Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021865--18784-3043731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 792 Dr. Blochs Wochenschrift. irr. 46 Boskowch. Am 1. November d. I. wurde der emeritierte Lehrer unserer jüdischen Volksschule, Herr Lazar Storch, Vater des Wiener Mustkichulinhabers Professor S a l o m o n Storch, unter großer Bet<-iligung zu Grabe getragen. Am Sabbath vorher wohnte der noch ganz rüstige 83jährige Greis der Barmizwa-Feier seines Enkels im Wiener Stadttempel bei, wurde auch daselbst zur Thora gerufen und kaum eine Stunde nach Schluß des Gottesdienstes verschied er im Kreise seiner Familie im Hause seines obgenannten Sohnes zum tiefen schmerze aller Festteilnehmer. Geboren zu Tobrtschau ist Mähren erhielt der Verblichene in seiner Jugend eine gründliche, talmudische und profane Ausbildung zu Pr >g, dem damaligen Eldorado aller wissensdurstigen, jüdischen Jünglinge, und war Jahrzehnte hindurch als verdienstvoller Lehrer an unserer Gemeindeschule tätig. Er begründete den Wohltätigkeitsverein „Maskil-el-dal", an dessen Spitze er viele Jahre stand, wirkte im Direktorium der L ö w> Beer-Waisen- und Sicchenstiftung und in anderen Wohltätigkeits- Instituten und war auch als unser Gemeindesekretär sehr beliebt. . Loschitz Eine von dem Vorstande unserer Kultusgemeinde eingeleitele Aktion, um unseren verehrten Herrn . Rabbiner Dr. Günzig zum weiteren Verbleiben in unserer Gemeinde zu bewegen, hat den gewünschten Erfolg erzielt. Der Kultusausschuß hat einstimmig beschlossen, unserem Rabbiner den Gehalt beträchtlich zu erhöhen, und so hat Herr Doktor G ü n z i g die auf ihn gefallene Rabbinerwahl in S t r a ß n i tz abgelehnt. Wir freuen uns somit, Herrn Dr. G ü n z i g auch ferner „unseren" Rabbiner nennen zu dürfen. Trebitsch. Am 5. November l. I. wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der zu den hervorragendsten Mitgliedern unserer altehrwürdigen Gemeinde zählte und eine Zierde des Judentums gewesen ist. Herr Seniorchef und Allbürgermcister Albert Grünberger hat durch eine lange Reihe von Jahren unentwegt sein ganzes Können und Wollen in den Dienst unserer humanitären Institute gestellt. Sein segensreichstes Wirken entfaltete er aber in unserer politischen Gemeinde, der er als Bürgermeister an 30 Jahren Vorstand. Mit diesem Manne, der pls angesehener Kaufmann weit und breit bekannt war und sich auch bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern hohen Ansehens ßifreute, der eine streng religiöse Lebensweise führte, und sich den kulturellen Anforderungen nicht verschlosien hat, scheidet wieder einer jener für das Judentum begeisterten Menschen, die leider immer spärlicher werden. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. An demselben beteiligten sich außer der hochachtbaren Familie des leider zu früh Dahingeschiedenen der k. k. Bezirkshauptmann Prochazka von Trebitsch, die Vertreter der Behörden, der gesamte Gemeindeausschuß, der Kultusausschuß, der Militärveteranenverein mit Kapelle, die städtische Feuerwehr, das Gremium der Kaufmannschaft, viele Vereine und eine unabsehbare Menge Leidtragender. Unter den zahlreichen Trauerkundgebungen befand sich auch die Sr. Erzellenz des k. k. Statthalters Baron Heinold. In der dichtgedrängten Zeremonienhalle widmete Rabb. Dr. Stößler dem Hingeschiedenen sehr warme Worte der Anerkennung und Würdigung des seltenen Charakters des Hingeschiedenen, dessen Andenken aus den Herzen derer nicht schwinden wird, die ihn näher gekannt haben. Die kantorale Funktion versah in erhebender Weise Oberkantor Fuchs. Der Frühoerblichene ruhe in Frieden. 5t Znaim. Bei der am 31. Oktober stattgefundenen Generalversammlung der Chewra - Kadischa wurden gu Vorstandsmitgliedern gewählt: David Schlesinger. Obmann: Josef Rosenfeld, Friedrich Haas, Josef Tandler, Heinrich Fr eil er. (Mähr.