Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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**• 48 Dr. Bkochs Der plötzliche wirtschaftliche Aufschwung Hollands ist nur auf das Hereinströmen reicher jüdischer Kaufleule zurückzuführen. Dafür gibt es auch innere Gründe: die Juden waren fast ausschließlich im Besitze des Handels mit LuXuswaren, das heißt des damals für Industrie und Handel ausschlaggebenden Artikels: ferner warfen sie die ersten großen Stapelartikel (Kolonialwaren, Tabak und Zucker) auf den Weltmarkt: weiter handelten sie mit denjenigen Artikeln, die die ganze Volkswirtschaft revolutionierten (Baumwolle, Indigo, Kaliko), und schließlich hatten sie die Silberquellen Amerikas in Händen. Die äußere Gestaltung des wirtschaftlichen Verkehrs nach der Entdeckung Amerikas wird charakterisiert durch die Einbeziehung der Kolonien in die Weltwirtschaft. Gerade die Juden aber waren die eigentlichen Begründer der modernen Kolonialwirtschaft, wie ihr starker Anteil an der Leitung der Ostindischen Kompagnie und an der Entdeckung Amerikas bezeugt. Amerika ist äußerlich und innerlich von den Juden erobert worden. Die Expeditionen des Kolumbus waren mit jüdischem Gelde finanziert: die Besatzung der Schiffe bestand zu einem starken Prozentsatz aus Juden: der erste Europäer, der Amerikas Boden betrat, war ein Jude, Luis de Torres, und damit begann eine Ueberflutung Südamerikas durch die Juden, die von dort aus nach Nordamerika Weiterdrangen. In Nordamerika liegt der jüdische Einfluß in der eigentümlichen Durchsetzung der Kolonisation mit jüdischen Elementen begründet — der Jude ging als Krämer und Händler mit den ersten Kolonisatoren in die Wildnis hinaus — und in dem Umstande, daß sie während der ganzen Kolonialzeit des Landes dieses ökonomisch vom Mutterlande unabhängig erhielten; denn sie brachten die Edelmetalle aus Südamerika mit. Auch durch zeitgenössische Zeugnisse läßt sich die Bedeutung der Juden für das damalige Wirtschaftsleben belegen: Als die Juden aus Venedig ausgewiesen werden sollten, befürchteten die venetianischen Kaufleute den völligen Niedergang ihres Handels, als die Hamburger Ende des 17. Jahrhunderts die Juden vertreiben wollten, berichtete der Senat: „Wenn das geschieht, sinkt Hamburg zum Dorfe herab". Die Kaufmannschaft von Bordeaux schreibt nach der Ausweisung der Juden: „Wir merken, der Handel hört guf!" Und diese Zeugnisse sind stichhaltig. Die Juden brachten eben die außerordentliche Ausweitung des Welthandels, wohin sie kamen; so machte im 17. Jahrhundert der Hamburgische Handel allein nach Spanien und Portugal 20 Prozent des gesamten Hamburger Handels aus! Was die Juden für Amerika bedeuten, hat lein Geringerer als Präsident Roosevelt erkannt und anerkannt, als er zur Feier des 250. Jahrestages der Einwanderung der Juden nach Nordamerika (1895, im Jahre 1655 wurden Ine Juden aus Brasilien vertrieben und gingen größtenteils nach Nordamerika) schrieb: „Während meiner ganzen Präsidialzeit habe ich keinem privaten Verein ein Schreiben gesandt. In diesem Falle mutz ich eine Ausnahme machen wegen der überragenden Bedeutung, die diese Feier für Amerika hat!" Ist nun auch für den Ausbau unseres Wirtschaftssystems der jüdische Einfluß nachweisbar? Zunächst ist er es insofern, als der moderne Staat, wie er geworden ist, ohne die Mitwirkung der Juden nicht hätte entstehen können. Die Juden schufen die materielle Basis, auf der dieser Staatsbau errichtet werden konnte. Denn sie machten die modernen Heere ökonomisch möglich. Alle Lieferanten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sind jüdischen Ursprungs, und als Geldgeber schufen sie erst diejenige Form der Eeldleihe, auf der heute die ganze Wochenschrift. Seite 