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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 757 Nr. 44 auf diesen Augenblick hingearbeitet haben, die freudigen Gesichter der Kleinen nicht wollen entgehen lassen. Wenn dies auch ein begreifliches und edles Gefühl ist, so ist es doch für die Kinder selbst, insbesondere aber für deren Charakter zweifellos schädlich. Einer der größten Frauenvereine hat seit vorigem Jahre, soviel ich weiß, die Gepflogenheit, die Kleider den Kindern ins Haus zu schicken, er will sie nicht daran gewöhnen, von Fremden etwas geschenkt zu nehmen, er will auch ihr Schamgefühl nicht gleich von Jugend auf abschwächen, er will sie nicht zur allzufrühen Erkenntnis kommen lassen, daß ein Anzug, welchen die Mutter etwa durch dreimonatliches Kargen von ihrer Arbeit nicht hätte kaufen können, auf ein bloßes Gesuch hin geschenkt werden kann, er will nicht, daß das Kind in jemand anderem, als in seinen Eltern, die Quelle seiner Erhaltung sehe, er will auch nicht, daß die Eltern, die vielleicht bessere Zeiten gesehen haben, sich in Gegenwart ihrer Kinder durch Geschenkannahme demütigen müssen. Nebenbei werden auch noch die Kosten erspart, die zunächst mit den Kinderjausen, der Beteilung von Backwerk und dergleichen verursacht werden. Und darum glaubt die Zentralstelle Ihnen auch empfehlen zu dürfen, die öffentliche oder halböffentliche Beteilung von Kindern abzuschaffen, und in möglichst diskreter, das Gefühl der Eltern und Kinder ichonenden Weise diese Ihre so wohltätigen Gaben zukommen zu lassen. — Zum Schluffe möchte ich noch mit einem Worte über die Beschaffung von den zur Beteilung gelangenden Gaben sprechen. Es steht selbstverständlich in dem Belieben jedes Vereines, woher er die zur Beteilung bestimmten Kleider. Schuhe, Mäntel usw. bezieht, es sei mir aber erlaubt, in wenigen Worten darauf hinzuweisen, daß unter der Aegide meines sehr geschätzten Kollegen Heinrich Mendel eine Arbeitsstätte in Wien funktioniert, bei welcher Arbeitswillige und Arbeitsfähige die Unterstützung stets in Form eines Arbeitslohnes empfangen. Der Vorgang bei diesem neugeschaffenen Institute, deffen Mangel wir seit je schwer empfunden haben, besteht darin, daß die einzelnen Wohltäter und Vereine, welche von einem Individuum um eine Unterstützung angegangen werden, nicht so wie früher einen größeren oder kleineren Betrag dem Petenten übergeben, ohne sich weiter darum bekümmern zu können, was er nunmehr beginnt, ob dieses Geld auch wirklich ihm und seiner Familie zu Nutzen kommt, ob er sich damit auch tatsächlich einen Unterhalt begründet, oder ob nach dem Verlassen der nächsten Branntweinschänke der Mann noch elender ist als zuvor. Die Arbeitsstätte verfolgt den in Paris bereits mit Glück durchgeführten Gedanken, daß auch zahlreiche, mehr oder minder arbeitsfähige und arbeitswillige Personen in momentaner Not auf das Mitleid ihrer Mitmenschen angewiesen sind und daß es ihnen vielleicht nur durch eine unglückliche Konstellation der Verhältnisse schwer fällt, Arbeit zu finden. Die der Arbeitsstätte angebörigen Wohltäter werden nun dem Petenten, dem sie vielleicht sonst K 20.