Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 47 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 811 graziöse feuilletonistische Plaudereien von künstlerischer Reife, haben dem Verfasser viele Freunde und Verehrer erworben. Die „Plaudereien eines Schweigsamen" find von demselben Genre und offenbaren alle stilistischen Feinheiten, welche die Werke dieses Autors auszeichnen; fie amüsieren und erfreuen durch den gesunden erfrischenden Humor. Der „Schweigsame" weiß in der Tat recht kurzweilig und unterhaltend zu plaudern. Die Lektüre verschafft dem Leser den Genuß einer heiteren Stunde. An dieser Stelle darf die religiöse Grundstimmung des Plauderers nicht übergangen werden. Er bekennt sich zum Gottesglauben. Ein solches Zitat aus den „Plaudereien" mag hier eine Stelle finden: Ich, habe nämlich den studierten Herren, die immer mit ihrer Naturwissenschaft ausnicken, ein 'wenig in die Karten geschaut. Freilich behaupten sie, den Gewaltigen da oben mit der Brachialgewalt über Himmel und Erde nicht anzuerkennen. Aber das geschieht nur in der Theorie. Denn ganz abgesehen davon, daß diese Ungläubigen fortwährend Umsteigkarten von einem Glauben in den andern nehmen, setzen sie in der Praxis, wenn sie an das Schicksal ein persönliches Anliegen haben: „Gott gebsl" aber niemals: „Die Urkraft gebr!" Geschichte der badischen Juden feit der Regierung Karl i. B. 8». 508 S. Gebunden M. 6.—. Friedrichs (1738—1909). Von Adolf Lewin. Kommissionsverlag der G. Braun scheu Hofbuchdruckerei und Verlag. Karlsruhe Kulturgeschichte der Neuzeit, dargestellt an dem als Gradmesser moderner Kultur besonders geeigneten israelitischen Voltsteil in dem hinsichtlich seiner inneren Entwicklung interessantesten deutschen Staate — das bietet Adolf Lewins umfassendes Werk. Anschaulicher als in einem systematischen Lehrbüche spiegeln sich hier zunächst die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der nachmittelalterlichen Zeit, ihre Religion und Sitte, ihre Rechtsinstitutionen, ihr Bildungswesen und ihre Regierungsmarimen. Es ist ungemein belehrend, zu sehen, wie noch um die Mitte des 16. Jahrhunderts die fast durchweg mittelalterlich anmutenden, dabei jedoch infolge des Niederganges der deutschen Nation seit dem 30jährigen Kriege jedes großen Zuges entbehrenden, engen und kleinlichen öffentlichen Verhältnisse als etwas dauernd Feststehendes angesehen wurden, wie dann aber die von einzelnen aufgeklärten Köpfen ausgehende geistige Bewegung am Ende des Jahrhunderts Verbesserungen auf allen Gebieten und so auch humanere Behandlung der Juden fordert, wie langsam indessen solche Ideen bei den damals allmächtigen Beamtentum Eingang finden, ja vielfach die Verbesserungen nicht im Fortschritt, sondern in dessen Unterdrückung und in der Rückkehr zu noch engerer Gebundenheit und Unfreiheit erblickt wird. Um so verehrungswürdiger tritt die Gestalt des geistig hervorragenden Markgrafen und nachmaligen Großherzogs Karl Friedrich von Baden hervor, der in dem Vorsatze, sein Volk auf neue Bahnen zu führen, sich nicht irre machen läßt, und unter seinen Räten auch einige hochgesinnte und befähigte Männer findet, die sich ihm zur Durchführung seiner Ideen zur Verfügung stellen. Ihren organisatorischen Schöpfungen, zu denen auch eine kirchliche Eesamtorganisation der Israeliten mit einem Oberrate an der Spitze gehört, tritt unter Eroßherzog Karl 1818 die badische Verfassung hinzu. Auf diesen Grundlagen entwickelt sich die reiche innere Geschichte des badischen Staates während des 19. Jahrhunderts, in dessen zweiter Hälfte untrennbar verbunden mit der Person des Großherzogs Friedrich I., der den Israeliten die volle bürgerliche Gleichstellung und eine sonst nirgends in der Judenheit sich findende Synodalverfassung verliehen hat. Das Bild dieses herrlichen Fürsten, der in seinem langen Leben seinen fortschrittlichen Ueberzeugungen stets treu geblieben und dessen Wirken für die gesamte deutsche Nation so segensvoll geworden ist, hat Lewins Buch treffend gezeichnet. Eingehend werden neben den bürgerlichen auch die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten und die im Lause von anderthalb Jahrhunderten eingetretenen Wandlungen in ihren religiösen Anschauungen und Einrichtungen geschildert. Die Darstellung ist bei aller Gründlichkeit spannend und bei allem Freimut streng sachlich. Staatsmänner. Parlamentarier, Vertreter der verschiedenen religiösen Richtungen kommen mit ihren bezeichnendsten