Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Rr. 45 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite m teristischen Briefe ausgewählt sind, so daß der Einblick, den wir in Goethe's geistige und freundschaftliche Beziehungen gewinnen, ebenso klar wie authentisch ist. Zum größten Schmuck gereicht dem Werke die Ausstattung, die Melchior Lechter geschaffen und bis ins Einzelne selbst überwacht hat; eine dem Auge wohltätig, dem Sinne erfreulich wirkende Harmonie zwischen dem Stil des Textes und dem Stil der Ausstattung wurde erreicht. Trotz der herrlichen Ausstattung und trotz des erheblichen Umsanges beträgt des Preis des broschierten Bandes nur 6 Mark. Jeremias Joh., Wehr und Waffen im Streite um den Gottesglauben. Leipzig 1908. A. Deichert's Nachf. (Georg Böhme). Mk. 0.80. Wir erinnern uns nicht, in der neueren apologetischen Literatur eine so zutreffende und zugleich so fesselnd vorgetragene Schntzschrift für den Glauben gelesen zu haben, wie sie uns in diesem Vortrage vorliegt. Hier spricht ein durchaus moderner Mensch, der aus tiefer, redlich erkämpfter Ueberzeugung, mit sicherem Takte für die Bibel eintritt Allerdings sucht der Verfasser, als christlicher Theologe, auch das Christusdogma zu retten, ein Gebiet, auf das wir ihm nicht zu folgen vermögen. Bis auf diesen spezifisch christlich-theologischen Standpunkt hat fast alles, was hier gesagt wird, unseren vollen Beifall gefunden und in sich selbst die Bürgschaft, auch sonst bei jedem Vorurteilsfreien die verdiente Anerkennung zu finden. N. . Peter Rosegger, Laffet uns von Liebe reden. Letzte* Geschichten, zirka 24 Bogen, brosch. M. 4.—, geb. M. 5.—, Halbfranzb. M. 6.—. Verlag von L. Staackmann, Leipzig, Von Peter Rosegger, dem größten der heutigen Volksdichter kommt der Ruf: „Lasset uns von Liebe reden" — und Tausende werden gern ihm folgen und sich erfreuen an dieser neuen, reichen Gabe, in der die Liebe — heilige und unheilige Liebe! — die Hauptrolle spielt. Wie der Dichter den Untertitel „Letzte Geschichten" verstanden wissen will, sagte er am besten selbst in seinem gemütvollen Vorwort: Noch einmal reden von der großen Liebe — wie einst im Mai — Von Seelenruh und wildem Sinnentriebe — Gar mancherlei — Mit Lieb und Lust begann ich einst zu dichten — Im jungen Jahr — In Lieb' und Fried' beschließ' ich die Geschichten — Mit grauem Haar. — Was ich mein Tag geschrieben und getrieben — Muß einmal enden — Es war, deucht mich — ein fünfzigjährig Lieben — In fünfzig Bänden — Mein Herz ist ruhig jetzt, doch wer kann's wissen — Ob es gefeit — Und sollt' ich dennoch wieder dichten müssen — Nun so verzeiht. — Noch klingt Erlebtes nach aus alten Tagen — Und manch Gedicht. — Ob sie das Blitzlicht künftiger Zeit vertragen — Ich weiß es nicht. Ich rate schier, fie keimen, träumen, ruhen — In trauter Gruft — Und steh'n nur auf aus nicht verschloss'nen Truhen, — Wenn man sie ruft. Palästina und seine Kultur in fünf Jahrtausenden. Nach den neuesten Ausgrabungen und Forschungen dargestellt von Dr. P. T h o m s e n, Oberlehrer an der St. Annenschule zu Dresden. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 360. Band.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 8. 1909. Preis geh. M. 1.