— geschenkt hätten, eine Anweisung auf entsprechend viele Arbeitstage, sagen wir fünf oder zehn, an die Arbeitsstätte übergeben und diese weist dem Schützling eine passende Beschäftigung für diese Zeit zu. Ist er nur imstande, für LI.— täglich Arbeit zu leisten, bedarf aber für sich und seiue Familie K2.-, so werden ihm K.2.— täglich ausbezahlt, wovon die eine auf Arbeitskonto, die andere auf Wohltätigkeitskonto entfällt. Indessen wird sich die Arbeitsstätte auch bemühen, seine Arbeitsfähigkeit zu heben, wird sich bemühen, ihn irgendwo unterzubringen, wo er baldigst das sicher verdient, was er erwerben kann, damit der Arme nicht vollständig auf die Wohltätigkeit angewiesen ist. Unterstützen auch Sie diese Arbeitsstätte, machen Sie den Versuch, Ihr Material dort zu beschaffen und Sie werden in doppelter Weise wohltätig sein. Leider ist die segensreiche Tätigkeit der Bekleidungsvereine gar sehr zersplittert, und wenn es auch erfreulich ist, daß sich so viele Leute diesem edlen Ziele widmen, ist es doch immerhin von wirtschaftlichem Nachteil, daß diese kleinen Vereine alle separat ihre Bedürfnisse decken und, ohne sich um andere zu kümmern, ihre Spenden verteilen. Ich mute Ihnen gewiß nicht zu, irgend etwas von der Selbständigkeit Ihrer Vereine zu opfern, aber auch ohne jede Einschränkung derselben wird es Ihnen gewiß gelingen, wenn Sie die Güte haben, meine Ausführungen in Erwägung zu ziehen, die Form zn finden, um die Vorteile gemeinsamen Wirkens für Ihre Vereine zu sichern. Der Wahlspruch unseres erlauchten Monarchen sei auch der unsere: »Viribus unitis«. (Lebhafter Beifall) Hofrat Ofer's?©♦ (&e&uvt$ta$. Aus Anlaß deS 70. Geburtstages des k. k. Hofrates, o. ö. Univerfitätsprofeffors, Vorsitzenden deS n. ö. LandeSfanitätsrateS und Direktors und Primararztes des Spttales der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Leopold O s e r wurde heute um 11 Uhr vormittags in dieser Krankenanstalt, dem Rothschild-Spital, eine würdige Feier begangen, die zahlreichen, Abordnungen und eine unabsehbare Freundesschar des Jubilars vereinigte. Im Vestibüle, dem Schauplatze der großartigen Ovation, war das noch nicht enthüllte Porträt des Jubilars, ein Geschenk des Herrn Albert Rothschild, angebracht. Blattpflanzen und exotische Gewächse umstanden das von Horow itz' Meisterhand geschaffene Bild. Zuerst waren die Mitglieder des Festkomitees, das sich im letzten Sommer gebildet hat, zur Stelle. Ihm gehören die Herren Salo Cohn, Wilhelm K u f f n e r, Emil Horner, Hofrat Profeffor Dr. Otto Zuckerkand!, Primarius Dr. Fleischmann, Profeffor Dr. M a n n a b e r g, Direktor C z i v n y, kais. Rat Doktor Lieben, Dr. K o r a n y, Dozent Dr. Katz und kais. Rat Dr. Fried mann. Später fanden sich die übrigen Festgäste ein, nämlich die Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde und die Mitglieder des Profefforen-Collegiums der medizinischen Fakultät. Dann waren erschienen: Statthalter Graf Kielm a n s e g g. Albert Baron Rothschild mit seinem Sohne Alfons Baron Rothschild, Baron Gustav Springer. Hofrat Profeffor Dr. C h r o b a k, Hofrat Profeffor Dr. Grünhut, Landessanitätsreferent Statthaltereirat Dr. Netolitzky, Chefarzt Sanitätsrat Dr. Merta mit dem Polizeibezirksa^t kais. Rat Dr. Ignaz P o l l a k, Direktor Dr. Z i