stein, Dr. Holz man, Skrrptor an der Universität Wien, kais. Rat Glaser, Bankier Wölfler, die Industriellen Theodor Schnabel, Em. und Heinrich Schnabel, L opold Bauer aus Brünn, die Herren Eduard Schwarz und C. H. Berger, ferner die Herren kais. Rat Alois T h o r s ch, Ernst von Back und Hermann von Back und Börserat Julius Gottlieb, weiters die Damen Rosa Holitscher, Jaray, v. Przibram und viele andere hervorragende Persönlichkeiten erschienen. Herr Prof. K ö n i g st e i n hatte, nachdem Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann eine in die Herzen der Anwesenden dringende Trauerrede gehalten, als Vorstandsmitglied des „Vereines zur Pflege armer Brustkranker auf dem Lande" dem Dahingeschiedenen' einen ergreifenden und in beredten Worten das Leben des Verstorbenen schildernden Nachruf gesprochen. Für den genannten Verein wurden zu Ehren des Verstorbenen, deffen Präsident er war, nahe 1000 Kronen bei der Leichenfeier gespendet. Abermals ein Mädchenraub in Galizien. Die gewaltsame Entführung jüdischer Mädchen zur Taufe nimmt in Galizien schon einen katastrophalen Charakter an. Es vergeht kein Monat, oft keine Woche, in welcher nicht ein solcher Mädchenraub zu verzeichnen wäre. Ein besonders kraffer Fall ist der folgende, der sich in Powikowze bei Brody zugetragen hat. Rebekka Proveller, die Tochter der dortigen Wirtshauspächterin, wurde von einem notorischen Verbrecher, der erst kürzlich nach verbüßter Kerkerstrafe wegen Totschlages heimgekommen war, überredet, zum Christentum überzutreten, wo ihrer das größte Glück harre. Das unerfahrene Dorfmädchen gab dem Zureden schließlich nach und folgte dem Verführer ins dritte Dorf, wo sich ein Nonnenkloster befindet, um daselbst die Vorbereitungen für die Taufe zu treffen. Die Mutter erwirkte bei dem nächsten Gendarmerieposten, daß ihr ein Gendarm mitgegeben werde, um das Mädchen samt dem Entführer zu verhaften. Und nun geschah etwas recht asiatisches. Ganz unbegreiflicherweise hat der Gendarm, der mit dem Haftbefehl ins Kloster ging, den Auftrag seines Vorgesetzten ignoriert und die Verhaftung unterlassen, obgleich ihm das Mädchen in Gegenwart der Mutter von der Oberin des Klosters ausgeliefert wurde. Nun wandte sich die arme Mutter an den Abgeordneten Dr. Gabel, der sowohl beim Gendarmeriekommando in Lemberg, als auch beim Lemberger Bischof intervenierte, jedoch vorläufig ohne Erfolg. Eine antijüdische Demonstration im Lemberger Gemeinderat. In der letzten Sitzung des Lemberger Gemeinderates kam es von seiten des Galeriepublikums zu argen antisemitischen Demonstrationen. Auf der Tagesordnung stand u. A. der Antrag