—, in Leinwand geb. M. 1.35. Während die Ausgrabungen und Forschungen in den alten Kulturländern am Euphrat und am Nil schon lange das Interesse aller Gebildeten erregt haben, sind die überraschenden Ergebnisse der neueren Forschungen in Palästina bisher so gut wie unbeachtet geblieben, da sie zumeist nur in streng wissenschaftlichen Veröffentlichungen behandelt wurden. Das vorliegende Buch will nun weiteren Kreisen die einzelnen Funde schildern, die bei diesen palästinischen Arbeiten aus tiefem Schutte zutage gefördert wurden sind, und zugleich ihre hohe Bedeutung für die Geschichte der Religion und Kultur darlegeu. Die Urbevölkerung Palästinas — wahrscheinlich nicht semitischer Herkunft — ist von den sogenannten Kanaanitern verdrängt worden, deren Kultur unter dem Einflüsse der Nachbarländer eine ansehnliche Höhe erreichte. Die einwandernden Hebräer übernahmen dies Erbe, mußten aber schließlich der gewaltigen Macht der Römer erliegen. Auf den Trümmern der römischen Herrschaft entstand eine neue hellenistischorientalische Kultur, bis zuletzt der Einbruch der Perser und Araber völlig neue Verhältnisse schuf. Da diese Entwicklung auch für Europa von großem Einflüsse gewesen ist, so wird das Buch hoffentlich recht vielen ein Führer zu neuem und tieferem Eindringen in die geschichtlichen Grundlagen unserer Religion und in das Verständnis der alttestamentlichen Schnften werden können. Otto Ernst, Vom grüngoldncn Baum. Hnmoristische Plaudereien. Mit Buchschmuck von M. Bernuth. Broschiert M. 2.50, gebunden M. 3.50. Verlag von L. Staackmann, Leipzig. Otto Ernstischer Humor! Diese Worte genügen, um in der deutschen Lesewelt die freudigste Spannung hervorzurufen. „Die späte Hochzeitsreise", „Das vierbeinige Geschenk", „Umgang mit Schauspielern", „Meine Damen!" „Von zweierlei Ruhm"' „Warnung vor der Sommerfrische", „Die Marienbader Kur" — die Titel sagen dem Otto Ernst-Kenner alles und sagen ihm doch auch nichts, denn der Dichter hat in der warmen Herzlichkeit und der überquellenden Fröhlichkeit dieses Buches sich selbst übertroffen. Hier blüht ein Humor, der auch in dem verwöhntesten Geiste keinen Katzenjammer hinterläßt. Die geschmackvolle Ausstattung und der wohlfeile Preis tragen dazu bei, dem „Grüngoldnen Baum" einen großen Erfolg zu bereiten. Das auch noch. Vor einem Dezennium beiläufig, als das „Banker!" vor dem „Hotel Elisabeth" in Ischl noch alle Kunst- und Sportgrößen Wiens um sich versammelt sab. sagte einmal ein Baron Rothschild zu dem stets witzigen Wiener Schriftsteller Julius Bauer: „Bauer, wenn ich Ihr Talent hätte!" Worauf der Schriftsteller schlagfertig erwiderte: „Das auch noch, Herr Baron?" Und jetzt hat der Herr Baron „das auch noch". Im Pariser Gymnase-Theater wurde „Die Rampe", ein Schauspiel in vier Akten von Baron Heinrich Rothschild, aufgeführt und — hatte Erfolg. Paris war zwar geneigt, dagegen Stellung zu nehmen, denn man sieht es selbst in minder republikanischen Staaten nicht gern, wenn die Haute Finance auch noch nach den literarischen Lorbeeren l er wenig Begüterten langt, doch war der Bühneneffekt des Stückes gut berechnet und es schlug ein. Unter einem geschickten Aufbau wickelte sich wohlverborgen der Faden der einfachen Geschichte ab. Eine Dame der Welt verläßt ihren Mann, um einem begabten Schauspieler zu folgen und auch um ihr eigenes dramatisches Talent zur Geltung kommen zu lassen. Ihr Erfolg ist ein so unerwartet grober, der Beifallssturm ein so rauschender, daß ihr Geliebter, dessen Ehrgeiz größer als seine Liebe ist, fie verläßt. Sie will den Ungetreuen um jeden Preis Wiedersehen, und unter dem Vorwände, in seiner Gegenwart eine Rolle zu studieren, in der fie sich tötet, vergiftet fie sich vor ihm. Und der Liebhaber seufzt: „Ach. das Theater!" Die bemerkenswerte Absicht des Stückes ist dennoch, die Frauen der Gesellschaft von der erleuchteten, verlockenden Rampe fernzuhalten. Der erste Akt steht auf hohem literarischen Niveau, und