Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 794 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 46 füllen und dennoch für das Gemeinwohl Großartiges leisreu kann. Fünf Binder, vier Söhne und eine Tochter., belebten das Homgmannsche Haus, dessen Seele die Gattin und Mutter war, deren echte Weiblichkeit und seltene Bescheidenheit alle, die es betraten, rühmend hervorhoben. Die glückliche Entwicklung der hochbegabten Kinder ließ die Eltern der reinsten Freuden teilhaftig werden. Frau Dr. Honigmann sollte aber bald auch über die Grenzen ihres Hauses hinaus wirken. Sie hatte sich .schon kange lebhaft für die Zwecke und Ziele der Frauenbewegung, für erweiterte Frauenbildung. Erziehung des weiblichen Geschlechtes zur Erwerbstätigkeit gleich ihren Schwestern interessiert, als sie 1875 nach dem Heimgange ihrer edlen Mutter als deren Nachfolgerin in den Vorstand der Industrieschule für jüdische Mädchen berufen wurde; ebenso wurde sie in den israelitischen Iungfrauenverein gewählt, der die Ausbildung junger Mädchen für einen Beruf zum Zweck hat: auch dem Vorstände des Pfennigvereins für arme Schulkinder gehörte sie an. Als ihr Gatte 1885 starb, widmete sie sich noch mit erhöhtem Eifer der Ausübung ihrer Liebestätigkeit, die ihr auch Trost in ihrem großen und gerechten Schmerz gewährte. Ihre selbstlose Güte, ihr feines Verständnis für alle Fragen des Lebens, ihre schlichte Liebenswürdigkeit befähigten sie vorzugsweise, strebende junge Mädchen zu ermuntern., ihnen mit Rat und Tat beizustehen, und unzählige, die in befriedigender Berufstätigkeit wirken, werden ihrer stets in Liebe und Verehrung gedenken. Mit gleich liebevoller Hingebung widmete sie sich den jüngsten Schöpfungen unter den Wohlfahrtseinrichtungen der hiesigen jüdischen Gemeinde, der Koch- und Haushaltungsschule für Mädchen und dem Schwesternhelm für Krankenpflegerinnen, in deren Vorstand sie sofort bei deren Begründung gewählt wurde und denen ihre wertvolle Mitarbeit und reichen Erfahrungen zu gute kommen. Dieses unermüdliche segensvolle Wirken fand allenthalben die wohlverdiente Anerkennung und der siebzigste Geburtstag brachte der ausgezeichneten Frau die herzlichsten Beweise von höchster Wertschätzung und wärmster Dankbarkeit. Ihre letzten Lebensjahre waren durch schmerzliche Verluste in ihrem Familien- und Freundeskreise getrübt. Und nun ist auch sie zum ewigen Frieden eingegangen. Ihr Name, ihr Wirken wird in der jüdischen Gemeinde Breslaus für alle Zeiten unvergessen fortleben und ist nicht von der Entwicklung deren Wohlfahrtseinrichtungen und Wohlfahrtsbestrebungen zu trennen! Möge ihr die Erde leicht sein! Breslau. Regina Neißer. Die Alpen. Von Hermann Reishauer. Mit 26 Figuren im Text und 2 Alpenkarten. („Aus Natur und Geisteswelt"). Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 6. 1909. Preis geh. M. 1.—, in Leinwand geb. M. 1.28. Der durch seine Aufsatze und Studien in alpinen Kreisen wohlbekanute Verfasser bietet in diesem Büchlein eine treffliche Anleitung zu einem tieferen Verständnis der Hochgebirgswelt und ibrer Erscheinungen. Er spricht zu der großen Zahl der denkenden Bergfreunde, die, angeregt durch die Schönheiten und den Formenreichtum der alpinen Landschaft, in das Geheimnis der geologischen Vorzeit eindriugen und die im heutigen Relief unseres Hochgebirges herrschenden Züge und Formen entwicklungsgeschichtlich ersoffen möchten. Das kleine Buch ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu jedem Reiseführer. Durch seine instruktiven Abbildungen, die Anregungen und Belehrungen in Fülle bieten, und durch die wohlgelungenen Karten, unter denen besonders die geologische zu erwähnen ist, wird es sich ebenso wie durch frischen, klaren Stil den Beifall der Bergfreunde erwerben. Heinrich A. Methodik des Geschichtsunterrichtes. Wien 1909, Manische k. und k. Hof-, Verlags- und Universitäts-Buchhandlung. d29 S. Selten auf einem Gebiet der Pädagogik ist in dem letzten Jahrzehnt mehr experimentiert worden, als auf dem des Geschichtsunterrichtes. Für die Einführung in alle die schwebenden Kontroversen bildet die vorliegende Schrift eine willkommene und zuverlässige Handhabe. Von biblischer Geschichte ist allerdings nur ganz vorübergehend die Rede (s. S. 153. 158). Doch läßt sich hierfür, sowie für den Unterricht in der jüdischen Geschichte manches Prinzipielle aus dem Buche lernen. Es gilt auch hier vor allem das Wort Herbarts: „Die Geschichte ist die Lehrerin der Menschheit und wenn sie es nicht sein wird, so tragen die Jugendlehrer der Geschichte die Schuld". R. 8. Jeremias A. Der Einfluß Babyloniens auf das Verständnis des Alten Testamentes. Gr.