81S Form der Staatsanleihe beruht, nämlich die unpersönliche Schuld mittels des Jnhaberpapiers, die Staatsanleihe durch Vermittelung der Börse. Das Haus Rothschild hat hier seine Bedeutung erlangt. Der börsenmäßige Handel, der eine weitere Eigentümlichkeit des modernen Wirtschaftslebens ist, ist im wesentlichen jüdischen Ursprungs; ebenso der kreditmäßige Handel. Der letztere knüpft an zwei Namen an, theoretisch an Pinto, praktisch an John Law: ersterer war Jude, letzterer wahrscheinlich auch (Lewy). Für die Warenproduktion im kapitalistischen Sinne sind die Juden hochbedeutsam. Einstweilen kommt hier nur die Industrie in Betracht. Die wichtigste Industrie des 19. Jahrhunderts, die Textilindustrie, war sehr stark mit Juden durchsetzt: und sie erlangen in allen Industrien ihren Einfluß in dem Matze, in dem die Industrie kommerzialisiert wird. Weiter haben die Juden den Geist des modernen Kapitalismus vor allem entwickelt: sie waren die Pioniere des entstehenden Kapitalismus. Damit tritt der Primat der Intelligenz in das Wirtschaftsleben ein. Gegenüber dem bis zum 18. Jahrhundert im Wirtschaftsleben geltenden bestimmten Kundenkreis. dem festgelegten Absatz und festgesetzten Preisaufschlag waren es die Juden, die zuerst das Aufsuchen des Kunden und das Unterbieten im Preise einführten: sie brachten auch die ersten Surrogate auf den Markt. Der von ihnen eingeführte Grundsatz im Wirtschaftsleben hieß: Der Preisaufschlag ist so niedrig wie möglich zu halten, aber der Absatz ist möglichst zu vergrößern. Großer Absatz — kleiner Nutzen. Das bedeutete gegenüber der mittelalterlichen, bis in die neueste Zeit noch nachklingenden „Idee der Nahrung", wie Sombart es nennt, eine völlige Revolution. Bis wie Sombart es nennt, eine völlige Revolution. Bis dahin hatte ein jeder seine durch Zunft- und Gildenordnungen festgelegte „Nahrung", wie der Ackerbauer seine „Hufe", das, was ihm zukommt, was er zu seinem standesgemäßen Auskommen braucht. Diese alte vollgefügte Ordnung durchbrachen die Juden« und brachten die neue Idee auf: Die Existenz ist keine gesicherte, es gibt keine festen Absatzgebiete. Jeder sucht seine Nahrung, wo er sie finden kann. Das Prinzip der Unterbietung schuf die freie Konkurrenz, die recht eigentlich die Juden geschaffen haben, und die ja die Bahn für unsere moderne Wirtschaftsentwicklung. unsere moderne Kultur erst frei gemacht hat. Professor Loeb der mit dem Nobelpreis gekrönte amerikanische Forscher, dem in seinem deutschen Vaterlande konfessionelle Unduldsamkeit die Lehrkanzel verschloss:» und der aus dem Laboratorium der kleinen kalifornischen Universität in Berkley die Welt erobert hat. hat es zustande gebracht, das Geheimnis der ersten Entwicklung der Lebewesen zu lüften. Es ist ihm gelungen, mit Hilfe ganz eigener, aber einfacher chemischer Prozeduren das Ei des Seeigels zur Entwicklung zu bringen, und was die Wissenschaft bereits in das Reich der Mythe verwiesen, die Parthenogese mit dem Experiment zu beweisen. Professor Loeb, der über seine Erfindung auf dem kürzlich in Budapest stattgehabten Aerztekongreffe berichtete, ist von drei europäischen Universitäten zum Ehrendoktor ernannt worden. Die Schrift der alten Philister. Auf die Entdeckung einer neuen Schriftart, die fich auf einem in Kreta ausgegrabenen Diskus befindet, macht Professor Eduard Meyer in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften aufmerksam. Es handelt fich um eine von dem italiem chen Forscher L. Pernier bei den Grabungen um den Palast von Phae°stoS ans Licht geförderte Hieroglhphenschrift, die bisher noch auf keinem anderen Denkmal vorgekommen ist. Es tritt also zu den drei Schriftarten, die aus dem älteren Kreta bekannt find, der alten »piktograi- ■ '■'i