Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 822 Dr. Blochs Wochenschrift. 'Jtr. 48 derart einzurichten, das; Absolventen des V. Jahrganges, aufbauend auf die erworbenen Kenntnisse, durch eigenen Privatfleiß sich zur allgemeinen staatlichen Reifeprüfung für das Lehramt an öffentlichen Volksschulen vorbereiten könnte. Demgemäß ist auch der Zeichenunterricht im Ausmaße von 2 Wochenstunden in den Lehrplan ausgenommen worden und es hat sich in Betätigung seines Jntereffes für die Anstalt der akademische Maler Herr David Kohn bereit gefunden, diesen Unterricht zu übernehmen. Das Plenum genehmigte diese Anträge des Vertreterkollegiums, sowie den Antrag, das gegenwärtige Organisationsstatut pro Intaro einer Umänderung zu unterziehen. Des ferneren wird über Antrag des Vertreterkollegiums die frei gewordene Lehrstelle für Mathematik und Naturwissenschaften dem k. k. Supplenten Dr. Leopold Baumgarten verlichen. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Aus -er Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom ÄL. November 1909 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. ^Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich: An Spenden: Ein Dankschreiben des Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner silbernen Hochzeit. Mitteilung der k. k. n.-ö. Statthalterei, daß der am 26. September 1909 verstorbene Wilhelm Freiberg unter anderem folgende Legate ausgesetzt hat: K 50.000.— dem Kaiser Franz Josephs-Ferienheim zur Gründung und Erhaltung des Seehospitzes in Grado. „ 1.000.— der Versorgungsanstalt der israel. Kultusgemeinde, „ 1.000. — 4"/o ige österr. Kronenrente der „Chewra Kadischa" in Wien, „ 1.000.— 4% ige österr. Kronenrente der israel. Volksküche in Wien, XX. Bezirk, „ 500.— dem isr. Blindeninstitute in Wien, ferner subfistutionsweise mit einem späteren Fälligkeitstermine K 125.000.— und zwar: K 12.000.— der Versorgungsanstalt der israel. Kultusgemeinde „ 6.000.— dem Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien „ 10.000.— dem Vereine für das isr. Blindeninstitut auf der Hohen Warte, „ 10.000.— dem allgem. österr. isr. Taubstummeninstitute „ 12.000.— dem Siechenhause der isr. Kultusgemeinde „ 7.000.— dem Gleichenberger isr. Spitale „ 10.000.— dem Asyl für mittellose kranke Juden in Meran, „ 10.000.— dem Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in Wien für Tischnowitz, „ 10.000.— dem Vereine Kinderschutz in 'Wien „ 8.000.— dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis in Wien, „ 12.000.— dem Vereine Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim in Wien, 0 4.000.— 4% ige österr. Kronenrente dem Vereine „Nächstenliebe", Verein zur Unterstützung verschämter isr. Hausarmer in Prag, „ 4.000. — 4% ige österr. Kronenrente dem Privat-Frauenvereine zur Erziehung armer isr. Waisenmädchen in Prag, „ 4.000.— 4"/o ige österr. Kronenrente dem Kaiser Franz Josef I. israel. Knabenwaisenhause in Prag, „ 3.000.— 4% ige österr. Kronenrente dem Kreuzervereine zur Unterstützung armer isr. Waisenmädchen im Königreiche Böhmen, Prag, „ 3.000.— 4% ige österr. Kronenrente der „Chewra Kadischa" in Reichenberg. Ferner eine Mitteilung der k. k. n.-ö. Statthalterei, daß der am 30. September d. I. verstorbene Herr Dr. Moriz Adolf testamentarisch Folgendes vermacht hat: K 20.000.— dem neu gegründeten Fonde zur Errichtung eines jüdischen Knabenwaisenhauses in Wien, „ 30.000.— für sechs jüdische Wohltätigkeitsanstalten, von denen eine vom Erblasser bestimmt ist; während die übrigen fünf Anstalten der Erbe des Verewigten im Einvernehmen mit dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu bestimmen hat. Der Präsident lädt die Kultusvorstandsmitglieder ein, der am 23. d. M. stattfindenden Gleichenfeier des neuen Knabenwaisenhauses in Döbling anzuwohnen. lieber Antrag des Präsidenten wird anläßlich der Erkrankung des ehemaligen Mitgliedes des Vertreterkollegiums Herrn Theodor Ritter von Taussig einhellig beschlossen, dem Genannten für seine baldige Wiederherstellung die herzlichsten Wünsche des Kultusvorstandes zum Ausdrucke zu bringen. Zum Mitgliede des Ehrendamenkomitees für die Versorgungsanstalt wird Frau Betti Kolm berufen. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Das Gleichenfest im israelitischen Knabenwaisenhauses in Wien XIX, Probusgasse. Am Dienstag den 23. November d. I. versammelte sich ein kleiner Kreis von Männern am Baue des Knabenwaisenhauses, welches der israelitische Waisenverein zur bleibenden Erinnerung an das 60jährige Regierungsjubiläum des Kaisers errichtet hat. Der stattliche Bau, welcher zur Aufnahme von 100 Knaben bestimmt ist und der sich an der Ecke der Probus- und der Armbrustergasse in Heiligenstadt erhebt, wird nach den Planen und unter der Leitung des Baurates Wilhelm S t i a ß n y ausgeführt. Soeben wurde auf dem aus Tiefparterre, Hochparterre, zwei Stockwerken und einem Dachgeschoß bestehenden Baue, welcher sich inmitten eines großen, alten Parkes befindet, der Dachstuhl aufgestellt und eingedeckt. Unter den Anwesenden bemerkte man: Herrn Wilhelm von Gutmann in Vertretung seines von Wien abwesenden Großvaters David Ritter von Gut mann, den Kurator des Waisenvereines Siegfried Fleischer, den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern nebst den Sekretären kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, die Mitglieder des Kultusvorstandes: Hoffmann, Schramek und Steiner, Vorsteher der Chewra-Kadischa Kann, Rabbiner Dr. Feuchtwang, ferner die Mitglieder des Baukomitees: Gottlieb Bettelheim und Oberingenieur Mannaberg, Doktor Bela Taussig. Stadtbaumeister Melcher, Doktor I. S. Bloch, Dr. Sigmund Stiaßny, kais. Rat Schefftel, Dr. Kapralik, die Sekretäre des Waisenvereines Direktor Mauthner und Emil Katz und viele Andere. Die Festlichkeit fand im Vestibüle des Tiefparterre, wo auch der Grundstein des Hauses vermauert ist, statt. Sie begann mit einer Ansprache des Architekten Baurates Stiaßny, welche folgendermaßen lautet: Hochverehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Versammlung! Wir haben uns heute am Baue des israelitischen Knabenwaisenhauses eingefunden, um ein bescheidenes Fest der Arbeit, das G l e i ch e n f e st, zu begehen. Es soll dadurch der Zeitpunkt hervorgehoben werden, zu welchem der Rohbau dieses Gebäudes vollendet und das schützende Dach darüber gebreitet ist, so daß der Bau vor den Unbilden und Schädlichkeiten der Wintermonate verwahrt erscheint. Das Fest der Hauptgleiche ist schon in alter Zeit begangen worden und war stets damit verbunden, daß der