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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 788 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 43 Baseler Programm überlebt, und die gesunden praktischen Anleitungen der Selbstemanzipation Pinskers, des Vorsitzenden der Kattowitzer Konferenz, haben auch gegen die Theorien des Judenstaates des Kongreßvorfitzenden Herzl ihre Geltung erlangt. Ich will hiermtt nicht die hohen Verdienste Herzls schmälern, er strebte ehrlich nach Großem, sehr Großem. In einem meiner Briefe unserer gereizten Korrespondenz schrieb ich ihm: In magnis et voluisse sat est. Sein Ignorieren, sein absichtliches Verschweigen der Kattowitzer Konferenz und seiner würdigen Teilnehmer einerseits und der Eklat und das aufschenerregende Auftreten des Kongreffes drohte Vergessenheit jener ersten Versammlung und ihrer wohlklingende Namen führenden Teilnehmer, die schon ftüher Ersprießliches auf dem Gebiete des Judentums geleistet. So Zederbaum, Gordon, Mohilower, Dr. Jak. Rabinowicz, S. P. Mabinowicz, (Schefer) Dr. Chazanowicz, ferner Louis Kalischer, M. Moses, Wysozki, Dr. Pinsker, endlich Jasiniowski (jetzt Territorialist). Dieser und Schefer find noch am Leben, die andern sind heimgegangen. Es dürften daher nur wenige der Teilnehmer der Konferenz dem Rufe Wieners zur Jubiläumsfeier folgen. Diese Gruppe sowie der größte Teil der übrigen Teilnehmer bestand aus jüdischen Männern, die, nicht bloß von jüdischen Eltern gezeugt, nicht nötig hatten, erst Juden zu werden, um der Anfiedlung auf dem heiligen Boden reif und würdig zu sein. Sie waren auf jüdisch-geistigem Boden exogen, haben sich jüdisches Denken von Kindheit an angewöhnt und mü jüdischnationaler Anschauung identifiziert. Heimisch auf dem Gebiete des Judentums, Heroen jüdischen Wiffeus, Kenner der nationalen Literatur und Geschichte, wußten sie am besten, was den Juden der Gegenwart nottut. Sklaven moskowitischer Zwangherrschaft, standen sie in ihrem Seelenadel himmelhoch über ihre Zwangherren. Auf ihren Gesichtern lagerte sich tiefer Ernst und ein melancholischer Zug, in dem sich die Bitterniffe der russischen Gola kundgaben. Sie strebten nicht nach Herrschaft, dem Sklaven ziemt in erster Linie das Streben nach Freiheit und der Genuß vom Menschenrechte, gleich allen fteigeborenen Menschen, wie es unsere heilige Schrift lehrt. Dr. K. Lippe Ehrenpräsident der rum.-zion. Föderation. „Sie sind ja ein Judd". In einem „Aus der Frühzeit Berthold Auerbachs" betitelten Feuilleton wird in der „Frankst. Ztg." eine kleine Anekdote erzählt, die einem verschollenen Aufsatz Auerbachs entnommen ist. Er veröffentlichte in der Zeitschrift „Der Freihafen" eine interessante Skizze über „Die Juden in Nassau", (wieder abgedruckt in der Zeitschrift „Der Israelit des 19. Jahrhunderts", 1849). Der Aufsatz beklagt die Zurückgebliebenheit der naffauischen jüdischen Gemeinden und bedauert lebhaft die allgemein herrschende Abneigung gegen die Juden. Um diese Abneigung zu charakterisieren, erzählt der Schriftsteller folgende niedliche Anekdote: „Die Tochter meines Nachbars sagte mir ganz artig: „Ei, ich Hab' ja gehört, Sie sind ja kein Herr, Sie find ja ein Judd!" Jud" und Preuß. Wir lesen in der „Kreuzzeitung" : „Das Bayerische Vaterland", das bekanntlich die Hetze gegen Preußen als Spezialttät treibt, macht wieder einmal von sich reden. Es benutzte bezeichnenderweise gerade die Tage, an denen der Kaiser in München von dem herbeigeströmten bayerischen Volke mit Begeisterung begrüßt wurde, zu einem seiner giftigsten Ausfälle unter dem Titel „Jud' und Preuß". Darin wird zuerst in äußerst geschmackloser Art erzählt, wie Gott den Preußen aus d-m Modell eines Juden zurechtgemacht habe, um zu zeigen, „wie ein z'widerner Kerl aussieht". Dann wird ausgeführt, daß der „Preuß" in moralischer Beziehung sehr viele Aehnlichkeiten mit den Juden aufweise, z. B. in der Beziehung, daß er immer wieder komme, auch wenn er genau gemerkt habe, daß man ihn nicht haben wolle. Der Artikel enthält ferner folgende Stellen: „Ebenso wie der Jude ist auch der Preuße immer auf den Profit