-Lichterfelde. 1908. E. Runge. M. 0.50. Dieses zweite Heft der vierten Serie der von Professor Kropatschek herausgegebenen und auf diesen Blättern wiederholt nach Verdienst gewürdigten „Biblischen Zeit- und Streitfragen" gibt in ungemein klarer und fesselnder Darstellung einen Ueberblick über die Forschungsergebnisse, die Jeremias in früheren, umfangreicheren Arbeiten bereits veröffentlicht hat. Jede Seite betont an der Hand wissenschaftlicher Tatsachen die G aubwürdigkeit der alttestamentlichen Berichte gegenüber den Konstruktionen d r modernen Bibelkritik und Religionsgeschichte. Besonders schwer wiegen die angeführten eigenen Geständnisse dieser Geschichtskonstrukteure, daß es Zeit zur Umkehr sei. x. Unter dem bescheidenen Titel:. „Aphorismen über einige Stellen im “j:n„ hat Herr M. Leopold Eisler Leiter eines altbewährten ausgedehnten Geschäftshauses und Direktor eines Geldinstitutes. die geistigen Früchte seiner fleißigen exegetischen Forschung im hebräischen Bibelstudium in einer umfangreichen Broschüre herausgegeben, welche nicht nur die zahlreichen Freunde und Verehrer des Verfassers mit großem Interesse lesen, sondern auch seitens Rabbiner. Prediger und Religionslehrer dem Verfasser Anerkennung brachten. Die „Aphorismen" nehmen unter den besseren, auch moderne Ansprüche befriedigenden Erbauungsbüchern einen würdigen Platz ein. Es spricht aus jedem Satze glühende Liebe zum Judentums. Das hebräische Dankgebet, womit das Werk beschlossen wird, gibt einen Begriff von dem Fleiße. mit welchem der Verfasser dem Studium von hebräisch geschriebenen Werken sich hingibt. Der fromme Wunsch des Verfassers» seinen Nachkommen ein Beispiel gegeben zu haben, auch mit Liebe dem hebräischen Bibelstudium sich zuzuwenden, ist gewiß sehr löblich und verdient Nachahmung in jüdischen Kreisen. Der Ertrag der Broschüre wird dem Talmud-Thora-Verein in Galgocz zugeführt. Sabbat und Sonntag. Von Profeffor Dr. H. Meinhold, 8°. 125 S. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 45.) Geheftet Mk. 1.—, in Originalleinenband M. 1.25. Verlag von Quelle & Meyer/in Leipzig. 1909. Woher stammt der Sabbat? Woher der Sonntag? Welche Bedeutung hatten sie im Jndentum und in der alten Kirche? Stehen beide miteinander m Beziehung oder sind sie gar nicht nebeneinander zu nennen? Das sind die Fragen, die sich der bekannte Bonner Theologe in dem oben genannten Büchlein stellt, das umso intereffanter ist, als es sich darin um Dinge handelt, die noch tief in unser heutiges Leben hineinragen und für uns noch keineswegs abgetan sind. Der erste Teil der Arbeit handelt von der Entstehung und B.deutung des Sabbats. Der zweite Teil des Buches geht sodann auf das Verhältnis dieses Sabbats zum christlichen Sonntag ein. Mit Paulus wird der Sabbat des alttestamentarischen Gesetzes für die neue Kirche abgetan. Diese übernahm zwar die siebentägige Woche von den Juden, wurde aber mit der siebentägigen Planetenwoche von Babel bekannt und begann die Tage nach den Planeten zu benennen. Am Tag der Sonne, der erste nach dem Samstage, wurde die Auferstehung des Meisters gefeiert. Erst im Mittelalter wurden Samstag und Sonntag mit einander in Verbindung gebracht und das Sabbatgebot auf den Sonntag übertragen, bis die Reformation wieder eine gewisse Scheidung vornahm. Wie der Sonntag in der nachreformatorischen Zeit bei uns begangen, welche Gestalt er in anderen Ländern, insbesondere England angenommen und welche Bedeutung er in der neuesten Zeit gewonnen, wie sich die Sonntagsgesetzgebung mit ihm befaßte und welche sozialen und ethischen Werte ihm zugesprochen sind, davon handeln die letzten Teile dieser höchst anregenden und warm zu empfehlenden Arbeit. Neue Bücher. Ost- und West. Heft 11. November 1909 IX. Jahrgang. Inhalt: M. A. Klausner: Ein Weckruf. Ernst Altkirch: Benediktus Spinoza II. A. R e i s e n : Zurück auf die Stelle. Karl S ch w a r z, Jakob P l e ß n e r. Leon Schein haus: Synagogen- und Gemeindeleben im Mittelalter. II. (Schluß.) Dr. S. Bernfeld: Friedhofshallen. Max S ch a ch e r l: Beim Weltschachmeister Lasker. Dr. Emanuel Laster: Schach. Der dritte Verbandstag der deutschen Juden. Revue der Revuen: Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der „Alliance Jsraölite Universelle" : I. Die erste Alliance-Ausstellung in Saloniki. II. Die Verhältnisse in Marokko. III. Aemen. IV. Synagogen- Einweihung in Sofia. V. Notiz: Hilfstätigkeit der „Alliance".