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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-19 · 47 (19.11.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 808 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 47 Herr Rabbiner Kurzweil eine wohldurchdachte, alle Anwesenden zu Tränen rührende Ansprache, in der er die unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen um die nun verwaiste Gemeinde rührend hervorhob. Die kantorale Funktion besorgte Herr Kantor Grüubaum in gewohnter musterhafter Weise. Anwesend waren die ganze Gemeindevertretung von Pirnitz, dessen langjähriges Mitglied der Verstorbene gewesen, die förstl. Collaltschen Beamten, eine Deputation des hiesigen Militärveteranenvereines, dessen Ehrenmitglied er war, Deputationen unserer Nachbargemeinden Jglau und Triesch, sowie Herr Fabrikant Jolesch aus Wiese u. v. a. Oderberg-Bahnhof. Das Ministerium für Kultus und Unterricht hat in Willfahrung des Ansuchens der im Gerichtssprengel Oderberg ansässigen Israeliten die Ausscheidung der zu diesem Gerichtsbezirke gehörigen Ortsgemeinden aus dem Sprengel der israelitischen Kultusgemeinde Mähr.- Ostrau und die Errichtung einer neuen israelitischen Kultusgemeinde sür das erwähnte Gebiet, welches die Gemeinden Deutschleuten, Oderberg, Peterswald, Polnisch Leuten, Pudlau, Reichwaldau, Schomchel-Bahnhof-Oderberg, Skrzeczon, Willmersdorf, Wirbitz und Zablae umfaßt, genehmigt. Mit der Wahl des Kultusgemeinde-Vorstandes wurde das aus den Herren Viktor Lustig, Josef Zänker und Dr. Ferdinand Goldklang bestehende Komitee betraut. Die neue Kultusgemeinde-Repräsentanz wird mit 1. Jänner 1910 in Funktion treten. Berlin. (ZentralvereindeutscherStaatsbürger jüdischen Glaubens.) Montag den 22. November 1909, abends 8^/z Uhr, findet im kleinen Festsaale des Berliner Lehrer-Vereinshauses, C. Alexanderstraße 41 am Alexanderplatz eine Versammlung der Ortsgruppen N., NO. und O. statt. Tagesordnung: 1. Eröffnungsansprache. 2. Vortrag von Herrn Redakteur Siegfried Fleischer, Generalsekretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" 'in Wien : „Der Antisemitismus in Oesterreich, speziell in Wien." 3. Diskussion. MMioueustistmtge« und -Legate. Aus Frankfurt am Main wird telegraphiert: Vor einigen Tagen ist hier Frau Franziska Speier, die Witwe des Herrn Georg Speier, des Mitinhabers des gleichnamigen Bankhauses in Frankfurt und New-Dork, gestorben. Frau Speier hinterließ ein Testament, worin sie große Stiftungen für gemeinnützige Zwecke machte. Es erhalten die Georg und Franziska Speier-Stiftimg für die Frankfurter Akademie für soziale und Handels- Wissenschaften eine Million, ferner das Speierhaus zur Herstellung neuer Heilmittel gegen verheerende Krankheiten ebensoviel, außerdem wurde noch eine ganze Reihe wohltätiger und gemeinnütziger Anstalten und Institute mit großen Legaten bedacht, darunter das Rote Kreuz, die israelitische Kultusgemeinde in Frankfurt, eine Anzahl Spitäler, die Hilfskassen der Theater, der Chor- und Orchefterangestellten, der mittleren und unteren Justizbeamten, der Journalisten- und Schriftstellerverein in Frankfurt und andere. Der Gesamtbetrag der Stiftungen dürste sich auf acht bis zehn Millionen Mark belaufen. Breslau. Im 68. Lebensjahre verstarb am Montag der angesehene Kaufmann Theodor Freyhan in Breslau. Von Beruf ein tüchtiger Kaufmann, war er mit, allen Fasern seines Herzens der Musik zugetan, in deren Ausübung er es zu einer das dilettantische Maß wett übersteigenden Kunstfertigkeit brachte. Um das Jahr 1865 gründete er den „Dilettanten-Verein für klassische Musik", zu einer Zett, wo man die Kammermusik noch nicht so intensiv betrieb wie heute. Wilhelm Freyhan, ein Bruder des vor etwa Jahresfrist verstorbenen Adolf Freyhan, war in Gemeinschaft mit diesem in einer Reihe von Vereinen als Pianist und geschätzter Klavierbegleiter tätig, vornehmlich in der „Dichterschule" und dem Handwerkerverein. Auch privatim wußte er stets eine Reihe mufikliebender junger Leute um