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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 777 Jglau. Am 3 Oktober wurde in Jglau Herr Nathan Blan, Vater des Münchengrätzer Oberkantors Gustav B l a n, und Bruder des Rabbiners Herrn Moritz Blan, sowie des Religionslehrers der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Herrn Wilhelm Blan, im Alter von 65 Jahren zu Grabe getragen. Nathan Blan war ein Mann von ausgezeichnetem Charakter und auf vielen Gebieten des Wissens heimisch, insbesondere auf dem Gebiete der jüdischen und hebräischen Literatur. Der imposante Trauerzug gab Zeugnis von der Beliebtheit und aufrichtigen Wertschätzung, deren sich der Verblichene bei allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession und des Standes erfreute. Berlin. Die jüdisch-nationale Frauenvereinigung in Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, jüdische, alleinstehende Kranke hier zu besuchen und ihnen Lektüre aller Art im Jargon oder in russischer Sprache zu bringen. Es wird daher an die geehrten Leser dieses die Bitte gerichtet, durch Zuwendung solcher Schriften die Arbeit fördern zu helfen. Gefällige Zusendungen nimmt mit Dank entgegen Frau Lina Wagne r-T a u b e r, Prenzlauer-Allee 9. Kattowitz a. S. (Die Concordia-Loge) veranstaltete am Dienstag, 26. v. M., im Logen-Saale ihren ersten diesjährigen wissenschaftlichen Vortragsabend. Herr Oberkantor Singer, der als hervorragender Musiker einen Ruf genießt, sprach über das Thema: „Traditionelle Melodien" und erntete mit seinen, von großer Sach- und Fachkenntnis zeugenden Ausführungen, die von sehr interessanten musikalischen Illustrationen durch Klavier und Gesang begleitet waren, stürmischen Beifall. Delegierte aus Breslau und Posen haben Herrn Singer eingeladen, den Vortrag auch dort zu halten. Eine Gedächtnisfeier für den Literarhistoriker Dr. Karpeles veranstaltete Sonntag der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in der Philharmonie. Unter den Anwesenden bemerkte man den Landtagsabgeordneten Cassel, Stadtverordneten Hammerstein, den Großmeister des U. O. B. B. Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki, Professor Ludwig Geiger den Nachfolger Karpeles auf dem Redaktionssessel, zahlreiche Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentanz sowie der verschiedenen Vereine und Körperschaften, die in dem Dahingegangenen ihren Mitbegründer und Förderer verehren. Prediger Dr. Levin von der Reformgemeinde feierte Dr. Karpeles als Wiedererwecker des Verständnisses für jüdisches Schrifttum, während Professor Dr. Philippson seine Verdienste als Literarhistoriker und Kritiker, insbesondere als begeisterter Prophet Heinrich Heines, zu dessen Kenntnis er wie kaum ein zweiter beigetragen, rühmte. Es sprachen noch Professor Dr. Schäfer und Dr. Lipschitz. Ein vom Tempelchor unter Leitung seines Dirigenten Albert Kellermann vorgetragener Choral beschloß die würdige Trauerfeier Die Berufung eines jüdischen Gelehrten nach Peking. Wie die „Newyork Times" melden, wurde der Chemie- Professor an der Chicagoer Universität Dr. Oskar Einstein von der kaiserlichen Universität in Peking eingeladen, daselbst ein chemikalisches Institut einzuordnen und die erste Lehrkanzel für angewandte Chemie an der Pekinger kaiserlichen Universität zu übernehmen. Feuilleton. Zwischen gtatar und Mutter. H. D. Nomberg. — Uebersetzt von Malwine Blumberg. (Schluß.) Isaak steht allein vor der Tür; er fürchtet zu atmen . . . rund umher ist es finster ... „Wer ists?" frägt die Stimme drinn zum zweitenmale und eine andere, weibliche, ruft aus einer gewissen Entfernung: „Nun, so öffne doch schon, du Schlemihl! Was stehst du da wie ein Narre." Die Tür wird geöffnet. Vor Isaak steht sein Vater. Er bückt sich zu dem Knaben, richtet sich jedoch nach einem Augenblick heftig auf und frägt mit vor Schreck vibrierender Stimme: „Isaak, du bists?" „Zu allen Teufeln! Mach doch die Tür zu! Was ist denn dort geschehen?" schreit jemand aus einem Nebenraum. Isaak tritt ins Zimmer; die Tür wird geschloffen. „Nun, was ist geschehen?" erklingt abermals dieselbe Frage. Der Vater antwortet nicht, kratzt sich den Kopf und seufzt schwer. Isaak bleibt im ersten Zimmer, der Vater geht in die anstoßende Kammer, aus welcher der schwache Schein einer kleinen Lampe dringt. Nach einer Weile vernimmt man von dort lautes Schimpfen und Fluchen. „Deine Rangen sind mir hier noch nötig! Fort soll er, Hände und Füße soll er brechen . . . Was geht denn das mich an? . . ." Derartiges Schimpfen und Fluchen wiederholt sich unzählige Male und inmitten dieser Flut von Worten vernimmt man von Zeit zu Zeit des Vaters besänftigende Stimme: „Bejle, Bejle . . ." Er bittet so sanft, so flehentlich, daß man inniges Mitleid mir ihm empfindet. Das Geschrei jedoch hört nicht auf. Isaak steht neben einem Koffer und fürchtet sich vom Fleck zu rühren. Er denkt an nichts und will an nichts denken. Die aus dem Nebenzimmer erklingenden Flüche und Schimpfworte schlagen wie ein Hagel von Steinen an sein Hirn. Ermüdet lehnt er seinen Kopf an den Koffer und stopft sich mit beiden Händen die Ohren zu. Das Geschrei wird stiller, wie Donner, der sich allmählich entfernt, man hört nur noch abgerissenes Fluchen und Seufzen. Der Vater kommt zurück, faßt Isaak an der Hand und führt ihn ins Nebenzimmer. Ein von einer weißen Haube bedeckter Kops erhebt sich vom Kissen und frägt: „Wo wirst Du ihn hinlegen? Daß Dich!" Isaak ist das Weinen nahe, doch bleiben ihm die Tränen in der Kehle stecken. Der Vater aber fährt zu bitten fort: „Bejle, Bejle! Ich bitte Dich, Bejle. Ich werde ihn ins Bettchen legen, neben Ryfka wird er liegen . . . Bejle, Bejle, ich bitte Dich . . . Gib' Frieden . . ." „Ach, meinethalben leg' ihn Dir auf den Kopf . . ." und die weiße Haube wendet sich um zur Wand. Der Vater zieht Isaak aus, legt ihn in das Kinderbett und begibt sich dann selbst zur Ruhe. Es ist still im Zimmer, ganz still, von Zeit zu Zeit nur hört man, wie der Vater aufseufzt. Die kleine Lampe wirft einen trüben Lichtschein und am Fußboden und an den Wänden sieht man schreckliche Gestalten. Isaak liegt ruhig, er fürchtet sich eine Bewegung zu vollführen. Erst nachdem er überzeugt ist, daß alle fest schlafen, fängt sein Herz an weniger ängstlich zu schlagen. Er berührt seinen Fuß mit der Hand und ihm ist, als habe er etwas Neues an seinem Körper entdeckt; dann berührt er seinen zweiten Fuß und es scheint ihm, daß beide vollkommen überflüssig sind, daß es am besten wäre, wenn er kleiner sein könnte, so klein zum Beispiel w^einÄetzfelchen, das man überall verstecken kann. Plötzlich, wie er sich umwendet, erbuckt er auf dem Kissen ein Dickicht schwarzer Haare. Bei genauerem Hinsehen unterscheidet er ein Kindergesicht mit frischen, roten Lippen. Das Kind schläft ruhig und still, sein Atem ist gleichmäßig. Isaak wird es fröhlicher und heller zu Mut. Er erinnert sich seines kleinen Bruders, der gestorben ist und in

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