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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 44 Sette 760 passendste Wort für die richtige Wertschätzung des schweren Berufes eines Rabbiners in Israel. Ach, wie oft bietct sich ihm die Gelegenheit, die Wahrheit dieses Satzes im schönsten und edelsten Sinne des Wortes zu erfüllen. Ein Segen ist er seiner Gemeinde in den Nöten uud Freuden des Lebens, segnend breitet er seine Hände aus über die Säuglinge in der Wiege, über die Liebenden vor dem Traual.are, über die Hingeschiedenen im Grabe. -Ein Segen warst Du, unser Amtsbruder, Deiner Familie und im weiteren Sinne Deiner Gemeinde, deren erster Rabbiner Du gewesen bist, die es mit Stolz bekannte. Dich als ihren Seelenhirten, als eine Zierde Deines Standes, in ihrer Mitte zu sehen. Auch wir klagen wie einst der alte Trauerredner am Sarge des juugverstorbenen Amoräers B. Bun ben Cbizza geklagt: ^füß ist der Schlaf des Arbeiters". Einst besaß ein König eruen köstlichen Weinberg, um denselben in Ordnung zu halten, bedurfte er gar viele Arbeiter. Einer war unter ihnen, der dem Anscheine nach in kürzerer Zeit seine Arbeit verrichtete und am Abende denselben Lohn bekam als die übrigen, die bei-, ganzen Tag im Schweiße ihres Antlitzes sich geplagt haben. Da traten sie hin rum König und beklagten, sich wegen der scheinbaren Ungerechtigkeit. Da antwortete ihnen der König: „Dieser hat in wenigen Stunden mehr geleistet, als ihr einen ganzen Tag". Dieser Garten ist das Arbeitsfeld der jüdischen Wiffenschaft und des jüdische» Lebens, hier hast Du, edler Amtsbruder, in einer kurzen Zeit so manche köstliche Früchte gepflückt, so manche heilige Saat des Glaubens der Erkenntnis, der Gottesliebe und Gottesfurcht in die Seele ausgestreut, so manche edle Wirksamkeit entfaltet. Hier liegen Deine irdischen Ueberreste, Dein Name aber wird mit den Besten und Edelsten genannt werden, die ihr Leben dem Zudentume, der jüdischen Wiffenschaft geweiht haben. Theologische» Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien. Die am 23. d. M. stattgefundene Neuwahl für das Wintersemester 1909/10 ergab folgendes Resultat: Präsident: Herr Doktor Michael Halberstamm. Vizepräsident: Herr Erust Deutsch. Kassier: Herr Chajim Wolfshaut. L Schriftführer: Herr Süffie Srlbersteiu, IL Schriftführer: Herr Bela Diamant, N. F. K. Hersch Wolf Andermann. Austritte aus dem Judentum. Vom 17. bis 33. Oktober 1909. Bassa Berthold, Bankbeamter, geb. 30. November 1885 in Währing XVII., Schumanngasse 55. Benedikt Isidor, Beamter der Kreditanstalt, geb. 16..September.1863, Wien, IV., Starhemberggasse 32. Berger Paula, geb. 1. April 1889, Wien, I., Adlergasse 8. Freudenfeld ida, Apothekersgattin, geb. 7. Juni 1884 zu Wien, XVIII., Gersthoferstrasse 29. Finger Emil, geb. 11. März 1872 zu Liechtenstein in Böhmen, Wien, VII., Schottenfeldgasse 71. Goldschmidt Oskar, Prokurist, geb. 4. Mai 1876 zu Wien, I. Bez., 1., K olowratring 7. Goldstein Josef, Kaufmann, geb. 11. Oktober 1871 zu Wien, I. Bez., Tuchlauben 13. Hammerschiag Mathilde, Private, geb. 23. März 1886 zu Wien, 11., Grosse Stadtgutgasse 29. Königsgarten Richard, Schlossergehilfe, geb. 14. Oktober 1877 zu Gaya, XVII., Frauenfelderstrasse 13. Kunwald Hedwig, Private, geb. 5. Juni 1883 zu Wien, I., Schulerstrasse 1. Poiiak Walter, Dr., Edler von Parnegg, Industrieller, geb. 29. Juli 1877 zu Wi n, I., Babenbergerstrasse 1. Poiiak Otto, Dr., praktischer Arzt, geb. 3. September 1865 zu Wien, 1., Grillparzerstrasse 14. Stadien Max, Dr., Advokat, geb. 18. Dezember 1872, zu Lemberg, 11., Novaragasse 53. Sternlicfat Alice Karoline, Private, geb. 7. Dezember 1887 zu Wien, 1., Stallburggasse 4. Lnudenbnrg In der am 18. d. M. stattgefundenen Sitzung der politischen Jsraelitengemeinde Lundenburg wurde auf Antag des Herrn Bürgermeisters M. Holländer Herr Jonas Gold zum Ehrenbürger der Jsraelitengemeinde Lundenburg ernannt. Diese Ehrung verdient sich Herr Jonas Gold mit vollem Rechte. Derselbe gehört seit dem Jahre 1886 als Mitglied der Gemeindevertretung an und bekleidet seit dem Jahre 1889 als Gemeinderat selbstlos die Stelle eines Polizeikommiffärs. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Herr Jonas Gold seit 26 Jahren Obmann des Ortsschulrates ist und zur Blüte der Schule in jeder Beziehung beitrug. Klatta«. Der hiesige israelitische Chor- und Geselligkeits- Verein überstedelle ins Hotel „zur Weißen Rose", wo ihm ein prachtvolles Lokal zur Verfügung steht. Am Simchas-Thorafeste veranstaltete der Verein ein Tanzkränzchen, das sehr animiert verlief — Ende August besuchte der Statthalter von Böhmen Graf Coudeuhove die Klattauer Ausstellung. Bei dieser Gelegenheit wurde er auch von einer Deputation der hiesigen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren JU.Dr. I. Fleischer, I. Feigl und S. I. Krauskopf, begrüßt. Der Kültusvorsteher Herr Dr. Fleischer ward auch der Tafel beigezogen. Auf dem Ausstellungsplatze selbst beehrte der Statthalter unter anderen auch den Großindustriellen Herren H. Singer und die Gattin des Fabrikanten A. Wiener mit einer längeren Ansprache, indem er die Exposition der Lederfavriksfirma Gottlieb Singer und der Wäschewarenfabrik Brüder Wiener besichtigte. — Der Minister für Kultus und Unterricht hat über Einschreiten der hiesigen Kultusgemeinde gestattet, daß dem Rabbiner Dr. S. Bret die Remuneration per K 400 für den Religionsunterricht pro 1908—09 ausgezahlt werde, trotzdem im genannten Schuljahre nur achtzehn Schüler die Anstalt besuchten. — Die Chewra-Kadischa hält am 16. Jänner ihre Generalversammlung ab, die mit derNeuwahl und einem Brudermahle verbunden ist. — Unsere in aller Stille wohltätig wirkende Chanukagruppe wird Heuer zehn arme israelitische Schüler mit Anzügen und Schuhbekleidung versehen. Als Obmann der Gruppe wirkt nach wie vor Herr-Heinrich Laschansky, als Kaffier Herr Ignatz Lederer. Straßnitz. An Stelle des verstorbenen Herrn Doktor Friedmann ist Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. G ü n z i g aus L o s ch i tz einstimmig zu unserem Rabbiner gewählt worden. Teschen. An Stelle des verewigten Großindustriellen Herrn I. Ph. G l e s i n g e r ist nunmehr zum Präses in unserer Gemeinde bei der vor kurzem stattgehabten Ausschußfitzung sein Schwiegersohn Herr kais. Rat Jaqu. Silberst e i n mit Stimmeneinhelligkeit gewählt worden. Herr kais. Rat Silberstein ist aus der Schule seines verklärten Schwiegervaters hervorgegangen; dieser Umstand allein bietet schon sichere Gewähr, daß er gewiß im Sinne und im Geiste seines Vorgängers zum Wohle der Kultusgemeinde und ihrer gemeinnützigen Institutionen seines verantwortungsvollen Amtes walten wird. Die Familie > Glesinger hat zum Andenken an den Dahingeschiedenen der Kultusgemeinde eine Stiftung von 50.000 überwiesen. Wsetin. Am 24. d. M. wurde Frau Betti Donath, Gattin des allgemein hochgeachteten Vorstehers des hiesigen Kultusvereines zu Grabe getragen. Der imposante Trauerzug gab Zeugnis von der Beliebtheit und Wertschätzung, der sich die' Verblichene bei allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfeffion und des Standes erfreute. In warmfühlenden Worten schilderte Se. Ehrwürden Herr Professor Dr. I. Rabbinowicz, Bezirksrabbiner aus Weißkirchen, vor dem Trauerhause in tschechischer Sprache die allzufrüh Verblichene als Muster einer biedern Gattin und aufopfernden Mutter. Am Grabe hielt der Rabbiner eine Trauerrede in deutscher Sprache, deren Eindruck sich im Schluchzen der vielhundertköpfigen Trauerversammlung kundgab. Die Trauergesänge trug Herr Kantor und Religionslehrer Leop. Blau mit seiner zu Herzen gehenden gefühlvollen Stimme vor. Prag. (60. G e b u r t s t a g.) Die hiesige, jüdische Schriftstellerin Frau Babette Fried, geb. Freund, feierte am 26. d. M. hier ihren 60. Geburtstag. Sie hat sich durch ihre Ghettogeschichten rasch die Gunst des jüdischen Lesepublikums erworben. Besonders geschätzt sind ihre Arbeiten im orthodoxen Deutschland. Sie wurde in Azkin als Tochter des dortigen Rabbiners geboren und lebte seit ihrer Verheiratung mit einem Gemischtwarenhändler in Tabor. Ihrer Ehe sind zehn Kinder entiproffen, von denen aber zwei jung starben. Die Geschäfte gingen schlecht und, um sich einen Nebenerwerb zu schaffen, griff Frau Fried im 47. Lebensjahre zur Feder. Ihre Arbeiten gefielen und wurden entsprechend honoriert. Sie hat nahezu hundert Novellen aus dem jüdischen Leben veröffentlicht und drei Bücher sind bisher von ihr erschienen. Budweis. Die „Südböhmische Volkszeitung" in Budweis vom 24. Oktober meldet aus Gojan. (Taufe eines Juden.) Vorigen Samstag fand in der hiesigen Wallfahrtskirche die Taufe des DistriktSarzteS in Ogfolderhaid und früheren Besitzers des Bades Umlowitz, Dr. Gustav Leiner samt dessen Frau und zwei Töchtern statt. Die Taufe und anschließend daran die Firmung nahm Bischof Josef Hulka vor, Taufpate war in Vertretung des Erbprinzen Johann Schwarzenberg Herrschafts-Direktor Müller in Krummau, Firmpate war Abgeordneter Kletzenbauer samt Frau. Doktor Leiner erhielt den Namen Johann, dessen Gattin den Namen Therese-Johanna und die beiden Töchter die Namen Maria und Johanna.

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