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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 759 tätigt. Politisch ist Brodski ein überzeugter Progressist und gehört der konstitutionellen demokratischen (Kadetten-) Partei an. Breslau. (Begrüßungsabend der Damen des Verbandstages deutscher Juden.) Die Damen der Breslauer jüdischen Gesellschaft hatten am Sonnabend die Gattinnen der Delegierten in die Räume der Lessingloge zu einem Fest „ganz unter uns Frauen" eingeladen. Das Komitee, an seiner Spitze Frau Stadtrat Mark, Frau Dr. Guttmann und Frau Dr. R o s e n t h a l, nahm die zahlreich aus allen Teilen des Reiches erschienenen Gäste herzlich in Empfang und geleitete sie in die Säle, wo ein „einfaches Abendbrot" ihrer wartete. Mit reichem Blumenschmuck hatten all die Hausfrauen — Frau Professor Wohlauer, Frau Konsul Ehrlich, Frau Dr. Kaiser und die andern ^freundlichen Wirtinnen, als welche sich an diesem Abend die Komiteedamen erwiesen — die Tafel geziert. Frau Stadtrat Mark bewillkommnete Einheimische wie Fremde mit warmen Worten und sprach ihre Freude aus, daß die anwesenden Damen einig seien in dem Gefühl, teilzunehmen an den ernsten Aufgaben ihrer Zeit. Die Rednerin betonte die Bedeutung des Judentags, an deffen Beratungen Frauen sich zum erstenmale beteiligen und schloß mit einem Hoch auf die Gäste. Nach Abfingen eines hübschen Tafelliedes folgten künstlerische Genüsse. Die amerikanisch.jüdische Paßfrage in Rußland. Die Verhandlungen zwischen der amerikanischen Botschaft in Petersburg und der russischen Regierung wegen Anerkennung der Pässe amerikanisch-jüdischer Bürger, sind, wie aus Petersburg gemeldet wird, in vollem Zuge. Die russische Regierung hat sich schon zu folgenden Zugeständnissen bereit erklärt. Die russische Regierung ist geneigt, Juden mit amerikanischen Pässen den Aufenthalt in Rußland zu gestatten, wenn sie Nachweisen: 1. daß sie nicht in Rußland geboren sind, 2. daß, wenn sie in Rußland geboren wurden, vor ihrem 14. Lebensjahre, d. h. in einem Alter ausgewandert sind, da sie noch nicht nach eigenem Willen, sondern nach dem Willen der Eltern gehandelt haben, 3. daß sie nach Rußland kommen, nicht um ständig hier zu bleiben, sondern nur auf eine bestimmte Zeit, um geschäftliche Verbindungen anzuknüpfen, wobei sie sich verpflichten, zur Durchführung ihrer Geschäfte nur Russen anzustellen, 4. für den Fall, als sie sich in politische Angelegenheiten mischen sollten, so sollen sie den russischen Gesetzen unterworfen werden, gleichwie wenn sie nicht amerikanische Bürger wären. Hiernach wäre allen jenen russischen Juden, welche nach ihrem 14. Lebensjahre ausgewandert sind und amerikanische Bürger wurden, die Rückkehr nach Rußland auch nach wie vor unmöglich. Diese Maßregel begründet die russische Regierung mit den russischen Staatsgrundgesetzen, wonach ein russischer Untertan ohne Erlaubnis der Regierung nicht Bürger eines anderen Staates werden kann. Die amerikanische Regierung hat diese russischen Vorschläge vorderhand nicht angenommen. Die Verhandlungen wurden fortgesetzt. Vermischtes. Wien. (Vorlesungen im Wiener Bet- H a m i d r a s ch, II., Ferdinand st raße 23.) Herr Doktor A. Kaminka hält in diesem Winter-Semester folgende Vorlesungen: 1. Maimonides Religionsphilosophie, More Nebuchim, Teil II, jeden Mittwoch 7—8; 2. Talmud, Traktat Sanhedrin, wissenschaftlich erläutert, jeden Donnerstag 6—7 Uhr abends. Wien.(B ekleidung armer alter Frauen.)Der Wiener Jubiläums Verein zur Unterstützung und Bekleidung armer alter Frauen veranstaltet am 2. Dezember 1909 die Beteilungsfeier armer alter Frauen mit Winterkleidern. Gesuche find bis 8. November per Post an die Adresse: Frau H e rmin e Gerber II., Fischergaffe 1, zu senden. Wien. (Trauung.) Sonntag den 31. d. M. findet die Trauung des k. k. Bezirksrichters Herrn Dr. Ernst Bettelheim, Sohn des Herrn Gottlieb Bettelheim, Präsidenten des Tempelvereines des IX. Bezirkes, mit Fräulein Elly Brukner statt. BethHamidrasch-Berein „Talmud-Thora", Wie», II., Malzgaffe 16. Die