Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 44 (29.10.1909)
- Date
- 1909-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 758 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 44 männlichen und eines in der weiblichen Abteilung — deren Stistungstafeln Osers Namen zu tragen haben. Dr. Stern schloß mit dem Glückwunsch und der Hoffnung, daß es Oser noch lange, lange Jahre gegönnt sein möge, sein segensvolles Wirken zum Heile der Gemeinde an dieser Stätte der Humanität fortsetzen zu können. Hofrat Oser dankte dem Redner wie jedem der folgenden Herren in herzlichen Worten. Er betonte, daß das Spital der israelitischen Kultusgemeinde ein Maximum von Wohltätigkeit leiste, da es 80 bis 87 Prozent der Kranken unentgeltlich verpflege. Als nächster Redner sprach Profeffor Dr. Otto Zuckerkand!, als Obmann des Festkomttees. Er überreichte im Namen von Freunden und Kollegen des Jubilars dem Hofrat Profeffor Dr. Oser eine von Freunden gesammelte Spende von 20.000 Kronen, deren Erträgnis als Leopold Oser-Stistung einem von Oser zu bestimmenden wohttätigen Zweck zugeführt werden soll. Dann brachte Baron Albert Rothschild in innigen Worten seine persönlichen Glückwünsche dar. Nach der Ansprache fiel die Hülle von dem Bilde und es erregte durch die Meisterschaft der Darstellung Entzücken. Baron Rothschild sprach nach der Enthüllung noch einige gemütsvolle Worte. Er sagte: er hoffe und wünsche, daß alle, welches dieses Bild jetzt und in späterer Zeit sehen werden, eingedenk bleiben der großartigen Leistungen des Jubilars auf wiffenschaftlichem Gebiete und auf dem der Humanität; denn Oser sei nicht nur ein guter. Arzt, sondern auch ein guter Mensch. (Lebh. Beifall.) Hofrat Oser dankte dem Stifter des Bildes und dem Künstler mit herzlichen Worten. Launig bemerkte Hoftat Oser mit einem Blick auf das Porträt: „Es ist ein Meisterwerk von Horowitz, das noch in späten Tagen, wenn mein Name schon längst verklungen sein wird, in der Kunstgeschichte fortleben wird, vielleicht unter dem Titel: „Horowitz' Bildnis eines alten Juden". ' Nun beglückwünschte Se. Exzellenz Statthalter Graf Kielmausegg Hoftat Oser. Er dankte den Veranstaltern der heuttgen Feier für die Einladung, der er umso lieber gefotzt sei, als fie ihm eine willkommene Gelegenheit geboten, auch dieser Anstalt seine Anerkennung auszudrücken. Graf Kielmansegg betonte, daß er nicht in solennen Worten sprechen werde, umso weniger als eine Ansprache seinerseits nicht auf dem Festprogramm vorgesehen war; er könne fich übrigens umso kürzer halten, als die Bedeutung des Jubilars auf ärztlichen und humanitärem Gebiete und auch die wiffenschastliche Bedeutung Osers von berufenem Munde hervorgehoben werde. In seiner Eigenschaft als Chef der polttischen Verwaltung des Kronlandes Niederösterreich fühle er fich gedrängt, den hochverehrten, im Kreise so vieler Freunde und Verehrer erschienenen Jubilar für die Statthalterei in Anspruch zu nehmen. Schon seine Vorgänger vor dreißig und mehr Jahren hätten die Bedeutung und die ärztliche Wissenschaft des Jubilars erkannt und schon der damalige Statthalter habe Oser in den Landessanitätsrat berufen in Anerkennung der Tättzkeit auf wissenschaftlich« und humanitärem Gebiete in dieser Anstatt. Sett 1873 gehöre Oser dem Landessanitätsrat an, deffeu eifrigstes Müglied er sei. In dieser seiner Wirksamkeit habe Oser sowohl.als einfaches Mttglied wie auch namentlich als Vorsitzender der Körperschaft von berufener Seite Anerkennung und Würdigung gefunden. So sei auch bei der Versammlung der Amtsärzte, die vorige Woche in Wien tagte, von allen Seiten anerkannt worden, daß in Wien alles für das Sanitätswesen Erforderliche gemacht und die Hygiene stets im Auge Schatten werde. Durch statistische Daten wurde dies in der Morbidität nachgewiesen. Ein gut Teil des Verdienstes davon gebühre dem Jubilar. Der Statthatter konstatiert mtt Freude, daß Hofrat Oser ebenso „jubelftisch" aussehe wie sein Bild, und hoffe, ihn noch viele Jahre an der Spitze des Landessanitätsrates zu sehen. (Lebhafter Beifall.) Dann sprachen noch der Direttor der medizinischen Fakuttät Profeffor Dr. K o l i s k o für die Fakultät, Hofrat Profeffor Dr. Chrobak für die Gesellschaft der Aerzte, Hofrat Professor Dr. Ritter v. R e u ß für die allgemeine Poliklinik, Regierungsrat Dr. Svetlin für das medizinische Doktorenkollegium, Dozent Dr. K a tz namens der Assistenten, Primarius Doktor F l e i s ch m a n n für das Kaiserin Elisabeth-Pflegerinnenheim, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben für die Beamten der Kultusgemeinde und eine Pflegerin. Diese letztere überreichte ihm einen Lorbeerkranz. Jedem einzelnen Festredner dankte Hofrat Professor Oser in herzlichster Weise. Er dankte auch für die hochherzige Unterstützung, die das Spital gefunden, das als eine Humanitätsanstalt anerkannt wurde. Im Spitale find 80 Perzent, ja wir können sagen 87 Perzent der Krankenverpflegstage vollständig unentgeltlich. Für die Aermsten der Armen werden seit Jahren schwere Opfer gebracht. Um die Mittagsstunde endete die Feier. Eine „Ehrenaffäre" wegen des jüdffchen Katasters in der Bukowina. Wie hitzig der Kampf um den jüdisch-nationalen Wahlkataster in der Bukowina geführt wurde, geht aus einer Meldung hervor, die uns aus Lemberg zugekommen ist. In dieser wird berichtet, daß laut Beschluß einer jüdischen Volksversammlung in Sadagora, der Vorsitzende Dr. R. an den Reichsratsabgeordneten Dr. Löwenftein, der bekanntlich gegen eine jüdische Wahlkurie ist und in diesem Sinne auch bei der Regierung interveniert hatte, ein Entrüstungstelegramm abgesandt hat. Dr. Löwenstein, empört über den Ton des Telegrammes, antwortete, gleichfalls in scharfem Tone in einem Telegramme an den Vorsitzenden der Versammlung Dr. R. fühlte sich durch den Inhalt des Telegrammes verletzt und ließ Herrn Dr. Löwenstein fordern. Letzterer sandle seine Sekundanten, die Herren Dr. Aschkenase und Abgeordneten German. Die ^Sekundanten'^ Dr. Löweusteins erklärten, daß ihr Auftraggeber nach wie vor die jü- ' disch-nativnale Wahlkurie aus Ueberzeügüng bekämpfen werde, daß sein Telegramm in gerechter Entrüstung dem Vorsitzenden der betreffenden Versammlung und nicht dem Dr. N. persönlich gegolten habe, den er in seiner persönlichen Ehre nicht verletzen wollte. Hiermit war die merkwürdige „Ehrenaffäre" beendet. Die Persönlichkeit des neuen Dnmadeputierten von Odeffa. Der neugewählte Odeffaer Dumadeputierte A. E. Brodski zieht als dritter jüdischer Deputierter in die Duma ein. Er steht jetzt im 46. Lebensjahre, wurde in einem kleinen Städtchen des Iekaterinoslawer Gouvernements geboren und kam als 16 jähriger Gymnasiast nach Odessa. Von dem Tage an, da er die Universität ,m Odessa bezog, bis zum heutigen Tage, spielte Brodski im öffentlichen Leben der Stadt, wie auch als Jurist eine vielbeachtete Rolle. Die Universität absolvierte Brodski mit Auszeichnung und erhielt für seine Dissertation „Ueber den bäuerlichen Bodenbesitz" die goldene Medaille. Hierauf trat er in die Redaktion der „Odeßkije Rowosti" und wurde Konzipient des berühmten Advokaten R. I. Metschnikoff, in dessen Kanzlei er acht Jahre arbeitete. Er hatte noch ein Jahr zu praktizieren, um selbständiger Advokat zu werden, als im Jahre 1889 ein neues Gesetz herauskam, durch welches die Rechte der jüdischen Advokaten stark begrenzt wurden und Brodski mußte noch ganze 15 Jahre als „Gehilfe" bei einem Advokaten arbeiten. Während dieser Zeit erwarb er sich jedoch schon in Odessa und ganz Südrußland den Ruf eines großen Advokaten. Seine hervorragende Begabung und sein glänzendes Rednertalent haben ihm eine große Klientel zugeführt. Im Jahre 1904 wurde Brodski zur selbständigen Advokatur zugelassen. Auch als Jude hat sich Brodski in den verschiedenen jüdischen Vereinen und Anstalten seiner Stadt hervorragend be-