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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette 769 reagieren. Ich beeilte mich, in einem in Fokschani erschienenen Journale (Standardul) meine Meinung darüber zu äußern. Ich hob besonders hervor, daß die Besorgnis, eine jüdische Menschenmafse in Palästina dürfte einmal separatistische Tendenzen hegen, unbegründet sei. Die türkische Regierung hat wohl unangenehme Erfahrungen mit den europäischen Provinzen ihres Reiches gemacht. Das waren aber christlich-orthodoxe slavische Nationen, die mit Hilfe des christlich-orthodoxen slavischen Rußland ihre Unabhängigkeit erkämpft haben. Für eine jüdische Nation wird Rußland keinen Rubel und keinen Knochen eines Moskauer Hooligans opfern, hingegen war jüdisches Blut in seinem Kampfe für die Slaven reichlich geflossen. Anderseits würde die jüdische Nation mit Sicherheit eine selbst freiwillig angebotene Hilfsaktion und Verwendung Rußlands abweisen. Ich hob ferner hervor, daß ein unabhängiger Judenstaat in moderner Verfassung aus religiösen Gründen nicht einen Tag würde bestehen können. Wir wollen bloß an die strengen Vorschriften der Sabbathruhe und die Ruhe der Feiertage erinnern, die dem Staatsdienste im Wege stehen. Ein Stillstand des Post- und Eisenbahnwesens allein, 60 Mal 24 Stunden im Jahre, erlaubt weder der innere und ganz besonders der äußere internationale Verkehr nicht. Wenn eine jüdische Regierung sich über diese Vorschriften im Staatsdienste hinwegsetzen wollte, so würde ein Aufruhr im Lande entstehen, dessen Konsequenzen unberechenbar find, gegen die der alte Streit zwischen Pharisäer und Saducäer eine unschuldige Zänkerei wäre. Wenn ich nicht irre, war es zu jener Zeit, als das Verbot der Einwanderung ausländischer Juden in Palästina zuerst erschien. Wie ein Blitz am heitern Himmel schien mir eines Tages das Erscheinen von Herzls „Judenstaat". Ich hielt es für meine Pflicht, meinen einmal eingenommenen Standpunkt gegenüber dieser der Kolonisationsbewegung in Palästina äußerst gefährlichen Bezeichnung und zur Abwehr der Gefahr zu verteidigen. Ich wiederholte daher meine im „Standardul" früher ausgesprochene Ansicht in der Berliner Monatschrift „Zion" als Warnung für alle Freunde der Kolonisation im heiligen Lande; ich fügte hinzu: Ein neuer Staat könnte bloß auf herrenlosem Boden gegründet werden, ein solcher existiert auf der Oberfläche unseres Planeten nicht und auf fremden Boden im Besitze eines Staates würde der Souverän sich schön verbieten einen Staat in seinem Staate. Meine Warnung hatte eine bloß teilweise Wirkung. Statt des Staates wurde im Programm der Charter*) ausgenommen, als wenn der Charter nicht ein wahrer Staat im Staate wäre. Nach Posnanski find beim Vertrage (Charter) zu berücksichtigen : 1. Der Landesfürst, der einen Teil seiner Besitzung der unternehmenden Gesellschaft unter gewissen Aequivalenten zur Verfügung stellt. 2. Diese Gesellschaft, die den Landstrich in die selbstständige, unabhängige Zivil-, Militär- und Gerichts-Administration übernimmt. 3. Eine fremde Garantiemacht, die, falls der Landesfürst eines Tages den Vertrag bricht, die Gesellschaft und ihre Beamten verjagen und sich die auf dem bestimmten Gebiete verwendeten Millionen anzueignen anschicken sollte, als Schutzherr der Gesellschaft austrete. Aber dem mächtigen Sultan den Antrag stellen, er möge sich mit einem Teile seines Reiches unter Kuratel einer fremden Macht, gleich einem Minderjährigen oder Unzurechnungsfähigen stellen, das hieße ja ein Oiimtzu 126826 M2j68t2ti8. Und welches Aequivalent könnte man dem Sultan für solche Zumutung anbieten? Solcher Mahnung hat es auch im späteren Verlaufe nicht gefehlt, wie jener des türkischen Botschafters in Wien an Iork-Steiner, welcher sagt: Die Juden werden in der Türkei gern ausgenommen, wenn sie geneigt wären, Untertanen des Sultans zu werden, daß sie aber nie besondere Rechte erlangen könnten. „Ein Staat im Staate ist gänzlich ausgeschlossen, wir haben *) In einem Zirkular aus Köln wurde gesagt, daß dieses infolge meiner Warnung geschah. Dornen im Fleische". (Stimme der Wahrheit 54.) Das ist selbstverständlich. Jahrhunderte lang kämpften die christlichen Nationen des türkischen Reiches um Gleichberechtigung und um Vorrechte als