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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 771 Diese Erzählung gab mir Anlaß dazu, um nachzuforschen, ob im städtischen Archiv oder Museum sich nicht darauf bezugnehmende Schriften rc. finden ließen. Mit gütigster Erlaubnis des Herrn Bürgermeisters Anton Schleidt gelang es mir, solche aufzustöbern. Nun gibt es zwar diesbezügliche, zeitgenössische Akten im Archiv nicht, weil nämlich im Jahre 1417 bei einem großen Brande manche Urkunden zugrunde gegangen find, welche viele unklare Partien der Geschichte der Stadt erhellen würden.s) Ich fand also: 1. Eine Anzahl von Kupferplatten mit Abbildungen dieser Begebenheit und Abdrucke erstgenannter. (In der Größe 14 : 8.) 2. Ein Büchlein, das diese Legende behandelt. 3. 11 Oelgemälde. (Im Maßstab 140: 120.) 4. Mehrere Notizen in den Stadtratsprotokollen. Das Büchlein wurde zum sechstenmale, wie der langatmige Titel besagt, „durch die W. W. E. E. Patres 8. Augustini Ordens bey dem Heiligsten Blut zu Corneuburg“ im Jahre 1746 gedruckt. In diesem Büchlein nun finden fich 18 Abbildungen, korrespondierend mit den Kupferplatten; unter jeder steht nun der dazu gehörige Text. Die trockene Ausführung dieser Texte genügt, um ein recht lebhaftes Bild der Drangsale unserer Volksgenossen vor unseren Augen entstehen lassen zu können. Gelobt seye das Hoch Heiligste Sakrament. Im Jahr Christi 1.302 tractirt der Jude Zerkl, oder Zerklinus mit einem Christen, Von diesem eine H. Hostiam umb angehottenes geld und einen rokh zu verkauffen. Der Christ Lasset sich umb die H. Weihnachtszeit, Communiciren, nimmt aber die H. Hostiam wider umb auss dem mund, selbige dem Juden zubringen. Der Christ verkauft dem Juden Zerkline die H. Hostia umb das gedinger geld und rokh. Der Jud Zerklin wirfit in bey seyn dess Scholastici oder Juden Schulmeisters die H- Hostiam in seinen Hausbrunnen. Der brun, in welchem die H. Hostia geworffen und widerumb von Juden herausgenommen und mit Fuessen getretten worden. Der Jud Zerklinus traget einen Christen geld an, das er die H. Hostiam in die donau werffe; aber der Christ forchtet sich, solche anzunehmen und laufiet davon. Die Juden Lauffen dem Christen nach, schreyen und beklagen sich fälschlich, als ob der Christ die H. Hostiam in dass Judenhaus haette geworfen. Der Jud seholasticus wirfft die H. Hostiam sambt dem Tüchel auff die Erde; und der Jud Zerklin trittet Selbige mit Füssen Ein Pecken Junger, mit nahmen Friederich wird durch göttliche macht mit gewalt aus der Bachstuben in des Juden Zerklini Haus geführt, all wo er die H. Hostiam auff der erde ligen sihet. Der Peck Leget die, ibme Wunderbahr zwischen Seine Finger gekommene H. Hostiam gantz Ehrer bietig auff den steinernen thürschweler; worauf selbige blut geschwitzet und von viele persohne also gesehen worden. Der Stain, auff welchen die H. Hostia von Beckhen Jungen Friderico gefunden worden. Der Jud seholasticus wird lebendig verbrannt: Sein Gespan aber der Zerklin wird auff andere weis von dem Christen Volk umb gebracht. Die weiteren Abbildungen des Buches find belanglos. Hostie und Tuch auf dem Altar ausgestellt. (Abbildungen der Wundertätigkeit der Hostie.) 