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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 De. Blochs Wochenschrift. Seite 817 werden kann. Ganz entgegengesetzt verhält es sich mit dem Sabbatgebot. Der Sabbat kann als das Symbolum der Einheit Gottes und des Menschengeschlechtes, der Freiheit und Gleichheit aller und des höchsten Erdenglücks nur durch die Gesamtheit zu vollkommenem Ausdruck gelangen, und es scheint mir keine grundlose Vermutung zu sein, daß wegen dieser sozialen Tragweite des Sabbat das ihn betreffende Gebot unter allen zehn Geboten ausnahmsweise mit dem Mahnruf „Gedenke!" oder ..Beachte!" eingeleitel wird. Die Sache hat aber auch ihre praktische Seite. Wenn der einzelne Kaufmann den Sabbat halten will, so fällt es ihm schwer, allen wird es leicht, und es ist gar nicht auszudenken, welch großer Erfolg dem Judentum aus der allgemeinen Sabbatfeier seiner Bekenner erwachsen würde. Einen Begriff davon geben uns die hohen Feiertage, welche die Bedeutung der Juden im Handel und Verkehr erkennen lassen, aber noch ganz andere Wirkungen würde eine allgemeine Sabbatfeier zur Folge haben, die gerade den sozialen Charakter des Sabbat zur Geltung bringen würde, deren Besprechung aber nicht innerhalb der Grenzen meiner Aufgabe liegt. Soll ich nach diesen Ausführungen nun noch meine Meinung über die hie und da durchgeführte, hie und da auch wohl laut oder im Stillen begehrte Verlegung der Sabbatfeier auf den Sonntag sagen? Hat man je gehört, daß einer seinen natürlichen Schwervunkt verlegt, ohne umzufallen? Der Sabbat ist der natürliche Schwerpunkt des Judentums, es fällt ohne ihn um. Der Sabbat ist unsere Ehre, ist unser Stolz, wer sich ihrer entäußert oder sie verhandelt, war ihrer niemals wert. Selbst die Kirche hat zuerst die Sabbatfeier beibehalten, bis sie sich allein auf den Sonntag, den Tag b£r Auferstehung, beschränkte und die Sabbatfeier mit ihm verschmolz. Für uns ist der Sonntag nicht der Tag der Aufrstehung, sollen wir ihn zum Begräbnistag des Sabbat machen? Wenn der Sabbat stirbt, am Sonntag wird er nicht mehr auferstehen. Ich sagte im Eingänge meines Vortrages: über den Sabbat zu reden sei leicht und schwer. Ihn zu halten ist schwer und leicht. Schwer, wenn man nicht will, aber leicht, wenn man will. Das Leben legt uns Schwereres auf und wir tragen es leicht, weil wir es tragen müssen. Was ich aber ernstlich will und mit Freuden will, das muß ich auch und das kann ich auch. Deshalb ist jeder Versuch einer Rehabilitation des Sabbat freudig zu begrüßen und ich kann die Gründung des Vereins der Sabbatfreunde nur herzlich willkommen heißen. Ich hoffe nicht, daß er sich jemals ouflöst. aber ich wünsche, daß er abgelöst wird — von der Gesamtheit. _ Mas kann uns der jüdische Emigrations- Kongreß?geken? III. Die Emigrantenbank. Es ist eine allbekannte Tatsache (insbesondere aber wissen es unsere größeren und kleineren Geschäftsmänner ...), daß man sich der Emigration gegenüber nicht nur auf einen philanthropischen, sondern auch auf einen rein geschäftlichen, kaufmännischen Standpunkt stellen könne. Eine große Anzahl von Handelsunternehmungen bauen sich auf der jüdischen Emigration auf, denn wirtschaftlich gesprochen, sind die wandernden Massen eben nichts anderes als ein fließender Geldstrom. Der Emigrant muß sich eine Schiffskarte kaufen, ein früher ausgewanderter Verwandter sendet ihm das Geld oder die Karte oft zu, unterwegs hat er oft sein Geld zu wechseln und muß auch mehrmals in einem G a st h a u s e Halt machen, an der Grenze hat er weitere Ausgaben, reguläre und außergewöhnliche, Gepäck muß er ausgeben, jenseits der Grenze und im Immigrationslande hat