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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 820 Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. phischen" Bilderschrift und den beiden Kursiven, ejtte vierte, die von ihnen völlig verschieden ist. Auf dem runden Diskus sind die Schrift, bilder mit einem wahrscheinlich aus Holz angefertigten Stempel eingedrückt, und zwar muß es sich um eine Silbenschrift handeln, da bei den 241 Figuren nur 45 verschiedene Zeichen verwendet sind. Aus einem menschlichen Kopf in dieser Inschrift, der eine Federkrone tragt, sowie aus anderen Anzeichen macht es Meyer wahrscheinlich, daß diese neue Hieroglhphenschrist von den Philistern verwendet wurde, die nach biblischer Angabe von -uiS2 vermutlich der Insel Kreta, herstammt. _ Randglosse» des Zaren zu dem Plehwe'schen Judengesetz. Alexander U l a r veröffentlicht im letzten Heft der „üleueit Rundschau" eine Charakteristik des Zaren, die intereffante Einzelheiten aus den Marginal-Bemerkungen des Zaren zu den ihm vorgelegten Berichten enthält. „Nichts ist zum Beispiel," schreibt tttar, „bezeichnender ifir den Seelenzustand Seiner Majestät, als die Bemerkung, die er nach achttägiger Ueberlegung an den Rand des Plehwe'schen Gesetzentwurfes über Ausweisung der Juden aus Sibirien schrieb (1902): „Die Juden, die ihre gesetzliche Aufenthaltszone verlaffen, überschwemmen alljährlich ganze Distrikte in Sibirien mit ihrer widerlichen Gegenwart; mit diesem unerträglichen Zustande muß aufgeräumt werden." — Man steht, die „schwarzen Hundert" haben an dem Zaren selbst die stärkste Stütze für ihre verbrecherischen Gewalttätigkeiten. _ Hebet die Juden in Saloniki äußert sich Pfarre Stier aus Alten in „Briefen aus dem Orient" äußerst anerkennend: „Saloniki steht in einer Hinsicht einzigartig in der Welt da; es ist die Großstadt, die den höchsten Prozentsatz von Juden beherbergt, unter seinen 150.000 Einwohnern sind 100.000 von jüdischem Stamme. Sie heißen dort Spaniolen, es sind die Nachkommen der 1492 um ihres Glaubens willen aus Spanien vertriebenen Israeliten, die hier eine neue Heimat gefunden und alte Art und Sitte bewahrt haben. Sie sprechen noch jetzt einen spanischen Dialekt, sie schreiben zwar mit hebräischen Lettern, aber ein echter Spanier kann sich mit geringer Mühe mit ihnen verständigen. Sie tragen eigene Tracht, die bei den Frauen nicht unschön aussieht und bei der besonders der bunte lang herabhängende Kopfputz, die „Coffia", auffällt. Man könnte unseren eingefleischten Antisemiten nur raten, einmal hier Studien zu machen; wenn sie sahen, wie alle Arbeiten, auch die schweren körperlichen, von den Spaniolen verrichtet werden, sie sind nicht bloß Handwerker, sondern vor allem auch L a st t r ä g e r, so würden sie doch vielleicht ihre vorgefaßten Meinungen über das „Schachervolk" etwas revidieren. Tatsächlich gehören sie zu den g e b i l d e t st e n und tüchtigsten Elementen der Stadt; der Anteil der Spaniolen an der unblutigen Revolution, ihre Beteiligung an den Komitees „für Einheit und Fortschritt" ist nicht gering anzuschlagen. Ein Teil von ihnen ist 1676 zum Islam übergetreten, hat sich aber seine Rasse rein bewahrt. Diese „Domne", wie sie genannt werden, heiraten nur unter sich. Der Minister Djavid Bei, der Abgeordnete Carazzo und Andere gehören zu ihnen, und ihre Bedeutung wird auch von den Türken anerkannt. Die Türkei wird in zehn Jahren nicht bloß christliche, sondern auch jüdische Offiziere haben und damit, wie der Generalissimus Schefket Pascha mit leisem Lächeln bemerkte, moderner wie Deutschland werden." Ueber den jüdischen Einschlag iw Hamburger Kaufmaunsftaude macht Paul Bröcker in der Monatsschrift „Die Welt des Kaufmanns" (München bei Callwey) einige intereffante Randbemerkungen; er sagt unter Anderem, wie wir einem Zitat des „Hammer" entnehmen. „Wenig äußerliche Spuren hat der jüdische Einschlag der hamburgischen Stammesart hinterlassen; desto mehr aber ist der Geist der hamburgischen Bildung und des Kaufmannstums von ihm durchtränkt. Die semitische Zutat ist zwar so dünn, daß etwaige Einseitigkeiten besonders jüdischen Wesens nicht wahrzunehmen sind; wohl aber gesellt sich zu dem niedersächsischen Wagemut die semitische Berechnung und Klugheit und bildet so eine w e r tvolle Bereicherung des deutschen Unternehmungsgeistes, der den Tropfen.jüdischen Blutes, längst verflossen durch den Kreislauf im Körper sehr wohl gebrauchen kann, gerade im Zeitalter der mächtig hereinbrecheuden Weltwirtschaft. Uebrigens steht fest, daß bei lebenden hamburgischen Patriziergeschlechtern der Aufstieg der Familie begann, als das jüdische Element hineinheiratete.". Jugenderinnerungen eines Katholiken an zwei Würzburger Juden. Unter dem