-Budwitz.) Freitag, am 5. d. M. fand das Leichenbegängnis des Herrn Moritz Pächter, Begründer der weitestbekannten Firma Moritz Pächter u. Söhne, unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Verblichene war ein bescheidener, redlicher und frommer Mann; er war viele Jahre Kultusvorsteher und Mitglied des Ortsschulrates. Trotz seiner weitverzweigten, geschäftlichen Beziehungen in höchsten Kreisen war er unbeugsam und unverändert in seiner Bescheidenheit, seinem frommen Sinn und seiner streng rituellen Häuslichkeit. Eine unabsehbare Menschenmenge, welche dem Verewigten das Geleit gab, bezeugte dessen allgemeine Beliebtheit. Besonders hervorzuheben sind die Deputationen der Chewra-Kadischa Znaim, deren langjähriges Mitglied der Dahingeschiedene war, ferner der Kultusgemeinden Jamnitz. Jglau und Trebitsch, die Stadträte, der k. k. Bezirkshauptmann, der Bezirksschülinspektor und Schuldirektor nebst allen Honoriätoren der Stadt und Umgebung. Herr Kantor und Religionslehrer Adolf Kohn versah die kantoralen Funktionen in erhebender Weise und hielt dem Verblichenen einen tiefergreifenden Nachruf. Ersdorf am Kamp. Am 5. d. M. wurde hier ein hochachtungsvolles Mitglied unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Herr Adolf Schaftanek, ein Bruder der Herren Gebrüder Moriz und Simon Schafranek. Ein langer Zug von Freunden und Verehrern des Verstorbenen gab ihm das Geleite. Herr Rabbiner Dr. Diamant aus Krems hielt eine tiefergreifende Trauerrede. Kantor Recht rezitierte die üblichen Trauerpsalmen. Kongreß für hebräifche Sprache und Kultur. Das Berliner Komitee zur Vorbereitung eines Kongresses für hebräische Sprache und Kultur (Adresse: Dozent Doktor E. Baneth, Berlin, C., Rosenthalerstraße 25) veröffentlicht folgende Erklärung: Mit Rücksicht auf die großen Ziele, die der angekündigte Kongreß für hebräische Sprache und Kultur zu erreichen strebt, hat das vorbereitende Komitee in einer besonderen Beratung, an der unter Anderen auch Herr Achad-Haam teilnahm, auf Grund eigener Erfahrungen und verschiedener Zuschriften den einstimmigen Beschluß gefaßt, für die Tagung des Kongresses statt des Dezembers den Sommer 1910 zu wählen und vorläufig für den 19. Dezember d. I. und die folgenden Tage eine große Konferenz in Berlin einzuberufen, die nicht nur die Durchführung des Kongresses, sondern auch bereits alle Organisationsarbeiten in die Hand nehmen soll. Die Konferenz, die in anderthalb Monaten vom 19. bis 21. Dezember (in den Sophiensälen in Berlin, Sophienstraße 17/18) stattfindet, wird die Aufgabe haben, bereits in diesem Winter zu einer großangelegten, organisatorischen Arbeit überzugehen, um dem Sommerkongresse mehrere wichtige Unternehmungen zur Sanktionierung vorzulegen, für deren Verwirklichung wir schon jetzt vorbereitende Schritte tun und in Unter-< Handlungen getreten sind. Erfolg eines jüdischen Malers. Ein junger, jüdischer Maler, I. H. Amschewitz in London, hat soeben einen außerordentlichen Erfolg zu verzeichnen. Auf Grund einer öffentlichen Konkurrenz, an welcher sich zwölf der bedeutendsten Künstler beteiligt hatten, wurde ihm die dekorative Ausschmückung des neuen Liverpovler Rathauses übertragen. Nun, da die Wandgemälde fertiggestellt sind, beschäftigen sich die englischen Blätter mit dem Künstler, über dessen Werke sie voll Lobes sind. Die einzelnen Gruppen, wie „Friede und Industrie", „König Johann erteilt den Charter", „Fortschritt und Erziehung", „Liverpool als Handelszentrum" und „Liverpool 1207 bis 1907" sind Meisterwerke der historischen und symbolischen Malkunst. Amschewitz ist bereits im Besitze mehrerer Akademiepreise. Ein Prozeß gegen L0V jüdische Lehrer. Wie „Rjetsch" berichtet, wird in den nächsten Tagen beim Grodnoer Bezirksgerichte ein recht interessanter Prozeß zur Verhandlung gelangen. Angeklagt erscheinen 300 jüdische Lehrer dafür, daß sie ihren Schülern nicht nur hebräischen und Geschichtsunterricht, sondern auch Unterricht in russischer Sprache erteilten. Das Recht, russischen Sprachunterricht zu erteilen, hat aber in Rußland nur ein Russe. (!) Kreuze auf Synagsgen. Aus Odessa wird uns geschrieben: Schier unglaubliche Dinge geschehen in diesem heiligen Rußland, wo nunmehr die Behörden den „Sieg über die Revolution" durch verblüffende Schikanen und Drangsalierungen der Bevölkerung feiern. Unser Generalgouverneur Tolmatschow hat dieser Tage verfügt, daß künftighin bei allen Festlichkeiten, welche aus Anlaß von Gedenktagen in der Zarenfamilie veranstaltet werden, auf jeder Synagoge ein Kreuz aufzustellen ist, um so alle Symbole, welche die Kaiserkrone vereinigt, zu ehren. Die jüdischen Rechtsanwälte in Rußland. Der russische Justizminister erließ vor einigen Tagen eine Verordnung, wonach in Zukunft im Ansiedlungsrayon nicht mehr als 35 Perzent und außerhalb der Tscherta 20 Perzent Juden zur Advokatur zugelassen werden dürfen. In Polen beschloß man, jüdischen Advokaten jetzt überhaupt keine Zertifikate mehr auszufolgen, die sie zur Ausübung der Praxis berechtigen würden.