n n e r. Direktor Dr. L i n d e n t h a l, RegierungSrat Dr. S v e t l i n, Hofrat Profeffor Dr. Pollitzer, Profeffor Dr. Benedikt, Dozent Dr. Khnätz von Eulenthal; dann von der medizinischen Fakultät: Dekan Profeffor Dr. KoliSko, die Hofräte und Professoren Dr. Schauta, Dr. Neusser, Dr. H o ch e n e g g. Dr. O b e r st e i» e r und Dr. Ritter v. R e u ß; die Regierungsräte und Profefforen Dr. Otto Bergmeister und Dr. Julius Mauthner, die Profefforen Dr. Paltauf. Dr. Urbantschitsch, Dr. Karl August H e r z f e l d, Dr. E h r m a n n und Dr. R e d l i ch; von der israelitischen Kultusgemeinde: Präsident Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und den Mitgliedern des Vorstandes Dozent Doktor Breuer, Max Frank und Jakob König, Wilhelm K u f f n e r, kais. Rat Wilhelm Pollak, Hofrat Doktor Rappaport, kais. Rat Leopold Sachs, Adolf Schramek, Bezirksschulrat Dr. M. Spitzer, Samuel Steiner und Baurat Wilhelm S t i a ß n y, dann I. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Emil Adler, die Anstaltsärzte mit dem Primarius Dr. F l e i i ch m a n n, Verwalter Dr. K o r a n y, Verwaltungsbeamter Josef Popper und eine Abteilung Krankenpflegerinnen, dann Hofrat Profeffor Dr. Otto Zuckerkand!, Oberstabsarzt Dr. Pick, die Profefforen Dr. Aa s ch k i s, Dr. Josef Pollak, Dr. S ch n i tz l e r, Dr. Ludwig Mandl, Dr. Hugo A b e l e s, dann Dr. Philipp Fuchs, sowie Dr. G u t t m a n u, beide aus Graz und viele andere Vertreter der medizinischen Kreise, weiters Maler H o r o w i tz, die Schriftsteller Dr. I. S. Bloch, Vinzenz Chiavacci und Gemahlin, Ludwig Klinenberger, KommerzialratW a l l i s ch, Frau Hofrat Doktor Zuckerkandl, Frau Jda Diamant, Finanzier Simon und viele andere. Alle Abteilungsvorstände der Wiener Allgemeinen Poliklinik, die Mitglieder des Landessanitätsrates, eine Deputation der Schlefinger-Todesco-Stiftung. Wenige Minuten vor 11 Uhr erschien der Jur.-Dr. Hofrat Prof. O s e r mit seiner Gemahlin im Spital. Er wurde von den Mitgliedern des Festkomitees Emil Horner und Dozent Dr. K a tz empfangen und nach deH Begrüßung in den Festfaal geleitet. Mit der Ansprache des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern nahm die Feier um 11 Uhr ihren Anfang. Dr. S t e r beglückwünschte Hofrat Oser namens der Gemeinde und ihres Vorstandes und gab eine Geschichte des Spttales, das vor 34 Jahren durch Privatwohltätigkeit von der Gemeinde errichtet wurde. Damals wurde der junge Dozent Dr. Oser zum Leiter gewählt, und die Wahl war glücklich, und heute, nach fast vier Dezennien kann sich die Gemeinde zu ihr noch beglückwünschen. Osers rastlose, opferwillige Tätigkeit sei die Ausgestaltung deS Spttales zu danken, das einen ersten Rang einnimmt. Tausende und Zehntausende Geheilter danken dem edlen humanen ausgezeichneten Leiter. Oser habe anregend gewirkt, ihm sei die durch Spenden ermöglichte Schaffung einer gynäkologischen und chirurgischen Abteilung und durch eine Millionenspende die Wohltat zu danken daß das Spital meist Armen und Bedürftigen dienen kann. Dr. Stern fügte hinzu, daß der Vorstand zum Andenken an Osers segensreiche Wirksamkeit zwei Betten stiftete — eines in der

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