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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 823 Bauherr an die Leiter des Baues, die Parliere und die daselbst beschäftigt gewesenen Arbeiter Worte des Dankes für die bisherige erfolgreiche Tätigkeit gerichtet und den genannten Personen als Zeichen der Anerkennung Geschenke gespendet hat. Das Gleichenfest besitzt vielleicht kein so hohes Alter als das Fest der Weihe des Hauses, die 6da.nuL8.tll lla-llasttll. Das letztere kennen wir bereits bei den alten Egyptern, und im I. Buch der Könige, Kapitel 8, wird die Feier der Weihe des neugebaüten Tempels durch König Salomo in erhebender Weise geschildert. Vom Altertum angefangen durch das ganze Mittelalter und bis auf die neueste Zeit wird die Vollendung des Hauses, zumeist mit der Schluß st einlegung verbunden, festlich begangen. So bleibt für unsere Generation die Einweihung des neuen Wiener Rathauses in froher Erinnerung, die ihren Höhepunkt in der am 12. September 1883 durch Seine Majestät den Kaiser vorgenommenen Schlußsteinlegung in der Turmhalle des Festsaales erreicht hat. Aber auch dem Feste der Hauptgleiche begegnen wir in Aufzeichnungen und Überlieferungen aus dem frühen Mittelalter, und zwar nicht nur bei Bauwerken, welche religiösen Zwecken gewidmet waren, sondern auch bei profanen Gebäuden, wie bei dem Römer in Frankfurt a. Main, beim Gürzenich in Köln a. Rhein und an anderen Orten. Und es waren die Gesetze und Regeln der Bau- und Steinmetz-Hütte der Stadt maßgebend für die Gebräuche, welche die Festlichkeiten begleiteten. Solche Haupt-Bauhütten bestanden in Köln und Straßburg, in Prag und Wien. Von der uralten Bauhütte unserer Stadt ist in letzterer Zeit sehr viel gesprochen worden. Zumeist versammelten sich der Bauherr und seine Familie in einem gegen Wind und Wetter geschützten Raume des Baues, die Werkmeister, Parliere und die Schar der Arbeiter rings umher. Und der Meister des Baues, der Architekt, trat in den Kreis der Männer, erhob einen Becher mit funkelndem Weine und sprach so, ungefähr wie ich jetzt sprechen werde: Verehrter Bauherr und liebe Genossen in der Kunst und in der Arbeit! Wir haben in vorgeschriebener Zeit diesen Bau geführet von den Grundmauern im Inneren der Erde bis hinauf zur lustigen, sonnigen Höhe. Wir haben gebaut nach den Regeln und Gesetzen des Weisesten aller Könige, des K ö n i g s S a l o m o, wie er sie empfangen hat von seinem mächtigen, zaubergewaltigen Freunde, dem König Hiram von Tyrus, so in der Schrift wird Z o r genannt, und wie sie überliefert wurden von Geschlecht auf Geschlecht bis auf unsere Tage. Möge der Allmächtige Baumeister aller Welten den Bau auch fürderhin in seinen erhabenen Schutz nehmen, ihn schirmen und behüten, auf daß er zur vorgeschriebenen Zeit und nach den Regeln der Kunst und der Arbeit zu gedeihlichem Ende gebracht werde. Und nun erhebe ich den Becher, geMt mit edlem Weine, und leere ihn, mit der Versammlung Erlaubnis, zu dreienmalen. Der erste Becher gilt dem verehrten Bauherrn, dem Präsidenten des israelitischen Waisenvereines, Herrn David Ritter von Gutmann, den wir alle als einen großen Wohltäter der leidenden und bedürftigen Menschheit kennen, lieben und verehren. Herr David von Gutmann steht an der Spitze mehrerer wichtiger und bedeutender Wohltätigkeitsvereine, und unter diesen befindet sich auch der israelitische Waisenverein. Diese gemeinnützigen Institutionen hat er durch Eifer und Tatkraft und durch den Einfluß seiner Persönlichkeit zur Blüte und zu hohem Ansehen gebracht. So hat er gemeinsam mit seinem in Gott ruhenden Bruder Wilhelm vonGutmannvor zwei D^ennien ein Mädchenwaisenhaus in diesem Bezirke geschaffen. So ist es zumeist seiner Initiative zu verdanken, daß nunmehr dieses Knabenwaisenhaus