der zweite, der sich im Kabinett eines Theaterdirektors abspielt, ist höchst amüsant. Dem dritten, der lange Tiraden über die Anziehungskraft und die Enttäuschungen der Bühne enthält, ist als Folie die Loge einer Schauspielerin gegeben. Der vierte Akt bringt die große dramatische Szene des Selbstmordes. Das Stück hatte, wie erwähnt» Erfolg und unter den Revenuen des Baron Rothschild wird also demnächst em neuer Posten „Tantiemen" erscheinen. §ntfküftttu S. K Der ältste, bekannte Tunnel scheint der des Königs Hiskia von Jerusalem aus dem siebenten, vorchristlichen Jahrhundert zu sein. Dieser heute noch erhaltene Siloah-Tunnel ist von beiden Seiten her in den Stein gegraben. Zwar hielt der Kanal die gerade Linie nicht ein, erreichte vielmehr statt einer Länge der Luftlinie von 355 Meter eine solche von 535 Meter, aber die Wagerechte wurde erstaunlich gut gewahrt, denn der gesamte Höhenunterschied beträgt nur 30 Centimeter. Fast genau in der Mitte trafen sich die von beiden Seiten vordringenden Steinhauer. Oberleutnant L. K. Frankreich hat jetzt drei aktive jüdische Generale: Heymann, Valabräque und Dennery. K. F. lieber das neue dänische Ministerium schreibt das „Neue Pester Journal": Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Italien hatten schon jüdische Mmister, aber Dänemark ist das erste Land der Welt, in dem seit Pharaos Zeiten wieder ein Jude zum Chef eines Kabinettes ernannt worden ist. Dieser jüdische Premierminister Dänemarks und des Königs Friedrich VIII., Herr Zahle, zählt 43 Jahre. Er ist von Beruf Rechtsanwalt und seit zehn Jahren Mitglied des Folkethings und Präsident der demokratischen Partei, die jetzt in Dänemark die Regierung übernommen hat. Neben dem Premier Zahle, der außer dem Präsidium übrigens auch das Verteidigungsministerium verwaltet, sind noch zwei Juden Kabinetsmitglieder: der Finanzminister Dr. Edward Brandes, ein Bruder des Georg Brandes, und der Handelsminister Heilbuth. Drei der neuen Minister waren früher Journalisten, nämlich Zahle, Brandes und der Kultusminister Hostrup. „National". Daß in der letzten Taufliste auch ein gewesener Präses der „Unitas" zu lesen war, fanden wir nicht als wichtig genug zu notieren. Notiz. Eine Ueberrafchnng für die Damen. War das Warenhaus A. Herzmansky mit seinem durch Güte und großartige Reichhaltigkeit des Gebotenen erworbenen Renommee, so nahe dem Zentrum der Stadt und dabei zugleich an der Mariahilferstraße im He^en des Geschäftsviertels gelegen, schon seit langem das Ziel aller Damen, die ihre Einkäufe angenehm und ungezwungen besorgen wollten, so werden sie jetzt doppelt gern zu Herzmansky gehen. Das populäre Warenhaus hat nämlich mit einer hocheleganten, ohne Stiegensteigen von der Straße aus direkt erreichbaren Kaffeekonditorei mit Wintergarten, Damenschreibzimmer, Toiletteräumen rc. eine großstädtische moderne Attraktion geschaffen, wie fie in gleich gediegener Pracht ein Uniwm bilden dürfte. Förmlich eu passant gelangt man von der Mariahilferstraße beziehungsweise der Stiftgasse mit ihrem permanenten Getriebe in das von Siegmund Jaray mit Anwendung moderner und neuzeitlicher Motive künstlerisch ausgestattete Erholungs- und Erfrischungsappartement, in dem die Damen sich wie im eigenen Heim sofort behaglich fühlen werden. Während der bekannte Mariahilfer Konditor Stephan Bohrer mit einem Elilepersonal für das leibliche Wohl der P. T. Damen sorgt, exponiert das Warenhaus Herzmansky selbst in diskret verteilten Vitrinen das Neueste im Reiche der Mode, so daß die Besucherinnen hier zugleich ungezwungen ihre Wahl treffen können