aus. Während aber der Jude im allgemeinen nur den Rebbach, der ihm Geld oder Geldeswert einbringt, sehnsüchtig wünscht, steckt ihn der Preuße in jeder Form ein. Er wendet z. B. alle möglichen Schliche an, um Einladungen zum Essen, zu Spazierfahrten, zu Ausflügen, bei denen er natürlich freigehalten wird, zu ergattern. Wenn er so etwas will, dann ist er für den ruhigen Beobachter ein köstliches Objekt, weil er in diesem Falle von der spezifisch preußischen Liebenswürdigkeit, die dem vernünftigen Süddeutschen so läppisch und ekelhaft süß vorkommt, nur so trieft." . . . . „ Der Preuße sieht auf andere Nationen von oben herab. Nur er ist nach seiner Auffassung der Mensch in höchster Vollendung. Er besitzt wenigstens in seiner Phantasie die größte Quantität von Mut, Pflichttreue, Intelligenz, Fleiß und Patriotismus. Und weil er sich das einbildet, glaubt er das Recht zum Kommandieren zu haben, und sieht sich in dem Mittelpunkt der Welt. Er hält sich — um ein militärisches Bild zu gebrauchen — für den Feldmarschall der Menschheit, während er in Wirklichkeit nur der Feldwebel der Menschheit ist." . . „ Der in Bayern so beliebte Ausdruck „ Juden und Preußen mag i net!" hat also große Berechtigung. Wir geben zu, daß unter den Preußen ebenso wie unter den Juden manchmal recht nette Leute zu finden find, aber sie sind Ausnahmen. Und diese Ausnahmen bestätigen bekanntlich nur die Regel." Es schadet der „Kreuzzeitung" gar nichts, wenn sie auch einmal merkt, wie es tut, wenn man Ambos ist. Auch eine Analogie. Wie die deutsch-evangelische Wochenschrift „Die Wartburg" mitteilt, bewarb sich kürzlich ein junger, evangelisch geborener Professor um eine Stelle am Gymnasium in Oberhollabrunn, wurde aber von dem betreffenden Direktor mit der Begründung abgewiesen, als Evangelischer könne er an einem Gymnasium, das zumeist Jesuiten zu seinen Lehrern zähle, nicht angestellt werden. Als er darauf hinwies, daß in Teplitz am Gymnasium doch auch zwei Juden als Lehrer angestellt seien, wurde ihm die Antwort zuteil, das sei auch etwas anderes, das sei nicht so schlimm! — Am Ende wird die „Deutsche Volkswacht" noch den Nachweis führen, daß jüdische Bewerber um Lehrstellen an staatlichen Mittelschulen unbedingten Vorzug genießen. Diejüdische(?) Abstammung des Nordpol-Entdeckers Als Dr. Cook durch die ersten Berichte über seine Nordpol- Entdeckung über Nacht zu einer Weltberühmtheit geworden ist, haben amerikanische AbstanlmungSforscher flugs entdeckt, daß Cook, alias Kock, einer jüdischen Familie aus Frankfurt a. M. entstamme. Die jüdischen Blätter aller Länder beeilten sich, diese Mitteilung wiederzugeben und als viele Gelehrte bald darauf die Angaben Cooks bezweifeln zu müssen glaubten, sprachen sogar einige antisemitische Blätter von jüdischer Aufschneiderei und Sensationslust. Wir haben von diesem Gerede bisher keine Notiz genommen. Nun aber berichtet der New-Iorker Korrespondent der „Frkf. Ztg." über ein übrigens ganz ergebnisloses Interview mit dem Nordpolentdecker, in welchem auch der Abstammungspunkt berührt wurde: „Ein eigentümliches Interview. Als ich ins Zimmer trat, sprang Dr. Cook, der auf einem mit Stößen von Briefen umgebenen Sessel sab, auf und ging — in die äußerste Ecke des Zimmers. Sein Sekretär, Herr Lonsdale, trat schnell auf mich zu und meinte vorbeugend: „Nodpolfragen kann der Herr Doktor gegenwärtig nicht beantworten." Vielleicht kann man ihn doch noch dazu bringen, dachte ich und sagte dann: „Es sind verschiedene Versionen über Dr. Cooks Ahstammung im Umlauf — war sein Vater oder sein Großvater ein Deutscher, nnd woher stammt die Familie?" „Der Herr Doktor möchte darüber gar nichts sagen," war die Antwort. Ich wiederholte die Attacke: „War sein Vater ein Deutscher?" „J-a." „Spricht der Herr Doktor Deutsch?" Dr. Cook zog sich noch etwas weiter zurück. „Nein — aber in solchen Sachen möchte der Herr Doktor wirklich nichts sagen", meinte der Sekretär wieder. Das Interview, bei dem der Interviewte kein Wort sagte, war jetzt logischerweise zu Ende. Eine Verbeugung gegen die mittelgroße

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