populär-wiffenschaftlichen, jüdischen Frettag-Abeud- Vorträge — auch Frauen und Mädchen zugänglich — beginnen am 5. November d. I. um 7 Uhr 30 Min. abends. Den ersten Vortrag über „Die Akeda" hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Schenk. Das israelitische Kuaben-Waiseuhaus. Dieses vom Vereine zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien (Präsident David Ritter von Gutmann) ins Leben gerufene Knaben- Waisenhaus, XIX., Ecke Armbrustergaffe und Probusgaffe (Hohe Warte), hat die Mauergleiche erreicht und wird bis Müte November unter Dach stehen. Das zweistöckige Gebäude mit seinem parkähnlichen Garten macht schon jetzt einen angenehmen Eindruck und wird eine Zierde der Umgebung sein. Die Anstalt ist auf 100 Kinder berechnet. Bei der Knappheit der vorhandenen Mittel soll jedoch vorläufig nur der I. Stock eingerichtet und im Jahre 1910 mtt 20 Kindern bezogen werden. Es ist zu hoffen, daß diese so schwach fundierte Institution Förderung und Kräftigung durch Menschenfreunde erfahren werde. Gilt es ja, den Aermsten, den Verwaisten, das traurige Geschick mindestens in der frühen Jugend zu mildern, den Weg ins Leben zu ebnen. Wien. (Verlobung.) Herr Moriz Ungar, Beamter der israel. Kultusgemeinde, hat fich mit Fräulein Ernestine Nacht verlobt. Kurfreiplätze und Kurbeiträge für Arme. Der humanitäre Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürstiger mit dem Sitze in Wien, II. Bezirk, Josefinengaffe 7, appelliett in Anbetracht der immer steigenden Anforderungen der armen Kranken an die Humanität und bittet, durch zahlreichen Beitritt und Spenden sein Wirken zu fördern. Der genannte Verein, deffen Aufgabe es ist, armen Kurbedürftigen Freiplätze in Kurorten zu verschaffen oder Kurbeiträge zu gewähren, war beim Beginne der diesjährigen Kurperiode — dank der munifizenten Unterstützung edel und human fühlender Menschen — in der Lage, an arme und würdige Kurbedürstige Kurbeiträge in der Höhe von mehreren tausend Kronen zu verteilen. Anderseits wurde es ihm auch ermöglicht, 15 arme Kurbedürftige im Karlsbader Hospiz und zwei im Gleichenberger Hosptial unterzubringen. Leider reichten auch in diesem Jahre die Mittel des Vereines nicht aus, um allen an denselben gestellten Anforderungen zu entsprechen. Wir mußten schweren Herzens die Gesuche einer Anzahl von armen und würdigen Kranken unerledigt lassen. Der Vereinsvorstand, der aus Aerzten und Angehörigen des Lehrer-, Beamten- und Gewerbestandes besteht, fieht fich daher genötigt, an alle Menschenfreunde die innigste Bitte zu richten, durch Spenden, Legate und Beitritt die Humanitären Tendenzen des Vereines zu fördern. Beitrittserklärungen und Spenden wolle man an den Verein zur Unter st ützung jüdischer Kurbedürftiger, Wien. II. Bezirk, Josefinengasse 7, oder an Postsparkaffenkonto No. 84270 richten. Für die Vereinslettung: S. Sperling, Schriftführer Dr. Jfidor L. Braun, Obmann Wien. Am 20. d. M. fand die feierliche GrabsteinenthMung des vor Jahresfrist verstorbenen Rabbiners der israel. Kultusgemeinde in Skotschau (Oesterr.-Schlefien) Dr. Lieber Dobschütz s. A. am Zentralfriedhofe in Wien statt. Im Namen der israel. Kultusgemeinde in Skotschau war der Amtsnachfolger des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. A. M a r m o r st e i n, anwesend und hielt dem Verewigten folgenden Nachruf: In Vertretung der israel. Kultusgemeinde zu Skotschau find wir hier hergeeilt an Deine Grabstätte, an der ersten Jahreswende Deines Sterbetages, um es hier zu verkünden „ein Zeuge soll dieser Grabhügel, ein Zeuge soll dieses Denkmal sein", (Gen 31,52) nicht nur für Deine in gerechte und unendliche Trauer gehüllte Gattin und Kinder, sondern auch für uns, die fern von diesem Hügel in jener Gemeinde leben, wohin Du vor 10 Jahren, in Deiner Jugend Jahren, gezogen bist, um ein Segen für Deine Gemeinde zu sein. „Und Du sollst ein Segen sein" (Gen. 12. 1) heißt es in unserem Wochenabschnitte von Abraham — das ist der richttge Ausdruck, das ist das

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