Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 47 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021866--18797-3043745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 804 Dr. Blochs Wochenschrift. Str. 47 bereit, ihn als Bürger aufzunehmen; das Gesuch des in dem kleinen Orte allgemein geachteten und beliebten Mannes wurde vom Bürgermeister, vom katholischen Pfarrer und allen Honoratioren unterschrieben und auf das wärmste unterstützt, doch vergebene Mühe, auch dieses Begehren wurde dem Bienenstock abgeschlagen. Nun bleibt nur noch ein letztes und verzweifeltes Mittel, das Majestätsgesuch, das von dem Wiener Advokaten des Ausgewiesenen auch in diesen Tagen eingebracht wurde. Der Fall Bienenstock ist durchaus kein vereinzelter. Seit einer Reihe von Jahren wurde, besonders in Galizien, eine ganz nach preußischem Muster zugeschnittene drakonische Ausweisnngspraxis eingeführt, die ja sicher sehr oft ihre volle Berechtigung haben mag, leider aber, wie in dem Falle Bienenstock, auch sehr oft zu absolut ungerechtfertigten Härten und Existenzvernichtungen führt. Häuser- und Landverkauf iu Jerusalem und Palästina. Hundert Schritte vom .Bezalel" hat sich in den letzten Jahren eine Anzahl arabisch-orthodoxer und katholisch-christlicher Kaufleute und Handwerksbefitzer angefiedelt, welche willens wären, ihre Häuser und das dazu gehörige Landeigentum bei einigermaßen günstigen Bedingungen durch die Hand des Unterzeichneten zn verkaufen. Auf einem zusammenhängenden, nur durch eine Straße geteilten Terrain von 10- bis 15.000 Ellen befinden sich bis jetzt neue größere nnd kleinere, teils einstöckige, teils zweistöckige Häuser, welche sehr leicht sowohl in der Höhe, als iu der Breite noch weiter ausgebaut und vergrößert werden könnten, wie es der Raum auch gestattet, noch einige wettere Häuser vom Grund auf neu zu bauen. Die zum Teile erst in diesem Jahre sertiggestellten und erst seit kurzem bewohnten Häuser besitzen je nach Größe vier bis acht Zimmer, dazu zum Teil zwei und mehr Küchen, Souterrains, Balkons, Verandas, große Zisternen mit Waflervorrat für daS ganze Jahr und schöne mtt Bäumen, Sträuchern und Blumen bepflanzte Gärten. Es böte sich hier eine vorzügliche Gelegenhett, in der schönsten und gesundesten Lage von Jerusalem eine neue, freundliche, jüdische Kolonie zu erwerben und zu schaffen, welche sich Jntereffenten nicht entgehen lassen sollten. Die Häuser würden sich wegen der unmittelbaren Nähe des „Bezalel" besonders auch zu Lehrer- und Schülerwohnungen eignen und wäre es höchst wünschens- und empfehlenswert, wenn der Nationalfond das betreffende Land und die darauf befindlichen Gebäulichkeiten zu diesem Zwecke als Eigentum erwerben und dann regelmäßig vermieten wollte. Voraussichtlich werden so wie so schon zwei Lehrer und der Sekretär des „Bezalel" durch die Vermittlung des Unterzeichneten in einem dieser Häuser, welches einem griechischen Priester gehört, für daS nächste Jahr Wohnung nehmen. Eine andere Möglichkett gäbe es auch, daß nämlich jüdische Kolonisations- und Häuserbauvereine oder Private die ganze Kolonie auf eigene Rechnung erwerben und die Häuser dann einzeln wieder verkaufen oder auf Miete geben, oder jüdische Familien durch bestimmte Ratenzahlungen deren allmäligen eigenen Erwerb und Besitz erleichtern würden. Sei es nun auf die eine oder die andere Weise, auf alle Fälle würde sich die Kapitalsanlage für den sofortigen Erwerb des ganzen Häuser- und Landkomplexes bei dem immer steigenden Werte und Preise des Gmnd und Bodens in Jerusalem vortrefflich rentieren, und sollte man diese fetten günstige Gelegenheit nicht' unbenützt vorübergehen lassen, um die Zelte Israels auf dem unstreitig vorzüglichsten Platze von Jerusalem um ein Bedeutendes weiter zu stecken und zu vergrößern. Der Kaufpreis der Kolonie dürfte sich von 150.000 bis 200.000 Francs belaufen. Bei dieser Gelegenheit erlaubt sich der Unterzeichnete auch noch gleichzeitig mitzuteilen, daß zwei türkisch-mohammedanische Einwohner von Jerusalem ihren großen 60.000 Dunam, also die sechsfache Grundfläche von