sich zu scharen, mit denen er seine Kunst betrieb. Rom. Hier fand dieser Tage die Hochzeit der Tochter des Oberbürgermeisters von Rom, Nathan, statt. Trauung und Hochzett wurden unter Beobachtung aller rituellen Vorschriften abgchalten. Die Chuppah war im Palast des Bürgermeisters aufgestM. Juden im Petersburger Magistrat. Die allgemeine Kommission für die Verwaltung der Stadt Petersburg beschloß, Juden, als Magistratsbeamte zuzulaffeu, jedoch nur in demselben Verhältnisse als Juden in der Stadtduma vertreten find. Außerdem wurde beschloffen, daß Juden nicht die Stelle eines Magistratssekretärs bekleiden dürfen. Die Verlegung des Zentralbureaus der zionistischen Partei. Die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees von Rußland beschlossen in ihrer jüngsten Konferenz auf dem 9. zionistischen Kongreß, dafür einzutreten, daß der Sitz der zionistischen Zentrale von Köln nach Paris verlegt werde. Sollte dies untunlich sein, so sei die Zentrale nach Berlin zu verlegen. Feuilleton. Mein erst« Kehrer. Aus dem Buche meines Gedächtnisses. Von Dr. D. Leimdörfer, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Nachdruck verboten. Wo die Karpathen auslaufen, umrahmt von dicht bewaldeten Bergen und fruchtbaren Feldern, am grünen Ufer des Waagfluffes liegt mein Geburtsort H l i n i k (jetzt magyarisiert Vag-Agyagos) im Komitat Trencsin, Ungarn. Wegen der deutschen Bildung, die in Hlinik vorherrschte, wegen der Wohlhabenheit und der großstädtischen Gebahrung und Lehensweise seiner meist israelitischen Bevölkerung wurde mein slavisches Heimatsdorf schon vor einem Jahrhundert Kl e i n - W i e n genannt. Dem heute mit dem Eilzuge von der ungarischen nach der deutschen Residenz Reisenden fällt dieser reizende Flecken Erde im Waagtale, zwei Stunden von der preußischen Grenze, angenehm in die Augen, insbesondere der alabasterweiße, jüdische Tempel mit der Goldschrift der Sinaitafeln an dem einen Ende, am anderen, dem Gebirge zu, die weithingedehnte, weiße Einfassungsmauer des jüdischen Friedhofes mit einem Mausoleum des Freiherrn Leopold v. Popper unweit von den Schloßruinnen bei Podhragy und Sulyow. In Hlinik stand die Wiege des geadelten Holzkönigs von Ungarn, des eben genannten L. Popper, der als frommer Jude und Philanthrop das Patronat über sechzig katholische Kirchen inne hatte, ferner des Senatspräsidenten des höchsten ungarischen Gerichtshofes, Ignatz v. Neuberger, meines Cousins mütterlicherseits, der der Repräsentanz der Budapester jüdischen Gemeinde zugehört; ferner wurde der Oxforder Professor und Bibliothekar der Bodlejana, Adolf Neubauer, ein Vetter meiner Frau, in Kottesso bei Hlinik geboren und hier erzogen; endlich erwähne ich, daß der kaiserl. Rat Oberkantor Josef Singer, früher in Nürnberg, jetzt in Wien, der Sohn eines der namhaftesten Synägogensänger Israel Singer, vulgo Srole Chasen zu Hlinik, ebenfalls daselbst geboren wurde. Der Sohn des Rosch Medina, das heißt des Hauptvertreters der jüdischen Gemeinden des Preßburger Distriktes zur Zeit Kaiser Josefs II. Rabbi Hirsch Bittsch zo; unter dem Namen Jehuda Hlinik nach Hlinik und legte sich nach der Uebersetzung aus dem Slavischen ins Deutsche (Lima heißt Lehm, ausgesprochen dortselbst Leim, also Hlinik-Leimdorf), den Familienamen Leimdörfer bei. Das war mein Urgroßvater. Die vor meinem Stammbaum Genannten waren Schüler meines ersten Lehrers, dem ich dies Blatt der Erinnerung nicht aus Pietät allein, sondern auch aus dem Bestreben, die Geschichte der altjüdischen Pädagogen mit einem interessanten Kapitel zu bereichern, widme. Mein erster Lehrer war Rabbi Israel R o s e n z w e i g, ein bevorzugter Jünger der alten Leipniker und Preßburger Talmudakademie oder Jeschiba. Ehrliche Frömmigkeit ohne Fanatismus, reiche rabbinische Gelehrsamkeit, vereint mit profanem Wissen — er erlernte auch die lateinische und französische Sprache — zeichneten ihn aus und veranlaßten „Klein-Wiens" Vorsteher, auf Vor-

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