6 Kerzen zünden sich von selbst an. Etliche Blinde werden sehend. Fünf „besessene" Personen werden die „bös geister" ausgetrieben. „Unterschiedliche" Krumme, Lahme und Presthafte werden geheilt. Die Oelbilder find zum größten Teile gut erhalten, nur der Text ist an manchen Stellen unleserlich; fie stammen aus dem Jahre 1660 und haben sowohl inbezug auf den Text, ' ») Geschichte der landesfürstlichen Stadt Korneuburg. Seite 73. als auch inbezug auf die Abbildungen vieles mit den Bildern des Büchleins gemeinsam. Es wird fich nun Jedem die Frage aufdrängen, warum der Augustiner-Orden das Büchlein zum sechstenmale hat drucken lassen. Meiner Anficht nach, wollte er auf die wundertätigen Reliquien Hinweisen und fich daraus Geld schlagen. Denn: „Hieraus * 4 5 *) nun 1. Christlicher Leser! ist ja freylich sattsam zu erkennen, daß der gütige Gott die Stadt Corneuburg mit einer höchst schätzbaren Gedächtnis seiner Wunderbarlichkeiten habe begnadigen wollen: „Memoriam fecit mirabilium suoren misericors et miserator Dominus etc.“ Weiters: „Herzog °) Otto (gest. 17. Februar 1.339) erwirbt die schon oben erwähnte Gottesleichnamkapelle. Herzog Albrecht II. entschädigt den Pfarrer Korneuburgs, welcher durch die Abtretung der Kapelle in seinem Einkommen Schaden erlitten hatte, dadurch, daß er ihm durch Urkunde vom 3. April 1.339 aus dem Gerichte von Korneuburg jährlich 10 Pfund Pfennige zuwies. Also scheinen die Einkünfte ziemlich hoch gewesen zu sein. Am 24. Juni 16248) erlaubt der Stadtrat von Korneuburg, da der orden sein baufälliges clösterl oder gotteshaus" wieder zu bewohnen gedenkt, fich wieder anzufiedeln. Von da an ging es den Augustinern materiell ganz gut, bis es ihnen um 1.700 wiederum recht schlecht ging. Ihr Kloster war „baufällig" und 1747 (1746 Druck des Büchleins) gab ihnen die Stadt „gegen Verpfändung all ihrer Hab und Gut" 7) 600 fl. aus den Waisengeldern zu 5 Prozent. Also ist es bewiesen, daß die „P. P. E. E. Augustiner" Geld brauchten. Nun lag die Sache ja ganz einfach. Wundertätige Reliquien hatte man ja in Gestalt der Hostie und des Tüchleins; die Sache brauchte nur populär gemacht zu werden und dann hatte man ja Geld in Hülle und Fülle. Ob dies der Fall war, konnte ich nicht feststellen. Jedenfalls aber steht fest, daß das Augustiner-Kloster durch kaiserliche Entschließung vom 11. August 1808 aufgehoben wurde. Immerhin aber lohnt es fich für uns, diese grausigen Andenken an unsere Ahnen und Volksgenossen zu besichtigen, umsomehr, als wir uns dann viel besser in diese Angelegenheit hineinfinden werden können.8) Korrespondenzen Geschichten ans dem Eisenbahnministerrnm. Wir erhalten folgende Mitteilung: In der Sitzung des österreichischen Abgeordneteuhauses vom 26. Oktober brachte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Ellenbogen die skandalöse Ernennung des Abgeordneten Kr o y zum Oberrevidenten der Nordwestbah i ^ht Form einer Anfrage an den Präsidenten zur Sprache. Doktor Ellenbogen machte auf die Nummer 42 und 43 der „Eiseubahnbeamtenzeitung", letztere vom 24. v. M. anfinrrkfam. Dort wird mitgeteilt, daß der Abgeordnete Kroy am 20. August 1909 bei der Direktion der „Oesterreichlfchen Nordwestbahn angesucht habe, als Oberrevident, womöglich unter Verleihung des Jnspektortitels, ausgenommen zu werden, (Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Abgeordneter Kroy habe eine solche Aufnahme nicht zum erstenmal verlangt. Bekanntlich wurde er unmittelbar nach der Wahl im Jahre 1907, als er von der Aussig-Teplitzer Bahn entlassen wurde, als Inspektor — er war früher Oberrevident — bei der Salzburger Lokalbahngesellfchaft ausgenommen. 0 Bericht der Augustiner über die Legenden „Histori“ Museum zu Korneuburg. Seite 83. 5) Geschichte der landesfürstlichen Stadt Korneuburg Seite 589 bis 590. a) a. a. O. Seite 596. -) Stadtratsprotokoll 1.746—47. Seite 325. 8) Das Museum u id Archiv sind täglich gegen Karten von 20. Hellern (erhältlich am Polizeiamte) zu besichtigen.

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