Rischon le Zion umfassenden Landbesitz am Jabok im Ostjordaulande, drei Fahrstunden von Jericho und Salt, für die verhältnismäßig äußerst niedrige Summe von 100.000 Francs zum Verkaufe anbieten. Das Land liegt auf beiden Seiten des Flusses und kann durch bereits angelegte und noch zu schaffende Kanäle leicht bewässert werden, so daß es jetzt schon eine jährliche reiche Getreide-, Frucht- und Gemüseernte liefert und sich nach neuerdings vorgenommenen Versuchen besonders auch zur Baumwollkultur als vortrefflich geeignet erwiesen hat. In diesem Jahre haben die Besitzer für ihren zeitweiligen Aufenthalt auf dem Gute auch ein Landhaus darauf erbaut. Auf dem großen Terrain könnte also eine blühende und landwirtschaftliche Kolonie gegründet. Werden. Für alle weitere erwünschte Auskunft und nähere Mitteilung, sei es inbezug auf die zum Verkauf stehende Häuserkolonie in Jerusalem oder auf das landwirtschaftlichen Zwecken dienende Land über den Jordan beliebe man sich gefälligst umgehend mit dem Unterzeichneten in direkte briefliche Verbindung zu setzen. Hochachtungsvollst Phil. Kieferndorf, Dozent in Jerusalem. (Adreffe.) Die Judenfrage im türkischen Parlament. AuS Saloniki wird uns geschrieben: Die kommende Session des türkischen Parlaments wird eine Session der positiven Arbeit sein. Sie wird nicht nur für die Türkei, sondern auch für die Juden des Auslandes eine der bedeutungsvollsten werden. Das Parlament wird eigentlich jetzt zum ersten Male in die Lage kommen, in wichtigen prinzipiellen Fragen Farbe zu bekennen und es wird sich zeigen, nicht so sehr Welche Partei, sondern welche kutturelle Gesinnung im türkischen Parlamente die Majorität besitzt. Das junge türkische Parlament wird bald nach Eröffnung der kommenden Session auch in die Lage versetzt werden, zur Judenfrage im Allgemeinen und zur Frage der Einwanderung der Juden im Besonderen Stellung zu nehmen, und man macht sich auf eine sehr heftige Debatte gefaßt. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat das Ministerium die zwei Gesetzentwürfe betreffend die Einwanderung nach Palästina und die Neubelebung Mesopotamiens bereits fertiggestellt und der Staatsrat hat bereits den dringenden Auftrag erhalten, die Gesetzentwürfe in Behandlung zu ziehen, da der Großvezier die Absicht habe, die beiden Gesetzentwürfe gleich nach Eröffnung der Session dem Parlamente zu unterbreiten. Der Inhalt dieser wichtigen Gesetzentwürfe werde wohl vorläufig geheim gehalten, doch so viel ist schon heute bekannt, daß die Griechen, ein Teil der Araber und die konservativen Mohammedaner sich darauf vorbereiten, die ganze Judenfrage aufzurollen und gegen eine Maffeneinwanderung von Juden auf türkisches Gebiet mit allen Mitteln anzukämpfen. Daß die Regierung selbst in der Judenfrage eine bedenklich schwankende Haltung einnimmt, ist eine traurige Tatsache, die auf den Gang der Verhandlungen ihren Einfluß nicht verfehlen wird. Symptomatisch für die Haltung der Regierung ist das Gerücht, daß sie einer jüdischen Gesellschaft das Recht, einen größeren Bodenkomplex anzukaufen — man spricht von einer Million Franks — verweigert habe. Man ist allgemeiner Ansicht, daß die türkische Deputiertenkämmer die jüdische Einwanderungsfrage in einer Weise lösen werde, welche eine Konzentrierung von Juden in großen Maffen an einem Orte von vornherein ausschließt. Ein jüdischer Forscher im Sudan. Aus London wird geschrieben: Dr. C. G. Seligmann verließ in Gesellschaft seiner Frau England, um einem Wunsche der Sudan-Regierung zu entsprechen und eine ethnographische Studienreise nach dem englisch-egyptischen Sudan zu unternehmen. Dr. Seligmann ist einer der bedeutendsten Schüler Dr. Haddons, mtt dem er in den Jahren 1898/99 im Aufträge der Universität Cambridge eine Forschungsreise in die Gegend der Torresstraße mitmachte. Bald darauf wurde er zum Mitgliede der vom Major Cooke Daniels geleiteten Expedition nach Neu- Guinea bestimmt. Seine Arbeiten über diese Expedition haben viel Licht in das Leben und Treiben der diese Insel bewohnenden Stämme gebracht. Im Jahre 1907 wurde sein Lehrer