Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 47 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 47 De. Blochs Wochenschrift. Seite 801 nicht gefallen lassen wollen, sind natürlich hassenswerte Rabenellern, die alles Böse verdienen. Die Griechen aber sind, trotzdem der Papst sie Schismatiker nennt, doch Christen. Mit den Russen verbindet sie überdies dieselbe anatolische, sich orthodox nennende Konfession und dasselbe Blut, denn viel mehr slawisches als dorisches und jonisches Blut flieht in den Adern der modernen Griechen. Ein anderer Teil der Lösung steckt in den guten Eigenschaften der Juden. Man würde sie nicht so anfeinden, nicht so verleumden und bedrängen, wenn sie nicht so fleißig, sparsam und mäßig wären, wenn sie sich nicht auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Literatur und Kunst, der Industrie und des Handels und, leider auch im Luxus auszuzeichnen bestrebt wären. Dagegen machen die Griechen den Abendländern in allen diesen Tätigkeiten keine Konkurrenz. Trotzdem dürfen wir uns dadurch nicht abschrecken oder irreführen lassen. Wir müssen vielmehr fortfahren, unsere guten Eigenschaften noch zu verbessern, die schlechten einzudämmen und wo möglich auszurotten. L. Was da«« uns der jüdische Emigrations- Kongreß gebe«? II. Die Bereinigung. Unlängst ist in der amerikanischen Zeitung „Das jüdische Tageblatt" ein interessanter Leitartikel oder „Editorial", wie der technische Ausdruck in der amerikanisch-jüdischen Journalistik lautet, über die Frage des Emigrationskyngresses erschienen. Während nun die Redaktion das Auftauchen der Kongreßidee zu den wichtigsten Ereignissen zählt, die in letzterer Zeit in jüdischen Kreisen zu verzeichnen wären, glaubt fie doch ihren Bedenken darüber Ausdruck geben zu müssen, ob und inwiefern eine Regulierung der Emigration überhaupt auf Erfolg zu rechnen hätte. Seine stärksten Beweise holt sich der Schreiber des Artikels, aus der Tätigkeit der Emigrations-Gesellschaften, die bisher keine merkbaren Spuren in der jüdischen Emigration zurückgelafsen hätten. Die behauptete Tatsache, das müssen wir offen gestehen, kommt der Wahrheit sehr nahe (vollständig wahr ist fie nicht; hie und da ist es do-b gelungen, die jüdischen Wanderer von den überfüllten Jmmigrationszentren abzulenken), aber die Schlußfolgerung kann in keinem Falle aufrecht erhalten werden. Die bisherige Tätigkeit der Emigrations-Gesellschaften gibt uns kein Recht, Hypothesen über ihre Zukunft aufzustellen. Wie ich schon in meinem ersten Artikel hinreichend bewiesen zu haben glaube, konnten die existierenden Gesellschaften nicht viel ausrichten, weil eben die allweltliche Organisation noch nicht ins Leben gerufen ist, die einzig und allein imstande wäre, die Tätigkeit der lokalen Gesellschaften ftuchtbringend zu machen. DieMängel der Organisation erklären zur Genüge dieFehler in der Arbeit. War man mit Mühe und Not in dem einen Lande zum Bewußtsein gelangt, daß man doch etwas für die jüdische Emigration tun müsse, und ließ man auch dem schönen Gedanken die energische Tat folgen, indem man Gesellschaften gründete, die auch bald an die Arbeit gingen, so war man im zweiten Lande, das für dieselbe Emigration als Trans- oder Jmmigrationsland stark in Betracht kam, in Jndifferentismus und Apathie stecken geblieben und hat im besten Falle nur die Muße für einige kritische Artikel gefunden. Hatte man aber endlich auch in diesem Lande fich den Schlaf aus den Augen gerieben und die Arbeit energisch in Angriff genommen, so hatte man unterdessen im ersten Lande die Arbeit fallen lassen und war nicht imstande, den anderen Organisationen mit Rat und Tat beizuspringen. Schlecht organifiert, mit spärlichen Verbindungen, die es übrigens an Stetigkeit mangeln ließen, konnten die Emigrations- Gesellschaften nicht regelmäßig arbeiten, noch weniger bedeutende Resultate erzielen, denn eins müßten wir doch wiffen: bevor wir zur Regelung der chaotischen jüdischen Wanderung schreiten, müßten doch diejenigen, die nicht auswandern, die seßhaften jüdischen Elemente also, müßten doch wir allein gut organisiert sein. Organifiert und vereinigt! Denn ein zweiter Krebsschaden der Emigrationsgesellschaften, der noch bis heute ihre Arbeit ungemein gehindert hat, ist die erbitterte Konkurrenz, die fie fich gegenseitig machen. Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß sowohl die Emigrationsgesellschaften der verschiedenen Länder als die desselben Landes untereinander in Konkurrenz stehen und fich oft heftig befehden.. Der eigentümliche Charakter der Emigrationsregulierung zwingt fie zwar oft miteinander in Berührung zu kommen, es geschieht aber nur notgedrungen und unter allerlei Vorbehalten. In den verschiedenen Emigrationsgesellschaften arbeiten nicht eben ausschließlich Idealisten, und diese Elemente find leicht geneigt, einem Patriotismus für die eigene Firma zu unterliegen. Daß aus dieser Konkurrenz kein Heil für die Emigranten ersprießen könne, ist ja leicht zu verstehen, es wird deshalb der Kongreß in der brüderlichen Vereinigung der verschiedenen Organisationen eine seiner wichtigsten Aufgaben erblicken müssen. Frieden stiften zwischen den Emigrationsgesellschaften der verschiedenen Länder und den verschiedenen Organisationen desselben Landes zum Uebergang in die eine Organisation zu verhelfen, das könnte also die zweite Misfion des Kongreffes sein. Verschiedene Emigrationsgesellschaften in demselben Lande (in Rußland gibt es deren drei mit unabhängigen Zentralen und Filialen, die selbständigen lokalen Gesellschaften nicht mit eingerechnet) führen zu einer unnützen Vergeudung der Kräfte und gerade auf einem Gebiete, die die größte Sammlung derselben erheischen würde. Ueberaus viele Praktiker kann die jüdische Oeffentlichkeit ohnehin nicht aufweisen, allzuviel Kenntniffe über unsere vitalen Fragen befitzen wir auch nicht, wer daher unsere Kräfte zwecklos zersplittert, begeht ein unverzeihliches Verbrechen an dem jüdischen Volk. Der Kongreß wird daher eine seiner wichtigsten moralischen Pflichten erfüllen, wenn er an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Aufforderung herantreten wird, daß fich die Emigrationsgesellschaften fufionieren, die Emigrationsgesellschaften der verschiedenen Länder fich vereinigen mögen. Und wir glauben, daß periodische Kongreffe eben das richtigste Mittel wären, um die streitenden Emigrationsgefellschaften zu verbrüdern und ihre Bereinigung in die Tat umzusetzen. Wien. B e r t o l d i. War«« hat Heine «och kein Denkmal i« Deutschland bekomme«? Nach längerem Zögern und Sträuben scheint sich doch endlich die Stadt Hamburg entschlossen zu haben, die Errichtung eines Denkmals für den Dichter zu gestatten oder gar zu fördern. In der großen See- und Handelsstadt scheint doch ein frischerer Wind zu wehen als in dem zopfigen Düsseldorf, das sich seines größten Sohnes schämt. Von einem Denkmal Heiners in anderen Städten Deutschlands wagt man nicht einmal zu reden, obwohl man bei anderen berühmten Männern sich mit den Denkmälern nicht gerade auf die Geburtsstadt beschränkt und es in jeder Stadt genug Leute gibt, die sich gern wichtig machen wollen und ein Denkmal-Komitee gründen, mit der stillen Hoffnung, nach der Errichtung eine Knopflochzierde zu erwischen. Und da haperts: Einen Orden für ein Denkmal des bei seinem Leben aus Deutschland, nach seinem Tode aus Korfu vertriebenen Dichters zu bekommen, daran denken die wenigen seinen Wert kennenden Personen, die sich um die Errichtung eines Denkmals bemühen, am allerwenigsten. Und die „an Kreuzschmerzen" Leidenden wissen daß sie keinen bekommen werden.