er von neuem den Beweis zu erbringen, daß er Geld mit sich führe, und hat er endlich den Wanderstab fallen lassen und sich im neuen Lande etabliert, dann bleiben ihm noch immer — wenn er sich nicht die Erinnerung an seine Herkunft aus dem Kopfe schlägt - spezifische Emigrantenausgaben : er sendet Geld übers Meer an seine Verwandten, zahlt für sie in Raten Schiffskarten aus l..prepaicls“), und V: Geld ström, der schon einmal den Weg ins neue Land gemacht hat, fließt nunmehr denselben Weg zurück, ins Land, woher der Emigrant ausgewandert war. Es darf daher niemand Wunder nehmen, daß sich auf diesen großen „Strom" unserer Wanderung (vergessen wir nicht, es emigrieren bei uns Zehntausende das Jahr) viele Durstende gestürzt haben, sowohl aus der nichtjüdischen Geschäftswelt, als auch aus unseren eigenen kaufmännischen Kreisen. Jede Ausgabe, jede Geldoperation unseres Emigranten ist die Basis einer kommerziellen Unternehmung oder einer Branche von schon existierenden Unternehmungen geworden. Wären wir aber da nicht berechtigt, die Frage aufzuwerfen. ob es auch ganz in der Ordnung sei, daß der große Verdienst von den Emigranten ungehindert in private Taschen fließe, um einzelne zu bereichern, und daß die jüdische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit weder das Recht noch die Möglichkeit haben solle, die großen Einnahmen aus der Emigration zum Vorteil der Emigranten selbst zu verwenden? j‘7 Wollte die jüdische Gesellschaft nur die Hälfte der mit der Emigration zusammenhängenden Unternehmungen auf öffentlicher Basis leiten, so würde sie dadurch eine Reihe von Finanzinstituten zu Tage fördern, die von größter Bedeutung für die ganze jüdische Emigration werden könnten. Bei anderen Nationen sieht man auch solche Unternehmungen, die von jeher als privatwirtschaftliche Domäne galten, in öffentlichen, städtischen oder staatlichen, Besitz übergehen: nur bei uns versteht man es nicht, aus den Erscheinungen unseres Wirtschaftslebens irgend welchen sozialen Nutzen zu ziehen, sollte auch da der Privatmann selbst das Gefühl haben, daß seine Allmacht in dieser Sphäre nicht zu rechtfertigen sei. Es wäre daher schon längst an der Zeit gewesen, wenn unsere öffentlichen Versönlichkeiten ihre Aufmerksamkeit auch der wirtschaftlichen Seite der Emigration zugewendet und dieses Gebiet nicht vollständig der Alleinherrschaft der Kaufleute ausgeliefert hätten. Und das mit umso größerem Recht, da doch ohne Zweifel der Verdienst der öffentlichen Unternehmung auch dem einzelnen Emigranten viel billiger zu stehen kommen wird, als die oft in die Höhe getriebenen Profite der Privatunternehmer. Wählen wir als erstes Beispiel den Schiffskartenvertrieb. Die Schiffahrtsgesellschaften zahlen, wie bekannt, an Kommission für den Verkauf von ^chiffskarten bedeutende Summen aus, wobei die Kommissionsrate mit der größeren Abnahme von Schiffskarten ebenfalls steigt. Eine öffentliche Unternehmung, die doch keine eigentlich geschäftlichen Zwecke verfolgt, wird genug verdienen können, wenn sie sich auch nur mit einem kleinen Teil der Kommission zufrieden geben und den anderen Teil für die Verbilligung der Schiffskarten verwenden sollte. Dadurch werden nun aber auch die Privatunternehmer gezwungen werden, die Karten billiger zu berechnen und so den Vorteil der billigeren Reisekosten allen Emigranten zukommen zu lassen. Dasselbe trifft auch für die Gepäcksaedition zu. Oeffentliche Unternehmungen in den bedeutendsten Auswanderungszentren, insbesondere aber in b:n Hafenstädten, mit Filialen oder Agenten in den kleineren Städten würden große Profile erzielen und zu gleicher

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