Auslassungen ausführlich zum Wort, so daß sich bei dem Für und Wider der Leser ein eigenes Urteil zu bilden vermag. Das Buch ist für jeden Gebildeten, ganz besonders aber für den Politiker von aktuellstem Interesse; aber auch der historischen Wissenschaft wird es gute Dienste leisten. Großartige Handschriften auf dem Sinai. Wie in der Byzantinischen Z-itschrift mitgeteilt wird, hat V. N. Benesevic, ein junger russischer Forscher, der durch mehrere Arbeiten über das griechische Kircheurecht bekannt ist, nachdem er schon früher den Sinai besucht hatte, im Sommer 1908 mit Unterstützung der kaiserlich russischen Akademie der Wissenschaften eine zweite Reise auf den Sinai unternommen und fünf Wochen dort gearbeitet. Die von ihm gewonnenen Ergebnisse, diesem Bulletin äs l'^euäsmis iwxsriuls äss Seisvess in St. Petersburg provisorisch milteilt, bilden eine große Ueberraschung für die gelehrte Welt. Benesevic hat nicht weniger als 926 griechische Handschriften gesehen, die in Gardthausens Katalog, der 1224 Nummern umfaßt, fehlen. Nur 60 dieser neugefundenen Handschriften sind schon von Porfirij Uspenskij notiert worden. Inhaltlich stehen die neuen Handschriften hinter dem schon bekannten Bestände kaum zurück. Besonders reich ist die Hagiographie, die Liturgie und die Geschichte vertreten. Auch viele medizinische Handschriften haben sich gefunden. Außer den neuen Handschriften hat Benesevic auch 100 schon b i Hardthausen notierte Handschriften und fast das ganze Verzeichnis des Porfirij Uspenskij revidiert. Er hatte über 1200 Photographien aufgenommen, u. a. auch von einer aus dem Jahre 1004 stammenden Handschrift der Aussprüche der heiligen Greise, ferner von zwei juristischen Sammlungen und den Akten des vierten ökumenischen Konzils in einer eigenartigen Redaktion. Unter den neuen Handschriften sind verhältnismäßig wenige mit Miniaturen; man sieht genaueren Mitteilungen und vor allem einem Katalog der neugefundenen Handschriften mit Spannung entgegen. Neue Bücher. I. Hiudes. Sprechende Bilder aus dem Reiche der Tonkunst. E. Piersons Verlag, Dresden 1909. I. Rabbinowiez. „Die Osotschniks." Trauerspiel in drei Aufzügen. E. Piersons Verlag, Dresden. Bericht des Bremer Komitees fhr hilfsbedürftige, durchreisende Juden, Hilfsverein der deutschen Juden, über die Tätigkeit im Jahre 1908. Zeitschrift für Demographie nud Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau Statistik der Juden. Berlin 6 2. An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur Ruppin. Redigiert von Dr. Bruno Blau. 5. Jahrgang. November 1909. Heft Nr. 11. Jnhall: 1. Abhandlungen. 1. Dr. occ. publ. Jakob S e g a l l—Berlin. Die Juden in Holland. 2. Dr. Sara Rabinowitsch-Margolin—St. Petersburg. Die Heiraten der Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902. (Fortsetzung.) II. Statistisches Archiv. Die Selbstmorde in Baden 1906 und 1907. Schulbesuch christlicher und jüdischer Schüler im Großherzogtum Baden, 1906/07 und 1907/08. Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Heffen. Austritte in Wien im Jahre 1907. Der Bildungsgrad der Budapester Juden im Jahre 1907. Einwanderung nach Argentinien im Jahre 1908. Verteilung der Konfessionen in Britisch-Jndien nach den Volkszählungen 1881, 1891 und 1901. III. Literatur, v. Lindheim, 8a1uti senectutis. Weinheime r, Geschichte des Volkes Israel von den Anfängen bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Tolstoi, Der Antisemitismus in Rußland. Ullmann, Studien zur Geschichte der Juden in Belgien bis zum 18. Jahrhundert. IV. Druckfehlerberichtigung. > Krirfkastrrr« K. F. in Preßburg. Bei der zu Ehren Ferrers veranstalteten Demonstration in Budapest veranstalteten die organisierten Klerikalen eine Judenhatz. Der große Saal des Magistrats, in dem das Andenken des Märtyrers gefeiert wurde, ward von Aufrufen überflutet, die dem „hergelaufenem Judenpack" mtt Messer und Schwert drohten; die Denkzettel in blutroter Farbe schloffen: Es war einmal ein Pogrom! ^"7^5 K. F. Nur in der Univerfitäts- oder Hofbibliothek. 100. Wenden Sie sich an den Herrn Oberrabbiner. M. G. in Budapest. „Die drei Getauften." Aus Ihrer Mitteilung können wir nur konstatieren, daß Sie mit dem in der in voriger Nummer unseres Blattes unter obiger Spitzmarke enthaltenen Notiz gemeinten Funktionär nicht identisch find. Unsere Notiz war übrigens dem Budapester „Montagsblatt" entnommen, — weshalb haben Sie nicht diesem Blatte Ihre Berichtigung zugeschickt?