autochthone Volkskörper auf ihrem eigenen Boden, den sie nie verlassen haben, und uns Untertanen fremder Staaten sollen jene Vorrechte und Privilegien gratis erteilt werden, bevor wir noch einen Fuß in das Land gesetzt hahen. In derselben, womöglich noch schärferen Betonung äußerte sich zu wiederholtenmalen mir gegenüber ein türkischer Konsul in Jassy. Er nannte den Zionismus geradezu eine der türkischen Regierung verhaßte revolutionäre Bewegung (ipsissinm verb2), die die Tendenz hat, dem ottomanischen Reiche eine Provinz zu entreißen und eine Herrschaft daselbst zu gründen. Unter anderm sagte er wörtlich: „Glaubt nicht, daß Herzls Audienz beim Sultan seinem Zionismus galt, sie wurde ihm auf Empfehlung als einem — gebildeten Manne, als einem Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" gewährt." Er wollte meine Gratulation zum mißlungenen Attentat auf den Abdul Azis im Namen des Zionismus erst dann annehmen, als ich ihm erklärte, daß nach dem Tode Herzls der Zionismus sein Programm in eine einfache Kolonisation in Palästina und den Nebenländern im Rahmen der türkischen Gesetze umzuändern entschlossen sei. Die Gratulation meines Begleiters Dv. Bernstein im Namen der B'nai-Brith-Loge nahm er dankend an. Nun stehen wir bereits vor dem 9. Kongreß. Dieses erhabene nationale Institut perpetuiert sich in gedeihlicher Weise. Es gereicht mir zur Ehre, den ersten in Basel als Alterspräsident mit einer langen Einweihungsrede (von der kaum die Hälfte im Berichte veröffentlicht wurde) eröffnet zu haben. Leider vertritt er beiweitem noch nicht ganz Israel, ja nicht einmal seine maß- und tonangebenden Kreise. Diesmal wird Nordau denselben eröffnen. Wie sich die Zeiten und die Ereigniffe in denselben ändern! Ich, der Chiba-Zionist, habe den Kongreß des Charterzionismus eröffnet, diesmal wird ein Charterzionist den Kongreß des Chibazionismus eröffnen. Denn das neue (eigentlich ältere) Programm wird ganz bescheiden auf die bloße Kolonisation im Rahmen der Landesgesetze lauten. Hoffentlich wird die Eroberung der Gemeinden, die so viel böses Blut gemacht, wegbleiben; auch die Kulturkommiffion wäre überflüffig, denn jüdische Kultur zu pflegen ist der Zionismus nicht kompetent, diese Kultur ist zu kompliziert und nach Zett und Ort verschieden, die Errichtung von Lehranstalten aller Grade erfordert Hunderte von Millionen, über die wir nicht disponieren, und dort, wo solche find, wird Ersprießliches geleistet. Uebrigens fehlt uns noch die Autorität im Schoße der Nation. Auch dem Eindringen des Zionismus in die gesetzgebenden Körper Europas möge Einhalt getan werden, dort hat er nichts zu suchen. Er soll keine politische Partei sein. Der Halley sche Komet im Talmud. In der Zeitschrift „Das Weltall" schreibt Rabbiner Wolf Gerstl in Jaryczow (Galizien): Es wird im Talmud (Barachot 58) von den Kometen gesagt: „Auf Zikim, das heißt zu einer Zeit, während der man einen Kometen sieht, „soll man Gott loben mit der Lobpreisung: „Gelobt sei Gott, daß die ganze Welt seiner Kraft voll ist." Hierauf fragt der Talmud? „Was ist Zikim?" Darauf antwortet Samuel: „Kochbe Desstawit", das heißt Rutensterne, Sterne mit einem Schweif wie Ruten. Ebenso heißt es im 5. Buche Moses 34, 17, von einem Kometen! „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Komet aus Israel." Hierzu sagt wieder Samuel: „Es sind mir gut bekannt die Bewegungen aller Sterne, wie die Wege in meinem Heimatsorte, mit Ausnahme der Kometen, doch ist allbekannt, daß der Komet das Sternbild Kefil niemals durchzieht, sonst ist ein Untergang der Welt zu befürchten." Nun fragt wieder der Talmud: „Wir sehen aber doch, daß der Komet den Kesil durchzogen hat." Hierauf folgt die Antwort: „Nein, nur der Schweif des Kometen ist durch den Keil hindurchgezogen, nicht aber sein Kern." Rabbino, der Sohn Jeschuas, sagt: „Die Kometen find nur optische Täuschungen aus, den feurigen Regionen des Himmels." Ebenso sagt Aristoteles: „Unsere Erde ist von drei verschiedenen Luftregionen umgeben, die untere, die zweite, welche nicht mit unserer Erde verbunden ist, ist schr kalt, die dritte endlich, wegen der Nähe der feurigen Regionen, weniger kalt (im Talmud „Wielon"), sie nimmt schon teil an der Bewegung

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