begründet wurde, welches zur bleibenden Erinnerung an das Jubelfest der 60jährigen glorreichen Regierung Seiner Majestät des Kaisers errichtet wird. Möge er noch eine lange Reihe von Jahren seine erhabenen Ziele verfolgen können: Präsident David v. Gutmann, er lebe hoch! Ich erhebe den Becher zum zweiten Male zu Ehren des verehrten Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde und seines hochgeschätzten Stellvertreters. Dr. Alfred Stern leitet seit vielen Jahren mit starker Hand und mit jugendlicher Kraft, mit Weisheit und Gerechtigkeit die Geschäfte unserer Gemeinde und wird von seinem Stellvertreter, dem Landesschulrate Dr. Gustav K o h n, auf das Wirksamste unterstützt. Stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav K o h n, sie leben hoch! Und nun zum dritten Male erhebe ich den Becher, indem ich mit tiefer Dankbarkeit der Männer gedenke, die seit vielen Jahren an der Spitze des altehrwürdigen Waisenvereines stehen und mitgeholfen haben, denselben zu seiner gegenwärtigen Blüte und zu hohem Ruhme emporzubringen; des Vizepräsidenten Dr. Arthur K u r a n d a, des Kurators SiegfriedFleischer und der Mitglieder des Kuratoriums, sowie der Sekretäre des Vereins, sodann der Mitglieder des Baukomitees, welche die Durchführung dieses Baues unermüdlich und in gerechter Weise leiten und überwachen; endlich jener Männer, die in Aufopferung und Hingebung die Arbeiten des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, der größten auf unserem Kontinente, vollbringen. Ich leere den Becher mit dem Rufe: „All die verdien st vollen Männer, sie leben hoch! Ich habe die feste Zuversicht, daß wir unsere Arbeit zur rechten Zeit und in klagloser Weise beendigen werden. In diesem Vertrauen aus den glücklichen Abschluß unserer Arbeiten werde ich bestärkt, wenn ich die wackere Schar meiner Mitarbeiter überblicke, allen voran meinen langjährigen Freund und Kollegen, den Stadlbaumeister Melcher, welcher unter meiner Leitung wiederholt Monumentalbauten in gelungener Weise ausgeführt hat, dann die altbewährten Baufirmen und Bauhandwerker, durchwegs tüchtige, solide Männer. Und nun wünsche ich, daß wir Alle in geistiger Frische und in leiblichem Wohlbefinden uns wieder finden mögen am Tage der Schlußsteinlegung, auf daß fich betätige die Wahrheit des erhabenen Spruches: „Weatem hadwekim ba-Adonai Elohechem chajem kulchem hajom.“ Und Ihr, die Ihr in Treue hänget an Euerem Gotte, Ihr lebet Alle am heutige Tage. Deß walte Gott! Die Ansprache wurde von der Versammlung mit großem Beifalle ausgenommen und ergriff nunmehr Dr. Alfred Stern in zweifacher Eigenschaft, als Präsident der Kultusgemeinde und als Vizepräsident des Waisenvereines, das Wort. Ansprache des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Hochgeehrten Herren! Es ist heute fast auf den Tag ein Jahr, daß mir au der Spitze der Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinden der Kronlandshauptstädte Oesterreichs die hohe Ehre zuteil wurde, Seiner Majestät die Huldigungsadreffe von 500 Kultusgemeinden der gesamten österreichischen Judenschaft unterbreiten zu dürfen. Auf meine ehrfurchtsvolle Ansprache geruhten Seine Majestät unter anderem wörtlich zu erwidern: „Ich schätze auch den Familiensinn Ihrer Glaubensgenoffen und deren Freude am Wohltun", huldvolle Worte Allerhöchster Anerkennung, die fich tief unseren Herzen einprägten. Reiche Spenden, reicher als in anderen Jahren, find uns im letzten Jahre zugefloffeu, wohltätige Stiftungen und Institutionen find gegründet und gefördert worden; in erster Reihe solche Anstalten — dieses neuerstehende israelitische Knabenwaisenhaus, bestimmt für 100 Kinder. Gerne hätten wir noch in diesem Jahre, am erste» Jahrestage

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