Titel „Prediger meiner Jugendzeit" veröffentlicht in Nr. 50 der Zeitschrift „Die Grenzboten" Ludwig Germersheim Jugenderinnerungen und erzählt dabei, wie viel Gutes er in Würzburg von zwei Juden erfahren hat. Von diesen beiden Predigern seiner Jugendzeit berichtet er: „In den akuten Jugendkrankheiten, die mich damals heimsuchten, behandelte mich ein jüdischer Arzt. Es war ein älterer kleiner Mann mit langem, dunklen, halbergrauten Haar und Bart. Die Kleider hingen ihm schlaff und faltig am Leibe. Sein Aeußeres war unscheinbar, fast dürftig, aber aus seinen Augen schien es hell und warm wie aus einem reichen Hause, und sein Herz und seine Hand hielten, was der Blick an Güte versprach. Er kam oft und nahm alle Verrichtungen, die mehr Sorgfalt forderten, als schwer um ihr Dasein ringende Geschäftsleute ihrem Kinde zuwenden konnten, auf sich. So wandte er, als ein Kind einer armen Familie in der Nachbarschaft verbrüht wurde, nicht nur seine ärztliche Kunst, sondern auch die Pflegekunst seiner weichen Hand auf und bezeigte dem kranken Kinde alle die Liebe, die ihm seine mit den Ketten der Arbeit belasteten Eltern nicht erweisen konnten. Daß seine Hand weich war, weiß ich aus Erfahrung. Sie hat oft in den kranken Tagen meiner Knabenzeit an meinem Handgelenk und auf meiner Stirn geruht. Das war ein Prediger meiner Jugendzeit, er predigte mir Güte durch seine warmen Augen, seine, weichen Hände und seine Hilfsbereitschaft, und seine Predigt drang zu meinem Herzen. Ein anderer Prediger dieser Art wohnte uns gegenüber im Vorderhause. Das war ein jüdischer Amtsrichter. Er war noch jung, aber er sah alt aus, er war einer von denen, die nach dem Kriege fielen. Vor Paris im Spätherbst hatte er, als seine Batterie alarmiert wurde, sein Hemd, das er gerade wusch, angezogen, ohne es ordentlich auswinden zu können. Dieses rauhe Leben ging über seine Kraft. Er kam zwar heim, aber nach einigen Friedensjahren trugen den Veteranen langsame Schritte rasch dem Grabe zu. Ich sehe ihn noch auf dem Treppenabsatz stehen. Er zitterte, als trüge er noch das nasse, kalte Linnen am Leibe und rang nach Ateni. Doch traf ein freundlicher Blick den Knaben, der sich an ihm vorbeidrängte und damals nur Scheu vor dem Ernste der Krankheit empfand, die auch für Knabensinne verständlich aus der gebückten Gestalt sprach. Er ging bald heim, eine Verwandte, die aus seinem Heimatdorfe kam, half ihm sterben. Meine Mutter deutete mir dieses Bild aus dem großen Kriege, von ihr erfuhr ich, was man sich im Hause von dem t a p f e r e n j ü d i s ch e n P e t e r a n e n erzählte. Seine Taten und Leiden und seine stille, milde Erscheinung wurden mir zu einer Predigt und zu einer Lehre, der ich gerne lauschte. Der jüdische Veteran, dessen höchster Reichtum ein Stückchen Eisen und Silber in Kreuzesform war, das er so teuer bezahlt hatte, wie nur der Idealist bezahlen kann, und der jüdische Arzt, der sich nur seine Zeit und seine Mühe billig bezahlen ließ, seine Kunst und seine unbezahlbare Sorgfalt aber freigebig verschenkte, machten damals in meiner Seele Raum für meine jüdischen Mitschüler. Es wird kaum ein Kinderherz geben, das nie rohen Einflüssen ausgesetzt wäre. Darum wird kaum ein Kind ganz frei von Voreingenommenheit seinen jüdischen Mitschülern gegenübertreten können. Auch ich konnte es nicht. Aber der jüdische Veteran und der jüdische Arzt haben mich von diesen Fehlern geheilt. Sie wurden dabei durch den Umstand unterstützt, daß die Abneigung gegen die jüdischen Mitschüler unter uns Katholiken nicht so tief war wie die gegen die Protestanten. Aus hundert Schimpfworten, Spitznamen, Spottversen, polemischen, kritischen, auf den eigenen alleinseligmachenden Glauben pochenden Aeußerungen, die das Kind im Verkehr mit Altersgenossen und mit ungebildeten und halbgebildeten Erwachsenen halb gehört und kaum beachtet umklangen, war, obwohl mir der Glaube, worin ich erzogen wurde, seine Lehrer und seine Stätten fremd und unheimlich blieben, allmählich das Gefühl in mir entstanden, daß die Protestanten Menschen von ganz anderer Art feien als die Katholiken." Korrespondenzen. Gouverneur Theodor Ritter von Taussig. Der Gouverneur der Österreichischen Bodenkreditanstalt Theodor Ritter von Taussig ist Mittwoch den 24. d. M., nachmittags im 61. Lebensjahre gestorben. Die Nachricht von dem Hinscheiden dieser hervorragenden Persönlichkeit hat in allen Kreisen der Wiener Gesellschaft große Teilnahme hervorgerufen. Theodor Ritter v. Taussig war nicht nur wegen seiner prominenten Stellung in der Finanzwelt als Gouverneur der Bodenkreditanstalt und Präsident der Staatseisenbahngesellschaft außerordentlich angesehen, sondern auch allgemein bekannt

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